Betafaktor – Erklärung & Berechnung

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Betafaktor – Definition

Das Beta misst, wie stark eine Aktie auf Bewegungen eines Referenzindex reagiert. Es erfasst also das systematische, marktbezogene Risiko.

Ein Beta von 1 bedeutet, dass sich die Aktie im Durchschnitt proportional zum Index bewegt. Werte über 1 zeigen eine überproportionale, Werte unter 1 eine unterproportionale Sensitivität gegenüber Marktbewegungen an. Ein negatives Beta weist auf eine tendenziell gegenläufige Entwicklung zum Markt hin.

Das Beta kann auch für ETFs oder ganze Portfolios berechnet werden. Das Portfolio-Beta ergibt sich dabei aus dem gewichteten Durchschnitt der Betas der enthaltenen Wertpapiere.

Berechnung des Betafaktors

Der Betafaktor wird berechnet, indem die Kovarianz zwischen Marktrendite und Wertpapierrendite durch die Varianz der Marktrendite dividiert wird. Er ist dimensionslos und wird periodenbezogen geschätzt. Je nach Zeitraum, Datenfrequenz und Benchmark kann sich das geschätzte Beta ändern.

Die Formel lautet wie folgt:

Betafaktor=\frac{Kovarianz(Ri;Rm)}{Varianz(Rm)}

wobei Ri = individuelle Wertpapierrendite und Rm = Rendite des Referenzmarkts beziehungsweise Referenzindex.

Hinweis: Die Plattform für Finanzanalysen TradingView bietet Indikatoren wie den wie den Open Source Beta-Indikator von DeltaValue zur Berechnung von Betas. Damit können individuelle Lookback-Perioden festgelegt werden, um die historische Performance von Wertpapieren flexibel zu analysieren.

Berechnungsschritte

Die Berechnung des Betafaktors erfolgt in der Regel in den folgenden Schritten:

  • Auswahl des Vergleichsindex
    Zunächst wird eine geeignete Benchmark gewählt, z. B. ein marktbreiter Index wie der S&P 500, mit dem das Wertpapier oder Portfolio verglichen wird.
  • Datensammlung
    Historische Renditen des Wertpapiers und des Index werden erhoben, meist tägliche, wöchentliche oder monatliche Daten über mehrere Jahre (z. B. monatliche Renditen über 5 Jahre).
  • Berechnung der Durchschnittsrenditen
    Für das Wertpapier und den Index wird die durchschnittliche Rendite über den gewählten Zeitraum berechnet.
  • Berechnung von Varianz und Kovarianz
    • Varianz: misst die Streuung der Marktrenditen um ihren Mittelwert.
    • Kovarianz: zeigt, wie stark die Renditen des Wertpapiers im Verhältnis zu den Marktrenditen gemeinsam schwanken.
Beispiel: Betafaktor Schritt für Schritt berechnen

Das folgende vereinfachte Beispiel zeigt die Berechnung anhand von vier Perioden. Für eine praktische Beta-Schätzung werden wesentlich längere Zeitreihen verwendet.

Für eine Aktie und den gewählten Referenzindex liegen folgende Periodenrenditen vor:

Periode Marktrendite Rm Aktienrendite Ri
1 -2 % -4 %
2 0 % -1 %
3 2 % 2 %
4 4 % 5 %

1. Durchschnittsrenditen berechnen

Die durchschnittliche Marktrendite beträgt:

\overline{R_m}=\frac{-2+0+2+4}{4}=1\,\%

Die durchschnittliche Aktienrendite beträgt:

\overline{R_i}=\frac{-4-1+2+5}{4}=0{,}5\,\%

2. Abweichungen vom jeweiligen Mittelwert bestimmen

Periode Rm − Durchschnitt Rm Ri − Durchschnitt Ri Produkt der Abweichungen Quadrierte Marktabweichung
1 -3 -4,5 13,5 9
2 -1 -1,5 1,5 1
3 1 1,5 1,5 1
4 3 4,5 13,5 9
Summe 30 20

3. Beta berechnen

Da bei der Berechnung von Kovarianz und Varianz derselbe Divisor verwendet wird, kürzt dieser sich im Quotienten heraus. Das Beta kann daher direkt aus den Abweichungssummen berechnet werden:

\beta=\frac{\sum_{t=1}^{n}(R_{i,t}-\overline{R_i})(R_{m,t}-\overline{R_m})}{\sum_{t=1}^{n}(R_{m,t}-\overline{R_m})^2}=\frac{30}{20}=1{,}5

Das geschätzte Beta beträgt 1,5. In diesem Datensatz verändert sich die erwartete Aktienrendite im linearen Modell durchschnittlich um 1,5 Prozentpunkte, wenn sich die Rendite des Referenzindex um einen Prozentpunkt verändert.

