Liquidität (Aktien) – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Liquidität - Definition
Liquidität - Definition

Liquidität (engl.: „Liquidity“) beschreibt im Börsenhandel, wie gut ein Wertpapier handelbar ist — also wie schnell es mit welchen Transaktionskosten (z. B. Spread) und mit welcher Preiswirkung (Market Impact) gekauft oder verkauft werden kann.

Merkmale der Liquidität

Börsenliquidität ist mehrdimensional und umfasst typischerweise:

  • Enge (Tightness): z. B. niedriger Bid-Ask-Spread.
  • Markttiefe (Depth): wie viel Volumen zu den besten (und nahegelegenen) Preisen im Orderbuch verfügbar ist.
  • Unmittelbarkeit (Immediacy): wie schnell Orders ausgeführt werden.
  • Resilienz (Resiliency): wie schnell sich Preise/Spreads nach größeren Trades oder Marktstress normalisieren.

Hohe vs. geringe Liquidität

Hochliquide Aktien werden in der Regel kontinuierlich gehandelt, haben enge Spannen zwischen Geld- und Briefkurs (geringer Spread) und verfügen häufig über hohe Markttiefe. Dadurch lassen sich auch größere Orders meist schnell und mit geringer Preiswirkung ausführen.

Illiquide Aktien hingegen weisen oft ein geringeres Handelsvolumen, größere Spreads, eine geringere Orderbuchtiefe sowie häufiger Kurslücken auf. Dadurch kann bereits ein vergleichsweise kleines Handelsvolumen spürbare Kursbewegungen auslösen.

Die folgende Tabelle zeigt wesentliche Unterschiede zwischen Wertpapieren mit hoher und geringer Liquidität.

Merkmal Hohe Liquidität Geringe Liquidität
Handelsvolumen Hoch bis sehr hoch Niedrig
Bid-Ask-Spread Niedrig (enge Spanne) Hoch (weite Spanne)
Orderbuchtiefe (Depth) Hoch (viel Volumen nahe am Preis) Gering (wenig Volumen, „dünnes“ Orderbuch)
Orderausführung Schnell, häufig mit geringem Market Impact Langsamer, häufiger Teil-Ausführungen und höherer Market Impact
Preiswirkung großer Orders (Market Impact) Relativ gering (bei gleicher Ordergröße) Relativ hoch (bei gleicher Ordergröße)
Beispiele Blue Chip Aktien (bspw. BMW, SAP, Siemens) Kleine Nebenwerte, Pennystocks

Hinweis: Liquidität korreliert nicht mit Volatilität. Ein Markt kann sehr liquide sein und trotzdem stark schwanken.

Messung und Berechnung der Liquidität

Zur Messung der Liquidität gibt es unterschiedliche Kennzahlen und Methoden. Ein häufig genutzter Indikator ist der relative Bid-Ask-Spread. Ein niedriger Spread deutet ceteris paribus auf eine höhere Liquidität (geringere unmittelbare Transaktionskosten) hin.

\text{Spread} (\%) = \frac{\text{Briefkurs (Ask)} - \text{Geldkurs (Bid)}}{\text{Mid}} \times 100

Dabei ist der Mid-Preis (Mittelkurs) üblicherweise definiert als:

\text{Mid} = \frac{\text{Bid} + \text{Ask}}{2}

Weitere gängige Kennzahlen sind:

  • Durchschnittliches Handelsvolumen (z. B. durchschnittliches tägliches Volumen in Stück oder Euro).
  • Umschlagshäufigkeit (Turnover) (Handelsvolumen relativ zur frei handelbaren Aktienzahl).
  • Orderbuchtiefe (Volumen auf den besten Preisstufen und in Preisnähe).

Hinweis: Keine einzelne Kennzahl bildet Liquidität vollständig ab. In der Praxis ist eine Kombination aus Spread-, Volumen- und Orderbuch-Maßen am aussagekräftigsten.

Bedeutung der Liquidität

Liquidität ist besonders wichtig für kurzfristig orientierte Anleger und Trader, weil sie das schnelle Eröffnen oder Schließen von Positionen mit geringeren Spreads und geringerem Market Impact erleichtert.

