Anlagendeckungsgrad 2 – Definition & Berechnung
Der Anlagedeckungsgrad 2 (ADG II), auch „Silberne Bilanzregel“ oder „Deckungsgrad B“, setzt das langfristig verfügbare Kapital ins Verhältnis zum Anlagevermögen. Die Kennzahl zeigt, inwieweit langfristig gebundene Vermögenswerte durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital finanziert sind. Investoren und Unternehmen nutzen sie vor allem zur Analyse der horizontalen Bilanzstruktur und möglicher Fristenrisiken.
🔴Live-Webinar am 17.08.2026 um 18:30 Uhr
Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren
Teilnehmer
🔴Live-Webinar
am 17.08.2026 um 18:30 Uhr
Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren
Teilnehmer
Anlagendeckungsgrad 2 – Definition
Der Anlagedeckungsgrad 2 zeigt, in welchem Maß das Anlagevermögen durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital finanziert ist. Kern der Kennzahl ist die Übereinstimmung von langfristig gebundenem Vermögen und ebenso langfristig verfügbarem Kapital.
Silberne Bilanzregel
Der Anlagedeckungsgrad II (ADG II) operationalisiert das Prinzip der Fristenkongruenz. Danach sollen langfristig gebundene Vermögenswerte grundsätzlich durch Kapital finanziert werden, das dem Unternehmen ebenfalls langfristig zur Verfügung steht.
Ein ADG II von mindestens 100 % gilt dabei als traditionelle bilanzanalytische Orientierungsgröße. Die sogenannte Silberne Bilanzregel ist formal erfüllt, wenn Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital zusammen mindestens dem bilanzierten Anlagevermögen entsprechen.
Anlagendeckungsgrad 2 – Formel und Berechnung
Der Anlagedeckungsgrad 2 ergibt sich aus dem Verhältnis von Eigenkapital plus langfristigem Fremdkapital zum Anlagevermögen. Er kann als Prozent- oder Dezimalwert dargestellt werden.
Die Formel lautet wie folgt:
Einzelabschluss oder Konzernabschluss?
Zähler und Nenner müssen aus demselben Abschluss stammen. Das Anlagevermögen eines Konzernabschlusses darf beispielsweise nicht mit dem Eigenkapital oder den Schulden eines Einzelabschlusses kombiniert werden.
Für die Analyse eines gesamten Konzerns ist grundsätzlich der konsolidierte Abschluss geeigneter, weil konzerninterne Forderungen, Verbindlichkeiten und Beteiligungsbuchwerte dort bereinigt werden. Bei der Analyse einer einzelnen rechtlichen Gesellschaft ist dagegen deren Einzelabschluss maßgeblich.
Bilanzpositionen in der Praxis zuordnen
Die Berechnung des Anlagendeckungsgrads 2 ist nur dann aussagekräftig, wenn Anlagevermögen, Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital nach einer einheitlichen Methode abgegrenzt werden. Je nach Rechnungslegungsstandard stehen die benötigten Werte unmittelbar in der Bilanz oder müssen mithilfe des Anhangs aufgeteilt werden.
