Buffett-Indikator – Erklärung & Interpretation
Der Buffett-Indikator (auch „Market Capitalization to GDP Ratio“) setzt die die gesamte Börsenkapitalisierung eines Landes ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt. Die nach dem Investor Warren Buffett benannte Kennzahl wurde ursprünglich für den US-Markt entwickelt. Anleger können sie jedoch grundsätzlich für jeden Aktienmarkt nutzen, um eine mögliche Über- oder Unterbewertung einzuschätzen.
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Buffett-Indikator – Definition
Der Buffett-Indikator misst das Verhältnis der gesamten Marktkapitalisierung eines Landes (Total Market Cap) zum Bruttoinlandsprodukt (BIP). Das Ergebnis wird verwendet, um festzustellen, ob der Aktienmarkt insgesamt über- oder unterbewertet ist.
Die Kennzahl hat ihren Ursprung an der US-amerikanischen Börse. Inzwischen wird sie von vielen Investoren weltweit als wichtiges Anlagekriterium angesehen. Eine Ermittlung ist nicht nur auf Landesebene, sondern auch für bestimmte Börsensektoren möglich.
Buffett-Indikator – Interpretation & Analyse
Buffett geht von einer Unterbewertung aus, wenn der Indikator einen Wert von 80 Prozent unterschreitet. Oberhalb eines Wertes von 150 Prozent sei dagegen von einer Überbewertung auszugehen. Das Risiko eines Rücksetzers oder Börsencrashes nehme deutlich zu. Über einem Wert von 200 Prozent spricht Buffett sogar davon, „mit dem Feuer zu spielen“.
Klassische Interpretation des Indikators zusammengefasst:
- Unter 80%: deutliche Unterbewertung
- 111 – 135%: faire Bewertung
- Über 150%: deutliche Überbewertung
- Über 200%: Crashrisiko („mit dem Feuer spielen“)
Berechnung des Buffett-Indikators
Der Buffett-Indikator wird berechnet, indem die Börsenkapitalisierung eines Landes durch das Bruttoinlandsprodukt (BIP) geteilt wird. Anschließend wird das Ergebnis mit 100 multipliziert, um einen prozentualen Wert zu erhalten.
Die Formel lautet wie folgt:
Modifizierte Berechnungsmethode
Eine von der Plattform Gurufocus popularisierte Version des Buffett-Indikators erweitert die klassische Formel, indem sie zusätzlich die Geldpolitik der US-Notenbank berücksichtigt. Dabei wird das BIP um die Bilanzsumme der Federal Reserve ergänzt.
Dadurch fließt die expansive Wirkung geldpolitischer Maßnahmen wie Anleihekäufe oder Zinssenkungen mit in die Bewertung ein. Diese Variante soll besser erklären, warum Aktienmärkte auch bei schwacher Realwirtschaft stark steigen können.
Bewertungszonen nach dem modifizierten Indikator:
- Unter 71%: deutliche Unterbewertung
- 91 – 111%: faire Bewertung
- Über 131%: deutliche Überbewertung
Buffett-Indikator – Deutschland
Einige Online-Plattformen wie Gurufocus berechnen den Buffett-Indikator auch für Deutschland.
Bewertungszonen laut klassischem Buffett-Indikator:
- Unter 34%: deutlich unterbewertet
- Über 63%: deutlich überbewertet
Bewertungszonen für Deutschland unter Berücksichtigung der Bilanzsumme der Zentralbank:
- Unter 24%: deutlich unterbewertet
- Über 44%: deutlich überbewertet
Buffett-Indikator – Entwicklung im Zeitablauf
Die Daten zum Buffett-Indikator zeigen, dass der US-Aktienmarkt bis zum Ende des 20. Jahrhunderts vergleichsweise moderat bewertet war. Der Gesamtwert aller börsennotierten Unternehmen lag in dieser Phase unterhalb des Bruttoinlandsprodukts (BIP).
Erst im Zuge der Dotcom-Blase um das Jahr 2000 überschritt der Indikator erstmals die Marke von 100 %. Der anschließende Börsencrash führte zu einem deutlichen Rückgang. Nach dem Tiefpunkt während der globalen Finanzkrise 2008/2009 setzte jedoch ein erneuter Anstieg ein, sodass der Indikator seither durchgehend auf ein überdurchschnittliches Bewertungsniveau hindeutet.
Buffett-Indikator – US-Marktkapitalisierung und BIP-Wachstum
Um die Entwicklung des Buffett-Indikators und die Zusammenhänge zu verdeutlichen, soll dieser im Folgenden anhand der wirtschaftlichen Daten für den US-Markt erläutert werden.
Gesamte US-Marktkapitalisierung
Seit 1950 hat der US-Aktienmarkt erheblich an Wert gewonnen. Bereinigt um kurzfristige Schwankungen ist ein exponentielles Wachstum erkennbar, das sich insbesondere mit dem technologischen Fortschritt seit der Jahrtausendwende erklären lässt. Im Zeitraum vom 1. Januar 2010 bis zum 31. Dezember 2024 stieg die Marktkapitalisierung börsennotierter US-Unternehmen um 312,5 Prozent und überschritt erstmals die Marke von 62 Billionen US-Dollar.
BIP-Wachstum der USA
Demgegenüber zeichnet sich am BIP-Wachstum ein konstanter Verlauf ab. Mit wenigen Ausnahmen wächst die Wirtschaftsleistung der USA mit deutlich geringeren Raten als der Kapitalmarkt. Daher sind langfristig steigende Werte des Buffett-Indikators zu erwarten, ohne dass dies eine Überbewertung bedeuten muss. Dennoch kann der Indikator grundsätzlich aussagekräftig bleiben.
