Relative Strength Index (RSI) – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Relative Strength Index (RSI) ist einer der meistverwendeten Momentum-Oszillatoren in der technischen Analyse. Er misst die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Kursbewegungen auf einer Skala von 0 bis 100 und hilft Händlern dabei, überkaufte und überverkaufte Marktzustände zu identifizieren. Für kurzfristige Trader wie auch für langfristige Investoren kann der RSI wertvolle Hinweise auf mögliche Trendwenden und die innere Stärke eines Basiswerts liefern.
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Relative Strength Index (RSI) im Überblick
| Indikator-Steckbrief | |
|---|---|
| Kategorie | Momentum |
| Typ | Leading (vorlaufend) – bei kurzen Perioden, Coincident bei Standardeinstellungen |
| Darstellung | Separates Panel (Oszillator) |
| Standardparameter | Periode: 14 (Wilder-Glättung) |
| Wertebereich | 0–100 (Oszillator); Schwellen: 30 (überverkauft) / 70 (überkauft) |
| Typische Zeitrahmen | Intraday (1 Min – 4 Std), Daily, Weekly |
| Märkte | Aktien, Futures, Forex, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | J. Welles Wilder Jr. (1935–2021), veröffentlicht 1978 |
Berechnung und Formel
Die Berechnung des RSI erfolgt in mehreren Schritten. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird für jede Periode die Kursveränderung zum Vortag ermittelt:
- Steigt der Kurs, fließt die Differenz als Gewinn (U) ein. Fällt er, als Verlust (D) – stets als positiver Betrag.
- Anschließend werden die durchschnittlichen Gewinne und Verluste über die gewählte Periodenanzahl (Standard: 14) berechnet.
Schritt 1 – Kursveränderung je Periode:
Schritt 2 – Erster Durchschnitt (einfacher Mittelwert über N Perioden):
Schritt 3 – Fortlaufende Glättung (Wilder-Methode):
Schritt 4 – Relative Stärke (RS) und RSI:
Parameter-Einstellungen
Der wichtigste einstellbare Parameter des RSI ist die Periodenanzahl (N). Die Standardeinstellung von 14 Perioden geht auf Wilder selbst zurück und bildet einen Kompromiss zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und Signalqualität.
- Eine kürzere Periode (z. B. 7 oder 9) macht den RSI reaktionsfreudiger – er schwingt häufiger in die Extrembereiche und erzeugt mehr Signale, darunter aber auch mehr Fehlsignale. Daytrader und Scalper nutzen diese Einstellungen häufig, um schneller auf Kursänderungen zu reagieren.
- Eine längere Periode (z. B. 21 oder 25) glättet den Indikator deutlich. Es werden weniger, dafür aber zuverlässigere Signale erzeugt – geeignet für Swing-Trader und Positionshändler, die kurzfristige Marktschwankungen ausblenden wollen.
Neben der Periodenlänge lassen sich auch die Schwellenwerte anpassen. Die klassischen Grenzen bei 70/30 können bei besonders volatilen Märkten auf 80/20 erweitert oder in trendstarken Phasen asymmetrisch verschoben werden (z. B. 40–80 im Aufwärtstrend, 20–60 im Abwärtstrend – ein Ansatz, der auf Andrew Cardwell zurückgeht).
Signale und Interpretation
Der RSI liefert mehrere Signaltypen: Überkauft-/Überverkauft-Zustände, Mittellinien-Kreuzungen, Divergenzen und sogenannte Failure Swings. Entscheidend ist, diese Signale im Kontext des übergeordneten Trends zu bewerten.
Kaufsignal
Ein bullisches Signal entsteht, wenn der RSI in den überverkauften Bereich unter 30 fällt und anschließend wieder über diese Schwelle ansteigt. Der Rückstieg signalisiert, dass der Verkaufsdruck nachlässt und eine Gegenbewegung wahrscheinlicher wird.
Zusätzlich kann ein Bullish Failure Swing als stärkeres Kaufsignal gewertet werden: Der RSI fällt unter 30, steigt, fällt erneut – bleibt dabei aber über 30 – und durchbricht dann das vorherige Zwischenhoch. Ein Kreuzen der Mittellinie (50) von unten nach oben bestätigt zudem den Wechsel zu überwiegend positiver Kursdynamik.
Verkaufssignal
Spiegelbildlich wird ein bärisches Signal generiert, wenn der RSI über 70 steigt und anschließend unter diese Marke zurückfällt. Der Rückfall deutet darauf hin, dass die Aufwärtsdynamik nachlässt.
Ein Bearish Failure Swing verstärkt das Signal: Der RSI steigt über 70, fällt, steigt erneut – erreicht aber nicht mehr 70 – und unterschreitet dann das vorherige Zwischentief. Ein Unterschreiten der 50er-Linie kann als zusätzliche Bestätigung für einen Trendwechsel ins Negative dienen.
Neutrale Zone / Seitwärts
Bewegt sich der RSI dauerhaft im Bereich zwischen 30 und 70, gilt er als neutral. Ein Wert um 50 deutet eher auf einen fehlenden Trend hin. Der RSI ist in Seitwärtsphasen anfällig für häufige Richtungswechsel ohne klare Aussagekraft.