| Komponente | HGB-Abschluss | IFRS-Abschluss |
|---|---|---|
| Anlagevermögen | Grundsätzlich der Bilanzposten „A. Anlagevermögen“ mit immateriellen Vermögensgegenständen, Sachanlagen und Finanzanlagen. | Die entsprechenden langfristig genutzten Vermögenswerte müssen aus den einzelnen Bilanzpositionen zusammengestellt werden. Dazu können beispielsweise immaterielle Vermögenswerte, Sachanlagen, Nutzungsrechte, als Finanzinvestition gehaltene Immobilien und langfristige Finanzanlagen gehören. |
| Eigenkapital | Der ausgewiesene Eigenkapitalbetrag einschließlich Kapital- und Gewinnrücklagen sowie Jahresergebnis, soweit dieses bereits im Eigenkapital enthalten ist. | Das ausgewiesene Eigenkapital. Bei Konzernabschlüssen ist festzulegen, ob nicht beherrschende Anteile einbezogen werden. Die gewählte Methode muss über alle Vergleichsperioden hinweg beibehalten werden. |
| Langfristige Rückstellungen | Nur der langfristige Anteil, beispielsweise aus langfristigen Pensions- oder sonstigen Verpflichtungen. Die erforderlichen Restlaufzeitinformationen können sich aus Bilanzvermerken oder dem Anhang ergeben. | Die als langfristig beziehungsweise „non-current“ ausgewiesenen Rückstellungen. |
| Langfristige Verbindlichkeiten | Nur die Anteile von Anleihen, Bankdarlehen und sonstigen Verbindlichkeiten, die nach der verwendeten Abgrenzung langfristig verfügbar sind. | Die langfristigen Anteile von Finanzverbindlichkeiten, Anleihen, Darlehen und sonstigen Verbindlichkeiten. |
| Leasingverbindlichkeiten | Einbeziehung, soweit sie bilanziert und nach der gewählten Methodik als langfristiges Fremdkapital eingestuft werden. | Der langfristige Anteil der Leasingverbindlichkeiten wird regelmäßig dem langfristigen Fremdkapital zugerechnet. Das zugehörige Nutzungsrecht ist entsprechend im Anlagevermögen zu berücksichtigen. |
Bei hybriden Finanzierungen wie Nachrangdarlehen, Genussrechten oder wandelbaren Instrumenten ist zu prüfen, ob sie wirtschaftlich eher Eigen- oder Fremdkapital darstellen. Für Zeit- und Unternehmensvergleiche ist weniger eine bestimmte Einzelmethode als deren transparente und konsistente Anwendung entscheidend.
Herkunft der Daten – Bilanz
Die Berechnung des Anlagedeckungsgrades 2 stützt sich auf Bilanzpositionen. Kapitalgesellschaften müssen zum Geschäftsjahresende eine Bilanz erstellen. Börsennotierte Unternehmen veröffentlichen zudem oft Quartals- oder Halbjahresabschlüsse.
- Benötigt werden die Posten Anlagevermögen, Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital.
- Zum langfristigen Fremdkapital werden typischerweise die langfristigen Anteile der Rückstellungen und Verbindlichkeiten gerechnet. Bei einer externen Analyse können dafür neben der Bilanz insbesondere die Angaben im Anhang erforderlich sein.
Positionen des Anlagevermögens
Das Anlagevermögen umfasst Vermögenswerte, die dazu bestimmt sind, dem Geschäftsbetrieb dauerhaft zu dienen. Dazu gehören Sachanlagen wie Grundstücke, Gebäude und Maschinen, immaterielle Vermögenswerte wie Software, Markenrechte oder Patente sowie Finanzanlagen.
Nicht sämtliche Positionen des Anlagevermögens werden planmäßig abgeschrieben. Grundstücke haben beispielsweise regelmäßig keine begrenzte Nutzungsdauer. Auch bei Finanzanlagen gelten andere Bewertungsregeln als bei abnutzbaren Sachanlagen.
Interpretation des Anlagendeckungsgrades 2
Grundsätzlich können Investoren den Anlagendeckungsgrad 2 sowohl im Zeitverlauf als auch im Vergleich mit Unternehmen derselben Branche und Rechnungslegungsbasis bewerten. Eine vereinfachte Interpretation lautet:
- Über 100 %: Das langfristige Kapital übersteigt das bilanzierte Anlagevermögen. Rechnerisch wird damit auch ein Teil des Umlaufvermögens langfristig finanziert. Die Ursache des hohen Wertes sollte dennoch geprüft werden.
- Genau 100 %: Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital entsprechen dem bilanzierten Anlagevermögen. Die Silberne Bilanzregel ist damit formal erfüllt.
- Unter 100 %: Ein Teil des Anlagevermögens ist rechnerisch durch kurzfristiges Kapital finanziert. Dadurch kann ein Fristen- und Refinanzierungsrisiko entstehen, wenn kurzfristige Verpflichtungen fällig werden, bevor aus dem finanzierten Vermögen ausreichende Rückflüsse erzielt oder neue Finanzierungsmittel aufgenommen werden können.
Beispiel: Lieferantenkredite als Risiko
Lieferantenverbindlichkeiten gehören regelmäßig zum kurzfristigen Fremdkapital. Werden damit dauerhaft Maschinen, Gebäude oder andere langfristig gebundene Vermögenswerte finanziert, entsteht ein Fristenmissverhältnis.
