Debt-to-Asset Ratio / Fremdkapitalquote – Definition & Berechnung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Debt-to-Asset Ratio (deutsch: Fremdkapitalquote) setzt das Fremdkapital eines Unternehmens ins Verhältnis zum Gesamtkapital. Das Ergebnis in Prozent zeigt, welcher Anteil der Vermögenswerte fremdfinanziert ist. Eine niedrige Quote bedeutet mehr Stabilität, kann aber tendenziell die Unternehmensrendite verringern. Die Kennzahl ist stichtagsbezogen und kann durch bilanzielle und konjunkturelle Einflussfaktoren verzerrt werden.

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Debt-to-Asset Ratio – Definition

Die Debt-to-Asset Ratio misst den Anteil der Vermögenswerte, der durch Fremdkapital finanziert ist. Je höher die Quote, desto höher der Verschuldungsgrad bzw. Leverage-Effekt. Werte über 100 % sind möglich und deuten darauf hin, dass die Verbindlichkeiten die Vermögenswerte übersteigen (z. B. bei negativem Eigenkapital).

Hinweis: Manche Quellen verwenden „Debt“ enger und beziehen nur zinstragende Finanzschulden ein. In diesem Beitrag verstehen wir „Debt“ explizit als alle Verbindlichkeiten (Total Liabilities).

Debt-to-Asset Ratio – Berechnung

Die Debt-to-Assets-Ratio wird berechnet, indem das Fremdkapital (Total Liabilities) durch das Gesamtkapital (Total Assets/Bilanzsumme) geteilt wird.

Die Formel lautet wie folgt

\text{Debt-to-Asset Ratio \%} = \frac{Fremdkapital}{Gesamtkapital} \times 100

Die Berechnung der Kennzahl erfolgt anhand von Bilanzkennzahlen, die in der Regel leicht zugänglich sind, z. B. auf der Investor-Relations-Seite des Unternehmens. Für belastbare Vergleiche gilt: gleiche Stichtage, gleiche Währung und konsistente Einheiten verwenden.

Fremdkapital

Fremdkapital (Total Liabilities) umfasst alle Verbindlichkeiten eines Unternehmens, typischerweise einschließlich kurz- und langfristiger finanzieller Verbindlichkeiten, Lieferverbindlichkeiten, Rückstellungen (zum Beispiel für Pensionen), Leasingverbindlichkeiten (IFRS 16) sowie latenter Steuerverbindlichkeiten.

Hinweis: Je nach Rechnungslegung (z. B. IFRS/US-GAAP/HGB) unterscheiden sich Bezeichnungen und Gliederung, nicht jedoch der Grundgedanke.

Gesamtkapital

Der Nenner ist das Gesamtkapital, auch Total Assets oder Bilanzsumme genannt. Dieser Wert ist üblicherweise leicht im Konzernabschluss (Bilanz) oder in Datenportalen zu finden. Auch hier empfiehlt es sich, die gleiche Datenquelle zu verwenden, da Bewertungsvorgaben (z. B. Fair Value, immaterielle Vermögenswerte) die Vergleichbarkeit beeinflussen können.

Interpretation und Bedeutung

Die Fremdkapitalquote (Debt-to-Asset Ratio) zeigt, welcher Anteil der Vermögenswerte durch Fremdkapital finanziert ist.

  • > 100 % bedeutet: Die Verbindlichkeiten übersteigen die Vermögenswerte (typisch bei negativem Eigenkapital). En deutliches Warnsignal mit erhöhter Ausfall- und Refinanzierungsgefahr.
  • < 100 % bedeutet: Ein Teil der Vermögenswerte ist durch Eigenkapital gedeckt. Mehr Eigenkapital schafft Puffer und reduziert Hebelrisiken. Zugleich wirkt ein geringerer Leverage renditedämpfend (geringerer ROE-Hebel) – abhängig vom Geschäftsmodell, den Kapitalkosten, Steuern und der Ertragsstabilität.

Ein hoher Verschuldungsgrad erhöht für alle Stakeholder das Ausfallrisiko. Besicherte Gläubiger (z. B. Banken) sind oft besser geschützt und erhalten ihre Tilgungen vorrangig. Bevor diese ausfallen, bleiben meist Löhne, Lieferantenrechnungen oder Steuern unbezahlt. Kleinere Akteure haben diese Möglichkeit in der Regel nicht.