Die vier Beobachtungen dienen ausschließlich der Veranschaulichung. Für belastbare Schätzungen sind längere, konsistente Renditezeitreihen und eine geeignete Benchmark erforderlich.

Hinweis: Die Wahl von Index, Währung, Datenfrequenz, Ausreißern oder illiquiden Titeln kann das Beta verfälschen.

Beta als Regressionskoeffizient: Alpha, Residuum und R²

Das Beta kann als Steigung einer linearen Regression der Wertpapierrendite auf die Rendite der Benchmark geschätzt werden. Das sogenannte Marktmodell lautet:

R_{i,t}=\alpha_i+\beta_i R_{m,t}+\varepsilon_{i,t}

Dabei bedeuten:

  • Ri,t: Rendite des Wertpapiers in der Periode t,
  • Rm,t: Rendite der Benchmark in der Periode t,
  • αi: Achsenabschnitt der Regression,
  • βi: geschätzte lineare Sensitivität gegenüber der Benchmark,
  • εi,t: nicht durch die Benchmark erklärte Residualrendite.
Welche Bedeutung hat das Bestimmtheitsmaß R²?

Das Bestimmtheitsmaß R² gibt an, welcher Anteil der beobachteten Renditevariation des Wertpapiers innerhalb des Schätzzeitraums durch die lineare Beziehung zur Benchmark erklärt wird.

Ein hohes R² bedeutet, dass die Benchmark einen großen Teil der historischen Renditebewegungen erklärt. Bei einem niedrigen R² wird ein größerer Teil der Schwankungen durch unternehmensspezifische oder andere nicht im Modell enthaltene Einflüsse bestimmt.

Bei einer einfachen linearen Regression mit Achsenabschnitt entspricht R² dem Quadrat der Korrelation zwischen Wertpapier- und Marktrendite. Das R² beschreibt jedoch nur die Anpassung des Modells an die verwendeten historischen Daten und ist keine Garantie für dessen zukünftige Aussagekraft.

Praxis-Hinweis: Neben dem geschätzten Beta sollten bei einer detaillierten Analyse auch das R², der Standardfehler des Beta und gegebenenfalls ein Konfidenzintervall betrachtet werden. Ein einzelner Beta-Wert vermittelt sonst eine höhere Genauigkeit, als die statistische Schätzung tatsächlich besitzt.

Interpretation des Betafaktors

Aufgrund der möglichen Ergebnisse kann der Betafaktor in verschiedene Ausprägungen unterteilt werden. Diese erlauben jeweils eine spezifische Aussage über das Risiko des jeweiligen Wertpapiers im Vergleich zum Gesamtmarkt oder einem relevanten Marktindex.

Interpretation des Betafaktors im Vergleich zum Markt

Betafaktor = 1

Ein Beta von 1 bedeutet, dass die Aktie im linearen Modell im Gleichschritt mit dem Referenzindex reagiert: Steigt die Indexrendite um 5 Prozentpunkte, lässt sich rechnerisch auch für die erwartete Aktienrendite ein Plus von rund 5 Prozentpunkten ableiten.

Hinweis: Die tatsächlich beobachtete Rendite kann davon abweichen, da unternehmensspezifische und andere, nicht durch den Index erklärte Einflüsse hinzukommen.

Betafaktor < 1

Ein positives Beta unter 1 steht für eine geringere systematische Marktsensitivität als die Benchmark. Bei einem Beta von 0,5 entspricht ein Anstieg der Indexrendite um 5 Prozentpunkte rechnerisch einer erwarteten Änderung der Aktienrendite von etwa 2,5 Prozentpunkten – die tatsächliche Rendite kann auch hier abweichen.

Typische Branchen mit häufig niedriger Marktsensitivität sind Versorger und Pharmaunternehmen (sogenannte defensive Aktien).

Hinweis: Ein Beta unter 1 heißt nicht, dass die Aktie insgesamt weniger schwankt. Bei gleichbleibenden Gewichten senkt ein niedrigeres Beta zwar das Portfolio-Beta, doch für das Gesamtrisiko sind zusätzlich die Volatilitäten und Korrelationen der einzelnen Positionen entscheidend.

