Fear and Greed Index – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

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Fear and Greed Index – Definition

Der Fear and Greed Index ist ein Indikator, der von einigen Anlegern zur Bewertung der Börsenstimmung verwendet wird. Er wurde im Jahr 2012 von CNNMoney entwickelt, um zwei der wichtigsten Emotionen (Fear = Angst & Greed = Gier) an der Börse zu messen.

Dahinter steht die Annahme, dass Angst und Gier starke Emotionen sind, die das Verhalten von Anlegern beeinflussen können. Dies wiederum kann sich auf die Aktienkurse auswirken. Der Fear and Greed Index kann Hinweise darauf geben, ob die aktuelle Marktstimmung besonders pessimistisch oder optimistisch ist.

Die folgende Grafik gibt eine Momentaufnahme des Angst-und-Gier-Indexes wieder.

Fear & Greed Index - Beispielhafte Momentaufnahme

Fear and Greed Index: Skala und Werte

Der Fear and Greed Index reicht von 0 bis 100. Die Werte werden üblicherweise in fünf Stimmungsbereiche eingeteilt:

  • 0 bis 24 – Extreme Fear: Die Marktstimmung ist von besonders starker Angst und hoher Risikoaversion geprägt.
  • 25 bis 44 – Fear: Vorsicht und eine negative Marktstimmung überwiegen.
  • 45 bis 55 – Neutral: Der Index zeigt keine eindeutige Tendenz zu Angst oder Gier.
  • 56 bis 75 – Greed: Optimismus und eine erhöhte Risikobereitschaft dominieren.
  • 76 bis 100 – Extreme Greed: Die Marktstimmung ist von besonders starkem Optimismus und hoher Risikobereitschaft geprägt.

Hinweis: Die Einstufung beschreibt zunächst nur die aktuelle Marktstimmung. Aussagekräftiger ist der Vergleich mit dem vorherigen Schlusswert sowie den Werten von vor einer Woche, einem Monat und einem Jahr. Auch die Entwicklung der sieben Einzelkomponenten kann zeigen, ob eine Veränderung von mehreren Bereichen des Marktes getragen oder hauptsächlich durch einen einzelnen Indikator verursacht wird.

Fear and Greed Index im Zeitverlauf

Der Fear and Greed Index kann auch im Zeitverlauf betrachtet werden. Die folgende Grafik zeigt die Entwicklung des Indexes über ein Jahr, wobei die x-Achse den Zeitverlauf und die y-Achse den Indexwert von 0 (extreme Fear) bis 100 (extreme Greed) darstellt.

Fear & Greed Index im Zeitablauf (Chart)

Die 7 Einzelkomponenten des Fear and Greed Index

Der Fear and Greed Index untersucht sieben verschiedene Faktoren, um die Marktstimmung zu ermitteln. Folgende Indikatoren werden berücksichtigt.

Market Momentum

Der Market Momentum Indikator vergleicht den aktuellen Stand des breiten Aktienmarktindex Standard & Poor’s 500 Index (S&P 500) mit seinem 125-Tage Durchschnittskurs (125-day moving average) verglichen.

Liegt der S&P 500 nahe seinem 125-Tage-Durchschnitt, zeigt der Indikator ein neutrales Ergebnis. Notiert der Index darüber, signalisiert dies eine Tendenz zu Gier. Liegt er darunter, wird dies als Angst gewertet.

Market Momentum - Teil des Fear and Greed Index
Market Momentum (Quelle: cnn.com)

Stock Price Strength

Der Stock Price Strength Indikator vergleicht die Anzahl der Aktien, die an der New York Stock Exchange (NYSE) ein neues 52-Wochen-Hoch erreicht haben, mit der Anzahl der Aktien, die an der New York Stock Exchange ein neues 52-Wochen-Tief erreicht haben.

Ein neutrales Ergebnis entsteht, wenn sich neue Höchst- und Tiefststände in etwa die Waage halten. Überwiegen die Höchststände, deutet dies auf Gier hin. Überwiegen die Tiefststände, wird dies als Angst gewertet.

Stock Price Strength - Teil des Fear and Greed Index
Stock Price Strength (Quelle: cnn.com)

Stock Price Breadth

Der Stock Price Breadth Indikator analysiert die Handelsvolumen von Aktien, welche aktuell steigen, sowie von Aktien, welche aktuell fallen.

Überwiegt das Handelsvolumen in steigenden Aktien, schlägt der Indikator in Richtung Gier aus. Überwiegt es in fallenden Aktien, weist er auf Angst hin. Ist keine klare Tendenz erkennbar, bleibt das Ergebnis neutral.

Stock Price Breadth - Teil des Fear and Greed Index
Stock Price Breadth (Quelle: cnn.com)

Put and Call Options

Der Indikator Put and Call Options basiert auf der Put-Call-Ratio. Sie setzt das gehandelte Volumen von Put-Optionen ins Verhältnis zum Volumen gehandelter Call-Optionen.

