Backwardation – Erklärung & Beispiel
Backwardation (deutsch: „inverser Markt“ oder „Terminabschlag“) beschreibt eine Situation am Terminmarkt, in der der Terminkurs eines Vermögenswerts (bspw. Rohstoff) unter dem aktuellen Kassakurs liegt. Marktteilnehmer zahlen dabei mehr für die sofortige als für die zukünftige Lieferung eines Rohstoffs oder Finanzinstruments. Nahe Kontrakte notieren dann höher als länger laufende Kontrakte desselben Basiswerts.
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Backwardation – Definition
Backwardation liegt vor, wenn der Terminpreis eines Basiswerts (z. B. Rohstoff oder Index) unter dem aktuellen Kassapreis liegt. Dies kann auf kurzfristige Knappheit, niedrige Lagerbestände, erhöhte aktuelle Nachfrage oder einen hohen Convenience Yield hindeuten.
Der Backwardation-Effekt zeigt sich in einer fallenden Terminstrukturkurve, die den Spotpreis und die Terminkurse über verschiedene Laufzeiten hinweg abbildet.
Gründe für eine Backwardation
Backwardation entsteht häufig durch eine gestiegene Nachfrage nach sofortiger Lieferung, ausgelöst durch wirtschaftliche, geopolitische oder wetterbedingte Ereignisse. Erwartet der Markt zugleich eine Entspannung der aktuellen Knappheit, kann der Futurepreis unter den aktuellen Spotpreis fallen.
Ein weiterer Treiber ist die Absicherung von Produzenten gegen Preisschwankungen, besonders in der Agrar- und Rohstoffbranche. Um Planungssicherheit zu gewährleisten, verkaufen sie Futures bzw. schließen Terminkontrakte ab. Nach der Theorie der „normalen Backwardation“ kann der Futurespreis dabei unter dem erwarteten zukünftigen Spotpreis liegen, weil Produzenten für die Abgabe ihres Preisrisikos eine Risikoprämie an Käufer der Futures zahlen. Dieses Konzept beschrieb Keynes bereits 1930.
Auch ein steigendes zukünftiges Angebot, z. B. durch eine bevorstehende Ernte oder Produktionsausweitung, kann Futurekurse senken. Umgekehrt führen niedrige Lagerbestände kurzfristig oft zu höheren Spotpreisen.
Saisonalität spielt ebenfalls eine Rolle: Während der Erntezeit sorgen große Mengen für Preisdruck, während vor der Ernte Angebotsengpässe den Spotpreis steigen lassen. Extremwetter wie Dürre oder Frost kann zusätzlich Angebotsschocks auslösen und Backwardation verstärken.
Backwardation vs. Contango
Ein Markt befindet sich in Contango, wenn die Terminkurse über dem aktuellen Kassapreis liegen oder länger laufende Futures höher notieren als kurzfristige Futures. Dies tritt häufig in Marktphasen auf, in denen Lagerhaltung möglich, das Angebot ausreichend und der Convenience Yield vergleichsweise niedrig ist. Damit gilt Contango als Gegenstück zur Backwardation.
Auswirkungen im Future-Trading
In einer Backwardation-Situation kann sich das Rollen von Futures je nach Positionsrichtung unterschiedlich auf die Rendite auswirken.
- Bei einer Long-Position verkauft ein Investor einen auslaufenden, teureren Kontrakt und kauft gleichzeitig einen neuen, länger laufenden Kontrakt zu einem niedrigeren Preis. Durch diesen Rollvorgang kann ein positiver Rolleffekt entstehen, der die Rendite passiver Long-Strategien unterstützt, selbst wenn sich der Spotpreis gar nicht verändert.
- Für Short-Positionen kann Backwardation dagegen einen negativen Rolleffekt haben. Eine Short-Position wird vereinfacht betrachtet im auslaufenden, teureren Kontrakt zurückgekauft und anschließend in einem günstigeren, länger laufenden Kontrakt erneut verkauft. Dadurch kann beim Rollen ein Nachteil entstehen.
Besonders relevant ist dieser Effekt für futuresbasierte Rohstoff-ETPs, ETNs, Commodity Pools oder Indexprodukte, die regelmäßig rollen (z. B. monatlich). In Phasen ausgeprägter Backwardation können Long-Produkte von positiven Rollrenditen profitieren, während Short-Produkte durch Rollverluste belastet werden. Fällt der Spotpreis stärker als der mögliche Rollgewinn oder verändert sich die Terminstruktur, kann die Gesamtposition dennoch Verluste verursachen.
Praxisbeispiel: Backwardation bei Öl
Angenommen, der Kassapreis für Rohöl liegt bei 82 USD pro Barrel. Ein Future mit Lieferung in sechs Monaten notiert dagegen bei 78 USD pro Barrel. Der Markt befindet sich in diesem Fall in Backwardation, weil die sofortige Lieferung teurer ist als die zukünftige Lieferung.
Für Anleger bedeutet dies nicht, dass der Kassapreis in sechs Monaten tatsächlich bei 78 USD liegen muss. Der niedrigere Futurepreis kann auch Ausdruck aktueller Knappheit, hoher Nachfrage nach sofortiger Lieferung oder eines hohen Convenience Yield sein.
Weiterführende Informationen
Arbitrage und Backwardation
Eine Arbitragemöglichkeit bei Backwardation kann sich ergeben, wenn ein Händler den Basiswert heute zum hohen Spotpreis verkauft, gleichzeitig einen Future zum niedrigeren Preis kauft und die Ware bei Fälligkeit über den Future zurückerwirbt. Die Differenz zwischen Verkaufserlös und späterem Rückkaufpreis, zuzüglich möglicher Zinserträge aus der Zwischenzeit, kann unter engen Voraussetzungen einen Arbitragegewinn darstellen.
Voraussetzung für diese auch als Reverse Carry Trade bezeichnete Strategie ist jedoch, dass ausreichend Bestände vorhanden sind, um sie temporär zu veräußern. Zudem müssen der verkaufte Basiswert und der gekaufte Future hinsichtlich Qualität, Lieferort und Laufzeit ausreichend übereinstimmen. Verschiedene Nebenkosten können den rechnerischen Vorteil jedoch reduzieren oder vollständig aufheben.
Bei Verbrauchsgütern wie Öl oder Getreide ist die Umsetzung oft eingeschränkt, da diese Güter im Produktionsprozess verbraucht werden und kurzfristig nicht unbegrenzt verfügbar sind. Ohne verfügbare Lagerbestände kann die Arbitrage nicht realisiert werden und die Backwardation bleibt bestehen.
Zudem birgt das Basisrisiko eine Unsicherheit: Gemeint ist das Risiko, dass sich die Differenz zwischen Kassapreis und Futurespreis unerwartet verändert. Bei einem exakt passenden Liefer-Future sollte sich der Futurespreis zum Fälligkeitstermin zwar dem Kassapreis annähern, in der Praxis können Marktstörungen dennoch zu Abweichungen führen.
Abgrenzung bei Index-Futures
Bei Index-Futures entsteht Backwardation nicht durch Lagerknappheit, da ein Aktienindex nicht physisch gelagert wird. Stattdessen wirken vor allem Finanzierungskosten und erwartete Dividenden. Liegen die erwarteten Dividenden eines Index über den Finanzierungskosten, kann der faire Futurepreis unter dem aktuellen Indexstand liegen.
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