Debt to Equity Ratio (Verschuldungsgrad) – Definition & Berechnung
Die Debt to Equity Ratio (kurz: D/E Ratio, deutsch: „Verschuldungsgrad“) ist eine Bilanzkennzahl, die das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital eines Unternehmens beschreibt. Sie dient als wichtiger Indikator für den Verschuldungsgrad und damit das Investitionsrisiko eines Unternehmens. In diesem Artikel werden Berechnung, Interpretation und Bedeutung dieser Kennzahl erläutert.
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Debt to Equity Ratio – Definition
Die Debt to Equity Ratio setzt die Schulden eines Unternehmens ins Verhältnis zu seinem Eigenkapital. Beispiel: 0,10 (= 10 %) bedeutet, die Schulden betragen 10 % des Eigenkapitals.
Höhere Werte bedeuten mehr Leverage und damit tendenziell ein höheres Risiko (Zins-/Refinanzierungsrisiken), aber auch einen stärkeren Renditehebel. Ein Vergleich im Zeitverlauf und mit Peers ist sinnvoll, feste „Grenzwerte“ gibt es nicht.
Debt to Equity Ratio – Berechnung
Die Debt to Equity Ratio wird berechnet, indem das Fremdkapital eines Unternehmens durch dessen Eigenkapital dividiert wird. Die Formel lautet wie folgt
Fremdkapital
Vorab muss definiert und offengelegt werden, was genau als Fremdkapital zählt. Gängige Varianten sind:
- Gesamtschulden (Total Liabilities): Verbindlichkeiten inkl. Rückstellungen (und ggf. latente Steuern/RAP je Rechnungslegung).
- Finanzschulden: Hierbei handelt es sich um nur verzinsliche kurz- und langfristige Finanzverbindlichkeiten.
- Nettoverschuldung: Finanzschulden minus liquide Mittel (optional: minus kurzfristige Finanzanlagen).
Eigenkapital
Im Nenner steht das Eigenkapital der Gesellschaft. Dieses wird standardmäßig direkt in der Bilanz angegeben. Alternativ kann es auch als Residualgröße (abgeleitet) aus Gesamtkapital und Fremdkapital gebildet werden. Für Vergleiche ist oft der Durchschnitt des Eigenkapitals einer Periode robuster als der Stichtag.
Bedeutung der Debt to Equity Ratio
Eine höhere Debt to Equity Ratio bedeutet zunächst, dass im Verhältnis zum Eigenkapital mehr Fremdkapital eingesetzt wird. Dadurch können insbesondere Zins-, Refinanzierungs- und Ausfallrisiken steigen.
Mit einer steigenden Verschuldung können sich auch die Finanzierungskosten verändern:
- Fremdkapitalgeber können wegen des höheren Ausfallrisikos einen höheren Zins verlangen.
- Eigenkapitalgeber können wegen des stärkeren finanziellen Hebels eine höhere erwartete Rendite fordern.
Durch die veränderten Kapitalgewichte und den möglichen steuerlichen Vorteil abzugsfähiger Zinsaufwendungen kann zusätzliche Verschuldung den WACC zunächst senken oder weitgehend unverändert lassen. Bei höherem Ausfall-, Refinanzierungs- oder Insolvenzrisiko können die Kapitalkosten dagegen steigen.
Was gilt als „gute“ Debt to Equity Ratio?
Was als gute Debt to Equity Ratio gilt, hängt stark vom jeweiligen Sektor und Geschäftsmodell ab. Die folgenden Orientierungswerte gelten als typisch und sind im Kontext, beispielsweise im Branchen- oder Zeitvergleich, zu interpretieren.
| Debt to Equity Ratio* | Bedeutung | Einordnung |
|---|---|---|
| < 0,5 | Niedrige Verschuldung | Konservative Finanzierung, hohe Stabilität, aber geringerer Renditehebel. Typisch für Unternehmen mit stabilen Cashflows oder geringem Kapitalbedarf. |
| 0,5 – 1,0 | Ausgewogen | Solide Kapitalstruktur mit gutem Verhältnis von Risiko und Rendite. Wird häufig als „gesund“ angesehen. |
| 1,0 – 2,0 | Erhöhte Verschuldung | Höherer Leverage und mehr Renditechance, aber auch höheres Risiko. Akzeptabel in kapitalintensiven Branchen. |
| > 2,0 | Hohe Verschuldung | Kritischer Bereich: steigende Rückzahlungs- und Zinsrisiken, insbesondere bei instabilen Erträgen oder steigendem Zinsniveau. |
* Richtwerte für Nicht-Finanzunternehmen auf Buchwertbasis – können je nach Branche und Definition variieren.
Leverage-Effekt und D/E Ratio
Fremdkapital kann die Eigenkapitalrendite (ROE) erhöhen – in einer vereinfachten Betrachtung ohne Steuern jedoch nur, wenn die operative Rendite auf das Gesamtkapital über den Fremdkapitalkosten liegt. Liegt die operative Rendite darunter, wirkt der Leverage-Effekt negativ: Die Verschuldung senkt dann den ROE.
Vereinfachte Beziehung ohne Steuern:
mit:
- RA = operative Rendite auf das Gesamtkapital vor Finanzierungseffekten
- rD = durchschnittlicher Fremdkapitalkostensatz vor Steuern
- D/E = Debt to Equity Ratio
Beispiele: positiver vs. negativer Leverage-Effekt
- Positiver Leverage-Effekt:
- Ein Unternehmen erzielt eine operative Gesamtkapitalrendite RA von 8 %, während die Fremdkapitalkosten rD bei 4 % liegen.
