Put-Call-Ratio (PCR) – Definition & Erklärung
Die Put-Call-Ratio (Abk.: PCR, deutsch: Put-Call-Verhältnis) bildet das Verhältnis der gehandelten Put- und Call-Optionen auf einen bestimmten Basiswert ab. Eine hohe Anzahl an Put-Optionen im Verhältnis zu Call-Optionen kann auf eine vorsichtige oder bärische Stimmung hindeuten. Umgekehrt wird ein Übergewicht der Call-Optionen häufig als ein Indikator für eine bullische Anlegerstimmung angesehen.
🔴 Live-Webinar am 08.06.2026 um 18:30 Uhr
Ausbildung für Vermögensaufbau mit zusätzlichen monatlichen Einnahmen
Generiere ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen an der Börse, indem du ein klares Handelssystem mit sofort umsetzbarem Investment-Wissen erlernst. Lerne Strategien kennen, die dir einen statistisch und wissenschaftlich belegbaren Vorteil an der Börse verschaffen.
Put-Call-Ratio – Definition
Die Put-Call-Ratio ist ein Indikator, der die Börsenstimmung für einen Basiswert misst, indem das Volumen der gehandelten Put-Optionen ins Verhältnis zum Volumen der gehandelten Call-Optionen gesetzt wird. Das Verhältnis kann für jeden Basiswert (z.B. Aktien, ETFs oder Indizes) separat oder auch kombiniert ermittelt werden.
Berechnung der Put-Call-Ratio
Das Put-Call-Verhältnis wird berechnet, indem die Anzahl der gehandelten Put-Optionen durch die der gehandelten Call-Optionen geteilt wird.
Die Formel lautet:
Put-Call-Ratio – Interpretation
Die Ergebnisse der Put-Call-Ratio können wie folgt interpretiert werden:
- Erhöhte Put-Aktivität (> 1): Liegt der PCR-Wert über 1, wurden mehr Put-Optionen als Call-Optionen gehandelt. Dies kann ein Hinweis auf vorsichtige oder negative Markterwartungen sein, aber auch auf Absicherungsaktivität.
- Erhöhte Call-Aktivität (< 1): Ein PCR-Wert unter 1 signalisiert, dass mehr Call-Optionen gehandelt wurden. Dies kann auf eine positive Markterwartung hindeuten. Gleichzeitig können auch Calls zu Absicherungs-, Einkommens- oder Strategie-Zwecken gehandelt werden, sodass die Kennzahl nicht als eindeutiges Kaufsignal zu verstehen ist.
- Ausgeglichenes Verhältnis (= 1): Ein PCR-Wert von genau 1 bedeutet, dass gleich viele Call- wie Put-Optionen gehandelt wurden. Dies kann als ausgeglichenes Verhältnis interpretiert werden, sagt aber allein noch nichts darüber aus, ob der Markt tatsächlich neutral oder seitwärts gerichtet tendiert.

Beispiele – Put-Call-Ratio in der Praxis
Put-Call-Verhältnis am Beispiel einer Technologieaktie
Angenommen, ein Technologieunternehmen kündigt die Markteinführung eines neuen Produkts an. Diese Nachricht wird vom Markt positiv aufgenommen, da viele Anleger aufgrund früherer Erfahrungen von steigenden Kursen und einem erfolgreichen Verkaufsstart ausgehen.
Als Reaktion auf die optimistische Stimmung sinkt das Handelsvolumen der Put-Optionen deutlich: Es werden nur 8.000 Put-Kontrakte gehandelt, da Puts vor allem bei fallenden Kursen an Wert gewinnen – ein Szenario, das derzeit als weniger wahrscheinlich eingeschätzt wird. Gleichzeitig werden 40.000 Call-Kontrakte gehandelt.
Daraus ergibt sich eine Put-Call-Ratio von: PCR = 8.000 / 40.000 = 0,2
Ein derart niedriger Wert kann eine sehr bullische Marktstimmung signalisieren. Er kann aber auch auf eine übermäßige Euphorie hindeuten und wird daher von manchen Marktteilnehmern als antizyklisches Warnsignal betrachtet.
Put-Call-Verhältnis am Beispiel einer Chemieaktie
Im Gegensatz zu positiven Produktmeldungen reagieren Anleger auf große Unternehmensübernahmen oft verhalten. Solche Transaktionen bergen Risiken – etwa hohe Kaufpreise, unklare Synergien, Integrationsprobleme oder rechtliche Unsicherheiten.
Angenommen, ein Chemieunternehmen kündigt eine große Übernahme an. Viele Aktionäre möchten sich gegen mögliche Kursverluste absichern und kaufen deshalb Put-Optionen. Gleichzeitig sinkt das Interesse an Call-Optionen, da kurzfristige Kursgewinne als weniger wahrscheinlich gelten. Auch externe Anleger können verstärkt auf fallende Kurse spekulieren und vermehrt Puts handeln.
Die Zahlen zeigen das beispielhaft:
- Gehandelte Calls: 500 Kontrakte
- Gehandelte Puts: 2.000 Kontrakte
Die Put-Call-Ratio ergibt sich zu: PCR = 2.000 / 500 = 4,0
Ein Wert in dieser Höhe deutet auf eine stark erhöhte Put-Aktivität hin. Das kann auf eine bearische Marktstimmung, eine hohe Nachfrage nach Absicherung oder spekulative Positionen gegen die Aktie hindeuten. Für sich genommen beweist die Kennzahl jedoch nicht, dass die Mehrheit der Marktteilnehmer tatsächlich fallende Kurse erwartet.
