Debt to Equity Ratio (Verschuldungsgrad) – Definition & Berechnung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Debt to Equity Ratio (kurz: D/E Ratio, deutsch: „Verschuldungsgrad“) ist eine Bilanzkennzahl, die durch die Gegenüberstellung von Fremdkapital und Eigenkapital Aufschluss über den Verschuldungsgrad eines Unternehmens gibt. Der Verschuldungsgrad ist ein aussagekräftiger Indikator für das Risiko einer Investition. In diesem Artikel werden die Berechnung sowie die Interpretation und Bedeutung der Kennzahl diskutiert und erläutert.

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Debt to Equity Ratio – Definition

Die Debt to Equity Ratio setzt Verbindlichkeiten eines Unternehmens mit seinem Eigenkapital ins Verhältnis. Mithilfe des Verschuldungsgrades können Investoren beurteilen, wie stark verschuldet ein Unternehmen ist. Ein Verschuldungsgrad von beispielsweise 10 % bedeutet, dass ein Unternehmen Schulden in Höhe von 10 % des Eigenkapitals aufweist.

Eine hohe Quote signalisiert ein erhöhtes Risiko. Dafür können Unternehmen mit hoher Verschuldung häufig schneller wachsen als solche mit niedrigen Quoten. Wie bei statischen Kennzahlen üblich liegen die Grenzen des Verschuldungrades in der Fristigkeitsdarstellung. Wann sich die Kennzahl wie verändert, ist nicht ohne weitere Analysen erkennbar. 

Debt to Equity Ratio – Berechnung

Die Debt to Equity Ratio wird berechnet, indem die Verbindlichkeiten eines Unternehmens durch dessen Eigenkapital dividiert werden. Die Berechnung erfolgt anhand von Bilanzkennzahlen, die üblicherweise ohne Probleme zugänglich sind.

Die Formel für die Berechnung der D/E Ratio lautet:

\text{Debt to Equity Ratio} = \frac{kurzfr.~Verbindlichkeiten + langfr. Verbindlichkeiten}{Eigenkapital} \times 100
  • Im Zähler werden die Gesamtverbindlichkeiten, bestehend aus kurz- und langfristigen Posten, verwendet.
  • Im Nenner steht das Eigenkapital der Gesellschaft. Dieses wird standardmäßig direkt in der Bilanz angegeben. Alternativ kann es auch als Residualgröße (abgeleitet) aus Gesamtkapital und Schulden gebildet werden.

Hinweis: Auch langfristige Rückstellungen zählen nach geltenden Bewertungsstandards im weiteren Sinne als Eigenkapital. Aufgrund der späten Fälligkeit steht das Kapital dem Unternehmen langfristig zur Verfügung, sodass damit gearbeitet werden kann.

Interpretation der Kennzahl

Eine höhere Debt to Equity Ratio, insbesondere wenn sie 100 % übersteigt, kann das Risiko für Investoren erhöhen. In wirtschaftlich schwierigen Zeiten kann eine hohe Verschuldung für Unternehmen zu einer Herausforderung werden, da nicht nur die Tilgung, sondern auch die Zinszahlungen zu leisten sind.

Darüber hinaus führt ein zu hoher Verschuldungsgrad zu steigenden Kosten sowohl für Fremd- als auch für Eigenkapital, wodurch sich die Gesamtkapitalkosten des Unternehmens deutlich erhöhen. Dieser Anstieg der Kapitalkosten kann sich aufgrund von Bedenken der Investoren hinsichtlich der finanziellen Stabilität und Rentabilität des Unternehmens negativ auf den Aktienkurs auswirken.

Eigenkapital ist in dieser Hinsicht risikoärmer, da kein Rückzahlungsanspruch besteht. Auch Dividenden können im äußersten Fall gestrichen werden, wenn das Unternehmen in schweres Fahrwasser gerät. Daher wird eine niedrige Ratio als potentiell stabiler angesehen.

Leverage-Effekt

Unabhängig von der Risikobetrachtung gilt Fremdkapital jedoch als Renditeturbo und Eigenkapital eher als Renditebremse. Das hängt mit dem Leverage-Effekt zusammen. Dieser besagt, dass die Eigenkapitalrendite bei steigendem Verschuldungsgrad tendenziell zunimmt, weil weniger eigene Finanzmittel verwendet werden müssen. Zudem sind Kreditzinsen steuerlich absetzbar und mindern daher die Steuerlast.

Nachteile der Debt to Equity Ratio

Die Aussagekraft der Debt to Equity Ratio stößt dort an ihre Grenzen, wo die Fristigkeit der Positionen relevant wird. Das Eigenkapital steht natürlich unbefristet zur Verfügung, aber die Verbindlichkeiten können sich noch mehrere Wochen vor dem Fälligkeitstermin befinden oder diesen bereits überschritten haben. Daher ist die Aussagekraft der Kennzahl nur ein Indiz.

Diese Stichtagsbetrachtung ist ein generelles Problem von statischen Kennzahlen. Wenn nur kurz nach dem Betrachtungszeitpunkt ein erheblicher Kredit aufgenommen wird, ändert sich auch die D/E Ratio merklich. Daher ist für die Analyse ein Vergleich im Zeitverlauf und mit anderen Unternehmen der gleichen Branche ratsam. So kann überprüft werden, ob sich der Verschuldungsgrad in einem üblichen Rahmen bewegt.

Beispiel für eine Debt to Equity Ratio

Die gesamten Informationen für die Ermittlung der Debt to Equity Ratio lassen sich in einem Beispiel mit Siemens AG sehr einfach gewinnen. Im Geschäftsbericht der Siemens Gesellschaft sind alle relevanten Daten in den Passiva, also der Kapitalstruktur, verfügbar.

Der Verschuldungsgrad besteht aus den Verbindlichkeiten des Unternehmens, die in der HGB Bilanz sogar aufsummiert werden, und dem Eigenkapital. Dieses wird in Fall von Siemens noch um die Position „Pensionen und ähnliche Verpflichtungen“ erhöht. Wie oben beschrieben, können diese kalkulatorisch ebenfalls als Eigenkapital gewertet werden.

Debt to Equity Berechnung anhand der Bilanz der Siemens AG
Debt to Equity Berechnung anhand der Bilanz der Siemens AG
\text{Debt to Equity Ratio Siemens AG 2018} = \frac{40,420~Mrd.~EUR}{22,049~Mrd.~EUR + 11,885~Mrd.~EUR} \times 100 = 119,11\%

Hinweis: Eine Analyse der Kennzahlen eines Unternehmens ist nur dann sinnvoll, wenn immer die gleiche Bewertungsbasis verwendet wird. Insbesondere in Geschäftsberichten deutscher Unternehmen sind zum Teil Daten aus der HGB-Rechnungslegung und wiederum andere Daten aus IFRS-Vorgaben enthalten. Diese werden zwar gekennzeichnet, dürfen bei der Analyse aber nicht durcheinander geworfen werden.

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