Trailing Stop Order – Erklärung und Beispiel
Ein Trailing Stop (deutsch: „nachlaufender Stop“), auch: „Trailing Stop-Loss“, ist eine modifizierte Stop Order, bei der sich der Stoppreis dynamisch um einen bestimmten Prozentsatz oder Betrag an den Kursverlauf anpasst. Bewegt sich der Kurs des Wertpapiers in die gewünschte Richtung, wird der Stop nachgezogen. Erreicht oder durchbricht der maßgebliche Kurs den nachgezogenen Stoppreis, wird eine Folgeorder ausgelöst. Bei einem einfachen Trailing Stop ist dies üblicherweise eine Market Order.
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Was ist ein Trailing Stop? – Definition
Eine Trailing Stop Order folgt dem Kurs eines Wertpapiers und löst je nach gewähltem Ordertyp eine Market Order oder – beim Trailing Stop-Limit – eine Limit Order aus, sobald der maßgebliche Preis den Stoppreis erreicht oder durchbricht. Statt eines festen Kurses wie bei einer regulären Stop Order wird ein Kursabstand festgelegt, der prozentual (z. B. 5 %) oder absolut definiert werden kann (z. B. 0,50 EUR).
Wie funktioniert eine Trailing Stop Order?
Um einen Trailing Stop zu nutzen, wird zunächst auf der Handelsplattform die entsprechende Option (z. B. „TRAIL“) ausgewählt. Anschließend wird das gewünschte Wertpapier sowie die Stückzahl angegeben. Zusätzlich wird ein Abstand gesetzt, aus dem der dynamische Stoppreis berechnet wird.
Die Order kann sowohl bei Kauf als auch bei Verkauf eingesetzt werden.
- Trailing Stop-Loss bei Long-Positionen: Bei einem Verkauf wird ein Stop unter dem aktuellen Kurs gesetzt. Dieser passt sich automatisch nach oben an, wenn der Kurs steigt. Sobald der maßgebliche Kurs den nachgezogenen Stoppreis erreicht oder unterschreitet, wird die Verkaufsorder ausgelöst.
- Trailing Stop bei Short-Positionen: Bei einer Short-Position liegt der Stop oberhalb des aktuellen Kurses. Fällt der Kurs, wird der Stop nach unten angepasst. Steigt der Kurs anschließend auf den nachgezogenen Stoppreis oder darüber, kann eine Kauforder zum Schließen der Short-Position ausgelöst werden.
- Trailing Stop Buy: Bei einem Kauf wird der Stop oberhalb des aktuellen Kurses platziert. Dieser passt sich automatisch nach unten an, wenn der Kurs fällt. Sobald der maßgebliche Kurs den nachgezogenen Stoppreis erreicht oder überschreitet, wird die Kauforder ausgelöst.
Zudem muss ein Time-In-Force (Zeitrahmen) bestimmt werden, innerhalb dessen die Order als ausführbar gilt. Häufig wird hier „DAY“ (für Day Order) voreingestellt. Diese verfällt am Ende des Handelstages, wenn sie nicht ausgeführt wird. Bei einem mitlaufenden Stop kann es jedoch sinnvoller sein, die Option Good-Til-Canceled („GTC“) zu wählen. In diesem Fall bleibt die Order bis zur Ausführung, Stornierung oder bis zum Verfall aktiv.
Beispiel für eine Trailing Stop-Loss Order
Ein Trailing Stop-Loss ist eine Verkaufsorder, die dem steigenden Kurs mit festem Abstand folgt und bei Unterschreitung des Stoppreises automatisch eine Folgeorder auslöst.
Beispielsweise kauft ein Anleger eine Aktie der Firma ABC zum Preis von 100 EUR. Der aktuelle Referenzpreis bei Ordererteilung beträgt ebenfalls 100 EUR. Er setzt einen Trailing Stop-Loss mit einem Abstand von 10 % unter dem aktuellen Kurs.
- Initialer Stopkurs: 90 EUR (10 % unter dem aktuellen Markt- bzw. Referenzpreis von 100 EUR bei Ordererteilung).
- Dynamische Anpassung: Der Kurs steigt auf 150 EUR. Der Stoppreis wird automatisch auf 135 EUR (10 % unter dem neuen Höchstkurs) nachgezogen.
- Gewinnsicherung: Fällt der Kurs auf 135 EUR, wird automatisch eine Market Sell Order ausgelöst.
Beispiel für eine Trailing Stop Buy Order
Ein Anleger möchte eine Aktie des Unternehmens XYZ kaufen, deren aktueller Kurs bei 100 EUR liegt. Der Kauf soll jedoch nur dann erfolgen, wenn der Kurs sich nach oben bewegt und ein Aufwärtspotenzial signalisiert. Dafür platziert er eine Trailing Stop Buy Order mit einem Abstand von 10 %.
- Initiale Platzierung: 110 EUR (10 % über dem aktuellen Kurs von 100 EUR). Die Order wird nicht ausgelöst, solange der maßgebliche Kurs unter 110 EUR liegt.
- Dynamische Anpassung: Der Kurs fällt auf 90 EUR. Die Order passt sich automatisch an und der Stoppreis wird auf 99 EUR gesenkt (10 % über dem neuen Kurs von 90 EUR).