Bewertung der Fremdkapitalquote im Kontext

Die Einschätzung der Debt-to-Asset Ratio erfordert stets die Berücksichtigung von Kontext und Unternehmensstruktur.

Kapitalintensive Branchen wie Versorger oder Infrastrukturunternehmen können in der Regel höhere Quoten tragen als asset-leichte Geschäftsmodelle. Das Zinsrisiko hängt dabei nicht allein von der Quote ab, sondern auch von Faktoren wie Zinsbindung, Laufzeitprofil, Covenants und der Fähigkeit zur Refinanzierung.

Ebenso ist die Zusammensetzung der Verbindlichkeiten entscheidend: Eine hohe Fremdkapitalquote kann aus operativen Posten wie Lieferverbindlichkeiten oder Rückstellungen resultieren oder aus finanziellen Schulden – mit deutlich unterschiedlichem Risikoprofil.

Auch die Qualität der Vermögenswerte spielt eine Rolle: Ein hoher Anteil immaterieller Werte, Goodwill oder stark zyklischer Aktiva mindert die Aussagekraft der Kennzahl als Sicherheitsmaß. Schließlich gewinnt die Kennzahl erst durch Zeitvergleiche und den Vergleich mit Peers an Bedeutung.

Nachteile der Debt-to-Asset Ratio

Trotz ihrer Warnfunktion hat die Fremdkapitalquote klare Grenzen. Sie stellt lediglich eine Stichtagsbetrachtung dar und ist stark von Bilanzierungsregeln, Bewertungsmethoden, Saisonalität und Sondereffekten wie IFRS-16-Leasing abhängig. Zudem bleiben stille Reserven und Lasten unberücksichtigt, sodass das tatsächliche Gesamtkapital vom ausgewiesenen Wert abweichen kann – insbesondere nach HGB, wo tendenziell mehr stille Reserven bestehen als nach IFRS oder US-GAAP.

Die Quote misst außerdem keine Liquidität: Sie erlaubt keine Aussage über die Fähigkeit, Zinsen oder Tilgungen zu bedienen. Dafür sind Kennzahlen wie der Zinsdeckungsgrad, das Fälligkeitsprofil und der operative Cashflow relevanter.

Auch unterscheidet die Fremdkapitalquote nicht zwischen operativen und finanziellen Schulden, was das Risikobild verzerren kann. Schließlich ist die Vergleichbarkeit durch Unterschiede in Rechnungslegung, Konsolidierungskreis, Währung und Bilanzpolitik eingeschränkt. 

Hinweis: Bei konsolidierten Unternehmen werden stille Reserven und Lasten im Rahmen der Kaufpreisallokation zwar teilweise offengelegt und Vermögenswerte sowie Schulden auf beizulegende Zeitwerte angepasst, doch bleiben diese Werte Schätzungen – und nicht zwingend mit realisierbaren Marktwerten gleichzusetzen.

Debt-to-Asset Ratio im Beispiel

Die gesamten Informationen für die Ermittlung der Fremdkapitalquote lassen sich in diesem Beispiel mit der Siemens AG sehr einfach gewinnen. Im Geschäftsbericht 2024 der Gesellschaft sind alle relevanten Daten auf einer Seite erhältlich. Die Fremdkapitalquote wurde sogar bereits gebildet.

Zur Überprüfung erfolgt hier dennoch die Probe durch die manuelle Rechnung. Das Ergebnis im Geschäftsbericht wurde zwar auf vollständige Prozentzahlen gerundet, deckt sich aber mit der unten stehenden Berechnung.

Debt-to-Asset Ratio - Beispiel
Kapitalstruktur der Siemens AG (Auszug aus dem Geschäftsbericht 2024)
\text{Debt-to-Asset Ratio Siemens AG 2024} = \frac{43,913~Mrd.~EUR + 47,667~Mrd.~EUR}{147,812~Mrd.~EUR} \times 100 ≈ 62 \%

Weiterführende Informationen

  • Die Debt-to-Asset Ratio (Fremdkapitalquote) ist eine der sogenannten Gearing Ratios, die Auskunft über die Kapitalstruktur des Unternehmens geben.
  • Der klassische deutsche „Verschuldungsgrad“ wird im englischen Sprachgebrauch als Debt to Equity Ratio bezeichnet.
  • Für eine exakte Ermittlung der Fremdkapitalquote müssen stille Reserven und Lasten aufgedeckt werden.

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