Hindsight Bias (Rückschaufehler) – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp

Der Hindsight Bias (deutsch: Rückschaufehler oder „knew-it-all-along“-Effekt) ist eine kognitive Verzerrung, bei der Menschen nach einem Ereignis glauben, das Ergebnis vorhergesehen zu haben, obwohl sie es vorher nicht konnten. Dies führt dazu, dass vergangene Ereignisse im Nachhinein als vorhersehbarer eingeschätzt werden, als sie tatsächlich waren.

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Was ist der Hindsight Bias? – Definition

Hindsight Bias (Rückschaufehler) ist die allgemeine Tendenz der Menschen, vergangene Ereignisse als vorhersehbarer wahrzunehmen, als sie tatsächlich waren. Dieser Effekt kann unabhängig davon auftreten, ob sich die Person bereits im Vorfeld mit der Eintrittswahrscheinlichkeit des Ereignisses beschäftigt hat.

An der Börse kann der Rückschaufehler dazu führen, dass Anleger glauben, aufgrund vergangener Kursbewegungen zukünftige Kursentwicklungen vorhersagen zu können, was zu teilweise kostspieligen Fehlentscheidungen führen kann.

Der Rückschaufehler ist eine am Kapitalmarkt häufig zu beobachtende kognitive Verzerrung (cognitive bias), die in der Börsenpsychologie auch als „Investor Bias“ bezeichnet wird. Diese Verzerrung kann als Folge von oder als Ergänzung zu anderen Heuristiken der Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) auftreten.

Ursachen des Rückschaufehlers

Es gibt drei ursächliche Faktoren, die dazu führen können, dass Investoren dem Rückschaufehler unterliegen und ihre Prognosefähigkeit überschätzen. Diese können wie folgt klassifiziert werden:

  1. Kognitiv: Die Erinnerung an vergangene Ereignisse wird oft verzerrt, indem wir selektiv Informationen abrufen, die das bestätigen, was wir nachträglich als wahr erkannt haben. Wir tun dies, um eine Geschichte zu kreieren, um vergangenes einen Sinn zu geben, was im Englischen als „Sensemaking“ bezeichnet wird. Diese kognitive Tendenz steht im Zusammenhang mit dem Bestätigungsfehler (confirmation bias).
  2. Metakognitiv: Metakognition bedeutet, dass wir über unsere Gedanken selbst nachdenken können. Wenn es Menschen leicht fällt, über eine frühere Entscheidung nachzudenken und diese zu verstehen, kann es passieren, dass sie Leichtigkeit mit Gewissheit verwechseln. Es ist oft leicht zu verstehen, wie oder warum ein bestimmtes Ereignis im Nachhinein passiert ist, was zumindest teilweise auf den Recency-Effekt zurückzuführen ist.
  3. Selbstwertdienlich: Selbstwertdienliche Attributionen zielen darauf ab, das Selbstwertgefühl zu schützen oder zu steigern. Die Forschung zeigt, dass Menschen Gedanken und Handlungen bevorzugen, die ihr Selbstwertgefühl und ihr Selbstvertrauen stärken. Es kann selbstaufwertend sein, zu glauben, dass man mit seinen Vorhersagen richtig liegt oder dass man „es schon immer gewusst hat“, auch wenn man es vielleicht gar nicht gewusst hat.

Beim Recency-Effekt neigt das menschliche Gehirn dazu, neueren Informationen ein größeres Gewicht beizumessen, so dass diese oft ältere Ereignisse überlagern. Dadurch kann der Eindruck entstehen, dass das Ereignis vorhersehbar oder unvermeidlich war. Dies gibt uns die Sicherheit, dass es sich um eine Einsicht handelt, die wir schon vorher hatten.

Komponenten des Hindsight Bias

Hindsight Bias kann sich aus drei verschiedenen Komponenten zusammensetzen. Die einzelnen Komponenten können jedoch unabhängig voneinander auftreten und müssen sich nicht gegenseitig bedingen.

  • Der nachträglich verstärkte Eindruck der Vorhersehbarkeit
    Auch wenn vor dem Eintreten des Ereignisses nicht alle notwendigen Informationen zur Verfügung standen, um das Ereignis vorherzusagen, wird davon ausgegangen, dass das Eintreten des Ereignisses vorhersehbar war. („Ich wusste, dass es so kommen wird!“)
  • Der nachträglich verstärkte Eindruck der Unvermeidbarkeit
    Nach dem Eintreten eines Ereignisses wird dessen Eintritt als unausweichliche Folge angesehen, auch wenn es alternative Ereignisse mit gleicher Eintrittswahrscheinlichkeit gegeben hätte. („Das musste so passieren.“)
  • Gedächtnisverzerrungen
    Gedächtnisverzerrungen führen dazu, dass neuere Informationen in die Betrachtung einer früheren Prognose einbezogen werden, obwohl sie zum ursprünglichen Betrachtungszeitpunkt noch nicht vorlagen. („Ich habe damals schon gesagt, dass es so kommen wird.“)
Hindsight Bias (Rückschaufehler) beim Investieren)

Auswirkungen des Rückschaufehlers auf Investoren

An der Börse lässt sich der Rückschaufehler vor allem bei Investoren beobachten, die immer davon ausgehen, dass sie einschneidende Ereignisse vorhergesehen haben. Dies führt zu einem irrational gesteigerten Selbstvertrauen in die eigenen Prognosefähigkeiten und damit zu einer weiteren kognitiven Verzerrung – dem Overconfidence Bias.