Betafaktor > 1

Ein Beta über 1 deutet auf eine überdurchschnittliche systematische Sensitivität gegenüber der Benchmark hin. Bei einem Beta von 1,5 lässt sich aus einem Anstieg der Indexrendite um 5 Prozentpunkte rechnerisch eine erwartete Änderung der Aktienrendite von rund 7,5 Prozentpunkten ableiten.

Hohe Betas finden sich häufig bei Wachstums- und Zykluswerten, etwa aus der Automobil- oder Luftfahrtbranche. Diese Titel tragen ein höheres systematisches Marktrisiko, dem im Capital Asset Pricing Model (CAPM) bei positiver Marktrisikoprämie eine höhere erwartete Rendite gegenübersteht. Studien zeigen allerdings, dass dieses höhere Risiko nicht immer durch entsprechend höhere Erträge ausgeglichen wird.

Auch hier gilt: Die tatsächliche Rendite kann abweichen, und ein Beta über 1 bedeutet nicht zwangsläufig, dass auch die gesamte Volatilität der Aktie höher ausfällt.

Betafaktor = 0

Ein Beta von 0 bedeutet, dass die Rendite des Wertpapiers rechnerisch nicht mit der Rendite der Benchmark zusammenhängt (Kovarianz null). Eine lineare Marktsensitivität besteht damit nicht. Erheblich schwanken kann das Wertpapier aufgrund anderer Einflussfaktoren trotzdem.

Hinweis: Ein risikofreier Vermögenswert hat theoretisch ein Beta von 0. Marktgehandelte festverzinsliche Anlagen weichen dagegen oft davon ab, weil bei ihnen Zins-, Kredit- oder Liquiditätsrisiken hineinspielen.

Betafaktor < 0

Ein negatives Beta beschreibt eine im linearen Durchschnitt gegenläufige Marktsensitivität. Wie stark die erwartete Rendite reagiert, hängt vom konkreten Wert ab: Bei einem Beta von -0,5 stünde einem Indexanstieg von 5 Prozentpunkten rechnerisch eine erwartete Änderung der Wertpapierrendite von etwa -2,5 Prozentpunkten gegenüber.

Hinweis:Inverse ETFs verfolgen häufig ein tägliches inverses Anlageziel. Über längere Zeiträume, z. B. Tage, Monate oder Jahre, kann ihre Wertentwicklung wegen der täglichen Neugewichtung und des Zinseszinseffekts deutlich von der schlichten Gegenbewegung des Referenzindex abweichen. Für bestimmte Absicherungszwecke lassen sich solche Produkte dennoch einsetzen.

Unterschied zwischen Levered und Unlevered Beta

Das bisher erläuterte Beta ist als Levered Beta, auch bekannt als Equity Beta oder Stock Beta bekannt. Es spiegelt das Geschäftsrisiko und den Finanzierungshebel (Leverage) wider, denn Verschuldung macht die Eigenkapitalrendite volatiler.

Was ist das Unlevered Beta?

Das Unlevered Beta (auch Asset Beta oder Delevered Beta) misst das operative Geschäftsrisiko eines Unternehmens, als wäre dieses vollständig eigenfinanziert. Dabei wird der Einfluss der Kapitalstruktur (Fremdkapital) ausgeblendet.

In der Praxis dient das Unlevered Beta vor allem dazu, Unternehmen vergleichbar zu machen. Dazu werden die beobachteten Equity-Betas der Peers „enthebelt“ (delevered), zu einem branchen- bzw. geschäftsmodelltypischen Beta gemittelt und anschließend mit der Ziel-Kapitalstruktur des zu bewertenden Unternehmens „rehebelt“ (relevered). So erhält man ein Beta, das zur eigenen Finanzierung passt.

Berechnung des Kapitalstruktur-Einflusses auf das Beta

Die Hamada-Gleichung verbindet das Unlevered Beta (𝛽U) mit dem Levered Beta (𝛽𝐿) auf Basis von Capital Asset Pricing Model (CAPM) und Modigliani-Miller (mit Steuern). Sie zeigt, wie Verschuldung das Aktien-Beta über einen bestimmten Faktor erhöht. Deshalb nutzt man sie, um beobachtete Equity-Betas zu enthebeln und anschließend mit einer Ziel-Kapitalstruktur wieder zu rehebeln.