- Kauf der Aktie: Steigt der Kurs anschließend auf 99 EUR oder darüber, wird eine Market Buy Order ausgelöst.
Trailing Stop-Loss richtig setzen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, einen sinnvollen Abstand für ein Trailing Stop-Loss zu bestimmen, z. B. unter Berücksichtigung technischer Indikatoren wie gleitender Durchschnitte oder Bollinger Bänder sowie der Volatilität.
Wichtig bei der Festlegung des Abstands ist, dass er einerseits eng genug ist, um vor größeren Verlusten zu schützen, andererseits aber nicht zu eng, um normale Kursschwankungen auszuschließen.
Ein Anwendungsszenario
Angenommen, die Aktie XYZ wurde zu einem Kurs von 200 EUR gekauft. Eine Analyse des Kursverlaufs zeigt, dass es regelmäßig zu Rücksetzern zwischen 4 % und 6 % kommt, bevor sich der Kurs wieder erholt.
Ein Trailing Stop-Loss mit einem engen Abstand von lediglich 2 % bis 3 % wäre in diesem Fall zu knapp bemessen und könnte zu einem unnötig frühen Verkauf führen. Ein Abstand von 15 % hingegen wäre zu großzügig und würde potenzielle Verluste unnötig vergrößern.
Da der durchschnittliche Rückgang bei etwa 5 % liegt und die stärksten beobachteten Korrekturen knapp 7 % betrugen, erscheint in diesem beispielhaften Szenario ein Trailing Stop-Loss im Bereich von 8 % bis 10 % als sinnvoll. Dieser Abstand lässt ausreichend Raum für normale Kursschwankungen und sorgt gleichzeitig dafür, dass bei einem Rückgang von über 10 % verkauft wird – was ein mögliches Anzeichen für eine Trendwende sein könnte.
Trailing Stop vs. regulärer Stop-Loss
Der wichtigste Unterschied zwischen einem Trailing Stop und einem regulären Stop-Loss liegt in der Anpassung des Stoppreises. Ein regulärer Stop-Loss wird zu einem festen Kurs platziert und bleibt unverändert, bis er ausgeführt, geändert oder gelöscht wird. Ein Trailing Stop bewegt sich dagegen automatisch mit, sobald sich der Kurs in die gewünschte Richtung entwickelt.
Bei einer Long-Position wird der Trailing Stop unterhalb des aktuellen Kurses platziert und bei steigenden Kursen nach oben angepasst. Fällt der Kurs anschließend auf den nachgezogenen Stoppreis zurück, wird die Order ausgelöst. Bei einem regulären Stop-Loss würde der ursprünglich festgelegte Stopkurs dagegen unverändert bleiben.
Trailing Stop vs. Trailing Stop-Limit
Bei einem einfachen Trailing Stop wird nach Erreichen oder Durchbrechen des Stoppreises eine Market Order ausgelöst, die zum nächsten verfügbaren Handelspreis ausgeführt wird.
Bei einem Trailing Stop-Limit hingegen wird die Order bei Erreichen des festgelegten Stoppreises in eine Limit Order umgewandelt. Dabei sind Stoppreis und Limitpreis zwei verschiedene Parameter: Der Stoppreis aktiviert die Order, der Limitpreis bestimmt den schlechtesten akzeptierten Ausführungspreis.
Die Ausführung einer Limit Order erfolgt nur zu dem angegebenen oder einem besseren Limitpreis. Das bietet eine gewisse Preisgrenze, birgt aber das Risiko, dass die Order unter bestimmten Marktbedingungen nicht ausgeführt wird.
Wann ist ein Trailing Stop sinnvoll?
Ein Trailing Stop kann besonders in Trendmärkten hilfreich sein. Entwickelt sich der Kurs über längere Zeit in die gewünschte Richtung, kann der Stop automatisch nachgezogen werden, ohne dass Anleger den Markt laufend beobachten und den Stop manuell anpassen müssen.
Weniger geeignet ist ein Trailing Stop dagegen häufig in stark schwankenden Seitwärtsmärkten. Dort können normale Kursbewegungen ausreichen, um den Stop auszulösen, obwohl sich der übergeordnete Trend nicht verändert hat. Auch bei sehr kurzfristigen Handelsstrategien, illiquiden Wertpapieren, großen Spreads oder erwarteten Nachrichtenereignissen kann das Risiko einer unerwünschten Ausführung steigen.
Vor- und Nachteile des Trailing Stops
Ein Trailing Stop passt sich dynamisch günstigen Kursen an, lässt Gewinne zunächst weiterlaufen und kann helfen, bereits erzielte Gewinne teilweise zu sichern. Zudem spart er Zeit, da der Markt nicht ständig beobachtet werden muss. Dieser Ordertyp fördert auch eine disziplinierte Handelsweise, da er impulsives Handeln vermeiden und eine klare Ausstiegsstrategie unterstützen kann. Zudem hilft er, das Risiko besser zu steuern – ein entscheidender Faktor jeder Anlagestrategie.
Wichtig ist, den Abstand weder zu eng noch zu weit zu setzen. Ein zu enger Abstand könnte durch alltägliche Schwankungen ausgelöst werden, während ein zu weiter Abstand größere Verluste oder verpasste Gewinne zur Folge haben könnte. Die Herausforderung besteht darin, den optimalen Abstand in einem sich ständig verändernden Markt zu finden.
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