Divergenz
Divergenzen zählen zu den stärksten Signalen des RSI – insbesondere, wenn sie durch weitere Indikatoren bestätigt werden.
- Bullische Divergenz: Der Kurs bildet ein tieferes Tief, während der RSI ein höheres Tief ausbildet. Dies deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend an Momentum verliert und eine Trendumkehr nach oben bevorstehen könnte.
- Bärische Divergenz: Der Kurs markiert ein höheres Hoch, der RSI jedoch ein tieferes Hoch. Das zeigt nachlassende Aufwärtsdynamik an und warnt vor einer möglichen Korrektur oder Trendwende nach unten.
Relative Strength Index (RSI) im Chart
Der folgende Chart zeigt den S&P Index Cash mit dem 14-Perioden-RSI in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Schwankungen des Oszillators zwischen den klassischen Schwellenwerten 30 und 70.
Beispiel: RSI-Signal beim S&P 500
An einem konkreten Beispiel soll nun die Anwendung des Relative Strength Index erläutert werden.
Ausgangslage:
Angenommen, der S&P 500 (SPX) notiert bei 5.800 Punkten und befindet sich seit mehreren Wochen in einem kräftigen Aufwärtstrend. Im Tageschart reihen sich höhere Hochs und höhere Tiefs aneinander.
Indikator-Wert:
Der 14-Perioden-RSI steht bei 74 – damit deutlich im überkauften Bereich oberhalb der 70er-Schwelle.
Signal:
Es bildet sich eine bärische Divergenz: Der SPX markiert ein neues Hoch bei 5.850 Punkten, doch der RSI bildet ein tieferes Hoch bei 71 – niedriger als sein vorheriger Spitzenwert von 78. Das Momentum des Aufwärtstrends lässt also nach, obwohl der Kurs weiter steigt.
Aktion:
Ein Händler könnte dies als Warnsignal werten und Gewinnmitnahmen bei bestehenden Long-Positionen in Betracht ziehen, den Trailing-Stop enger setzen oder auf eine zusätzliche Bestätigung – etwa den RSI-Rückfall unter 70 – warten, bevor eine Short-Position erwogen wird.
Stärken und Schwächen
Stärken
- Einfach zu berechnen und intuitiv zu interpretieren – die Skala von 0 bis 100 ermöglicht schnelle Einschätzungen
- Vielseitig einsetzbar auf nahezu allen Märkten, Assetklassen und Zeitrahmen
- Divergenzen liefern wertvolle Frühwarnsignale für bevorstehende Trendwenden
- Bei kürzeren Perioden als vorlaufender Indikator nutzbar, der Extrempunkte vor ihrer tatsächlichen Ausbildung andeutet
Schwächen
- In starken Trends kann der RSI lange im überkauften oder überverkauften Bereich verharren, ohne dass eine Trendwende eintritt
- Fehlsignale in trendlosen Seitwärtsphasen (sogenannte Whipsaws) sind häufig
- Liefert keine Aussage über Preisziele oder die wahrscheinliche Reichweite einer Bewegung
- Empfindlich gegenüber der gewählten Periodenlänge – unterschiedliche Einstellungen können widersprüchliche Signale erzeugen
Mögliche Kombinationen
Der RSI entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse:
- MACD (Moving Average Convergence Divergence): Bestätigung von Momentum-Signalen und Divergenzen durch einen zweiten Oszillator
- Bollinger Bänder: Volatilitäts-Kontext für RSI-Extremwerte – ein RSI-Signal an einem Bollinger-Band erhöht die Aussagekraft
- Gleitende Durchschnitte (SMA/EMA): Trendfilter, um RSI-Signale nur in Trendrichtung zu handeln
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen wie Doji oder Engulfing Pattern als Bestätigung von RSI-Divergenzen
- Support/Resistance und Fibonacci-Levels: RSI-Signale an relevanten Preiszonen misst Momentum im Kontext
Hintergrund und Geschichte
- Juni 1978: J. Welles Wilder Jr. stellt den Relative Strength Index erstmals in einem Artikel im Commodities Magazine (ab 2015 Modern Trader) vor.
- 1978: Im selben Jahr erscheint Wilders Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“, das neben dem RSI auch den Parabolic SAR, die Average True Range (ATR) und das Directional Movement Concept (ADX) einführt.
- 1980er–1990er: Mit der zunehmenden Verbreitung computergestützter Chartanalyse wird der RSI zum Standard-Indikator auf praktisch jeder Handelsplattform weltweit.
- 1990er–2000er: Constance Brown und Andrew Cardwell erweitern die RSI-Theorie um Konzepte wie Range Shifts, positive/negative Reversals und trendangepasste Schwellenwerte.
Fazit zu RSI
Der RSI ist seit über vier Jahrzehnten ein Eckpfeiler der technischen Analyse. Für die vertiefte Auseinandersetzung empfiehlt sich Wilders Originalwerk „New Concepts in Technical Trading Systems“ (1978) sowie Constance Browns „Technical Analysis for the Trading Professional“ (1999), das die weiterentwickelte RSI-Interpretation nach Cardwell behandelt. Beide Werke sind Standardliteratur der technischen Analyse und bieten fundierte Einblicke über die Grundlagen hinaus.
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