Aktien bei Inflation: Lohnt sich das? [2022]

Autorin: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Inflation, auch bekannt als “Preissteigerungsrate” oder “Teuerungsrate”, misst die Preisentwicklung innerhalb einer Region über einen gewissen Zeitraum (z.B. ein Jahr). Der Anstieg der Preise wird sowohl in der Gesellschaft als auch an der Börse genau beobachtet. Was Inflation genauer bedeutet und ob Aktien einen Schutz vor steigenden Preisen bieten, wird in diesem Artikel genauer erklärt.

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Was ist Inflation?

Eine Inflation gibt den prozentualen Anstieg des Preisniveaus zwischen zwei Zeitpunkten an. Sie wird mithilfe des Verbraucherpreisindex (englisch: Consumer Price Index) gemessen. Ein stabiles Preisniveau, d.h. eine Inflationsrate von nahe 2%, wird von vielen großen Zentralbanken (z.B. Europäische Zentralbank, Federal Reserve System) angestrebt. 

Grundsätzlich können stabile Preise das nachhaltige Wirtschaftswachstum (gemessen am Bruttoinlandsprodukt) und die soziale Gerechtigkeit eines Landes fördern, indem sie privaten Haushalten und Unternehmen Planungssicherheit verschaffen und den realen Wert der Einkommen sowie der Ersparnisse sichern. Darüber hinaus kann sie eine hohe Beschäftigung in der Bevölkerung begünstigen, wodurch letztlich auch Unternehmen und Aktien profitieren.

Von einer moderaten Inflation (häufig quantifiziert in einer Höhe von etwa 2%) bzw. Preisstabilität bezieht letztlich jeder einen Nutzen.

Auswirkungen einer hohen Inflation

In der Vergangenheit hat sich gezeigt (z.B. in den 1970er Jahren), dass eine Inflationsrate von deutlich über 2% für Wachstum sowie Beschäftigung und schließlich für den Wohlstand schädlich sein kann.

Der zentrale Grund: Eine erhöhte Inflation verschlechtert die Rahmenbedingungen für Investitionen. Keiner weiß, wie viel das Geld in Zukunft wert sein wird. Das wirtschaftliche Handeln wird auf heute vorgezogen, während zukunftsträchtige Investitionen (z.B. in den technologischen Fortschritt) aufgeschoben werden. 

Zudem führen ansteigende Preise zu einem Kaufkraftverlust des Geldes. Es folgt eine Entwertung von Ersparnissen, die beispielsweise für die Altersvorsorge vorgesehen sind. Allerdings kann diese Gefahr im Rahmen einer Aktienrente unterbunden werden. Stärker betroffen von einer Inflation sind Personen mit festem Einkommen (z.B. Gehalt, Rente, Sozialleistungen), sodass Ungleichheiten in der Gesellschaft verschärft werden könnten.  

Außerdem kann eine (erwartete) steigende Inflation eine Welle von Preiserhöhungen nach sich ziehen: Wenn Verbraucher erwarten, dass Preise allmählich steigen, kaufen sie kurzfristig tendenziell mehr ein. Dies führt zu einer wachsenden gesamtwirtschaftlichen Nachfrage, sodass Unternehmen ihre Preise erhöhen und tendenziell ihre Produktion ausweiten sowie mehr Arbeitskräfte einstellen. Dies führt zu einem zusätzlichen Einkommen, das die Nachfrage nach Gütern und Dienstleistungen weiter antreibt und die Preise wiederum steigen lässt.

In der Volkswirtschaftslehre wird gemäß den Monetaristen Inflation in der langen Frist als monetäres Phänomen beschrieben, d.h. der Anstieg der Geldmenge verläuft schneller als die Produktion von Gütern und Dienstleistungen.

Milton Friedman, ein US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler, sagte 1963 zu den Ursachen einer Inflation: “Inflation is always and everywhere a monetary phenomenon.” (auf Deutsch: “Inflation ist immer und überall ein monetäres Phänomen.“)

Aktien als Inflationsschutz?

Aktien stellen eine Beteiligung am Unternehmen dar und gelten als Sachwerte. Im Fall einer ansteigenden Inflation können Unternehmen grundsätzlich ihre Preise erhöhen, womit höhere Umsätze und ggf. auch höhere Gewinne realisiert werden können. Davon könnten Aktionäre wiederum profitieren. 

