Basisrisiko - Definition
Basisrisiko - Definition

Basisrisiko (englisch: „Basis Risk“) bezeichnet das Risiko, dass eine Absicherung (Hedge) die Preis- bzw. Wertänderungen des Grundgeschäfts nicht vollständig kompensiert.

Ursache ist typischerweise ein Mismatch zwischen Grundgeschäft und Sicherungsinstrument (z. B. anderer Lieferort, andere Qualität, andere Laufzeit, anderer Referenzzinssatz) oder eine nicht optimale Hedge Ratio. Dadurch kann trotz Hedge ein Restrisiko verbleiben, weil sich Grundgeschäft und Hedge-Instrument zwar meist ähnlich, aber nicht identisch entwickeln.

Ein Sicherungsgeschäft, das das Grundgeschäft nahezu vollständig widerspiegelt (idealerweise ohne relevantes Restrisiko), wird oft als Perfect Hedge bezeichnet.

Basisrisiko bei Absicherung von Kassageschäften

Im Warenterminhandel wird Basisrisiko häufig konkret als Risiko einer unerwarteten Veränderung der Basis verstanden. Dafür definieren wir:

Basis (bt) = Kassapreis St − Futurespreis Ft

Bei einem Hedge ist entscheidend, wie sich diese Basis zwischen Hedge-Start und Hedge-Ende entwickelt. Zwar tendieren Kassapreis (Spot) und Futurespreis zum Verfall (Settlement) häufig zur Konvergenz, aber viele Hedges werden vor Fälligkeit geschlossen oder beziehen sich auf ein Grundgeschäft, das nicht exakt der Futures-Spezifikation entspricht. Dadurch kann die tatsächliche Basis vom erwarteten Wert abweichen – das ist das Basisrisiko.

So kann beispielsweise der Preis von Rohöl-Futures (z. B. WTI) vom lokalen Kassapreis einer konkreten Rohölsorte bzw. eines konkreten Lieferorts (z. B. Midland) abweichen. Wenn sich diese Differenz anders entwickelt als erwartet, kann ein Hedge trotz „korrekter Richtung“ zu einem abweichenden Erlös führen.

Basisrisiko - Schematische Erklärung
Basisrisiko bezeichnet die Gefahr, dass sich die Basis – also die Differenz zwischen Kassa- und Terminkurs – unvorhersehbar verändert.

Wie entsteht das Basisrisiko?

Die Basis schwankt, weil Kassapreis und Futurespreis von teils unterschiedlichen Faktoren getrieben werden. Typische Ursachen sind:

  • Lieferort- und Logistikfaktoren (Location/Transportation Basis) – Transportkosten, Pipeline-/Hafenengpässe, regionale Angebots-/Nachfrageschocks. Diese Faktoren wirken oft stärker auf den lokalen Kassapreis als auf den Referenz-Future.
  • Qualität, Spezifikation und Verfügbarkeit (Quality/Grade Basis) – wenn das physische Gut nicht exakt den Spezifikationen des Futures-Kontrakts entspricht (Qualität, Sorte, Feuchtigkeit, Schwefelgehalt etc.).
  • Carry-Komponenten – Finanzierung/Zinsen, Lager- und Versicherungskosten (Cost of Carry) sowie ggf. Convenience Yield. Änderungen dieser Komponenten können Futurespreise gegenüber Kassapreisen verschieben.
  • Timing- und Laufzeitunterschiede – ein Hedge mit einer bestimmten Futures-Laufzeit passt nicht immer exakt zum Zeitraum des Preisrisikos im Grundgeschäft (Roll-Risiko, Laufzeit-Mismatch).
  • Saisonalität – insbesondere in Agrarmärkten kann die Basis saisonal schwanken. Bei unserer Definition (Spot − Future) bedeutet „Basis schwächt sich ab“ typischerweise: sie wird negativer oder weniger positiv als erwartet (z. B. bei starkem Spot-Angebot während der Ernte).
  • Hedge-Ratio-Mismatch – selbst bei hoher Korrelation kann eine zu große/zu kleine Kontraktanzahl (oder ein ungeeignetes Beta/Delta) dazu führen, dass der Hedge nicht genug kompensiert.

Beispiel für ein Basisrisiko

Ein Ölproduzent in West Texas möchte sich gegen fallende Ölpreise absichern. Er verkauft WTI-Futures zu 75,00 USD pro Barrel (Hedge-Start).

Er beobachtet historisch, dass sein lokaler Kassapreis (z. B. WTI Midland) häufig unter dem WTI-Future liegt. Historisch lag die Basis im Mittel bei etwa −2,50 USD (Basis = Spot − Future). Er erwartet daher grob einen effektiven Preis von rund 72,50 USD.

