Bundesanleihen – Definition & Erklärung

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Was sind Bundesanleihen? – Eine Definition

Bundesanleihen sind Wertpapiere, die von der Bundesrepublik Deutschland emittiert werden, um sich langfristig Geld über den Kapitalmarkt zu leihen. Die ursprüngliche Laufzeit von Bundesanleihen liegt derzeit in der Regel bei 7, 10, 15, 20 oder 30 Jahren und der Zinssatz (Kupon) ist in der Regel fest vorgegeben.

Erklärung der Funktionsweise einer Bundesanleihe

Wie funktionieren Bundesanleihen?

Der Ablauf bei Bundesanleihen lässt sich in vier Schritte einteilen:

  1. Festlegung im Bundeshaushalt: Zunächst wird die Kreditaufnahme des Bundes im Bundeshaushalt festgelegt. Für den Entwurf des Bundeshaushaltsplans ist grundsätzlich das Bundesfinanzministerium zuständig, während die Bundesregierung diesen beschließt.
  2. Rechtliche Ermächtigung: Anschließend wird der Entwurf an Bundestag und Bundesrat weitergeleitet. Nach Verabschiedung des Haushaltsgesetzes ist die Kreditaufnahme des Bundes rechtlich ermächtigt. Die operative Emission und das Schuldenmanagement erfolgen über die Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland.
  3. Emission am Kapitalmarkt: Darauf aufbauend werden Bundesanleihen am Kapitalmarkt angeboten. Der Käufer der Bundesanleihe leiht Deutschland Fremdkapital und agiert somit als Gläubiger. Im Gegenzug erhält er für sein geliehenes Geld in der Regel jährliche, feste Zinszahlungen (Kupon).
  4. Handel und Rückzahlung: Zudem hat der Käufer die Möglichkeit, seine Wertpapiere an der Börse zum aktuellen Kurs zu verkaufen. Zum Ende der Laufzeit muss die Bundesrepublik Deutschland den Nennbetrag der Anleihe an den Anleiheinhaber zurückzahlen.

Welche Arten von Bundeswertpapieren gibt es?

Es gibt verschiedene Typen von Bundeswertpapieren, dazu gehören u.a.:

Bundeswertpapier Kürzel Typ Typische Laufzeit Futures Futures-Ticker
Bundesanleihen Bund nominale Anleihe 7, 10, 15, 20 oder 30 Jahre ja FGBL
(zusätzlich für sehr langlaufende Titel: FGBX / Buxl)
Bundesobligationen Bobl nominale Anleihe 5 Jahre ja FGBM
Bundesschatzanweisungen Schatz nominale Anleihe 2 Jahre ja FGBS
Unverzinsliche Schatzanweisungen Bubill Geldmarktpapier / Diskontpapier 12 Monate nein
Inflationsindexierte Bundeswertpapiere Bund/€i inflationsgeschützte Anleihe 10 bis 30 Jahre nein
Grüne Bundesanleihen Bund/g grüne nominale Anleihe an bestehende Bund-Laufzeiten gekoppelt nein
Grüne Bundesobligationen Bobl/g grüne nominale Anleihe an bestehende Bobl-Laufzeiten gekoppelt nein

Darüber hinaus wurden in der Vergangenheit auch inflationsindexierte Bundesobligationen emittiert. Seit 2024 werden inflationsindexierte Bundeswertpapiere jedoch nicht mehr neu emittiert oder aufgestockt. Ausstehende Titel verbleiben weiterhin im Umlauf.

Merkmale einer typischen Bundesanleihe

Die folgende Tabelle stellt die zentralen Merkmale einer “normalen” Bundesanleihe sowie – historisch betrachtet – einer inflationsindexierten Bundesobligation und eines inflationsindexierten Bundeswertpapiers dar. (Quelle: Deutsche Finanzagentur)

Merkmale Bundesanleihen Inflationsindexierte Bundesobligation (historisch) Inflationsindexierte Bundeswertpapiere (Bestandspapiere)
Anleihetyp nominale Anleihe inflationsgeschützte Anleihe inflationsgeschützte Anleihe
Laufzeit 7, 10, 15, 20 oder 30 Jahre 5 Jahre 10 bis 30 Jahre
Ertrag fixe jährliche Zinszahlungen fixe jährliche Zinszahlung + Inflationsausgleich fixe jährliche Zinszahlung + Inflationsausgleich
Rückzahlung zum Nennwert mindestens zum Nennwert + Inflationsausgleich mindestens zum Nennwert + Inflationsausgleich
Kursrisiko mittel bei einer Laufzeit von 7, 10, 15 oder 20 Jahren und hoch bei einer Laufzeit von 30 Jahren mittel hoch
Liquiditätsrisiko sehr gering sehr gering sehr gering
Emittentenrisiko sehr gering sehr gering sehr gering

Wie hoch sind die Zinsen von Bundesanleihen aktuell?