Eine Abbildung aus einer Studie von Jeremy Siegel mit dem Titel “Stocks for the Long Run” stellt die realen Renditen verschiedener Anlagekategorien (Aktien, längerfristige sowie kurzfristige Anleihen, Gold und US-Dollar-Währung) notiert in US-Dollar dar.

Das Ergebnis: Aktien übertreffen langfristig andere Anlageklassen deutlich.

Langfristige Wertentwicklung verschiedener Assetklassen (real, in USD)
Langfristige Wertentwicklung verschiedener Assetklassen (real, in USD) - angelehnt an Jeremy Siegel (2008), “Stocks for the Long Run”

Darüber hinaus gilt, dass einige Aktien bei einer Inflationsrate von etwa 5% einen hervorragenden Inflationsschutz bieten könnten.

Was Investieren während einer Inflationsphase bedeutet und welche Aktien eher für einen Schutz vor steigenden Preisen infrage kommen, wird in diesem Video genauer erklärt.

Allgemeine Merkmale von inflationssicheren Aktien

Aktien, die sich als resistent gegenüber einer steigenden Inflation erweisen und möglicherweise mit Gewinnen verbunden sind, weisen häufig folgende Merkmale auf:

  • Alleinstellungsmerkmal
    Mit einem Alleinstellungsmerkmal, auch bekannt als “Burggraben”, ist ein herausragendes Leistungsmerkmal gemeint, mit dem sich ein Unternehmen von seiner Konkurrenz abhebt. Insofern haben Burggraben-Unternehmen einen deutlichen Wettbewerbsvorteil. Die Extremform der Marktposition ist ein Monopol. Kommt es zu einer erhöhten Inflation, können diese Unternehmen steigende Input-Preise (siehe Producer Price Index) einfacher an ihre Kunden weitergeben, ohne dass sich die Nachfrage signifikant ändert.      
  • Solide Kapitalstruktur
    Eine zunehmende Inflation bedeutet nicht nur steigende Preise, sondern in der Regel auch steigende Zinsen. Für höher verschuldete Unternehmen (mit hoher Fremdkapitalquote) kann dadurch eine steigende Zinslast verbunden sein. Eine solche Entwicklung spricht gegen die Investition von sogenannten Wachstumsaktien bzw. Growth-Aktien, deren Unternehmen häufig höher verschuldet sind (siehe dazu weiter unten).

Exkurs: Eine Zentralbank entscheidet über die Höhe der Leitzinssätze (d.h. Zinssätze, zu dem sich Banken von der Zentralbank Geld leihen oder ihr Geld bei der Zentralbank parken können). Sobald Inflationsrisiken zunehmen, steigt der Druck auf die Zentralbank, ihre Leitzinssätze zu erhöhen. So können höhere Leitzinsen mittelbar niedrigere Preise bewirken (gemäß dem geldpolitischen Transmissionsmechanismus). Daher ist eine höhere Inflation normalerweise mit der Erwartung verknüpft, dass das Zinsniveau ansteigt.  

  • Unbewegliche Nachfrage
    Grundsätzlich sind jene Unternehmen weniger von einer ansteigenden Inflation betroffen, die Produkte verkaufen, deren Nachfrage sich kaum infolge einer Preiserhöhung ändert. Dann sind sie besser in der Lage, ihre gestiegenen Input-Preise an ihre Kunden weiterzugeben. Dies gilt beispielsweise für Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmale (siehe oben) oder Unternehmen in der Lebensmittelbranche (insbesondere Grundnahrungsmittel). Schließlich spielt die Preissetzungsmacht des Unternehmens eine entscheidende Rolle, um auch während einer erhöhten Inflationsphase rentabel zu sein.

Aktien-Gewinner bei Inflation: Welche Aktien profitieren?

Es gibt Aktiensektoren, die von ansteigenden Preisentwicklungen weniger betroffen sind als andere. Unter anderem gilt dies für:

  • Öl-Aktien
  • Pharma-Aktien
  • Versicherungsaktien

Unternehmen in diesen Bereichen besitzen grundlegend den Vorteil, dass die Nachfrage unabhängig von den Preisen in etwa konstant bleibt, also relativ unelastisch ist. Für das alltägliche Leben können Konsumenten nur schwer auf jene Produkte (z.B. Medikamente) verzichten. 