Das Unternehmen ist dann darauf angewiesen, fällige Rechnungen aus laufenden Einzahlungen zu begleichen, neue Zahlungsziele zu erhalten oder andere Finanzierungsmittel zu beschaffen. Verschlechtern sich Zahlungsziele, operative Cashflows oder Refinanzierungsmöglichkeiten, kann dies zu Zahlungsstockungen führen.
Beurteilung der Kennzahl im Zeitverlauf
Neben der isolierten Betrachtung des Anlagendeckungsgrades 2 ist vor allem seine Entwicklung im Zeitverlauf aussagekräftig. Üblich sind Analysen auf Quartals- oder Jahresbasis, ergänzt durch Tabellen oder Diagramme.
Eine Zeitreihenanalyse zeigt langfristige Trends und Entwicklungen: die Kennzahl kann steigen, sinken oder konstant bleiben.
Steigender Anlagendeckungsgrad 2
Ein Anstieg des Anlagendeckungsgrads 2 kann verschiedene Ursachen haben:
- Sinkendes Anlagevermögen
- Positiv: Veräußerung nicht benötigter oder ineffizient genutzter Anlagegüter.
- Negativ: Notverkäufe, die die Ertragskraft schwächen.
- Steigendes Kapital (Eigen- oder Fremdkapital)
- Eigenkapital: Eine Kapitalerhöhung verbessert den Anlagendeckungsgrad, ist wirtschaftlich aber gesondert zu bewerten. Relevant sind unter anderem der tatsächliche Kapitalbedarf, der Ausgabepreis, mögliche Verwässerungseffekte, die geplante Mittelverwendung und die erwartete Rendite der finanzierten Maßnahmen.
- Fremdkapital: Neue Kredite oder Anleihen erhöhen das langfristige Kapital und können die Fristenstruktur verbessern. Gleichzeitig steigen regelmäßig Zins- und Tilgungsverpflichtungen. Ob sich dadurch die Bonität verschlechtert, hängt insbesondere von Verschuldungsgrad, Kapitaldienstfähigkeit, Konditionen und Mittelverwendung ab.
Sinkender Anlagendeckungsgrad 2
Sinkende Werte gelten oft als Warnsignal, müssen aber differenziert betrachtet werden. Ursachen können ein Anstieg des Anlagevermögens oder eine Senkung des langfristigen Kapitals sein – mit jeweils positiven wie negativen Implikationen.
- Anstieg des Anlagevermögens
- Kurzfristige Wirkung: Der Erwerb von Sachanlagen führt regelmäßig zu einem Zahlungsmittelabfluss im Investing Cash Flow. In der Bilanz wird die Investition grundsätzlich als Vermögenswert erfasst und erst über Abschreibungen beziehungsweise mögliche Wertminderungen erfolgswirksam.
- Negativ: Erzielt die Investition dauerhaft nicht die erwarteten Cashflows oder Erträge, kann sie die finanzielle Flexibilität und Rentabilität des Unternehmens belasten.
- Positiv: Wirtschaftlich erfolgreiche Investitionen können Kapazitäten erweitern, Prozesse verbessern und langfristig zusätzliche Cashflows und Erträge erwirtschaften.
- Senkung des Kapitals
- Möglicher Grund: Häufig durch Rückzahlungen langfristiger Schulden verursacht. Dies reduziert Zinslasten, verringert jedoch gleichzeitig das verfügbare Kapital.
- Negativ: Wenn rentable Investitionschancen bestehen, bedeutet Kapitalabbau eine verpasste Wachstumschance.
- Positiv: Besteht überschüssige Liquidität, ist der Schuldenabbau ein sinnvoller Schritt zur Stärkung der Bilanz.
Konstanter Anlagendeckungsgrad 2
Verändert sich der Anlagendeckungsgrad 2 kaum, können Kapital und Anlagevermögen unverändert geblieben oder in einem ähnlichen Verhältnis gestiegen beziehungsweise gesunken sein. Ein konstanter Quotient bedeutet daher nicht zwangsläufig, dass auch die zugrunde liegende Finanzierungsstruktur unverändert ist. Für die Beurteilung sind weitere Analysen erforderlich. Das gilt auch, wenn die Kennzahl über 100 % liegt.