- Bei einem Verschuldungsgrad von D/E = 1,5 ergibt sich in der vereinfachten Berechnung ohne Steuern ein ROE von rund 14 %: 8 % + (8 % − 4 %) × 1,5.
- Ergebnis: Die Verschuldung wirkt in diesem Beispiel renditesteigernd.
- Negativer Leverage-Effekt:
- In einem anderen Fall beträgt die operative Gesamtkapitalrendite RA nur 3 %, die Fremdkapitalkosten rD liegen dagegen bei 4 %.
- Bei D/E = 1,5 reduziert sich der ROE in der vereinfachten Berechnung ohne Steuern auf rund 1,5 %: 3 % + (3 % − 4 %) × 1,5.
- Ergebnis: Die Verschuldung wirkt in diesem Beispiel renditemindernd.
Nachteile der Debt to Equity Ratio
Die Aussagekraft der Debt to Equity Ratio ist begrenzt, sobald die Fristigkeit der Positionen eine Rolle spielt. Zwar steht das Eigenkapital dem Unternehmen dauerhaft zur Verfügung, doch Verbindlichkeiten können kurz vor oder sogar nach ihrer Fälligkeit stehen. Die Kennzahl liefert daher nur einen Anhaltspunkt, keine vollständige Risikoeinschätzung.
Zudem handelt es sich bei der D/E Ratio um eine Stichtagskennzahl. Veränderungen nach dem Bilanzstichtag – etwa die Aufnahme eines größeren Kredits – können das Verhältnis von Fremd- zu Eigenkapital schnell deutlich verschieben.
Für eine fundierte Beurteilung empfiehlt sich daher ein Vergleich über mehrere Perioden hinweg sowie mit Unternehmen derselben Branche. So lässt sich besser einschätzen, ob sich der Verschuldungsgrad im üblichen Rahmen bewegt oder auffällige Entwicklungen zeigt.
Debt to Equity Ratio im Beispiel
Die folgenden Berechnungen basieren auf dem nach HGB aufgestellten Einzelabschluss der Siemens AG. Sie beziehen sich damit auf die Muttergesellschaft und nicht auf den nach IFRS erstellten Siemens-Konzernabschluss. Diese Abgrenzung ist wesentlich, weil konzerninterne Forderungen und Verbindlichkeiten im Konzernabschluss eliminiert werden.
Im Siemens-Bericht 2024 sind die für den HGB-Einzelabschluss verwendeten Werte in der Bilanz der Siemens AG ausgewiesen.
Variante A – Verbindlichkeiten/Eigenkapital im HGB-Einzelabschluss
Diese Variante setzt sämtliche unter „Verbindlichkeiten“ ausgewiesenen Positionen ins Verhältnis zum Eigenkapital. Sie ist breiter als eine ausschließlich auf verzinslichen Finanzschulden basierende D/E Ratio.
- Eigenkapital: 22.409 Mio. EUR
- Verbindlichkeiten gegenüber verbundenen Unternehmen: 55.449 Mio. EUR
- Summe Verbindlichkeiten: 58.811 Mio. EUR
Variante B – Nicht-Eigenkapital-Posten/Eigenkapital
In dieser bilanzanalytischen Sondervariante werden sämtliche Passivposten außerhalb des ausgewiesenen Eigenkapitals berücksichtigt. Sie stellt keine reine Finanzschulden-D/E-Ratio dar: Rückstellungen, passive Rechnungsabgrenzungsposten und der Sonderposten mit Rücklageanteil sind nicht mit verzinslichen Finanzschulden gleichzusetzen. Beim Sonderposten handelt es sich laut Siemens um fortgeführte steuerliche Rücklagen nach § 6b EStG.
- Eigenkapital: 22.409 Mio. EUR
- Rückstellungen gesamt einschließlich Pensionen: 17.204 Mio. EUR
- Summe Verbindlichkeiten: 58.811 Mio. EUR
- Passive Rechnungsabgrenzungsposten: 225 Mio. EUR
- Sonderposten mit Rücklageanteil: 539 Mio. EUR
Kurzinterpretation
Auf unveränderter Basis des HGB-Einzelabschlusses sank das Verhältnis von Verbindlichkeiten zu Eigenkapital von 2,96× im Jahr 2023 auf 2,62× im Jahr 2024. Die bilanzanalytische Sondervariante mit sämtlichen Nicht-Eigenkapital-Posten verringerte sich von 3,85× auf 3,43×. Ursächlich waren sowohl der Rückgang der einbezogenen Passivposten als auch der Anstieg des ausgewiesenen Eigenkapitals.
Die Berechnung zeigt damit eine niedrigere breit definierte bilanzielle Verschuldung der Siemens AG auf Einzelabschlussbasis. Daraus allein lässt sich jedoch weder eine Verbesserung der Kapitalstruktur des Siemens-Konzerns noch ein gesunkenes Refinanzierungsrisiko ableiten. Hierfür sind insbesondere die konsolidierten Finanzschulden, liquiden Mittel, Fälligkeiten, Zinsdeckung und die von Siemens verwendete Kennzahl Industrielle Nettoverschuldung/EBITDA zu berücksichtigen.
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