Weiterführende Informationen
Antizyklisch handeln mit dem Put-Call-Verhältnis
Eine mögliche Handelsstrategie im Zusammenhang mit der Put-Call-Ratio ist es, sich bewusst entgegen der vorherrschenden Marktstimmung zu positionieren, also antizyklisch zu handeln.
Die Idee dahinter ist, dass extrem hohe oder niedrige Werte dieser Kennzahl auf eine übertriebene Marktstimmung hindeuten können, die nicht von Dauer ist. Solche Extremwerte werden daher teilweise als potenzielle Signale für eine bevorstehende Trendumkehr interpretiert. Der Optionshändler versucht, von diesem Ungleichgewicht und einer möglichen Marktkorrektur zu profitieren.
Es kann hilfreich sein, Extremwerte nicht anhand eines einzelnen Grenzwerts zu definieren. Häufig ist ein Vergleich mit der historischen Bandbreite des jeweiligen Basiswertes oder Marktsegments sinnvoller. Zudem werden Put-Call-Ratios in der Praxis oft geglättet, beispielsweise durch gleitende Durchschnitte, um kurzfristige Ausschläge weniger stark zu gewichten.
Aussagekraft der Put-Call-Ratio
Die Aussagekraft der Put-Call-Ratio hängt stark vom jeweiligen Basiswert ab. Faustregel: Je liquider der Optionsmarkt, desto eher liefert die Kennzahl brauchbare Hinweise auf die Marktstimmung.
Verzerrt werden kann die Kennzahl etwa durch Rollaktivitäten, die Glattstellung von Positionen, Verfallstage oder technische Effekte (wie die Ausübung tief im Geld liegender Optionen). Hinzu kommt: Aus aggregierten Volumendaten lässt sich meist nicht erkennen, ob Optionen gekauft oder verkauft wurden – und ob dabei neue Positionen eröffnet oder bestehende geschlossen wurden.
Deshalb zeigt die Put-Call-Ratio zunächst nur, wie sich die Handelsaktivität auf Puts und Calls verteilt. Daraus lässt sich eine mögliche Marktstimmung ableiten – nicht aber, ob diese Erwartung tatsächlich vorliegt oder sich im Kurs niederschlägt.
Einige Aspekte können die Belastbarkeit dieser Kennzahl zusätzlich erhöhen:
- Einbeziehung von Open-Interest-Daten: Das Open Interest misst die Anzahl offener Kontrakte und ist dadurch weniger anfällig für kurzfristige Handelsaktivitäten als reine Volumendaten.
- Gezielte Datenabgrenzung: Eine ausschließlich auf Aktienoptionen basierende Ratio bildet das Verhalten von Privatanlegern häufig präziser ab als eine Gesamtratio, die auch Indexoptionen und Absicherungsgeschäfte berücksichtigt.
- Relative statt absolute Betrachtung: Aussagekräftiger als der absolute Wert einer Ratio ist häufig ihre Einordnung im Zeitverlauf, etwa im Vergleich zu gleitenden Durchschnitten oder historischen Extremwerten. Besonders starke Ausschläge können wertvolle Signale liefern.
- Kombination mit weiteren Indikatoren: Die Verknüpfung mit Volatilitätskennzahlen und Trading-Indikatoren kann helfen, Fehlsignale zu reduzieren.
Exkurs: Grundlagen der Optionen
Eine Option ist ein Finanzderivat, das dem Käufer das Recht, aber nicht die Pflicht einräumt, einen Basiswert (z. B. Aktien) zu einem im Voraus festgelegten Preis (Strike) innerhalb eines bestimmten Zeitraums oder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu kaufen (Call-Option) oder zu verkaufen (Put-Option). Je nach Optionsstil kann die Ausübung während der Laufzeit oder nur am Verfallstag möglich sein. Bei manchen Optionen, insbesondere auf Indizes, erfolgt zudem kein physischer Austausch des Basiswertes, sondern ein Barausgleich.
- Inhaber von Put-Optionen erwarten häufig sinkende Preise des Basiswertes oder möchten sich gegen solche absichern. Liegt der Kurs des Basiswertes am Verfallstag über dem Strike, verfällt ein Put in der Regel wertlos.
- Dem entgegengesetzt funktionieren Call-Optionen. Der Callinhaber erwartet häufig steigende Kurse. Notiert der Kurs des Basiswertes am Fälligkeitstag über dem Strike, kann der Inhaber des Calls einen Gewinn verzeichnen. Notiert er unter dem Strike, verfällt ein Call in der Regel wertlos.
Kostenloses Webinar + PDF: So handelst du profitabel mit Optionen und generierst ein Zusatzeinkommen
Lerne in unserem kostenlosen Live-Webinar am 08.06.2026 um 18:30 Uhr, wie du mit dem Optionshandel ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust. Lerne, gute von schlechten Aktien zu unterscheiden und erkenne zuverlässig überteuerte Aktienkurse. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Klicke hier, um dich für das Webinar anzumelden.