Entscheidend ist die Veränderung dieses Verhältnisses. Eine steigende Put-Call-Ratio wird im Fear and Greed Index als Signal für Angst interpretiert, eine sinkende Ratio als Signal für Gier. Aus dem Volumen lässt sich jedoch kein konkretes Absicherungsbedürfnis einzelner Marktteilnehmer direkt ableiten.

Put and Call Ratio - Teil des Fear and Greed Index
Put and Call Ratio (Quelle: cnn.com)

Junk Bond Demand

Der Junk Bond Indikator analysiert den Spread, also die Differenz, zwischen den Renditen von Anleihen mit geringerer Bonität, den sogenannten Junk Bonds, und den Renditen von Anleihen mit hoher Bonität (Investment Grade).

Ein besonders hoher Spread zwischen den Renditen deutet auf Angst hin, da Investoren für Anleihen geringerer Bonität einen höheren Risikoaufschlag verlangen. Ein geringer Spread spricht hingegen für Gier, während ein moderater bzw. typischer Spread ein neutrales Ergebnis signalisiert.

Junk Bond Demand - Teil des Fear and Greed Index
Junk Bond Demand (Quelle: cnn.com)

Hinweis: Die häufigen Rückgänge der Renditeaufschläge in der Grafik für Junk Bonds treten in der Regel am Ex-Dividendentag auf. Nach der Dividendenausschüttung erholt sich der Spread in der Regel wieder und normalisiert sich mit der Zeit.

Market Volatility

Der Market Volatility Indikator vergleicht den CBOE Volatilitätsindex (VIX) mit seinem 50-Tages-Durchschnitt. Der VIX bildet die aus Preisen von Optionen auf den S&P 500 Index abgeleitete Markterwartung der Indexvolatilität für die kommenden 30 Tage ab. Er misst weder die historische Volatilität noch unmittelbar die Volatilität der einzelnen Aktien im S&P 500.

Liegt der Index deutlich über dem 50-Tage-Durchschnitt, weist dies auf erhöhte erwartete Marktvolatilität und damit im Rahmen des Fear and Greed Index auf Angst hin. Befindet sich der Index nahe oder leicht unter dem Durchschnitt, gilt das Ergebnis als neutral. Ein sehr niedriger VIX wird als Signal für Gier interpretiert.

Market Volatility / Marktvolatilität - Teil des Fear and Greed Index
Market Volatility / Marktvolatilität (Quelle: cnn.com)

Safe Haven Demand

Der Safe Haven Demand Indikator vergleicht die Performance von Aktien mit der Performance von sogenannten Treasuries, also Staatsanleihen der USA, in einem Zeithorizont von 20 Tagen.

Übertreffen Aktien die Rendite von US-Staatsanleihen deutlich, spricht dies für Gier am Markt. Erzielen Treasuries die bessere Performance, wird dies als Angst gewertet. Bei leichter Outperformance der Aktien oder annähernder Parität fällt das Ergebnis neutral aus.

Safe Haven Demand - Teil des Fear and Greed Index
Safe Haven Demand (Quelle: cnn.com)

Vorteile des Fear and Greed Index

Verhaltensökonomen haben jahrzehntelang die Auswirkungen von Angst und Gier auf die Entscheidungen von Anlegern untersucht und liefern überzeugende Argumente für die Überwachung des CNN-Index.

Nach Ansicht der Börsenpsychologie kann Gier unser Gehirn so beeinflussen, dass wir unseren gesunden Menschenverstand und unsere Selbstkontrolle außer Acht lassen und Veränderungen herbeiführen. Obwohl es keine allgemein anerkannten Forschungsergebnisse über die Biochemie der Gier gibt, können Angst und Gier starke Motivatoren sein, wenn es um Menschen und Geld geht.

Nützlichkeit

Eine nicht peer-reviewte Vorabveröffentlichung aus dem Jahr 2023 untersuchte ein regelbasiertes Handelssystem, das bei extremer Angst Long- und bei extremer Gier Short-Positionen in Aktienindex-Futures eröffnete. Die Backtests bezogen sich auf den Zeitraum von Juli 2021 bis Juli 2022 und waren innerhalb der untersuchten Stichprobe profitabel.

Die Autoren nennen den kurzen Untersuchungszeitraum von nur einem Jahr und die fehlende prospektive Validierung ausdrücklich als zentrale Einschränkungen.

Aussagekraft und Grenzen des Fear and Greed Index

Der Fear and Greed Index verdichtet verschiedene marktbasierte Stimmungsindikatoren zu einem einzigen Wert. Er misst jedoch weder den inneren Wert von Aktien noch Unternehmensgewinne, Wachstumsaussichten oder die fundamentale Bewertung des Aktienmarktes.