Wichtig ist jedoch: Nicht der historische Durchschnitt ist entscheidend, sondern die tatsächliche Basis beim Hedge-Ende.

Formel (Short Hedge, Basis = Spot − Future)

Die (vereinfachte) Logik für den realisierten Verkaufspreis lautet:

Realisierter Preis ≈ F0 + bT, wobei

  • F0 = Futurespreis beim Hedge-Start
  • bT = die Basis (ST − FT ) beim Hedge-Ende.

Auswirkung einer Basisänderung

Wie die folgende Tabelle zeigt, gilt: Je stärker die tatsächliche Basis von der Erwartung abweicht, desto größer ist das Basisrisiko, obwohl der Hedge grundsätzlich „in die richtige Richtung“ wirkt.

Annahme Wert Realisierter Preis
Futurespreis beim Hedge-Start 75,00
Basis fällt auf -4,00 71,00
Basis liegt bei -1,00 74,00

Basisrisiko beim Cross Hedge

Beim Cross Hedging wird ein Risiko mit einem Derivat abgesichert, dessen Underlying nicht identisch ist, aber historisch korreliert. Hier entsteht Basisrisiko, weil die Preisänderungen von Grundgeschäft und Hedge-Instrument nicht perfekt zusammenlaufen z. B. Jet Fuel vs. Heizöl oder Kerosin vs. Rohöl.

Zusätzlich spielt oft die korrekte Hedge Ratio eine Rolle: Selbst bei guter Korrelation kann eine unpassende Kontraktanzahl zu einem unvollständigen Hedge führen.

Beispiel für ein Cross-Hedge-Risiko

Eine Fluggesellschaft möchte sich gegen steigende Kerosin-/Jet-Fuel-Kosten absichern. Da ein exakt passendes und ausreichend liquides Jet-Fuel-Derivat ggf. nicht verfügbar oder nicht optimal handelbar ist, nutzt sie stattdessen ein verwandtes, liquides Produkt (z. B. Heizöl- oder Rohöl-Futures).

  • Fall 1 (Absicherung funktioniert gut): Jet Fuel und das gewählte Hedge-Instrument bewegen sich weiterhin eng gemeinsam (Spread stabil). Die Hedge-Wirkung kompensiert einen Großteil der Kostensteigerung.
  • Fall 2 (Basisrisiko tritt auf): Raffineriemargen, regionale Engpässe oder Nachfrageschocks verändern den Spread: Jet Fuel steigt deutlich stärker als Rohöl/Heizöl (oder fällt weniger). Dann bleibt trotz Hedge ein relevantes Restrisiko.

Das ist das Cross-Hedge-Basisrisiko: Die Beziehung (Spread/Basis) zwischen Grundgeschäft und Hedge-Instrument ist nicht stabil genug, um eine „perfekte“ Kompensation zu garantieren.

Beispiele außerhalb des Warenterminhandels

Ein Basisrisiko tritt auch in vielen anderen Bereichen auf – immer dann, wenn Absicherungsinstrument und Risikoquelle nicht vollständig deckungsgleich sind:

  • Energiehandel: Ein Unternehmen sichert Heizöl mit Rohöl-Futures ab. Änderungen von Raffineriemargen, regionalen Lieferbedingungen oder Produktknappheit können dazu führen, dass sich Heizöl und Rohöl unterschiedlich entwickeln.
  • U.S. Treasury Basis Trade: Ein Marktteilnehmer handelt Cash-Bonds gegen Treasury Futures. Die Cash–Futures-Beziehung wird u. a. durch Finanzierung/Repo (Carry) und Delivery-Optionality beeinflusst. Änderungen z. B. in Repo-Sätzen oder Margins können die Basis unerwartet verschieben.
  • Zinsabsicherung (Index-/Benchmark-Basisrisiko): Eine Bank hat ein variabel verzinstes Exposure auf Referenz A (z. B. ein bestimmter Geldmarktsatz), sichert aber mit einem Swap auf Referenz B ab. Wenn sich die Spreads zwischen den Benchmarks ändern, bleibt Basisrisiko. In der Praxis wird dieses Risiko teils über Basis Swaps reduziert.
  • Aktienmärkte: Ein Investor sichert ein Aktienportfolio mit Index-Futures ab. Basisrisiko entsteht durch Tracking Error, unterschiedliche Sektor-/Einzeltitelgewichte, Dividenden- und Rebalancing-Effekte sowie durch ein Beta-/Hedge-Ratio-Mismatch (das Portfolio reagiert nicht 1:1 wie der Index).

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