Cash Ratio (Liquidität 1. Grades) – Definition & Berechnung

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Die Cash Ratio (deutsch: „Barliquidität“ oder „Liquidität 1. Grades“) ist eine Bilanzkennzahl zur Einschätzung der kurzfristigen Zahlungsfähigkeit eines Unternehmens. Sie zeigt das Verhältnis zwischen sofort verfügbaren liquiden Mitteln (z. B. Kasse, Bankguthaben) und den kurzfristigen Verbindlichkeiten. Investoren nutzen die Cash Ratio, um die finanzielle Stabilität eines Unternehmens einzuschätzen und potenzielle Risiken besser zu beurteilen.

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Cash Ratio – Definition

Die Cash Ratio (Liquidität 1. Grades) zeigt, in welchem Umfang ein Unternehmen seine kurzfristigen Verbindlichkeiten ausschließlich mit sofort verfügbaren liquiden Mitteln decken kann. Sie stellt damit die strengste aller Liquiditätskennzahlen dar. Eine hohe Cash Ratio signalisiert eine starke kurzfristige Zahlungsfähigkeit, während ein sehr niedriger Wert auf mögliche Liquiditätsrisiken hinweist.

Hinweis: Grundsätzlich dienen Liquiditätskennzahlen dazu, die Zahlungsfähigkeit von Unternehmen zu beurteilen. Unabhängig der Ertragslage, also des Gewinns oder Verlustes, muss ein Unternehmen jederzeit zahlungsfähig sein, um langfristig erfolgreich zu agieren.

Cash Ratio – Formel & Berechnung

Die Cash Ratio wird berechnet, indem die liquiden Mittel durch die kurzfristigen Verbindlichkeiten geteilt werden. Das Ergebnis kann dezimal oder prozentual angegeben werden. Eine Liquidität von 30 % entspricht dem Dezimalwert 0,3.

Die Formel für die Cash Ratio lautet:

Cash~Ratio=\frac{liquide~Mittel}{kurzfristige~Verbindlichkeiten}*100

Detaillierte Form:

Cash~Ratio=\frac{Bargeld+Bankguthaben+Wertpapiere }{kurzfristige~Verbindlichkeiten}*100

Herkunft der Daten

Die für die Cash Ratio erforderlichen Bilanzpositionen werden in der regel ohne weitere Rechenoperationen direkt der Bilanz entnommen. Unternehmen veröffentlichen ihre Bilanzen in der Regel im Bereich Investor Relations auf ihrer Website. Außerdem ist die Bilanz Bestandteil der jährlich oder quartalsweise erscheinenden Geschäftsberichte.

In der Praxis können einzelne Bilanzpositionen weiter untergliedert sein:

  • Zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten (engl. Current Liabilities) zählen Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen, kurzfristige Bankkredite, den innerhalb eines Jahres fälligen Teil langfristiger Finanzverbindlichkeiten, Steuerschulden, kurzfristige Rückstellungen und sonstige kurzfristige Verbindlichkeiten.
  • Liquide Mittel (engl. Cash and Cash Equivalents) umfassen alle Vermögenswerte, die sofort verfügbar sind („Cash“) oder sehr kurzfristig und ohne nennenswertes Risiko in Zahlungsmittel umgewandelt werden können, wie Wertpapiere mit Restlaufzeit von in der Regel höchstens drei Monaten und sehr geringem Kursrisiko.

Bedeutung der Cash Ratio

Die Kennzahl lässt sich sowohl isoliert als auch im Zeit- und Unternehmensvergleich auswerten. Praktisch dient sie oft als Ausschlusskriterium („Showstopper“): Ein Investor kann z. B. festlegen, nicht in Unternehmen mit einer Cash Ratio unter 15 % zu investieren. Für die finale Investitionsentscheidung ist die Cash Ratio dagegen nur ein Baustein. Ertragskraft, Verschuldung und Cashflows sind mindestens ebenso wichtig.

Cash Ratio – Interpretation

Es gibt keinen pauschalen Wert für die Cash Ratio.

