Debt to Income (DTI) / Debt to Revenue Ratio – Definition & Berechnung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Debt to Income Ratio oder Debt to Revenue (auf Deutsch: Schulden-Einkommens-Verhältnis) stellt dar, welcher Prozentsatz des monatlichen Bruttoeinkommens eines Unternehmens oder eines Privathaushalts für die Schuldentilgung benötigt wird. Diese Kennzahl kann sowohl bei der Beurteilung der Kreditwürdigkeit von Unternehmen als auch von Privatpersonen herangezogen werden. Bei großen Unternehmen wird die Debt to Income Ratio zwar berücksichtigt, andere Finanzkennzahlen sind jedoch häufig aussagekräftiger.

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Debt to Income Ratio –  Definition

Die Debt to Income Ratio (DTI) gibt an, wie viel Prozent des monatlichen Bruttoeinkommens eines Unternehmens oder Privathaushalts für den Schuldendienst aufgewendet werden. Ein niedriger Wert (max. 30 % – 40 %) bedeutet, dass Einkommen und Schulden in einem gesunden Verhältnis stehen.

Die Berechnung erfolgt mithilfe der Gewinn- und Verlustrechnung (für Einkommen/Umsatz) und die Bilanz (für Schulden/Verbindlichkeiten). Der errechnete Wert sollte so niedrig wie möglich sein. Je niedriger der Prozentsatz ist, desto geringer ist der Anteil der laufenden Einnahmen, der zur Schuldentilgung verwendet wird.

Berechnung der Debt to Income Ratio

Die Debt to Income Ratio (DTI) wird berechnet, indem die Summe der monatlichen Verbindlichkeiten durch das monatliche Bruttoeinkommen geteilt werden. In der Praxis hat sich die Verwendung von Durchschnittswerten bewährt. Dabei werden z.B. die Zahlungen der letzten zwei Jahre addiert und durch 24 geteilt. Die Formel dafür lautet:

\text{Debt to Revenue (Income) Ratio} = \frac{monatliche~Zinszahlungen~und~Tilgungen}{durchschnittliches~monatl.~Bruttoeinkommen} \times 100

Unternehmensdaten

Unternehmen mit einem monatlichen Reporting können die notwendigen Daten aus dem Controlling entnehmen. Erfolgt das Berichtswesen nur quartalsweise oder noch seltener, helfen Bilanz und GuV weiter. Die Jahreswerte können auch zur Mittelwertbildung herangezogen werden.

Hinweis: Für Unternehmen sind die Ausgaben in der Regel besser planbar als die Einnahmen. Insbesondere bei den Einnahmen ist es daher wichtig, Durchschnittswerte zu verwenden. Ansonsten können saisonale Effekte die DTI-Ratio verzerren.

Privathaushaltsdaten

Privatpersonen können zur Ermittlung der monatlichen Ausgaben laufende Kreditverträge heranziehen. Häufig werden im Privatkundengeschäft ohnehin so genannte Annuitätendarlehen vergeben, bei denen die monatliche Rate gleich bleibt. Dies hilft bei der Ermittlung der Ausgaben. Die Einnahmen sind bei Angestellten ebenfalls gut planbar, können aber alternativ (vor allem bei Selbstständigen) anhand der jährlichen Steuererklärung ermittelt werden.

Debt to Income Ratio – Interpretation

Die erste und naheliegendste Anwendung der Debt to Income Ratio ist die Gegenüberstellung von Einkommen und Schulden. Sowohl Unternehmen als auch Privatpersonen haben einen deutlich größeren finanziellen Spielraum, wenn sie weniger Geld für ihre Schulden aufwenden müssen. Umgekehrt steigt die Gefahr von Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung, je höher die DTI-Ratio ist.

Banken und Kreditinstitute nutzen diese Kennzahl häufig, um über die weitere Kreditvergabe zu entscheiden. Ein niedriger Verschuldungsgrad bedeutet auch ein geringeres Ausfallrisiko. Schließlich stehen genügend Einnahmen zur Verfügung, um die Kreditraten zu bedienen. Je größer die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben ist, desto eher kann im Notfall auf (Lohn-)Pfändungen zurückgegriffen werden. Antragsteller mit einer zu hohen DTI-Ratio erhalten daher häufig keinen Kredit.