Die vereinfachte Standardformel bei der Schulden kein systematisches Risiko tragen (βDebt = 0), z. B. weil sie als risikofrei oder nahezu risikofrei betrachtet werden, lautet:

\beta_L \;=\; \beta_U \left[\,1 + (1 - T)\,\frac{D}{E}\,\right]
\beta_U \;=\; \frac{\beta_L}{\,1 + (1 - T)\,\frac{D}{E}\,}

Bedeutung der Größen:  D = Marktwert Fremdkapital, E = Marktwert Eigenkapital,  T = (marginaler) Steuersatz.

Berechnung des Levered Beta vs. Unlevered Beta
Beispiel für Levered vs. Unlevered Beta

Ein Analyst möchte den Automobilkonzern A bewerten und nutzt dafür unter anderem das CAPM, wofür ein Betafaktor erforderlich ist. Da in der Praxis oft Branchenbetas verwendet werden, zieht er die Betas von zehn ähnlich großen Wettbewerbern heran.

Aufgrund unterschiedlicher Kapitalstrukturen werden diese Betas zunächst enthebelt („unlevered“), um ein vergleichbares, kapitalstrukturneutrales Branchen-Beta zu ermitteln. Anschließend wird dieses anhand der Kapitalstruktur von Unternehmen A wieder „relevered“ und für die Bewertung verwendet.

Praxis-Hinweise:

  • Marktwerte statt Buchwerte für Fremdkapital und Eeigenkapital verwenden.
  • Ziel- statt Ist-Kapitalstruktur nutzen (was langfristig angestrebt wird).
  • Steuersatz: langfristiger/marginaler Unternehmenssteuersatz.
  • Bei sehr risikoreichem Fremdkapital (βDebt deutlich > 0) oder Finanzinstituten sind Anpassungen nötig, da die obige Vereinfachung sonst zu Verzerrungen führen kann.
  • Optional werden Cash und Finanzanlagen teils separat behandelt (häufig Beta = 0), was praktisch einem Arbeiten mit Netto-Schulden entspricht.

Betafaktor im CAPM: erwartete Rendite und Eigenkapitalkosten

Eine zentrale Anwendung des Betafaktors ist das Capital Asset Pricing Model (CAPM). Das Modell verbindet das systematische Risiko einer Aktie mit ihrer erwarteten Rendite beziehungsweise den Eigenkapitalkosten.

Die CAPM-Formel für die Eigenkapitalkosten lautet:

k_E=R_f+\beta_L\left[E(R_m)-R_f\right]

Dabei bedeuten:

  • kE: erwartete Rendite beziehungsweise Eigenkapitalkosten,
  • Rf: risikoloser Zinssatz,
  • βL: zur Kapitalstruktur passendes Levered beziehungsweise Equity Beta,
  • E(Rm) − Rf: erwartete Marktrisikoprämie.
Beispiel für die Berechnung der Eigenkapitalkosten

Angenommen, der risikolose Zinssatz beträgt 2 %, die erwartete Marktrendite 8 % und das Levered Beta des Unternehmens 1,2. Die Marktrisikoprämie beträgt damit 6 %.

k_E=2\,\%+1{,}2\cdot(8\,\%-2\,\%)=9{,}2\,\%

Nach dem CAPM ergeben sich Eigenkapitalkosten von 9,2 %. Bei einer Unternehmensbewertung können diese anschließend als Eigenkapitalkomponente in die Berechnung der gewichteten Kapitalkosten einfließen.

Das Ergebnis ist eine modellbasierte Renditeanforderung.

Hinweis: Für die Berechnung der Eigenkapitalkosten wird grundsätzlich ein zur Ziel-Kapitalstruktur passendes Levered Beta verwendet. Ein zuvor ermitteltes Unlevered Beta muss daher zunächst mit der vorgesehenen Kapitalstruktur wieder relevered werden.

Historisches, adjustiertes und erwartetes Beta

Beta-Werte können je nach Berechnungsmethode unterschiedliche Bedeutungen besitzen.