Die folgende Grafik der Federal Reserve Bank of St. Louis stellt die Zinsentwicklung einer Bundesanleihe mit einer Laufzeit von 10 Jahren dar.

Erläuterung der Zinsentwicklung bei Bundesanleihen

Diese Grafik zeigt, dass die Effektivrenditen für deutsche Bundesanleihen seit dem Jahr 2008 zunächst deutlich gefallen sind und zeitweise sogar negative Werte erreicht haben. Seit dem Jahr 2022 hat sich das Zinsumfeld jedoch deutlich verändert. Anfang April 2026 lag die Rendite einer 10-jährigen Bundesanleihe wieder bei rund 3 %. 

Ein wesentlicher historischer Grund für die sehr niedrigen Renditen lag in der expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). So lag der Hauptrefinanzierungssatz der EZB zwischen März 2016 und Juli 2022 bei 0 %. Seit Juli 2022 wurden die Leitzinsen wieder angehoben.

Außerdem kaufte die EZB im Rahmen ihrer Programme Asset Purchase Programme (APP) sowie Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) über längere Zeit Staatsanleihen von Euro-Mitgliedsstaaten. Dies dürfte in der Niedrigzinsphase zu einem zusätzlichen Rückgang der Renditen für Staatspapiere beigetragen haben. Die Reinvestitionen im APP endeten 2023, jene im PEPP Ende 2024.

Berechnung der Rendite einer Bundesanleihe

Die Rendite einer Bundesanleihe beinhaltet den Ertrag einer Kapitalanlage. Die Anleiherendite wird in Prozent ausgedrückt und auf Jahresbasis umgerechnet. Sie ergibt sich aus den Zinszahlungen des Emittenten sowie der Wertsteigerung der Anleihe während der Laufzeit.

Formal kann die tatsächliche Rendite einer Bundesanleihe wie folgt beschrieben werden.

Anleiherendite=\frac{Kupon+\frac{Verkaufkurs-Kaufkurs}{Laufzeit}}{Kaufkurs}*100

Zahlenbeispiel: Der Kupon liegt bei 2%, der Anleger kauft die Anleihe zum Kurs von 95% und verkauft diese nach 5 Jahren zum Kurs von 105%. Daraus ergibt sich eine Rendite von 4,21%.

Einflussfaktoren auf die Rendite von Bundesanleihen

Unter anderem ist der Kurs einer Bundesanleihe vom allgemeinen Zinsniveau am Rentenmarkt abhängig. Maßgeblich sind dabei insbesondere die Renditen vergleichbarer Anleihen, die Erwartungen über die künftige Zinsentwicklung sowie die geldpolitischen Rahmenbedingungen der EZB.

Im Normalfall steigt die Rendite einer Bundesanleihe mit der Laufzeit und dem eingeschätzten Ausfallrisiko des Emittenten. Zwischen Marktzins und Anleihekurs besteht üblicherweise ein gegenläufiger Zusammenhang:

  • Sinkt der Marktzins, steigt der Anleihekurs.
  • Steigt der Marktzins, sinkt der Anleihekurs.

Wo kann man Bundesanleihen kaufen?

Grundsätzlich können Anleihen der Bundesrepublik Deutschland über ein Wertpapierdepot einer Bank oder eines Brokers gekauft werden. Die Abwicklung erfolgt elektronisch. Die entsprechende ISIN mit den Merkmalen (z.B. Kupon und Laufzeit) der einzelnen Bundesanleihen stehen beispielsweise auf der Homepage der Finanzagentur der Bundesrepublik Deutschland.

Der eigentliche Handel findet auf dem Anleihenmarkt statt, auf dem sich die Kurse für die verschiedenen Staatspapiere bilden. Diese beeinflussen die Kaufentscheidung eines Anlegers. Ferner besteht weder eine minimale, noch eine maximale Anlagegrenze. Für die Neuemissionen von Bundesanleihen steht ein Emissionskalender zum Ende des Vorjahrs öffentlich zur Verfügung.

Kann man mit Bundesanleihen handeln?

Anleger können Anleihen der Bundesrepublik Deutschland an der Börse zu jedem Börsentag kaufen und verkaufen. Beim Handeln sollte der Kurs der Bundesanleihe berücksichtigt werden, der während der Laufzeit schwanken kann. Hingegen liegt der Kurs bei Ausgabe nahe 100% und am Fälligkeitsdatum wird sie zu 100% zurückgezahlt.