Anlagendeckungsgrad 2 und Working Capital
Der Anlagendeckungsgrad 2 steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Working Capital. Nach der klassischen Definition ergibt sich das Netto-Umlaufvermögen aus dem Umlaufvermögen abzüglich des kurzfristigen Fremdkapitals:
Aus der Bilanzgleichung lässt sich bei konsistenter Abgrenzung außerdem folgende Beziehung ableiten:
Damit ergänzen sich beide Kennzahlen:
- ADG II über 100 %: Das langfristige Kapital übersteigt das Anlagevermögen. Rechnerisch besteht ein positives Working Capital, da ein Teil des Umlaufvermögens langfristig finanziert ist.
- ADG II von 100 %: Langfristiges Kapital und Anlagevermögen entsprechen einander. Das Working Capital beträgt bei der vereinfachten Betrachtung null.
- ADG II unter 100 %: Ein Teil des Anlagevermögens wird kurzfristig finanziert. Rechnerisch ergibt sich ein negatives Working Capital.
Anlagendeckungsgrad 2 – Mögliche Nachteile
Neben den bereits aufgezeigten Analysemöglichkeiten gibt es spezifische Schwächen und Nachteile bei der Verwendung des Anlagendeckungsgrades 2.
Statische Kennzahl
Der Anlagendeckungsgrad 2 ist bilanzbezogen und damit statisch: Er zeigt nur die Situation am Bilanzstichtag. Veränderungen nach diesem Zeitpunkt – etwa im Anlagevermögen – werden erst in der nächsten Bilanz sichtbar.
Unterschiedliche Bilanzierungsvorschriften
Die Höhe des Anlagedeckungsgrades 2 kann durch unterschiedliche Rechnungslegungsnormen beeinflusst werden.
- IFRS: Für einzelne Vermögens- und Schuldengruppen gelten jeweils spezifische Standards. Bei Sachanlagen erlaubt IAS 16 beispielsweise grundsätzlich die Wahl zwischen dem Anschaffungskostenmodell und dem Neubewertungsmodell. Eine generelle Fair-Value-Bewertung des gesamten Anlagevermögens ist damit nicht verbunden.
- HGB: Das HGB ist stärker durch Gläubigerschutz und Vorsichtsprinzip geprägt. Wertsteigerungen oberhalb der maßgeblichen Anschaffungs- oder Herstellungskosten werden vielfach nicht erfasst, sodass stille Reserven entstehen können.
Vergleiche zwischen Unternehmen mit unterschiedlichen Rechnungslegungsnormen sind daher erschwert. Sie können dennoch sinnvoll sein, wenn wesentliche Ansatz-, Bewertungs- und Klassifikationsunterschiede bekannt sind und bei Bedarf analytisch bereinigt werden.
Fristigkeit
Die Kennzahl berücksichtigt weder die Laufzeiten des langfristigen Fremdkapitals noch geplante Investitionen. Ein Wert von 120 % wirkt positiv, kann aber zu niedrig sein, wenn kurzfristig hohe Anlageinvestitionen anstehen oder langfristiges Fremdkapital bald abgebaut wird.
Branchenvergleich
Zwischen Branchen unterscheiden sich Anlagendeckungsgrade teils erheblich. Produktionsunternehmen benötigen typischerweise deutlich mehr Anlagevermögen als Handelsunternehmen. Ein direkter Vergleich ist daher nur innerhalb derselben Branche sinnvoll.
Kapitalstruktur
Der Anlagendeckungsgrad 2 zeigt nicht, in welchem Verhältnis Eigen- und Fremdkapital zum langfristigen Kapital beitragen. Zwei Unternehmen können daher denselben Anlagendeckungsgrad aufweisen, obwohl sich Verschuldung, Zinsbelastung und Risikoprofil deutlich unterscheiden.
- Ein höherer Eigenkapitalanteil reduziert regelmäßig das finanzielle Risiko und erhöht die Verlusttragfähigkeit.
- Ein höherer Fremdkapitalanteil kann die Eigenkapitalrendite steigern, wenn die mit dem Kapital erzielte Rendite über den Fremdkapitalkosten liegt. Gleichzeitig nehmen Zins-, Tilgungs- und Refinanzierungsrisiken zu.
