Endowment Effect (Besitztumseffekt) – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp

Der Endowment Effect (deutsch: „Besitztumseffekt“), auch bekannt als Veräußerungsaversion, beschreibt die emotionale Tendenz, einen Gegenstand als wertvoller anzusehen, wenn wir diesen besitzen. Der Besitztumseffekt kann in Folge von oder komplementär zu anderen Heuristiken aus der Verhaltensforschung auftreten.

🔴 Live-Webinar am 03.10.2022 um 18:30 Uhr

Vermögensaufbau plus monatliches Einkommen an der Börse

Generiere ein zusätzliches regelmäßiges Einkommen an der Börse, indem du ein klares Handelssystem mit sofort umsetzbarem Investment-Wissen erlernst. Lerne Strategien kennen, die dir einen statistisch und wissenschaftlich belegbaren Vorteil an der Börse verschaffen.

Siegel ZFU Langfristig orientierter Vermögensaufbau - auch in unsicheren Zeiten
Profitable Aktien- und Optionsstrategien für ein regelmäßiges Einkommen
In jeder Marktlage Geld verdienen

Was ist Endowment Effect? – Definition

In der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) beschreibt der Endowment Effect (Besitztumseffekt) einen Umstand, bei dem eine Person einem Besitzobjekt einen höheren Wert beimisst, als sie es beimessen würde, wenn sie diesem Objekt nicht hätte.

Ein Besitztumseffekt wird in der Regel durch Gegenstände ausgelöst, die für die betreffende Person eine emotionale oder symbolische Bedeutung haben. Es kann aber auch allein durch den Umstand des Besitzens an sich ausgelöst werden.

Der Besitztumseffekt ist eine kognitive Verzerrung (cognitive bias), die häufig am Kapitalmarkt zu beobachten ist, sodass hierbei von einem „Investor Bias“ gesprochen wird.

Experiment zum Endowment Effect

Eine bekannte Studie, die den Besitztumseffekt veranschaulicht und erfolgreich replizierte, geht vom Nobelpreisträger Richard Thaler, einem Hochschulprofessor, aus. Dieser unterrichtete eine in zwei Gruppen aufgeteilte Klasse, von denen sich eine Gruppe montags und mittwochs und die andere Gruppe dienstags und donnerstags traf.

Der Professor schenkte der Montags-/Mittwochsgruppe einen nagelneuen Kaffeebecher mit dem Logo der Universität, ohne viel Aufhebens darum zu machen. Die Dienstags-/Donnerstagsgruppe hingegen erhielt nichts. Eine Woche später bat der Professor alle Studenten, die Tasse preislich zu bewerten. Die Besitzer der Tasse zeichneten diese im Durchschnitt mit einem höheren Preis aus, als diejenigen, die keine Tasse hatten.

Auf die Frage, was der niedrigste Verkaufspreis für die Tasse wäre, gaben die Besitzer der Tasse durchweg einen höheren Preis an, als die Studenten, die keine Tasse erhielten.

Ursachen des Besitztumeffekts

Die empirische Forschung hat vor allem zwei psychologische Gründe für das Auftreten des Besitztumseffekts ermittelt:

  • Besitz: Studien haben wiederholt gezeigt, dass Menschen etwas, das sie bereits besitzen, mehr wertschätzen als einen ähnlichen Gegenstand, den sie nicht besitzen. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um einen gekauften oder einen geschenkten Gegenstand handelt; der Effekt bleibt bestehen.
  • Verlustaversion: Die Verlustaversion gilt als Hauptgrund dafür, dass Anleger dazu neigen, an unrentablen Vermögenswerten oder Geschäften festzuhalten, da die Aussicht, sich zum aktuellen Marktwert von ihnen zu trennen, nicht ihren Vorstellungen von ihrem Wert entspricht.

Auswirkungen des Besitztumseffekts auf Investoren

Menschen, die Aktien von verstorbenen Verwandten geerbt haben, zeigen den Besitztumseffekt, indem sie sich weigern, diese Aktien zu veräußern, selbst wenn sie nicht der Risikotoleranz oder den Anlagezielen der betreffenden Person entsprechen. Die emotionale Verbindung zu den Aktien führt in einem solchen Fall dazu, dass der Anleger den Aktien einen Wert beimisst, der über dem aktuellen Marktpreis liegt.

Ein solches Verhalten kann die Portfoliostruktur negativ beeinträchtigen. Um negative Ergebnisse zu vermeiden, wäre es daher notwendig festzustellen, wie sich dieser Aktienbesitz auf die gesamte Vermögensallokation auswirkt.

Auch selbst gekaufte Vermögenswerte werden häufig nicht veräußert, obwohl das Halten nicht immer rational begründbar ist. Hierbei löst die Verlustaversion häufig den Besitztumseffekt aus. Man hält an Aktien, die beispielsweise nicht in das Risikoprofil passen und möglicherweise aus emotionalen Gründen gekauft wurden, wie der Angst einen Trend zu verpassen (“Fear of missing out” – FOMO), da der Anleger diese einen Wert beimisst, der den aktuellen Marktpreis übersteigt.