Aber auch für langfristig orientierte Anleger ist Liquidität relevant:

  • Transaktionskosten: Enge Spreads und geringe Preiswirkung senken die (impliziten) Handelskosten.
  • Flexibilität: Bei Rebalancing, Risikoanpassungen oder unerwartetem Liquiditätsbedarf ist eine verlässliche Handelbarkeit vorteilhaft.
  • Preisfindung: In liquiden Märkten erfolgt die Preisbildung oft effizienter, weil mehr kontinuierliche Transaktionen stattfinden.

Viele Value-Investoren betonen zudem sinngemäß: Die ständige Handelbarkeit ist zwar ein Vorteil von Aktien, kann Anleger aber auch dazu verleiten, Positionen zu häufig und zu kurzfristig zu verändern.

Einflussfaktoren

Die Liquidität eines Wertpapiers hängt von mehreren Faktoren ab, darunter:

  • Handelsvolumen: Je höher das tägliche Handelsvolumen, desto enger sind in der Regel die Handelsspannen.
  • Unternehmensgröße und Bekanntheit: Aktien großer und bekannter Unternehmen werden häufig kontinuierlich gehandelt.
  • Anteil frei handelbarer Aktien (Free Float): Ein größerer Free-Float-Anteil kann tendenziell die Liquidität erhöhen, ist aber nur ein Faktor unter mehreren.
  • Marktsituation: In volatilen Börsenphasen können Spreads steigen und die Markttiefe abnehmen. Liquidität kann dann kurzfristig deutlich schlechter werden.
  • Börsenplatz: Einige Börsen bieten oft bessere Liquidität, da dort mehr gehandelt wird (z. B. Xetra, NYSE, Nasdaq).
  • Market Making / Liquiditätsanbieter: Wo viele professionelle Liquiditätsanbieter aktiv sind, sind Spreads und Ausführungsqualität häufig besser.

Auswirkungen von Illiquidität

Bei der Ausführung einer Market Order in wenig gehandelten Aktien kann es eher zu Slippage kommen – also zu einer Abweichung zwischen erwartetem und tatsächlichem Ausführungspreis. Diese Abweichung kann (je nach Marktsituation) ungünstig oder auch günstig ausfallen, tritt aber besonders häufig bei geringer Liquidität, hoher Volatilität oder großen Orders auf.

Bei Limit Orders kann eine geringe Liquidität dazu führen, dass Börsenaufträge nur teilweise, sehr langsam oder gar nicht zum festgelegten Preis ausgeführt werden, weil die Gegenseite (Angebot/Nachfrage) im Orderbuch fehlt.

Beispiel

Ein Beispiel für ein hochliquides Wertpapier ist die Microsoft-Aktie (Tickersymbol: MSFT, Nasdaq). Bei hochliquiden Aktien ist der Spread meist sehr eng und es liegt viel Volumen im Orderbuch.

Angenommen, im Orderbuch stehen aktuell:

  • Bid (Geldkurs): 349,98 US-Dollar
  • Ask (Briefkurs): 350,02 US-Dollar
  • Mid (Mittelkurs): 350,00 US-Dollar

Ein Käufer, der eine Market Order aufgibt, wird typischerweise zum besten Ask (hier: ca. 350,02 US-Dollar) ausgeführt, ein Verkäufer typischerweise zum besten Bid (hier: ca. 349,98 US-Dollar). Weil der Spread eng ist und die Markttiefe hoch, ist die Ausführung in der Regel schnell und die Abweichung vom erwarteten Preis (Slippage) meist gering.

Bei einem illiquiden Wertpapier kann die Situation anders aussehen: Der Spread kann deutlich breiter sein und die Orderbuchtiefe sehr gering. Dann kann bereits eine mittelgroße Market Order mehrere Preisstufen „durchhandeln“ und deutlich schlechter (oder in seltenen Fällen auch besser) ausgeführt werden als erwartet.

In Extremfällen kann es zudem vorkommen, dass Käufer nur mit erheblichem Abschlag und Verkäufer nur mit erheblichem Aufschlag handeln wollen. Das führt zu weiten Spreads, geringen Umsätzen und größeren Kursbewegungen schon bei kleinen Volumina.

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