House Money Effect – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

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Was ist der House Money Effect? – Definition

Der House Money Effect bezeichnet ein Muster aus der Verhaltensökonomie: Nach vorangegangenen Gewinnen steigt bei vielen Menschen die Bereitschaft, mehr Risiko einzugehen. Der Gewinn wird mental oft als „Puffer“ oder „Bonus“ betrachtet – und dadurch psychologisch anders behandelt als das ursprünglich eingesetzte Kapital.

Einordnung: Der Hausgeldeffekt gilt als behavioral bias (kognitive Verzerrung) und wird in der Börsenpsychologie als Teil der Behavioral Finance diskutiert. Er kann in Kombination mit anderen Verzerrungen (z.B. Overconfidence, FOMO) auftreten und zu riskanteren Entscheidungen führen.

Begriffsherkunft

Der Begriff stammt aus der Glücksspielterminologie: House Money („Geld des Hauses“) meint Gewinne, die ein Spieler „vom Haus“ (dem Casino) erzielt hat. Diese Gewinne werden häufig weniger „geschützt“ als das eigene Geld – was zu riskanteren Folgeentscheidungen führen kann.

Häufig wird der Effekt im Alltag mit „unerwartetem Geld“ (z.B. Geschenk, Bonus) verwechselt. Solche Zufallsgewinnen (Windfall Gains) können zwar ebenfalls anders ausgegeben werden, der klassische House Money Effect bezieht sich jedoch vor allem auf Risikoverhalten nach vorherigen Gewinnen.

Ein alltagsnahes Beispiel: Wer beim Online-Verkauf einen überraschend hohen Gewinn erzielt, nutzt dieses Plus eher für eine riskantere Anschaffung oder „gönnt sich etwas“, obwohl das Geld objektiv denselben Wert hat wie reguläres Einkommen.

Mentale Buchführung als Ursache für den Housegeldeffekt

Mental Accounting beschreibt die Neigung von Menschen, finanzielle Transaktionen je nach Herkunft und Verwendung des Geldes auf gedanklich getrennten Konten zu verbuchen. Geld wird dabei nicht als einheitliche Ressource betrachtet, sondern unterschiedlich bewertet – je nachdem, aus welcher Quelle es stammt und welchem „mentalen Konto“ es zugeordnet wird. Dies beeinflusst maßgeblich die Bereitschaft, Geld auszugeben oder Risiken einzugehen.

Dadurch kann derselbe Betrag emotional unterschiedlich bewertet werden:

  • Reguläres Einkommen (z.B. Gehalt) wird häufiger als „hart verdient“ und schützenswert empfunden.
  • Gewinne (z.B. Trading-Gewinne, Kursgewinne) werden eher als „zusätzlich“ wahrgenommen und mit geringerer Verlustangst riskiert.

Hinweis: Mental Accounting ist eine wichtige aber nicht die einzige Erklärung. Zusätzlich können Referenzpunkte (z.B. „Ich liege noch im Plus“), Framing und die emotionale Bewertung von Gewinnen/Verlusten das Risikoverhalten beeinflussen.

Klassisches Beispiel für den House Money Effect (und der Break-even-Effekt)

Ursprünglich wurde der Effekt u.a. im Kontext von Glücksspiel und Experimenten zu riskanten Entscheidungen untersucht. Die typische Beobachtung:

  • Nach einem Gewinn steigen viele Personen auf riskantere Optionen um (Nach dem Motto „Hausgeld wird leichter riskiert“).

In derselben Forschung wird häufig auch ein verwandtes Muster beschrieben, das man kennen sollte:

  • Nach Verlusten kann die Bereitschaft steigen, riskantere Wetten einzugehen, wenn diese die Chance bieten, „wieder auf Null zu kommen“ (Break-even-Effekt).

Beide Effekte können erklären, warum Menschen nach starken Gewinn- oder Verlustphasen dazu neigen, vom ursprünglichen Risiko-Plan abzuweichen.