Darüber hinaus hat diese unscheinbare Kennzahl einen Einfluss auf die Kreditkosten. Zwar werden komplexe Berechnungsmodelle verwendet, aber grundsätzlich bedeutet ein steigendes Risiko auch einen steigenden Zinssatz. Mit diesem wird nämlich das Ausfallrisiko der Bank vergütet.

Bedeutung der Debt to Income Ratio für Unternehmen

Für Unternehmen mag die Debt to Income Ratio wichtiger erscheinen als für Privatpersonen. Kredite sind für Unternehmen ein häufiges Mittel zur Finanzierung von Investitionen. Diese bilden die Grundlage für Wachstum und unternehmerischen Erfolg.

Wenn das Verhältnis zwischen Umsatz und Schuldendienst aus dem Gleichgewicht gerät, deutet dies nicht nur auf eine möglicherweise zu hohe Verschuldung hin, sondern auch darauf, dass die getätigten Investitionen nicht genügend Cashflow generieren. Entweder wurde die Annuität zu hoch vereinbart oder die Investition hält nicht, was sie verspricht. Hier kann ein Teufelskreis beginnen, da das Unternehmen in dieser Situation einen weiteren Kredit für erfolgversprechendere Investitionen gut gebrauchen könnte. Die zu hohe DTI-Ratio kann genau dies verhindern.

Bedeutung der DTI-Ratio für Privathaushalte

Privatpersonen können grundsätzlich zwischen Investitionskrediten und Konsumkrediten unterscheiden. Investitionskredite sind durch Sachwerte gesichert. Dazu gehören klassischerweise ein Immobilienkredit oder ein Wertpapierkredit. Konsumkredite schaffen keinen bleibenden Wert – das Geld wird ausgegeben. Beispiele hierfür sind der Dispokredit und Kredite für Autos, Elektronik und Urlaub.

Insbesondere eine hohe DTI-Ratio aufgrund von Konsumkrediten wird von Kreditgebern nicht gerne gesehen. Weitere Kredite werden entsprechend teuer oder gar nicht erst vergeben. Besonders ärgerlich ist dies, wenn ein Immobilienkredit zur Finanzierung des Eigenheims beantragt und abgelehnt wird. Auch wenn Banken in Deutschland keine DTI-Ratio im klassischen Sinne ermitteln, erfüllt die Schufa-Auskunft einen ähnlichen Zweck. Aus diesen Daten lässt sich zudem die Anzahl der Kreditverträge und deren laufende Belastung ableiten.

Bedeutung der DTI-Ratio für Sonderformen

Das Verhältnis von Schulden und Einkommen wird für Investoren bei zwei unterschiedlichen Anlageformen besonders interessant. Im jungen Bereich der Peer-to-Peer-Kredite leiht der Investor Geld an Privatpersonen, um es inklusive Zinsen zurückzuerhalten. Die Rückzahlungswahrscheinlichkeit lässt sich mit der DTI-Ratio sehr gut abschätzen, sofern alle Daten vorliegen. Das Gegenstück zu Privatkrediten sind Unternehmensanleihen. Hier geben Investoren einem Unternehmen einen Kredit. Die Verwendung der Kennzahl erfolgt analog zum privaten Sektor.

Debt to Income Ratio – Nachteile

Die Debt to Income Ratio ist zwar einfach anzuwenden, bildet aber nicht alle Daten ab. Beispielsweise geht die Zahlungshistorie nicht in die Kennzahl ein. Wenn ein Unternehmen die Kreditwürdigkeit seiner Kunden beurteilt, kann auch ein Kunde mit einer schlechten DTI-Ratio über Jahre hinweg pünktlich gezahlt haben. Dies relativiert die Aussagekraft der Kennzahl. Auch in der Schufa werden viele Kredite nur dann als Negativmerkmal geführt, wenn sie nicht pünktlich bedient wurden.

Fehlende Informationen

Darüber hinaus fehlen bei der Ermittlung der Debt to Income Ratio verschiedene Informationen, die ebenfalls relevant sind. Häufig ist nicht bekannt, wie hoch die Rückzahlung eines Darlehens ist. Eine hohe DTI-Ratio aufgrund einer schnellen Rückzahlung des Kredits ist nicht so schlecht, wie es auf den ersten Blick scheint.