Vorteile von Bundesanleihen

Das Investieren in Bundesanleihen kann mit einigen Vorteilen verbunden sein, dazu gehören:

  • Hohe Liquidität
    Bundesanleihen gehören zu den meistgehandelten Staatspapieren des Euroraums und weisen daher eine hohe Liquidität auf. Die ausstehenden Bundeswertpapiere und Kreditmarktmittel haben derzeit ein Gesamtvolumen von rund 2.006 Milliarden Euro  (Stand: 02/2026).
  • Sicherheit
    Grundsätzlich gelten Bundesanleihen als sehr sicher. Der Grund: Die Kreditwürdigkeit der Bundesrepublik Deutschland, als Emittent der Anleihe, wird als sehr hoch eingestuft. Beispielsweise stuft die Ratingagentur S&P Deutschland aktuell mit AAA und die USA mit AA+ ein. Auch im internationalen Vergleich gilt die Bonität Deutschlands damit als sehr hoch. Insofern sind Bundesanleihen auch als Hedging-Instrument interessant.
  • Geringes Risiko
    In der Summe sind Bundesanleihen, im Vergleich zu anderen Investitionsanlagen, mit geringen Risiken gekennzeichnet. Welche Risiken genau mit der Investition einer Anleihe verbunden sein können, wird weiter unten im Artikel beschrieben.
  • Planbarkeit
    Aufgrund der festen Konditionen (Kupon, lange Laufzeiten) einer Bundesanleihe erhält der Anleiheinhaber eine gewisse Planbarkeit bezüglich seines Vermögensaufbaus. Zusätzlich können Auszahlungen generell einfacher kalkuliert werden.
  • Sehr gutes Credit Rating
    Bundesanleihen gelten als mündelsichere Finanzprodukte. Zudem sollte gemäß den Einschätzungen großer Ratingagenturen das Emittentenrisiko aus einer Bundesanleihe begrenzt sein. Im Jahr 2026 erhielt die Bundesrepublik Deutschland von großen Ratingagenturen (Moody’s-, S&P, und Fitch) weiterhin ein Credit Rating der höchsten Stufe bzw. Spitzengruppe (Aaa, AAA, AAA). Demnach sei ein Ausfallrisiko kaum vorhanden.

Nachteile und Risiken von deutschen Staatsanleihen

Außerdem können Bundesanleihen mit verschiedenen Risiken verbunden sein, dazu gehören:

  • Emittentenrisiko
    Grundsätzlich kann eine Verschlechterung der Zahlungsfähigkeit zu einem sinkenden Kurs der Bundesanleihe führen. Die Bundesrepublik Deutschland haftet für die (vorher fest vereinbarten) Rückzahlungen mithilfe ihrer Vermögenswerte und Steuereinnahmen.
  • Geringe und sogar negative Rendite möglich
    Es besteht die Möglichkeit, dass die Rendite (siehe zur Berechnung der Rendite den Abschnitt oben) einer Bundesanleihe negativ ausfällt. Für bestimmte Bundesanleihen ist dies bereits der Fall. Vor diesem Hintergrund dürfte die Bedeutung von Bundesanleihen, insbesondere für Kleinanlegern, grundsätzlich gesunken sein.
  • Kursrisiko
    Während der Laufzeit können die Kurse der Bundesanleihen schwanken. Das Kursrisiko umfasst das Risiko einer Kursveränderung einer Bundesanleihe. Dabei kann der Marktzinssatz einen Einfluss auf die Entwicklung der Anleihekurse nehmen. Beispielsweise führt ein Anstieg des allgemeinen Marktzinssatzes tendenziell zu einer Abnahme des Anleihekurses. Der Marktzinssatz wird wiederum von verschiedenen Faktoren beeinflusst (z.B. Leitzinssatz der Europäischen Zentralbank, konjunkturelle Entwicklung, Inflation). Falls ein Anleger jedoch bis zum Ende der Laufzeit die Anleihe halten möchte, dürfte das Kursrisiko ziemlich egal sein.
  • Liquiditätsrisiko
    Das Risiko, eine Bundesanleihe am Anleihemarkt nicht verkaufen zu können, ist sehr gering. Anleihen der Bundesrepublik Deutschland gehören zu den meistgehandelten Staatspapieren der Eurozone.
  • Inflationsrisiko
    Da sich das Preisniveau in Deutschland während der Laufzeit verändern kann, existiert ein Inflationsrisiko bei nicht inflationsgeschützten Bundesanleihen. Angesichts der längeren Laufzeiten entsteht eine spezielle Unsicherheit über die realen Auszahlungen. So kann ein Anstieg in der Inflationsrate einen Kursrückgang einer bereits emittierten Bundesanleihe bewirken.
  • Wechselkursrisiko
    Ein Wechselkursrisiko besteht primär für ausländische Investoren, deren Heimwährung nicht der Euro ist. Bundesanleihen sind in Euro notiert, daher wird der Handel grundsätzlich auch in Euro abgewickelt. Für beispielsweise US-amerikanische Investoren spielt daher der Dollarkurs eine wichtige Rolle. Würde der Dollarkurs (in Mengennotierung, d.h. Preis der inländischen Währung ausgedrückt in ausländischen Währungseinheiten (x$/1€)) während der Laufzeit sinken, müsste der US-amerikanische Anleger beim Verkauf seiner Bundesanleihe und dem direkten Währungs-Umtausch einen Verlust machen. Ferner dürfte im hypothetischen Fall eines Zusammenbruchs der Eurozone ein Wechselkursrisiko bestehen.