Buch- vs. Nutzungswerte
Die Kennzahl basiert auf Buchwerten, die durch Abschreibungen sinken. In der Praxis nutzen Unternehmen jedoch oft bereits abgeschriebenes Anlagevermögen weiter. Dadurch erscheint der Wert bilanziell zu niedrig, obwohl noch Nutzungspotenzial vorhanden ist. Gleichzeitig steigen mit zunehmendem Alter die Instandhaltungskosten und das Risiko unerwarteter Ersatzinvestitionen. Für eine realistischere Beurteilung empfiehlt sich ein Blick in den Anlagespiegel, insbesondere bei älterem Anlagevermögen.
Anlagendeckungsgrad 2 im Praxisbeispiel
Im Rahmen der Unternehmensbewertung führt ein Investor eine Bilanzanalyse für die Plüsch AG durch. Unter anderem möchte er den Anlagendeckungsgrad 2 des Spielzeugherstellers ermitteln.
Ziel ist es, die Bilanzstabilität und die Finanzierungsstruktur des Unternehmens zu beurteilen. Grundlage für die Analyse ist die letzte veröffentlichte Unternehmensbilanz. Zum Zweck der besseren Übersicht wird diese hier nur vereinfacht dargestellt.
| Aktiva – Position | Betrag in TEUR | Passiva – Position | Betrag in TEUR |
|---|---|---|---|
| Anlagevermögen | Eigenkapital | ||
| – Gebäude | 30.000 | – Gezeichnetes Kap. | 5.000 |
| – Maschinen | 25.000 | – Gewinnrücklagen | 17.000 |
| – Sonstiges | 2.500 | ||
| Umlaufvermögen | 34.000 | Fremdkapital | |
| – Langfr. Rückstellungen | 12.000 | ||
| – Langfr. Verbindlichkeiten | 37.500 | ||
| – Kurzfr. Verbindlichkeiten | 20.000 | ||
| Summe Aktiva | Summe Passiva | 91.500 | |
Anhand der vorliegenden Daten ergibt sich folgende Berechnungsformel:
Anlagendeckungsgrad 2 Quiz
Häufige Fragen
Was ist die Silberne Bilanzregel?
Die Silberne Bilanzregel (auch Anlagendeckungsgrad 2) besagt, dass das Anlagevermögen mindestens durch Eigenkapital und langfristiges Fremdkapital gedeckt sein sollte. Damit ist die goldene Bilanzregel im weiteren Sinne erfüllt. Strenger gefasst wäre die Regel jedoch erst dann vollständig eingehalten, wenn bereits das Eigenkapital allein zur Finanzierung des Anlagevermögens ausreicht.
Welche Sonderfälle gibt es bei der Berechnung des Anlagendeckungsgrades 2?
Negatives Eigenkapital
Ist das Eigenkapital durch aufgelaufene Verluste negativ, wird grundsätzlich der tatsächlich ausgewiesene negative Betrag in die Berechnung übernommen. Der Anlagendeckungsgrad kann dadurch sehr niedrig oder – wenn das negative Eigenkapital das langfristige Fremdkapital übersteigt – negativ werden.
Ein solcher Wert lässt sich nicht mehr wie ein gewöhnlicher positiver Deckungsgrad interpretieren. Er weist vor allem darauf hin, dass die Finanzierung und Verlusttragfähigkeit des Unternehmens gesondert untersucht werden müssen. Negatives bilanzielles Eigenkapital ist jedoch nicht automatisch mit Zahlungsunfähigkeit oder insolvenzrechtlicher Überschuldung gleichzusetzen.
Kein Anlagevermögen
Beträgt das Anlagevermögen null, ist der Anlagendeckungsgrad wegen der Division durch null nicht berechenbar. Bei einem lediglich sehr kleinen Anlagevermögen können bereits geringe Veränderungen des Zählers zu extrem hohen und wenig aussagekräftigen Werten führen. Dies kann insbesondere bei anlagearmen oder rein projektbezogenen Geschäftsmodellen auftreten.
Fehlende Restlaufzeitangaben
Sind die langfristigen Anteile von Rückstellungen und Verbindlichkeiten nicht ausreichend offengelegt, sollte nicht das gesamte Fremdkapital in den Zähler übernommen werden. Möglich sind stattdessen eine vorsichtige Berechnung nur mit eindeutig langfristigen Positionen, eine Bandbreitenrechnung oder der ausdrückliche Hinweis, dass die Kennzahl mangels Daten nur geschätzt werden konnte.