  • Ein Cash-Ratio-Wert von 100 % bedeutet, dass ein Unternehmen alle kurzfristigen Verbindlichkeiten allein aus liquiden Mitteln begleichen könnte.
  • Werte darunter zeigen, dass zusätzlich Zahlungszuflüsse oder andere kurzfristige Vermögenswerte (z. B. Forderungen, Vorräte) benötigt werden. Das ist in vielen Branchen üblich und für sich genommen kein Hinweis auf ein Liquiditätsproblem.
  • Werte deutlich über 100 % können hingegen auf eine sehr vorsichtige Liquiditätspolitik oder auf ungenutzte Finanzmittel hindeuten.
  • Negative Werte treten in der Regel, wenn Banküberziehungen als Bestandteil der liquiden Mittel ausgewiesen werden (z. B. im Rahmen eines Kontokorrents). Das ist nach IFRS zulässig, kann aber auf eine angespannte Liquiditätslage hinweisen und sollte genauer analysiert werden.

Je nach Branche, Geschäftsmodell und Risikoneigung können aber sowohl niedrigere als auch höhere Werte sinnvoll sein. Generell können jedoch sowohl zu niedrige als auch zu hohe Werte problematisch sein.

Hinweis: Als grober Orientierungskorridor für die Cash Ratio werden oft 10-30 % bzw. 20-50 % angegeben.

Die Liquidität 1. Grades im Unternehmens- und Zeitvergleich

Im Unternehmensvergleich ist die Cash Ratio vor allem im Vergleich von Unternehmen derselben Branche aussagekräftig, da Geschäftsmodelle und Branchenstrukturen stark variieren.

Sinnvoll ist sie vor allem für eine erste Vorselektion: Wenn ein Unternehmen bestimmte Mindestanforderungen an die Liquidität nicht erfüllt, kann ein Investor darauf verzichten, weitere bzw. aufwändigere Analysen (z. B. eine DCF-Analyse) durchzuführen.

Neben der absoluten Höhe ist die Entwicklung im Zeitverlauf entscheidend:

  • Stabile Werte innerhalb des definierten Zielbereichs sprechen für ein solides Liquiditätsmanagement.
  • Stark schwankende Werte können auf Defizite in der Finanzplanung oder unruhige Geschäftsverläufe hinweisen.

Bedeutung der Cash Ratio für Lieferanten und Banken

Neben Investoren und dem Unternehmen selbst interessieren sich auch Lieferanten und Banken als Kreditgeber für die Cash Ratio. Kredite können als Finanzkredite oder Warenkredite vergeben werden. Mithilfe von Liquiditätskennzahlen schätzen Gläubiger ab, wie wahrscheinlich die Rückzahlung ist. Die Liquidität beeinflusst daher, ob ein Unternehmen Kredit erhält und zu welchen Konditionen.

Unter Bonitätsgesichtspunkten unterscheiden sich die Zielwerte von den allgemeinen Richtwerten: Gläubiger wollen zwar nicht an der Rendite beteiligt werden, beurteilen die Ertragslage aber sehr genau, weil eine stabile Rentabilität die Fähigkeit zur Zins- und Tilgungszahlung bestimmt. In Credit Ratings gehen daher neben Liquiditäts- und Strukturkennzahlen immer auch Ertrags- und Rentabilitätskennzahlen ein.

Möglichkeiten die Cash Ratio zu verändern

Unternehmen können ihre Cash Ratio gezielt an Markt- und Unternehmensanforderungen anpassen:

  • Die Cash Ratio sinkt, wenn ein Unternehmen liquide Mittel investiert oder zusätzliche kurzfristige Verbindlichkeiten eingeht, etwa durch Wareneinkäufe auf Ziel.
  • Die Cash Ratio steigt, z. B.  durch die Aufnahme langfristiger Kredite bei Banken oder über Unternehmensanleihen. Dadurch steigen die liquide Mittel, die kurzfristigen Verbindlichkeiten bleiben zunächst unverändert.