Ein niedriger Indexwert ist deshalb kein Beweis dafür, dass Aktien unterbewertet sind. Ebenso belegt ein hoher Wert nicht automatisch eine Überbewertung. Angst kann während eines länger anhaltenden Abwärtstrends bestehen bleiben, während Gier auch über einen längeren Zeitraum mit weiter steigenden Kursen einhergehen kann.

Auch die wissenschaftlichen Ergebnisse zur Prognosekraft sind nicht über alle Zeiträume hinweg einheitlich. Eine im Jahr 2025 in Finance Research Letters veröffentlichte Studie zum CNN Fear and Greed Index fand für einige US-Aktienindizes zeitweise einen statistischen Zusammenhang mit späteren Renditen. Die Beziehung war jedoch zeitabhängig und im Untersuchungszeitraum von 2021 bis 2024 deutlich schwächer als in früheren Jahren.

Hinweis: Der Index eignet sich vor allem zur Einordnung der aktuellen Marktstimmung. Für Anlageentscheidungen sollte er mit fundamentalen Analysen, der persönlichen Risikotragfähigkeit und weiteren relevanten Indikatoren kombiniert werden.

Kritik am Fear and Greed Index

Einige Skeptiker sehen den Index kritisch und bezweifeln seine Eignung als verlässliches Anlageinstrument. Ihrer Meinung nach fördert er eher eine Market-Timing-Strategie anstelle eines langfristigen Buy-and-Hold-Ansatzes. Da Buy-and-Hold als bewährte Strategie für den Aktienmarkt gilt, befürchten Kritiker, dass der Fear-and-Greed-Index Anleger zu häufigen Käufen und Verkäufen verleiten könnte.

Historische Daten deuten darauf hin, dass ein solches Verhalten oft zu schlechteren Renditen führt. Zudem gibt es keine einheitliche Meinung darüber, welche Indikatoren am besten geeignet sind, um das tatsächliche Bewertungsniveau des Aktienmarktes zuverlässig zu bestimmen.

Das eigene Handeln nicht von Angst und Gier beeinflussen lassen

Der beste Weg, Angst und Gier beim Trading zu überwinden, ist die Entwicklung eines durchdachten Trading-Plans – und die konsequente Einhaltung desselben. Ein solcher Plan hilft, impulsives Handeln zu vermeiden und diszipliniert zu bleiben.

Typische Abweichungen von einem Plan können übermäßiges Leveraging (also ein zu hoher Hebel), das Entfernen von Stopps bei Verlustpositionen oder das Verdoppeln von Verlusttrades sein. Um emotionale Entscheidungen noch weiter zu minimieren, kann es sinnvoll sein, das Volumen und die Häufigkeit des Handels zu reduzieren. Auch das Führen eines Trading-Tagebuchs ist eine bewährte Strategie, um Ängste und Gier zu reflektieren und zu kontrollieren.

Am wichtigsten ist jedoch fundiertes Finanzwissen. Händler sollten die Wertpapiere und die dahinterstehenden Unternehmen genau verstehen – und wissen, warum sie ihre Handelsentscheidungen treffen.

Häufige Fragen

Welcher Fear and Greed Index ist gemeint?

Der in diesem Artikel beschriebene Fear and Greed Index ist der von CNN veröffentlichte Stimmungsindikator für den US-Aktienmarkt. Seine Komponenten beziehen sich unter anderem auf den S&P 500, an der New York Stock Exchange gehandelte Aktien, den US-Optionsmarkt sowie US-Staats- und Unternehmensanleihen.

Daneben gibt es eigenständige Fear-and-Greed-Indizes für Kryptowährungen und andere Märkte. Diese werden von verschiedenen Anbietern veröffentlicht und verwenden jeweils eigene Datenquellen, Komponenten und Gewichtungen. Ihre Werte sind daher weder mit dem CNN Fear and Greed Index noch untereinander unmittelbar vergleichbar.

Wie wird der Fear and Greed Index berechnet?

Für jede der sieben Komponenten wird untersucht, wie stark ihr aktueller Wert von einem relevanten Vergleichsniveau beziehungsweise historischen Durchschnitt abweicht. Dabei wird auch berücksichtigt, wie groß solche Abweichungen üblicherweise ausfallen. Aus dieser Einordnung erhält jede Komponente einen Wert auf einer Skala von 0 bis 100.

Die sieben Komponenten werden anschließend gleich gewichtet zu einem Gesamtwert zusammengeführt. Ein höherer Gesamtwert steht für eine stärkere Tendenz zu Gier, ein niedrigerer Wert für eine stärkere Tendenz zu Angst. Die Komponenten und der Gesamtindex werden aktualisiert, sobald die jeweils benötigten Marktdaten verfügbar sind.

Nach der derzeit von CNN beschriebenen Methodik basiert die Komponente Stock Price Breadth auf dem McClellan Volume Summation Index. Bei der Komponente Put and Call Options wird der gleitende Fünf-Tage-Durchschnitt der Put-Call-Ratio ausgewertet.

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