Negativer Zähler
Übersteigt ein negatives Eigenkapital das langfristige Fremdkapital, wird auch der Zähler negativ. Die Quote stellt dann keine normale Anlagendeckung mehr dar. Vorrangig zu prüfen sind in diesem Fall Eigenkapitalentwicklung, Fälligkeiten, operative Cashflows und mögliche Sanierungsmaßnahmen.
Was ist der Unterschied zwischen den Anlagendeckungsgraden 1, 2 und 3?
Der Anlagendeckungsgrad 1 ist die strengste Variante, da er das Eigenkapital ausschließlich dem Anlagevermögen gegenüberstellt. Eine Quote von 100 % würde eine vollständige Eigenkapitalfinanzierung des Anlagevermögens bedeuten, weshalb diese Kennzahl als „Goldene Bilanzregel“ gilt.
In der Praxis wird sie jedoch nur selten erreicht, weshalb der Wert meist niedriger ausfällt als beim Anlagendeckungsgrad 2. Dieser baut auf dem ersten Deckungsgrad auf, berücksichtigt jedoch zusätzlich langfristiges Fremdkapital mit einer Laufzeit von mindestens einem Jahr. Dadurch wird die Finanzierungsregel weniger strikt, und eine Quote von 100 % (bekannt als „Silberne Bilanzregel“) ist leichter erreichbar.
Der Anlagendeckungsgrad 3 erweitert den Betrachtungsrahmen, indem er neben dem Anlagevermögen auch unverzichtbare Mindestbestände des Umlaufvermögens (sogenannte eiserne Reserven) einbezieht. Da diese Bestände als dauerhaft gebunden gelten, sinkt die Kennzahl im Vergleich zu den Deckungsgraden 1 und 2.
Da Informationen über Mindestbestände jedoch meist nur intern vorliegen, bleibt der Anlagedeckungsgrad 3 für externe Investoren schwer einschätzbar und wird in der Unternehmensbewertung daher nur selten verwendet.
Warum wurde der Anlagendeckungsgrad 2 eingeführt?
Der Anlagendeckungsgrad II wurde eingeführt, um die Fristenkongruenz zwischen Vermögen und Kapital sicherzustellen: Langfristige Vermögensgegenstände sollen mit langfristigem Kapital finanziert werden.
Ziel ist, Refinanzierungs- und Liquiditätsrisiken zu vermeiden und so die Zahlungsfähigkeit und Stabilität des Unternehmens zu stärken. Ein Wert ≥ 100 % gilt als sachgerecht.
Ein Beispiel: Eine Maschine kostet 100.000 Euro und wird bei linearer Abschreibung über zehn Jahre mit jährlich 10.000 Euro abgeschrieben. Die Abschreibung verteilt den bilanziellen Werteverzehr auf die Nutzungsdauer, führt aber nicht zu einem entsprechenden Zahlungsmittelbestand oder einer zweckgebundenen Rücklage.
Wird das zur Finanzierung eingesetzte Kapital deutlich früher fällig, als sich die Investition wirtschaftlich amortisiert, kann ein Refinanzierungsrisiko entstehen. Zweckmäßig ist deshalb eine Finanzierungsstruktur, deren Laufzeiten und Tilgungsprofil zur voraussichtlichen Kapitalbindung und zu den erwarteten Rückflüssen der Investition passen. Eine vollständige Übereinstimmung mit der bilanziellen oder technischen Nutzungsdauer ist dabei nicht in jedem Fall erforderlich.
Weitere Liquiditätskennzahlen
Neben dem Anlagendeckungsgrad 2 können auch die folgenden Kennzahlen zur Auswertung der Liquiditätssituation eines Unternehmens herangezogen werden:
- Cash Ratio (Liquidität 1. Grades)
- Quick Ratio (Liquidität 2. Grades)
- Anlagendeckungsgrad 1 (Goldene Bilanzregel)
- Current Ratio (Liquidität 3. Grades)
- Working Capital
🔴 Kostenloses Live-Webinar: Optionshandel lernen und Zusatzeinkommen generieren
Lerne in unserem Live-Webinar am 17.08.2026 um 18:30 Uhr, wie du mit dem Optionshandel ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust. Lerne, gute von schlechten Aktien zu unterscheiden und erkenne zuverlässig überteuerte Aktienkurse. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Klicke hier, um dich für das Webinar anzumelden.