Ergänzende Heuristiken

Der House Money Effect tritt in der Praxis selten isoliert auf. Häufig wird er durch andere Verzerrungen verstärkt, z.B.:

Hot Hand Fallacy

Nach einer Gewinnserie entsteht leicht das Gefühl, „einen Lauf“ zu haben. Dann wird die Wahrscheinlichkeit weiterer Erfolge überschätzt (Hot Hand Fallacy) und die nächste Entscheidung nicht mehr unabhängig bewertet. In vielen Zufallssituationen ist das eine Fehlwahrnehmung von Zufallssequenzen – auch wenn in manchen Skill-Kontexten über kleine, kontextabhängige Effekte diskutiert wird.

FOMO und Overconfidence

Gerade in Boomphasen kann Fear of Missing Out (FOMO) dazu führen, dass Gewinne aggressiv „weitergeritten“ werden. Gleichzeitig steigt häufig die Selbstüberschätzung („Ich kann das gut“), was die Risikosteuerung zusätzlich verschlechtert.

Auswirkungen des House Money Effect auf Investoren

Am Kapitalmarkt kann der House Money Effect dazu führen, dass Investoren nach Kursgewinnen:

  • Positionen größer hebeln oder konzentrierter wetten,
  • zu stark in High-Risk-Segmente umschichten (z.B. Small Caps, Krypto-Altcoins),
  • Risikobudgets und Stop-Regeln lockern („Ich spiele nur mit Gewinnen“).

Empirische Studien aus dem Anlegerkontext finden Hinweise darauf, dass vorherige Gewinne mit höherem späterem Risiko zusammenhängen – und dass dieser Effekt mit der Zeit abklingen kann (z.B. wenn Gewinne „weniger salient“ werden oder ein neuer Referenzpunkt entsteht). Der Effekt ist also kontextabhängig und nicht bei jedem Investor gleich stark.

Auftreten des Hausgeldeffektes an der Börse am Beispiel Bitcoin

Boomphasen sind ein typischer Nährboden für den House-Money-Effect, weil Gewinne schnell entstehen und psychologisch wie ein „Bonus“ wirken. Bitcoin ist ein klassisches Beispiel hierfür.

In solchen Phasen investieren manche Anleger Gewinne nicht defensiver oder diversifizierter, sondern gehen im Gegenteil noch spekulativere Risiken ein (z.B. kleinere Altcoins, gehebelte Produkte). Besonders bei Hebelprodukten können Drawdowns und Liquidationen dazu führen, dass nicht nur Buchgewinne verschwinden, sondern – je nach Produktstruktur – auch zusätzliche Verluste entstehen.

Hinweis: In dem Beispiel geht es nicht um Kryptowährungen an sich, sondern um ein psychologisches Muster: Gewinne verändern die Risikowahrnehmung und verleiten dazu, das Risiko nicht mehr am Gesamtvermögen auszurichten.

House Money Effect beim Investieren überwinden

Der House Money Effect lässt sich nicht „abschalten“, aber systematisch begrenzen. Zwei praxisnahe Ansätze:

Regelbasierter Prozess

Ein strukturierter, regelbasierter Ansatz reduziert den Spielraum für impulsive Entscheidungen nach Gewinnen.

  • Risikobudget festlegen (max. Positionsgrößen, maximaler Portfolio-Drawdown, Hebel-Limits).
  • Rebalancing-Regeln (z.B. monatlich/vierteljährlich zurück auf Zielquoten).
  • Checkliste für neue Trades (These, Risiko, Exit, Worst-Case, Korrelationen).

Solche Regeln können helfen, Entscheidungen konsistenter zu treffen und „Hausgeld-Übermut“ zu begrenzen.

Gewinne in das Gesamtvermögen „integrieren“

Da Mental Accounting eine zentrale Rolle spielt, hilft es, Gewinne bewusst als normales Kapital zu behandeln:

  • Gewinne und Verluste regelmäßig dokumentieren (kurzes Trading-/Investment-Journal).
  • Den Referenzpunkt klar definieren (z.B. „Gesamtvermögen“ statt „nur der Gewinn seit Einstieg“).
  • Optional: Eine feste Regel für Gewinnsicherung (z.B. „X% Gewinn wird in risikoärmere Bausteine/Rebalancing überführt“).

Damit soll ein Umgang etabliert werden, der verhindert, dass Gewinne unbewusst als Freifahrtschein für Überrisiken genutzt werden.

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