Status Quo Bias (Status-quo-Verzerrung) – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp

Der Status Quo Bias (deutsch: “Status-quo-Verzerrung”), auch bekannt als Ist-Zustand-Verzerrung, bezieht sich auf die Präferenz der Menschen, den aktuellen Stand beizubehalten, wenn sie eine Entscheidung treffen müssen. Dies führt zu Widerstand gegen Veränderungen. An der Börse lässt sich der Status Quo Bias häufig beobachten, wenn Anleger jahrelang an Investitionen festhalten, obwohl diese aus rationaler Sicht verkauft werden müssten.

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Was ist der Status Quo Bias? – Definition

Status Quo Bias bezeichnet ein Phänomen, bei dem Menschen es vorziehen, dass alles so bleibt, wie es ist, obwohl dies nicht logisch begründet werden kann. Dies kann selbst dann der Fall sein, wenn die Veränderungskosten relativ gering sind und eine Alternative vorteilhafter wäre.

Der Status Quo Bias ist eine kognitive Verzerrung (cognitive bias), die häufig am Kapitalmarkt zu beobachten ist, sodass hierbei von einem „Investor Bias“ gesprochen wird. Die Status-quo-Verzerrung kann in Folge von oder komplementär zu anderen Heuristiken aus der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) auftreten.

Ursachen des Status Quo Bias

Die Ursachen des Status Quo Bias stehen im Einklang mit den Konzepten der Verlustaversion (Loss Aversion) und des Besitztumseffektes (Endowment Effect). Beide Heuristiken beeinflussen nachweislich die Entscheidungsfindung.

Darüber hinaus wird der Status-quo-Verzerrung auch deshalb gern beibehalten, weil sie die Entscheidungsfindung erleichtert, insbesondere dann, wenn wir uns verunsichert oder uns von der Anzahl der gebotenen Wahlmöglichkeiten überfordert fühlen.

Darum stehen viele Menschen Neuerungen skeptisch gegenüber. Sie betrachten Veränderungen als “Kosten” und versuchen, sie so weit wie möglich zu vermeiden, bis die Vorteile die Kosten bei Weitem überwiegen.

Auswirkungen des Status Quo Bias auf Investoren

Die Tendenz zum Status quo kann Anleger beispielsweise dazu veranlassen, an verlustreichen Aktien festzuhalten. Dies ist insbesondere dann der Fall, wenn die Aktien aus passiven Quellen wie einer Erbschaft stammen. Es gibt viele Anleger, die es vorziehen, die Aktien im Portfolio nicht zu ändern, selbst wenn eine solche Änderung das Portfolio robuster machen würde.

Status Quo Bias beim Investieren

Investoren mit Status Quo Bias neigen dazu, die Verluste zu übertreiben, die ihnen drohen, wenn sie den Ist-Zustand ändern. Sie könnten zum Beispiel die steuerlichen Folgen, die Volatilität oder andere Merkmale der Investition übertrieben darstellen. Dies geschieht, um vor sich selbst zu rechtfertigen, dass der aktuelle Status tatsächlich die beste Option ist.

Kurz gesagt: Sie minimieren möglicherweise die Vorteile, die sich aus Alternativen ergeben, während sie die Kosten maximieren, um ein verzerrtes Bild zu schaffen, in dem der aktuelle Stand als die beste Entscheidung erscheint.

Diese kognitive Verzerrung kann außerdem dazu führen, dass Anleger etwa bei Zinsänderungen oder einem neuen Börsentrend untätig bleiben, weil sie glauben, dass die bestehenden Bedingungen einfach „ewig so weitergehen“ werden.

Beispiel für den Status Quo Bias an der Börse

Angenommen, ein Anleger hat bereits vor fünf Jahren das Depot eines Verwandten geerbt und sich bis dato nicht weiter damit beschäftigt. Der Verwandte, dessen Depot vererbt wurde, war ein gewissenhafter Investor, der, da er bereits in gehobenem Alter war, sein Depot entsprechend defensiv strukturiert hat.

Zum Zeitpunkt des Depotübertrags befanden sich ausschließlich Staatsanleihen mit einer starken Bonität und einem sehr geringen Zins im Depot. Der neue Eigentümer befindet sich noch in einem frühen Lebensstadium, sodass das vererbte Depot eigentlich zu defensiv aufgestellt ist. Nach dem Auslaufen der Staatsanleihen wird das Kapital zurückgezahlt, weshalb der jetzige Investor sich mit der Neuanlage des Geldes beschäftigen muss.

Der Investor steht nun vor der Entscheidung zwischen der Prolongation der Staatsanleihen oder einer Restrukturierung seines Portfolios. Da er noch jung ist, wären auf dem Markt einige Anlagemöglichkeiten mit einem deutlich besseren Chance/Risiko-Profil vorhanden.

Der Status Quo Bias würde den Anleger in einem solchen Fall dazu verleiten, die bestehenden Anlagen zu verlängern, obwohl eine Restrukturierung die rationalere Entscheidung wäre. Dieses Verhalten führt dazu, dass der Anleger gegebenenfalls deutliche Renditeeinbußen erleidet, welche ausschließlich auf den Status Quo Bias zurückzuführen sind.

Status Quo Bias beim Investieren überwinden – 2 Tipps

Die Voreingenommenheit gegenüber dem Status quo ist oft tief in der Psyche der Anleger verwurzelt. Das führt dazu, dass diese häufig schwer zu überwinden ist. Der Status Quo Bias ist jedoch meistens das Ergebnis einer fehlerhaften oder unvollständigen Aktienanalyse, weshalb einige Tipps dabei helfen, dieser kognitiven Verzerrung entgegenzuwirken.

Tipp Nummer 1 – Systematisiertes Investieren

Die meisten kognitiven Verzerrungen können durch das Verfolgen eines systematisierten Investitionsansatzes überwunden werden. Systematisierte Investitionsansätze zeichnen sich durch klar definierte Entscheidungsprozesse und Regelwerke aus, die im Bestfall von einer Investitionscheckliste komplementiert werden.

Durch die Anwendung von festen Regeln kann vermieden werden, dass Entscheidungen auf einer irrationalen Grundlage, wie beispielsweise Emotionen, getroffen werden. Es ist allerdings wichtig, dass die Regelwerke auf Basis von wissenschaftlichen Erkenntnissen aufgebaut sind, um für eine solide Entscheidungsgrundlage zu sorgen.

Tipp Nummer 2 – Bewusstsein über die Kosten des Nichtstuns schaffen

Das Festhalten am Status quo kann zum Teil zu erheblichen Kosten führen. Diese treten einerseits in Form von Opportunitätskosten und andererseits in Form von tatsächlichen Verlusten auf. Opportunitätskosten treten auf, wenn das Festhalten am Status quo dazu führt, dass geringere risikobereinigte Gewinne erzielt werden als möglich wären. Tatsächliche Verluste treten vor allem infolge des Festhaltens an Investitionen von unterdurchschnittlicher Qualität auf.

Dementsprechend kann es hilfreich sein, sich mit den möglichen Kosten des Nichtstuns auseinanderzusetzen und ein Bewusstsein für diese zu entwickeln. Gerade die Beschäftigung mit Opportunitätskosten führt häufig dazu, dass ein besseres Verständnis für die möglichen Alternativen geschaffen wird. Die Beschäftigung mit den Alternativen kann wiederum dazu führen, dass ein objektiveres Bild über den Status quo geschaffen wird.

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