Ein toxisch gesteigertes Selbstvertrauen in die eigenen Prognosefähigkeiten führt in der Regel zu einer Vernachlässigung des Risikomanagements und zu einer Erhöhung der jeweiligen Handelspositionen. Der Hindsight Bias kann somit zu einer Fehleinschätzung von Risiken und im schlimmsten Fall sogar zu einer „Überhebelung“ beim Trading führen.

Eine weitere Folge des Rückschaufehlers kann ein exakt gegensätzliches Verhalten sein. In diesem Fall geht der betroffene Anleger davon aus, dass er in der Vergangenheit aufgetretene Börsencrashs hätte vorhersehen können, was dazu führt, dass er ebenfalls davon ausgeht, zukünftige Börsencrashs vorhersehen zu können. Häufig führt dies zu einer Überschätzung der Wahrscheinlichkeit des baldigen Eintritts eines Börsencrashs.

Wird die Eintrittswahrscheinlichkeit eines Börsencrashs überschätzt, kann dies zu zwei Verhaltensweisen führen:

  • Investitionen an der Börse werden reduziert oder liquidiert. Dies geschieht auch zu ungünstigen Zeitpunkten. In der Folge werden entweder Verluste realisiert oder zukünftige Gewinne entgehen.
  • Es wird eine aggressive Short-Position aufgebaut, die davon profitiert, wenn es zu einem Börsencrash kommt. Bleibt der Börsencrash allerdings aus, verlieren solche Positionen typischerweise ihren kompletten Wert, was zu einem Totalverlust (oder schlimmerem) führt.

Beispiel für den Hindsight Bias an der Börse

Der Hindsight Bias lässt sich vor allem in Bezug auf die Finanzkrise 2008 oder die Dotcom-Blase Ende der 1990er Jahre beobachten. In beiden Fällen hatten selbst viele Börsenexperten im Vorfeld nicht damit gerechnet, dass es zu einem Börsencrash kommen würde. Einige Analysten und Experten, die die Probleme im Vorfeld erkannten, wurden meist nicht ernst genommen, was darauf schließen lässt, dass die meisten Menschen die Ereignisse im Vorfeld nicht einschätzen konnten.

Im Nachhinein ist jedoch eine große Zahl von Personen der Meinung, dass der wirtschaftliche Einbruch vorhersehbar oder sogar unvermeidlich war. Diese Personen sind auch mehrheitlich der Meinung, zukünftige Börsencrashs vorhersagen zu können, was statistisch gesehen in den wenigsten Fällen zutrifft. Infolgedessen neigen sie dazu, in jeder Kurskorrektur einen aufkeimenden Bärenmarkt zu sehen, was zu starken Renditeeinbußen führen kann.

Hindsight Bias beim Investieren vermeiden – 2 Tipps

Der Hindsight Bias hindert Investoren daran, eigene Fehler zu erkennen und daraus zu lernen. Die Einschränkung der eigenen Lernfähigkeit ergibt sich daraus, dass Menschen im Nachhinein dazu neigen zu glauben, sie hätten etwas von Anfang an gewusst.

Tipp Nummer 1 – Systematisiertes Investieren

Ein systematisierter Investitionsansatz kann dazu beitragen, kognitiven Verzerrungen wie dem „Hindsight Bias“ entgegenzuwirken. Da die Investitionsentscheidungen bei einem solchen Ansatz auf klaren Regeln beruhen, können sie im Nachhinein rational nachvollzogen werden. Dadurch wird der Irrglaube vermieden, auf Basis einer außergewöhnlichen Prognosefähigkeit gehandelt zu haben, was wiederum dazu führt, dass auch zukünftige Entscheidungen nicht auf Basis einer verzerrten Wahrnehmung getroffen werden.

Tipp Nummer 2 – Investitionstagebuch

Das Führen eines Investitionstagebuchs kann ebenfalls dazu beitragen, dem Hindsight Bias entgegenzuwirken. In ein solches Tagebuch trägt der Investor die jeweiligen Transaktionen sowie die jeweiligen Gründe für ein Investment oder Desinvestment ein. Da die jeweiligen Gründe zum Zeitpunkt der jeweiligen Transaktion notiert werden, können diese im Nachhinein nachvollzogen werden, was einer Wahrnehmungsverzerrung entgegenwirkt.

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