Welche Vermögenswerte als Sicherheit dienen, ist ebenfalls unbekannt. Ob Maschinen, Patente oder Immobilien, auch wenn die Auszahlungen im Verhältnis zum Einkommen gering sind, bieten Vermögenswerte eine hohe Sicherheit. Wie groß dieser Sicherheitspuffer ist, geht aus der DTI-Ratio nicht hervor.

Als Gegenstück zur Tilgung sind auch die Zinssätze und damit der sogenannte „Zinsdienst“ unbekannt. Kreditkarten- und Dispozinsen sind deutlich höher als die Zinsen für ein Eigenheim und belasten damit die Finanzen stärker. Die DTI-Ratio berücksichtigt dies jedoch nicht.

Die Problematik der Verwendung von Bruttowerten

Ein Nutzer der DTI-Ratio sollte auch bedenken, dass es sich um eine Kennzahl handelt, die Bruttowerte verwendet. Steuern und Abgaben reduzieren das Bruttoeinkommen erheblich. Daher vermittelt die Kennzahl insbesondere im privaten Gebrauch ein falsches Bild. Ein Ergebnis von 25 % bedeutet nicht, dass von 4.000 Euro Nettoeinkommen 1.000 Euro für Schulden bezahlt werden. Vielmehr sind die 4.000 Euro ein Bruttowert.

Bei Privatpersonen verbleiben davon ca. 2.800 Euro als Nettozahlung. Die 1.000 Euro Schuldendienst beanspruchen nun knapp 36 % des Einkommens. Das sind gut 10% mehr als zuvor. Gerade Privatpersonen orientieren sich bei ihren privaten Finanzen auch stärker an ihrem Nettoeinkommen und sollten eventuell eine Debt to Net Income Ratio bilden. Dabei wird das Bruttoeinkommen einfach durch das Nettoeinkommen ersetzt. Die weitere Vorgehensweise ist identisch.

Bei der Analyse von Unternehmen von außen stellt die DTI-Ratio den Bewerter vor einige Probleme. Der Umsatz lässt sich leicht aus der Gewinn- und Verlustrechnung ablesen. Die Art und Weise, wie die monatlichen Zins- und Tilgungszahlungen ausgewiesen werden, ist jedoch sehr unterschiedlich. Im Einzelfall kann dieser Wert von Außenstehenden gar nicht ermittelt werden.

Debt to Income Ratio – Beispiele

DTI-Ratio bei Unternehmensfinanzen

Für die Berechnung der DTI-Ratio eines fiktiven Unternehmens werden folgende Zahlen angewendet:

  • Zinsaufwendungen (GuV)
    • 1 Mio. EUR
  • Zinssatz:
    • 1,7 % p.a.
  • Kreditart (ggf. Anhang):
    • Investitionskredit
  • Rückzahlung pro Jahr:
    • 5,882 Mio. EUR
  • Umsatzerlöse (GuV):
    • 20 Mio. EUR

Die rechnerische Ermittlung der Debt to Income Ratio fürs Unternehmen lautet somit wie folgt:

\text{Debt to Revenue (Income) Ratio} = \frac{1~Mio.~EUR + 5,882~Mio.~EUR}{20~Mio.~EUR} \times 100 = 34,41\%

DTI-Ratio bei privaten Finanzen

Für die Berechnung der DTI-Ratio eines fiktiven Privathaushaltes werden folgende Zahlen angewendet:

  • Hauskredit pro Monat:
    • 1.200 EUR
  • Kreditkartenzinsen pro Monat:
    • 70 EUR
  • Dispozinsen pro Monat:
    • 50 EUR
  • Bruttoeinkommen pro Jahr:
    • 40.000 EUR

Die rechnerische Ermittlung der Debt to Income Ratio fürs dieses Haushalt lautet somit wie folgt:

\text{Debt to Revenue (Income) Ratio} = \frac{1.200~EUR + 70~EUR + 50~EUR}{\frac{40.000~EUR}{12}} \times 100 = 39,60\%

Hinweis: Wenn alle Werte auf Jahresbasis vorliegen und ggf. nur ein Jahr zur Verfügung steht, kann eine Umrechnung auf Monatswerte natürlich entfallen.

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