Wenn Fremdkapital begrenzt ist, können Unternehmen außerdem:

Eine Kapitalerhöhung hingegen ist ein weitreichendes Instrument: Das Unternehmen nimmt neues Eigenkapital auf und gibt zusätzliche Anteile aus. Dies kann die Beteiligung bestehender Aktionäre verwässern und erfordert einen Hauptversammlungsbeschluss. Allein zur Anpassung der Cash Ratio ist dieser Schritt daher meist unrealistisch.

Hinweis: Der Verkauf von Anlagevermögen zur Liquiditätsverbesserung kann für Investoren ein Warnsignal sein – insbesondere, wenn hierfür Vermögensgegenstände veräußert werden, die für das Kerngeschäft notwendig sind. In diesem Fall gefährdet das Unternehmen möglicherweise seine eigene Ertragsbasis.

Cash Ratio – Nachteile

Die Aussagekraft der Cash Ratio ist aus mehreren Gründen begrenzt. Zum einen werden sehr kurzfristig verfügbare Mittel (Cash, Cash-Äquivalente) den gesamten kurzfristigen Verbindlichkeiten gegenübergestellt, die bis zu zwölf Monate (oder einen Geschäftszyklus) Zeit zur Fälligkeit haben können.

Damit vergleicht die Kennzahl einen engen Zeithorizont auf der Aktivseite mit einem deutlich längeren auf der Passivseite. sie wirkt daher eher als konservativer „Worst-Case-Stresstest“ und kann die Liquidität tendenziell vorsichtiger darstellen, als sie im laufenden Zahlungsstrom tatsächlich ist.

Hinzu kommt: Externe Analysepersonen kennen die Fälligkeitsstruktur der kurzfristigen Verbindlichkeiten meist nicht. Eine Cash Ratio von 20 % kann entspannt sein, wenn in den nächsten Wochen kaum Verbindlichkeiten fällig werden, aber kritisch, wenn kurzfristig ein großer Teil der Schulden zu bedienen ist. Die Kennzahl unterstellt implizit, dass alle kurzfristigen Verbindlichkeiten sofort auszugleichen wären – ein Szenario, das in der Praxis selten eintritt.

Zeitpunktbezug und Manipulationsanfälligkeit

Die Cash Ratio ist eine Stichtagskennzahl. Sie basiert typischerweise auf Bilanzwerten zum Jahresende und blendet Zuflüsse und Abflüsse unmittelbar vor oder nach dem Stichtag aus. Ein größerer Zahlungseingang am 2. Januar erscheint z. B. nicht in der Kennzahl zum 31. Dezember und kann die Liquidität zum Bilanzstichtag unterzeichnen.

Zudem ist sie anfällig für Bilanzkosmetik: Ein Unternehmen kann kurz vor dem Stichtag einen Kredit aufnehmen oder Forderungen verkaufen, um die Liquidität 1. Grades zu erhöhen, und diese Maßnahmen kurz danach wieder zurückdrehen. Nicht genutzt Kreditlinien oder andere Liquiditätsreserven auf Abruf erscheinen in der klassischen Cash Ratio ebenfalls nicht, obwohl sie die tatsächliche Zahlungsfähigkeit verbessern können.

Keine Aussage über die Ertragslage

Wie alle Liquiditätsgrade sagt die Cash Ratio nichts über die Ertragskraft eines Unternehmens aus. Ein Unternehmen kann über hohe flüssige Mittel verfügen und gleichzeitig dauerhaft Verluste schreiben. Für Anleger ist Liquidität zwar notwendige Voraussetzung, aber keine Garantie für Wertsteigerung: Langfristig ist eine nachhaltige Rentabilität entscheidend, um Zinsen, Tilgung, Dividenden und Wachstum zu finanzieren.

Die Cash Ratio kann daher lediglich anzeigen, ob kurzfristig ausreichend Mittel vorhanden sind. Sie reicht aber nicht aus, um eine Investitions- oder Kreditentscheidung zu begründen. Dafür müssen stets auch Ertrags-, Cashflow- und Strukturkennzahlen herangezogen werden.