Es lässt sich daher festhalten, dass gerade am Aktienmarkt, viele verschiedene Phänomene der Verhaltensökonomie zusammen auftreten und einander bedingen. Der Besitztumseffekt steht in diesem Zusammenhang häufig am Ende einer Kette aus irrationalen Verhaltensmustern.

Beispiel für den Endowment Effect

Angenommen, eine Person erwirbt eine Kiste Wein für 100 US-Dollar. Wenn zu einem späteren Zeitpunkt ein Angebot gemacht wird, diesen Wein zum aktuellen Marktwert von 125 US-Dollar zu erwerben, könnte der Besitztumseffekt den Besitzer dazu bewegen, dieses Angebot abzulehnen, trotz der monetären Gewinne, die er durch die Annahme des Angebots erzielen würde.

Der tatsächliche Besitz kann also dazu führen, dass die Person den Wein überbewertet. Anstatt den Wein in Zahlung zu nehmen, kann der Besitzer also auf ein Angebot warten, das seinen preislichen Erwartungen entspricht, oder ihn selbst trinken.

Unter den restriktiven Annahmen der Rational-Choice-Theorie, die der modernen mikroökonomischen und Finanztheorie zugrunde liegt, ist ein solches Verhalten irrational. Nach dieser Theorie sollte eine rationale Person die Weinkiste ebenfalls zum aktuellen Marktpreis bewerten, da sie eine identische Weinkiste zu diesem Preis wieder kaufen könnte.

Ähnliche Reaktionen, die durch den Endowment Effect ausgelöst werden, können die Besitzer von Sammlerstücken oder sogar Unternehmen beeinflussen, da sie ihren Besitz häufig einen höheren Preis zuschreiben als jede Marktbewertung.

Besitztumseffekt beim Investieren vermeiden – 2 Tipps

Der Besitztumseffekt kann gerade am Kapitalmarkt ein möglicherweise kostspieliges Fehlverhalten auslösen. Dieses tritt vor allem auf, wenn an verlustreichen Aktien festgehalten wird, obwohl diese aus rationaler Sicht verkauft werden sollten. Dies geschieht, da der Anleger in einem solchen Fall den Aktien einen subjektiv höheren Wert beimisst, als er gerade am Markt bezahlt wird. Man kann sich allerdings einiger Techniken bedienen, um dieser Falle entgegenzuwirken.

Systematisiertes Investieren

Die erste nennenswerte Möglichkeit, dem Besitztumseffekt zu entgehen, ist das Verfolgen einer systematischen Anlagestrategie. Bei einer solchen Anlagestrategie werden feste Regelwerke implementiert, welche den Anleger bei der Entscheidungsfindung unterstützen. Dies gilt nicht nur für die Entscheidung der Investition, sondern auch für die Entscheidung der Desinvestition, also dem Verkauf von Aktien, welche nicht mehr dem Regelwerk entsprechen.

Bestenfalls integriert man zeitliche Zyklen, in welchen die im Portfolio befindlichen Aktien neu analysiert und bewertet werden. Hierzu kann ebenfalls eine Checkliste erstellt werden, um so viel wie möglich zu systematisieren. Je automatisierter ein Prozess abläuft, desto weniger Platz wird den Emotionen gelassen. Ein typischer Zeitpunkt für eine regelmäßige Evaluation der Aktien ist etwa die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse, da sich in diesem Zusammenhang fundamentale Änderungen im Unternehmen offenbaren können.

Einsatz von Termingeschäften

Man kann komplementär zu einer systematischen Anlagestrategie, Termingeschäfte in das Investitionssystem integrieren. Termingeschäfte haben als solches den Vorteil, dass sie nach einer gewissen Laufzeit verfallen. Somit kann dem Besitztumseffekt direkt entgegengewirkt werden. Ein bei vielen Anlegern beliebtes Instrument hierfür sind Optionen. Diese haben den Vorteil, dass sie zusätzlich die Volatilität des Portfolios reduzieren und zu der Erwirtschaftung eines regelmäßigen, passiven Einkommens an der Börse beitragen können.

Kostenloses Webinar: Wie du attraktive Qualitätsaktien findest & ein monatliches Zusatzeinkommen generierst

Lerne in unserem kostenlosen Live-Webinar am 03.10.2022 um 18:30 Uhr, wie du in herausragende Qualitätsaktien zu einem günstigen Preis investierst. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Mit dem staatlich geprüften Ausbildungsprogramm von DeltaValue ist der Einstieg schnell, zeitsparend und profitabel möglich. Klicke hier um zu erfahren wie auch du Vermögen an der Börse aufbauen kannst.

DeltaValue GmbH hat 4,70 von 5 Sternen | 21 Bewertungen auf ProvenExpert.com
Langfristiger Vermögensaufbau plus regelmäßige Einnahmen an der Börse Anonym