Implied Volatility Rank (IV Rank) – Erklärung
Der Implied Volatility Rank (IV Rank) zeigt, wie hoch die aktuelle implizite Volatilität im Vergleich zu ihrem historischen Niveau (meist über ein Jahr) ist. Ein hoher IV Rank bedeutet, dass die aktuelle IV im historischen Vergleich erhöht ist – und damit in der Regel auch die Optionspreise, da mehr erwartete Schwankung des Basiswerts eingepreist wird. Der IV Rank ist daher ein zentrales Kriterium für die Einschätzung und Planung von Optionsstrategien.
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Implied Volatility Rank – Was ist darunter zu verstehen?
Der Implied Volatility Rank ist ein Konzept im Optionshandel, das die aktuelle implizite Volatilität (IV) eines Underlying (Basiswerts) relativ mit sich selbst vergleicht, um zu beurteilen, ob eine Option im historischen Vergleich derzeit teuer oder günstig ist.
Für Trader kann ein hoher IV Rank eine Gelegenheit sein, Optionen zu verkaufen, da sie derzeit überdurchschnittlich teuer bepreist sind. Allerdings muss berücksichtigt werden, dass Spezialsituationen wie beispielsweise bevorstehende Quartalszahlen rationale Gründe für höhere IV-Niveaus sein können. In solchen Fällen ist die höhere Prämie der Ausdruck eines real höheren Risikos, nicht zwingend einer „Fehlbepreisung“.
Wie wird der Implied Volatility Rank berechnet?
Der IV Rank ist der Quotient aus der Differenz des aktuellen IV-Niveaus abzüglich des 52-Wochen-IV-Tiefs und der Differenz des 52-Wochen-IV-Hochs abzüglich des 52-Wochen-IV-Tiefs. Das Ergebnis dieser Division wird schließlich mit 100 multipliziert, um einen Prozentsatz zu erhalten.
Die Formel lautet:
Das Produkt spiegelt den Implied Volatility Rank des betrachteten Basiswertes wider. Auf Basis dieses Datenpunktes kann eine Aussage darüber getroffen werden, ob die aktuelle implizite Volatilität im Vergleich zu den letzten 52 Wochen hoch oder niedrig ist.
Interpretation der Kennzahl
Optionen mit hohem IV Rank haben eine höhere Prämie als Optionen mit niedrigem IV Rank, da die implizite Volatilität sich direkt auf die Preisgestaltung einer Option auswirkt. Optionskäufer zahlen mehr für die Option, wenn die implizite Volatilität hoch ist und Optionsverkäufer (auch Stillhalter genannt) vereinnahmen durch den Verkauf an den Käufer mehr Geld.
Es gilt daher der Grundsatz, dass Stillhalter Optionen mit einer möglichst hohen impliziten Volatilität verkaufen wollen, da sie dadurch eine höhere Prämie erhalten, während Optionskäufer bestrebt sind, Optionen mit einer möglichst niedrigen impliziten Volatilität zu kaufen, da die Optionen hier günstiger zu erwerben sind.
Dieser Zusammenhang ist eines der wichtigsten Konzepte beim Handel mit Optionen. Es erklärt auch, warum die Betrachtung der impliziten Volatilität im Rahmen des Implied Volatility Rank aussagekräftiger ist als eine isolierte Betrachtung der impliziten Volatilität.
Bedeutung der IV Rank für die Bewertung von Optionen
Betrachtet werden zwei Optionen: Eine Option auf den S&P 500 Index und eine auf die Tesla Aktie. Typischerweise besitzt erstere Option eine deutlich niedrigere implizite Volatilität als jene auf die Tesla Aktie. Warum ist das so?
Der S&P 500 bildet ein Portfolio aus 500 der größten US-Unternehmen ab. Breit diversifizierte Portfolios schwanken weniger stark als Einzelaktien und besitzen daher definitionsgemäß eine niedrigere Volatilität.
Vereinfacht gesagt: Selbst große Kursschwankungen einer einzelnen Aktie beeinflussen ein breites Portfolio nur gering. Dadurch entwickelt sich dessen Gesamtwert deutlich stabiler als der Wert einer einzelnen Aktie.
Heißt das nun, dass sich der Verkauf von Optionen auf den S&P 500 für Stillhalter kaum lohnt, weil die implizite Volatilität niedriger ist als bei Einzelwerten?
Nein. Zur Beurteilung muss der Implied Volatility Rank (IV Rank) betrachtet werden.
Optionen bewerten mit IV Rank – Beispiel
Angenommen eine Option auf den S&P 500 Index hatte in den vergangenen 52 Wochen eine implizite Volatilität in der Spannweite von 16 % bis 41 % und die aktuelle implizite Volatilität liegt bei 32 %. Durch die isolierte Betrachtung der aktuellen impliziten Volatilität könnte ein Anleger keine Handlung ableiten. Im Gegenteil. Durch den Vergleich mit anderen impliziten Volatilitäten, wie bspw. der Tesla Aktie (die meist über 100 % liegt), könnte der Anleger zu einem Fehlurteil gelangen, dass die Option günstig bewertet sei.
Tatsächlich wäre die Option mit einer impliziten Volatilität von 32 % jedoch teuer bewertet, wenn man die Spanne des zurückliegenden Zeitraums betrachtet. Auf Basis der Annahmen würde die Option auf den S&P 500 einen Implied Volatility Rank von 64 aufweisen (siehe Gleichung). Obwohl eine implizite Volatilität von 32 % auf den ersten Blick niedrig erscheinen mag, würde der IV Rank von 64 eine vergleichsweise teure Bepreisung der Option zum aktuellen Zeitpunkt bedeuten.
Folglich wäre der aktuelle Zeitpunkt für den Kauf der Option eher ungünstig, da die Option im historischen Vergleich teuer ist, während der Stillhalter in dieser Marktphase aktiv werden könnte, da er aktuell vergleichsweise mehr Geld für den Verkauf der Option erhalten würde. Welche Strategien sich hieraus ableiten lassen, können Sie in folgendem Artikel nachlesen: „Stillhaltergeschäfte – Strategie mit Optionen“.
IV Rank vs. IV Percentile
Der Implied Volatility Percentile (IV Percentile) ist eine alternative Betrachtung der impliziten Volatilität zu ihrem historischen Niveau:
- IV Rank zeigt, wo die aktuelle implizite Volatilität im Vergleich zu ihrem Höchst- und Tiefstwert in einem bestimmten Zeitraum liegt. Sie beantwortet die Frage: „Ist die aktuelle IV hoch oder niedrig im Vergleich zur gesamten Bandbreite der letzten Zeit?“
- IV Percentile gibt den Prozentsatz der Tage an, an denen die implizite Volatilität im gleichen Zeitraum unter dem aktuellen Niveau lag. Es beantwortet die Frage: „Wie oft war der IV niedriger als er jetzt ist?“ Ein Vorteil des IV-Perzentils ist die geringere Anfälligkeit für Ausreißer.
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