Außerdem gelten Versicherungsaktiengesellschaften als zuverlässige Dividendenzahler und zudem, angesichts ihrer vielfältigen Geschäftstätigkeiten, eher als krisenfest.

Growth vs. Value Aktien bei Inflation

Ferner kann der Kurs einer Aktie bei Inflation maßgeblich davon bestimmt werden, ob sie zur Kategorie der Growth oder Value Aktien angehört.

Growth-Aktien

In der Vergangenheit zeigte sich, dass in Zeiten ansteigender Inflationsraten Growth-Aktien relativ zu anderen Anlageklassen (z.B. Value Aktien) schlechter performen. Dies geht aus einer Studie der globalen Vermögensverwaltungsgesellschaft VERDAD hervor. Darüber hinaus sind neu etablierte Unternehmen, die Growth-Aktien emittieren, häufig höher verschuldet als andere bereits länger bestehende Unternehmen. Im Unterschied generieren Growth-Unternehmen gegenwärtig häufig relativ niedrige Gewinne und müssen zur Umsetzung ihrer Geschäftsidee viel investieren. Dies erfordert viel Fremdkapital. Zudem steigt bei einer Inflationsphase auch die Erwartung einer Zinserhöhung, sodass die Finanzierungskosten eines Unternehmens (plötzlich) ansteigen können.

Die Folge: Verlustrisiken, die mit einer Growth-Aktie verbunden sind, nehmen (weiter) zu. Letztlich sind Growth-Aktien grundsätzlich weniger krisenfest, da sie kaum eine Gewinnsubstanz haben. Im Fall eines Börsencrashs sind Growth-Aktien in der Regel diejenigen Anlagen, deren Kurse am stärksten einbrechen. Insofern gehören Growth-Aktien eher zu den Inflations-Verlierern.

Value-Aktien

Value Qualitätsaktien umfassen Wertpapiere, die günstig bewertet sind und deren Unternehmen in der Regel über ein etabliertes Geschäftsmodell verfügen. Mithilfe einer Fundamentalanalyse wird der innere Wert von Unternehmen und deren Aktien festgestellt und mit dem aktuellen Preis in Relation gesetzt. Die Anlagestrategie Value Investing hat sich sowohl bei privaten als auch beruflichen Anlegern mit einem langfristigen Investmenthorizont etabliert. Bekannte Großinvestoren (Warren Buffett und Peter Lynch) konnten nach den Regeln des Value Investings Milliardengewinne erwirtschaften.

Gemäß Warren Buffett erfordert ein Vermögensaufbau in erster Linie die Konzentration auf gute Aktien: “Diversification may preserve wealth, but concentration builds wealth.”

Auch in Zeiten ansteigender Inflation kann Value Investing geeignet sein, da dadurch generell günstige Aktien aufgedeckt werden. Zudem verfügen jene Unternehmen häufig über einen sogenannten Burggraben (siehe oben zu Alleinstellungsmerkmal), sodass sie erhöhte Preise einfacher (d.h. ohne, dass die Nachfrage signifikant zurückgeht) an ihre Kunden weitergeben können.   

Gold vs. Aktien bei Inflation

Edelmetalle wie Gold gelten als “sicherer Hafen”, insbesondere für Geldanlagen in Krisenzeiten. Zudem ist Gold ein international anerkanntes Zahlungsmittel, das insbesondere früher (zwischen 1870 und 1973) häufig verwendet wurde.

Allerdings besteht die Hauptproblematik bei Goldinvestitionen darin, dass dieser Rohstoff nicht an sich arbeitet und dementsprechend keinen Nutzen stiftet. Zudem ist die Aufbewahrung von Gold wenig praktikabel, da z.B. ein hohes Diebstahlrisiko besteht.

Im Gegensatz dazu produzieren Unternehmen Güter und Dienstleistungen, die von Konsumenten aktiv genutzt werden können. Daher sind Aktieninvestitionen generell mit einem Mehrwert verbunden, der sich in den Unternehmensgewinnen bzw. Dividenden widerspiegelt. 

In Zeiten deutlich ansteigender Preise haben sich sowohl Value-Aktien als auch Gold bewährt (siehe Studie von VERDAD). Die folgende Tabelle fasst die genannten Aspekte zusammen.