  • Historisches Beta oder Raw Beta: Das historische Beta, auch Raw Beta genannt, wird unmittelbar aus vergangenen Wertpapier- und Marktrenditen geschätzt. Das Ergebnis gilt ausschließlich für die verwendete Benchmark, den gewählten Zeitraum und die festgelegte Datenfrequenz.
  • Adjustiertes Beta: Ein adjustiertes Beta ist ein nach der historischen Schätzung angepasster Wert. Einige Verfahren berücksichtigen, dass besonders hohe oder niedrige historische Betas im Zeitablauf häufig weniger extrem ausfallen und sich dem Marktdurchschnitt annähern.
  • Erwartetes Beta: Für das CAPM und die Unternehmensbewertung wird ein zukunftsgerichtetes Beta benötigt. Dieses kann aus einem historischen Beta, einem adjustierten Beta oder einem aus Vergleichsunternehmen abgeleiteten und an die Ziel-Kapitalstruktur angepassten Beta bestehen.

Nachteile des Betafaktors

Schätz- und Datenprobleme

Beta wird aus historischen Daten geschätzt und ist damit vergangenheitsbezogen. Der Wert hängt zudem spürbar von den Schätzparametern ab: vom gewählten Zeitraum (z. B. 2 vs. 5 Jahre), von der Datenfrequenz (täglich, wöchentlich, monatlich) und vom verwendeten Referenzindex.

Je nach Wahl kann für dieselbe Aktie ein deutlich anderes Beta herauskommen. Bei illiquiden oder selten gehandelten Titeln kommt der Effekt verzögerter Kursanpassung hinzu, der Betas nach unten verzerren kann (weshalb es Korrekturen wie das Dimson- oder Blume-adjustierte Beta gibt).

Instabilität über die Zeit

Beta ist nicht konstant. Es verändert sich mit dem Geschäftsmodell, der Verschuldung (Financial Leverage), der Branchendynamik und dem Marktumfeld. Ein einmal ermitteltes Beta kann nach einiger Zeit überholt sein.

Modell- und Annahmeabhängigkeit (CAPM)

Als CAPM-Baustein erbt Beta dessen Schwächen: Es misst nur systematisches Risiko und unterstellt, dass unternehmensspezifisches Risiko wegdiversifiziert ist.

Empirisch ist der im CAPM behauptete lineare Zusammenhang zwischen Beta und Rendite umstritten. Untersuchungen (etwa das „Low-Volatility-/Low-Beta-Anomalie“-Phänomen) zeigen, dass Aktien mit niedrigem Beta historisch teils bessere risikoadjustierte Renditen lieferten, als das Modell erwarten ließe. Faktormodelle (Fama-French u. a.) argumentieren, dass Beta allein die Renditen ohnehin nur unzureichend erklärt.

Konzeptionelle Beschränkung auf lineares, symmetrisches Marktrisiko

Beta erfasst nur die lineare, durchschnittliche Kopplung an den Markt. Es unterscheidet nicht zwischen Aufwärts- und Abwärtsbewegungen (keine Trennung von „gutem“ und „schlechtem“ Risiko, wie es etwa Downside-Beta oder Semivarianz versuchen), bildet nichtlineare Zusammenhänge nicht ab und auch keine Extremrisiken.

Empirisch weisen Aktienrenditen jedoch häufig stärkere Verteilungsschwänze und eine höhere Kurtosis auf als die Normalverteilung. Extreme Renditen treten also öfter auf, als diese erwarten ließe.

Tatsächliche Verteilung der Aktienmarktrenditen vs. Normalverteilung
Realisierte Verteilung der Aktienmarktrenditen vs. Normalverteilung

Beispiel – Betafaktoren von DAX-Unternehmen

In diesem Beispiel werden die Betafaktoren von zehn DAX-40-Unternehmen anhand des 5-Jahres-Betas (monatliche Frequenz, Stand August 2026) verglichen. Die Darstellung dient ausschließlich zu Analysezwecken und stellt keine Kaufempfehlung dar.

Unternehmen Betafaktor
Adidas 1,20
Allianz 0,67
BASF 0,75
Bayer 0,83
Beiersdorf 0,49
BMW 0,76
Continental 1,32
Rheinmetall 0,44
Mercedes-Benz Group 0,68
Deutsche Bank 0,99
Methodik der dargestellten Beta-Werte
  • Berechnungszeitraum: fünf Jahre,
  • Datenfrequenz: monatlich,
  • Datenstand: August 2026,
  • Benchmark: DAX (Kursindex),
  • Währung: Euro (EUR),
  • Renditeart: Kursrendite,
  • Beta-Art: Raw Beta (unbereinigt),
  • Datenquelle: Yahoo Finance („Beta (5J monatlich)“).