Vorteile des Buffett Indikators
Der Buffett-Indikator überzeugt durch seine solide statistische Basis: Er stützt sich auf rund 80 Jahre Marktdaten und zeigt eine deutliche Korrelation zwischen dem US-BIP und den Unternehmensgewinnen. Damit bietet er eine robuste Orientierung für die Bewertung des Gesamtmarkts.
Zugleich punktet er durch Einfachheit und Transparenz: Seine Berechnung basiert ausschließlich auf der Marktkapitalisierung und dem BIP, die sich im Gegensatz zu Bilanzkennzahlen kaum manipulieren lassen. Auch Eingriffe wie Aktienrückkäufe wirken sich nur indirekt aus, was die Aussagekraft zusätzlich stärkt.
Schließlich liefert der Indikator einen ganzheitlichen Blick, da er börsennotierte Unternehmen in Relation zur gesamten Wirtschaftsleistung setzt. So wird sichtbar, wie stark der Aktienmarkt im Verhältnis zur Gesamtwirtschaft bewertet ist und ob er eher über- oder unterbewertet erscheint.
Nachteile des Buffett-Indikators
Der Buffett-Indikator ist stark auf den US-Markt zugeschnitten. In anderen Ländern, in denen nur ein kleiner Teil der Wirtschaft börsennotiert ist oder die Indizes stark von wenigen Schwergewichten dominiert werden, verliert er an Aussagekraft. Ein Beispiel: Im Jahr 2025 entfallen mehr als 35 Prozent des S&P 500 auf die zehn größten Unternehmen. Damit spiegelt der Indikator eher deren Bewertung als die des Gesamtmarkts wider.
Erschwerend kommt hinzu, dass der Indikator auf teilweise veralteten Daten beruht. Während die Marktkapitalisierung laufend schwankt, wird das BIP nur quartalsweise veröffentlicht. Dadurch werden oft aktuelle Börsenkurse mit veralteten Wirtschaftsdaten verglichen.
Auch die historische Grundlage ist problematisch: Buffett selbst entwickelte den Indikator Anfang der 2000er Jahre auf Basis von Daten des 20. Jahrhunderts. Seitdem haben sich globale Gewinnquellen, Konzernstrukturen und die immaterielle Wertschöpfung jedoch so stark verändert, dass die Eignung des BIP als Vergleichsgröße infrage steht.
Hinzu kommt das Zinsumfeld: In Zeiten dauerhaft niedriger Leitzinsen fließt mehr Kapital in Aktien, wodurch höhere Bewertungen plausibler erscheinen als in früheren Jahrzehnten. Steigen die Zinsen jedoch wieder, könnte sich dieses Bild rasch ändern.
Häufige Fragen
Welche Indizes werden beim Buffett-Indikator berücksichtigt?
Geläufig ist beispielsweise die Verwendung des Wilshire 5000 Index. Dieser berücksichtigt alle US-Aktien, die an amerikanischen Börsen handelbar sind. Die Aktien sind dabei nach ihrer Marktkapitalisierung gewichtet. Generell ist eine Verwendung des Indikators auch für einzelne Branchen denkbar.
Denkbar ist ebenfalls die Verwendung des Standard & Poor's 500. Dieser Index beinhaltet die 500 größten US-Unternehmen. Obwohl die Summe der Unternehmen deutlich geringer ist, sind die Schnittmengen aufgrund der Gewichtung nach Marktkapitalisierung in beiden Indizes hoch.
Nicht berücksichtigt werden bei der Berechnung des Marktwertes der Unternehmen Limited Partnerships oder American Depositary Receipts (ADRs).
Inwieweit eignet sich der Buffett-Indikator zur Beurteilung von Finanzmärkten?
Der Buffett-Indikator eignet sich für viele Investoren nur als grober „Temperaturmesser” zur Gesamtbewertung des US-Aktienmarkts. Allein liefert er keine zuverlässigen Ein- bzw. Ausstiegssignale, kann aber helfen, Risikopositionen in Euphoriephasen defensiver zu fahren. Die Kombination mit rendite- und zinsbasierten Kennzahlen könnte interessant sein, zum Beispiel mit der
CAPE-Ratio.
Welche Bestandteile fließen in Buffetts Kennzahl ein?
Ursprünglich nutzte Buffett das Bruttosozialprodukt (GNP), heute wird meist das Bruttoinlandsprodukt (GDP) verwendet, da es leichter verfügbar ist und die Unterschiede gering sind.
Für den Aktienmarkt dient in den USA häufig der Wilshire 5000 Index, teils aber auch der S&P 500. Entscheidend ist, über Zeiträume hinweg stets dieselben Ausgangsdaten zu verwenden, um Vergleichbarkeit zu sichern – die konkrete Datenbasis ist dabei weniger relevant.
Wie wird der Buffett-Indikator dargestellt?
Die Darstellung des Buffett-Indikators erfolgt üblicherweise in Prozent. Ein Wert von 100 Prozent bedeutet beispielsweise, dass der Wert der börsengehandelten Unternehmen dem Bruttoinlandsprodukt des jeweiligen Landes genau entspricht. Bei 200 Prozent wäre der Aktienmarkt dagegen doppelt so groß wie das BIP.
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