Zinsparität – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp

Die Zinsparität (englisch: „Interest Rate Parity“ (IRP)), auch bekannt als Zinssatzparität, besagt, dass höhere Zinsen aus dem Ausland, bei einem Kapitalrücktausch in die eigene Währung, aufgrund von Wechselkursunterschieden wieder ausgeglichen werden. Ihre Grundannahme ist, dass die abgesicherten Erträge aus Investitionen in verschiedene Währungen unabhängig von deren Zinssätzen gleich sein sollten.

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Zinsparität – Definition

Als Zinsparität wird typischerweise die Theorie beschrieben, dass sich die Wechselkurse zweier Währungen auf Basis der Zinssätze der beiden Währungen so bestimmen lassen, dass es keinen Unterschied macht, in welcher Währung das Kapital angelegt wird, da der Wechselkurs die unterschiedlichen Zinssätze ausgleicht.

Mit anderen Worten: Anleger können nicht den aktuellen Wechselkurs in einer Währung zu einem niedrigeren Preis festschreiben und dann eine andere Währung aus einem Land mit einem höheren Zinssatz kaufen. Daher sollte Arbitrage, (der gleichzeitige Kauf und Verkauf eines Vermögenswerts, um von einer Preisdifferenz zu profitieren), auf den Devisenmärkten nicht möglich sein.

Berechnung der Zinsparität

Die Zinsparität lässt sich durch folgende Gleichung mathematisch ausdrücken:

\text{F0} = \frac{1+ic}{1+ib} \cdot s0

Die einzelnen Variablen sind wie folgt definiert:

  • F0 = Terminkurs (Forward Rate)
  • S0 = Kassakurs (Spot Rate)
  • ic   = Zinssatz in Land “c”
  • ib   = Zinssatz in Land “b”

Die Gleichung erlaubt es dem Anwender, jede der Variablen zu berechnen, solange die restlichen drei Variablen bekannt sind. Typischerweise sind beide Zinssätze, sowie der Kassakurs bekannt, wodurch somit der Terminkurs berechnet werden kann.

Bedeutung der Theorie

Das Verständnis von Terminkursen ist für die Zinsparität von grundlegender Bedeutung, insbesondere in Bezug auf Arbitrage (die Möglichkeit risikolos Kapital zu vermehren).

Devisenterminkurse für Währungen sind Wechselkurse zu einem zukünftigen Zeitpunkt, im Gegensatz zu den Kassakursen, die aktuelle Kurse sind. Terminkurse werden von Banken und Devisenhändlern für Zeiträume von weniger als einer Woche bis zu fünf Jahren und mehr angeboten. Wie bei Kassakursen werden Terminkurse mit einem Bid-Ask-Spread (deutsch: Geld-Brief-Spanne) notiert. Die Differenz zwischen dem Terminkurs und dem Kassakurs wird als Swap Points (deutsch: Swap-Punkte) bezeichnet.

  • Wenn diese Differenz (Terminkurs minus Kassakurs) positiv ist, spricht man von einer Terminprämie.
  • Eine negative Differenz wird als Terminabschlag bezeichnet.

Eine Währung mit niedrigeren Zinssätzen wird mit einer Terminprämie im Verhältnis zu einer Währung mit einem höheren Zinssatz gehandelt. So wird beispielsweise der US-Dollar in der Regel mit einem Terminaufschlag gegenüber dem kanadischen Dollar gehandelt. Umgekehrt wird der kanadische Dollar mit einem Terminabschlag gegenüber dem US-Dollar gehandelt.

Gedeckte Zinsparität vs. Ungedeckte Zinsparität

Eine Zinsparität kann gedeckt oder ungedeckt sein.

  • Die Zinsparität gilt als „gedeckt“ („Covered Interest Rate Parity“ – CIP), wenn die Keine-Arbitrage-Bedingung durch den Einsatz von Terminkontrakten zur Absicherung gegen das Wechselkursrisiko erfüllt werden könnte.
  • Umgekehrt ist die Zinsparität „ungedeckt“ („Uncovered Interest Rate Parity“ – UIP), wenn die Keine-Arbitrage-Bedingung auch ohne den Einsatz von Terminkontrakten zur Absicherung gegen das Wechselkursrisiko erfüllt werden könnte.

Somit gibt es zwei Methoden, die ein Anleger anwenden kann, um Fremdwährungen etwa in Euro umzurechnen.

  • Bei der gedeckten Zinsparität wird die Fremdwährung lokal zum risikofreien Zinssatz für einen bestimmten Zeitraum angelegt. Der Anleger würde dann gleichzeitig ein Termingeschäft abschließen, um die Erlöse aus der Investition am Ende des Anlagezeitraums zu einem Terminkurs in Euro umzuwandeln.
  • Die ungedeckte Zinsparität entsteht, wenn die Fremdwährung ohne eine Absicherung mit Terminkontrakten investiert wird. Der Anleger signalisiert somit eine Bereitschaft, das Wechselkursrisiko bei der Rückabwicklung selbst zu tragen.

Wenn keine Arbitragemöglichkeiten bestehen, sind die Cashflows aus beiden Möglichkeiten gleich.

Zinsparität ist aufgrund der damit verbundenen Annahmen kritisiert worden. So geht das gedeckte Zinssatzparitäts-Modell davon aus, dass unendlich viele Mittel für die Währungsarbitrage zur Verfügung stehen, was jedoch nicht realistisch ist. Wenn keine Futures oder Terminkontrakte zur Absicherung zur Verfügung stehen, ist die ungedeckte Zinsparität in der Regel in der realen Welt nicht haltbar.

Beispiel für eine gedeckte Zinsparität

Nehmen wir an, australische Staatsanleihen mit einer Laufzeit von 5 Jahren bieten einen jährlichen Zinssatz von 2,6 %, während die 5-jährigen Bundesanleihen einen jährlichen Zinssatz von 0,36 % bieten. Wenn ein Anleger in Deutschland die Vorteile der australischen Zinssätze nutzen möchte, müsste er Euro in australische Dollar tauschen, um die Staatsanleihe zu kaufen.

Dann müsste der Anleger für diesen Zeitraum einen Terminkontrakt auf den australischen Dollar verkaufen, um das Wechselkursrisiko abzusichern. Im Rahmen des gedeckten Zinsparität dürfte das Geschäft jedoch nur eine Rendite von 0,36 % abwerfen, andernfalls wäre die Bedingung des Arbitrageverbots verletzt.

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