Warum unterscheiden sich Beta-Werte verschiedener Anbieter? Beta-Werte sind nur direkt vergleichbar, wenn unter anderem dieselbe Benchmark, Währung, Renditeart, Datenfrequenz, Länge des Schätzzeitraums und Beta-Art verwendet wurden. Zusätzlich können sich die Behandlung von Dividenden, fehlenden Handelstagen, Ausreißern, Kapitalmaßnahmen und illiquiden Aktien unterscheiden.

Häufige Fragen

Was ist ein guter Betafaktor?

Die Beurteilung des Betas hängt vom Anlageziel und vom gewünschten Marktrisiko ab. Ein Wert von 1 entspricht derselben geschätzten Marktsensitivität wie die Benchmark. Ein Wert über 1 steht für eine stärkere, ein positiver Wert unter 1 für eine schwächere Sensitivität.

Im CAPM ist bei einer positiven Marktrisikoprämie ein niedrigeres Beta mit einer niedrigeren erwarteten Rendite verbunden. Empirisch muss dieser Zusammenhang jedoch nicht in jedem Zeitraum und für jedes Anlageuniversum gelten.

Über die gesamte Volatilität oder das gesamte Risiko der Investition sagt das Beta allein nichts aus.

Welche Bedeutung hat der Betafaktor?

Das Beta beschreibt die systematische Sensitivität einer Investition gegenüber einer gewählten Benchmark. Aus den Betas der Einzeltitel lässt sich das Portfolio-Beta als gewichteter Durchschnitt bestimmen. Damit kann die systematische Marktsensitivität eines Portfolios eingeschätzt und gesteuert werden.

Zudem kann das Beta als Risikomaß in Derivateportfolios, insbesondere bei Optionsstrategien wie dem Beta-gewichteten Delta, eingesetzt werden.

Welche Darstellung hat der Betafaktor?

Der Betafaktor ist eine dimensionslose statistische Kennzahl. Ausgangspunkt ist eine Zeitreihe der Renditen eines Wertpapiers und einer geeigneten Benchmark. Bei einer einfachen linearen Regression der Wertpapierrendite auf die Marktrendite entspricht das Beta der Steigung der Regressionsgeraden.

Die Regressionsgerade beschreibt den geschätzten linearen Zusammenhang zwischen beiden Renditereihen. Die tatsächlich beobachteten Renditen können aufgrund des Achsenabschnitts und der nicht durch die Benchmark erklärten Residualbewegungen von dieser Geraden abweichen.

Was ist ein Marktportfolio?

Im CAPM bezeichnet das Marktportfolio ein theoretisches, nach Marktwert gewichtetes Portfolio sämtlicher riskanter Vermögenswerte.

Da dieses vollständige Marktportfolio praktisch nicht beobachtbar und nicht exakt nachbildbar ist, werden häufig breite Aktienindizes wie der MSCI World oder der S&P 500 als Näherungen für den jeweiligen Aktienmarkt verwendet. Sie bilden jedoch nur einen Teil des theoretischen Marktportfolios ab.

Für die praktische Beta-Schätzung sollte eine Benchmark gewählt werden, die zur Anlageklasse, zur Region und zur Währung des untersuchten Wertpapiers passt.

Was ist Varianz?

Die Varianz misst die durchschnittliche beziehungsweise erwartete quadrierte Abweichung einer Variablen von ihrem Mittelwert oder Erwartungswert. Die Standardabweichung ist die Quadratwurzel der Varianz und besitzt dieselbe Einheit wie die betrachtete Variable.

Was ist Kovarianz?

Die Kovarianz misst, in welche Richtung und in welchem Umfang zwei Variablen gemeinsam von ihren jeweiligen Mittelwerten abweichen. Eine positive Kovarianz weist auf tendenziell gleichgerichtete, eine negative auf tendenziell gegenläufige lineare Bewegungen hin.

Da die Kovarianz von den Einheiten und Größenordnungen der Variablen abhängt, ist sie zwischen unterschiedlichen Datensätzen nur eingeschränkt vergleichbar. Der Korrelationskoeffizient standardisiert die Kovarianz, ist für deren Berechnung oder fachliche Verwendung jedoch nicht zwingend erforderlich. Das Beta verwendet die Kovarianz beispielsweise unmittelbar.

Betafaktor Quiz


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