Value-Aktien Gold
+ stetige Investitionsanlage

+ Erfolgsbeteiligung

+ schafft Mehrwert

+ krisenfeste Investitionsanlage

+ international anerkanntes Zahlungsmittel

in Krisenzeiten signifikante, jedoch kurzfristige, Kursverluste möglich schafft keinen Mehrwert

Aufbewahrung wenig praktikabel

→ Value-Aktien und Gold können einen Inflationsschutz bieten

Immobilien vs. Aktien bei Inflation

Während einer Inflationsphase (Anstieg der Preise deutlich über 2%) können sowohl Qualitätsaktien als auch Immobilien inflationsbereinigt gute Renditen bringen. Im Unterschied zu Gold schaffen Immobilien genauso wie Aktien einen Mehrwert. 

Allerdings ist die Investition in eine Immobilie für einen privaten Kleinanleger kaum eigenständig durchführbar. Außerdem müssten anfallende Kosten des Immobilienkaufs (z.B. Grunderwerbssteuer) sowie laufende Unterhaltskosten (Kosten der Instandhaltung oder Verwaltung, zudem müssen Mieteinnahmen mit der Einkommenssteuer verrechnet werden) berücksichtigt werden. 

Falls außerdem die Zinsen mit einer ansteigenden Inflation zunehmen würden, dürfte die fremdkapitalbasierte Nachfrage abnehmen, da Finanzierungskosten teurer werden. Dadurch fallen letztlich auch die Preise auf den Immobilienmärkten. Schließlich sind Immobilienpreise sehr stark abhängig von der geografischen Lage. 

Historische Entwicklung von Aktien bei Inflation

Bei einer Inflationsphase von etwa einem bis sechs Prozent zeigten Aktien grundsätzlich einen stabilen Kursanstieg. Höhere Inflationsraten sind mit größeren Verunsicherungen verbunden und können daher schädlich für die Gesamtwirtschaft und damit auch für Aktienkurse sein.

Umso wichtiger ist deswegen die tatsächliche Aktienselektion. So dürften Unternehmen mit dauerhaftem Wettbewerbsvorteil und krisenfestem Geschäftsmodell, die zudem stabile Dividenden zahlen und regelmäßig Cashflow generieren, eher vor einer ansteigenden Inflation von über sechs Prozent gewappnet sein.

Aktien bei der Hyperinflation in Deutschland 1923

Während der Nachkriegszeit im Jahr 1923 wurde Deutschland durch die bittere Erfahrung einer Hyperinflation (Preissteigerungen von monatlich mehr als 50%), auch bekannt als “galoppierende Inflation”, geprägt. In dieser Zeit verfiel der Wert des Geldes immer schneller, da immer mehr davon in Umlauf kam.

Ähnlich stieg der Aktienindex des Statistischen Reichsamtes in Papiermark exorbitant von beispielsweise 88 Punkten im Dezember 1918 auf 531 Millionen Punkten im September 1923. Inflationsbereinigt allerdings verlor der Aktienindex in Papiermark zwischen 1913 und 1923 um rund 80% an Wert. Ein Trost: Während die erworbenen Aktien als Sachwerte noch weiter bestehen dürften, existiert die Papiermark schon lange nicht mehr. 

Video: Geldschwemme & Inflations-Schock: Was tun als Anleger?

In diesem Video wird erklärt, warum eine Geldschwemme nicht unmittelbar mit einer Inflation verbunden ist. Zudem werden verschiedene Anlegerfragen erläutert, unter anderem:

Was bedeutet Inflation für uns Anleger eigentlich? Wie sollten wir uns positionieren? Was können wir aus der Vergangenheit lernen? Gibt es bestimmte Aktiengattungen, die von Inflation weniger oder stärker betroffen sind?

Mit den richtigen Aktien könnten Anleger bei Inflation profitieren

Grundsätzlich können Aktien einen Inflationsschutz bieten. Dabei kommt es auf die richtige Auswahl an Aktien an, damit ein Anleger nachhaltig sowie deutlicher von seiner Investition profitiert. 

Zur richtigen Aktienauswahl bietet sich das Value Investing in Qualitätsaktien an. Der Grund: Es werden tendenziell günstig bepreiste und solide Unternehmen mit Alleinstellungsmerkmal identifiziert, die einen Wettbewerbsvorteil sowie mehr Preissetzungsmacht besitzen. Solche Unternehmen geben die Inflation letztlich an ihre Kunden weiter.

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