Unterschied zwischen der Cash Ratio und anderen Liquiditätsgraden

Neben der Cash Ratio (Liquidität 1. Grades) werden vor allem die Quick Ratio und die Current Ratio verwendet. Die Cash Ratio gilt dabei als konservativste Kennzahl, weil sie ausschließlich auf sehr sicheren, sofort verfügbaren Zahlungsmitteln basiert.

Forderungen können ausfallen oder sich verzögern, Vorräte lassen sich oft nicht zum Buchwert verkaufen. Trotzdem haben alle drei Kennzahlen ihre Berechtigung. Gemeinsam liefern sie Investoren ein deutlich vollständigeres Bild der Liquiditätslage.

Quick Ratio (Liquidität 2. Grades)

Die Quick Ratio erweitert die liquiden Mittel um die kurzfristigen Forderungen. Im Nenner stehen weiterhin die kurzfristigen Verbindlichkeiten. Damit rückt die Kennzahl die Fristigkeit von Forderungen und Verbindlichkeiten näher zusammen.

Quick~Ratio = \frac{liquide~Mittel + kurzfristige~Forderungen}{kurzfristige~Verbindlichkeiten}

Grundsätzlich sollten liquide Mittel plus kurzfristige Forderungen die kurzfristigen Verbindlichkeiten etwa abdecken. Häufig wird für die Quick Ratio ein Zielbereich von etwa 100–120 % genannt. Je nach Branche (z. B. Handels- vs. Abo-Geschäfte) können aber auch niedrigere oder höhere Werte tragfähig sein.

Current Ratio (Liquidität 3. Grades)

Die Current Ratio setzt das gesamte Umlaufvermögen (z. B. liquide Mittel, Forderungen, Vorräte) ins Verhältnis zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten:

Current~Ratio = \frac{Umlaufvermögen}{kurzfristige~Verbindlichkeiten}

Sie liefert meist die höchsten Werte der drei Liquiditätsgrade und gibt einen Eindruck von der Vermögensstruktur und dem Puffer gegenüber kurzfristigen Verpflichtungen. Als grobe Orientierung gelten für die Current Ratio Werte von mindestens 100 %, häufig 120–200 %, abhängig von Branche und Geschäftsmodell.

Cash Ratio – Beispiel

Ein Investor hat verschiedene Unternehmen aus der Energiebranche im Blick und möchte in einem dieser Unternehmen investieren. Anhand der Cash Ratio möchte er jedoch zuvor prüfen, wie die Liquiditätssituation der Unternehmen ist. Eines der Unternehmen ist die Grün Energie AG. Aus dem letzten Geschäftsbericht entnimmt der Investor die folgende Bilanz.

Aktiva Passiva
Anlagevermögen 1.900.000 Eigenkapital 1.800.000
Umlaufvermögen Fremdkapital
  Vorräte 600.000   Rückstellungen 800.000
  Forderungen LuL 270.000   Ausst. Steuern 45.000
  Wertpapiere 100.000   Verbindlichkeiten LuL 285.000
  Barmittel 60.000
  2.930.000   2.930.000

Die liquiden Mittel, bestehend aus Wertpapieren und Barmitteln, betragen insgesamt 160.000 Euro. Für das Beispiel wird angenommen, dass die Rückstellungen überwiegend langfristig sind und nicht zu den kurzfristigen Verbindlichkeiten zählen. Daher werden als kurzfristige Verbindlichkeiten nur Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen sowie ausstehende Steuern (insgesamt 330.000 EUR) angesetzt.
Cash~Ratio=\frac{160.000~EUR}{330.000~EUR}*100=48,48\%

Der Wert von rund 50 % liegt klar über den üblichen Mindest-Richtwerten für die Liquidität 1. Grades (z. B. 10–30 %) und signalisiert eine komfortable Barliquidität. Ob dies bereits auf ineffizient gebundenes Kapital hindeutet, hängt von Investitionsplänen und Branchenumfeld ab.

Hinweis: In dem vorliegenden Beispiel kann es aus Investorensicht sinnvoll sein, die Cash Ratio für mehrere Perioden zu ermitteln. So kann sich ein Gesamteindruck ergeben, ob der ermittelte Wert üblich ist oder es sich um einen „Ausreißer“ handelt.

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