Bundesanleihen: Sichere Anlage – geringe Rendite

Die Investition in Bundesanleihen gilt als sehr sicher – gemäß großer Ratingagenturen wird das Ausfallrisiko der Bundesanleihe als äußerst gering eingestuft. Das Problem allerdings: Der Kupon einer neu emittierten Bundesanleihe ist relativ gering. Daher setzen einige Anleger vermehrt auf Aktien.

Letztlich müssen sich Aktien und Anleihen nicht gegenseitig ausschließen. So kann eine richtige Mischung aus beiden Geldanlagen eine Bereicherung für das Portfolio sein.

Häufige Fragen

Warum gibt der Staat Bundesanleihen aus?

Grundsätzlich nutzt Deutschland Bundesanleihen als Finanzierungsquelle. Indem Deutschland Bundesanleihen ausgibt, kann es sich Fremdkapital (Kredit) am Kapitalmarkt von interessierten Anlegern für eine festgelegte Zeit und meistens zu einem festgelegten Zinssatz ausleihen.

In manchen Fällen reichen die Steuereinnahmen für die staatlichen Ausgaben nicht aus, um sie gänzlich zu finanzieren. Dann gibt der Staat Bundesanleihen aus. Finanziert werden beispielsweise die Gehälter im Öffentlichen Dienst, Investitionen in die Infrastruktur, Sanierungen von öffentlichen Gebäuden wie Schulen oder Universitäten, Finanzierung der Bundeswehr und auch Notfallmaßnahmen im Zuge der Corona-Pandemie 2020/21.   

Kann der deutsche Staat beliebig viele Anleihen ausgeben?

Bundesanleihen dürfen grundsätzlich nicht beliebig viel ausgegeben werden. Denn die Kreditaufnahme des Bundes wird im Bundeshaushalt ermächtigt. Darüber hinaus unterliegt Deutschland europäischen und nationalen Fiskalregeln.

Sind Bundesanleihen sicher?

Grundsätzlich gelten Bundesanleihen als sehr sicher (d.h. die Wahrscheinlichkeit eines Ausfalls der Rückzahlung sei sehr gering), da der Schuldner (hier: Bundesrepublik Deutschland) von großen Ratingagenturen ein Rating der höchsten Stufe erhielt (Stand: 2025). Dennoch ist die Investition in Bundesanleihen mit anderen, verschiedenen Risiken verbunden.

Bundesanleihen vs. Aktien - Was ist besser?

Da sowohl Bundesanleihen als auch Aktien mit unterschiedlichen Risiken (z.B. länderspezifische vs. unternehmensspezifische Risiken), Renditemöglichkeiten (z.B. Kupon vs. Dividenden) und Merkmalen (z.B. Fremdkapital vs. Eigenkapital) verbunden sind, kann keine pauschale Aussage getroffen werden, ob Bundesanleihen oder Aktien besser sind. Schließlich sollten Investitionsentscheidungen von den individuellen Rahmenbedingungen (z.B. Alter, Vermögen, Ausgaben, Familienstand) sowie Präferenzen (insbesondere Risikoneigung) des Anlegers abhängig sein.

Für wen eignen sich Bundesanleihen?

Bundesanleihen eignen sich speziell für risikoscheue Anleger, die ihr Geld langfristig anlegen möchten. Der Grund: Das Ausfallrisiko wird von großen Ratingagenturen als äußerst gering eingeschätzt und die festen Bedingungen (Kupon, Laufzeit) machen eine Investition planbarer.

Was ist ein Stripping?

Ein Stripping bedeutet grundsätzlich die Separierung von Kapital- und Zinsansprüchen und deren getrennter Handel von bestimmten Bundesanleihen. Das hat den Vorteil, dass sowohl Institutionen als auch Privatanleger ihre Zahlungsströme genau bestimmen können. Die Option eines Strippings gibt es seit Mitte 1997. Gemäß der Deutschen Bundesbank erfordert ein Stripping allerdings ein Mindestbetrag von 50.000 Euro.

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