Inventory Turnover Ratio – Definition & Berechnung

Autor: Pit Wilkens Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die Inventory Turnover Ratio, auch Lagerumschlagshäufigkeit oder Warenumschlag genannt, gibt an, wie oft der Lagerbestand eines Unternehmens innerhalb eines Jahres vollständig abverkauft und wieder aufgefüllt wurde. Die Kennzahl lässt Rückschlüsse auf die Nachfrage, die Lagerstruktur und den Markt zu. Sie wird daher international von Unternehmen und Investoren verwendet. In Deutschland ist die Inventory Turnover Ratio Bestandteil jeder kaufmännischen Ausbildung bzw. jedes kaufmännischen Studiums.

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Inventory Turnover Ratio – Definition

Die Inventory Turnover Ratio oder Turn Rate setzt den Umsatz einer Periode ins Verhältnis zum durchschnittlichen Lagerbestand (engl.: Inventory). Sie gibt somit Auskunft über die Lagerumschlagshäufigkeit eines Unternehmens und lässt Rückschlüsse auf Rentabilität und Liquidität zu.

  • Unter Inventories wird der Wert alle Waren im Besitz eines Unternehmens verstanden. Die Verarbeitungsstufe spielt dabei keine Rolle. Somit sind Rohstoffe, halbfertige und fertiggestellte Produkte alle Bestandteile der Inventories.
  • Als Turnover wird der Umsatz eines Unternehmens verstanden. Dieser wird quartalsweise oder jährlich ermittelt und veröffentlicht. Der Umsatz ist sowohl abhängig von marktwirtschaftlichen Faktoren als auch von der Qualität und dem Marketing des individuellen Unternehmens.

Berechnung der Inventory Turnover Ratio

Die Inventory Turnover Ratio wird berechnet, indem die Umsätze einer Periode durch den entsprechenden durchschnittlichen Lagerbestand geteilt werden. Der durchschnittliche Lagerbestand wird aus dem Anfangs- und dem Endwert der Lagerbestände ermittelt. Der Umsatz als Bestandteil der Turn Rate kann als erster Wert der Gewinn- und Verlustrechnung (GuV) eines Unternehmens abgelesen werden.

Für die Bestimmung des durchschnittlichen Lagerbestandes ist jedoch noch eine vorgelagerte Rechenoperation notwendig. Die Formel für die Ermittlung des durchschnittlichen Lagerbestands lautet:

Durchschnittlicher~Lagerbestand=\frac{Lagerbestand~Anfang~der~Periode+Lagerbestand~Ende~der~Periode }{2}

Im nächsten Schritt muss lediglich der Umsatz durch den durchschnittlichen Lagerbestand geteilt werden. Die Formel für die Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit lautet:

Inventory~Turnover~Ratio=\frac{Umsatz }{durchschnittlichen~Lagerbestand}

Das Ergebnis der Berechnung ist eine Dezimalzahl, die als Umschlagsmenge verstanden werden kann. Eine Lagerumschlagshäufigkeit von 2 bedeutet beispielsweise, dass in einem Jahr der Umsatz doppelt so hoch, wie der durchschnittliche Lagerbestand war. Das Lager musste demnach zweimal gefüllt werden, um die Nachfrage zu decken.

Die Daten für die Ermittlung des durchschnittlichen Lagerbestandes stammen aus der Bilanz des analysierten Unternehmens. In der Bilanz wird immer der Endlagerbestand angegeben! Auf der Suche nach einem Anfangslagerbestand kann also der Bilanzwert des Vorjahres verwendet werden.

Inventory Turnover Ratio – Interpretation

Eine hohe Umschlagshäufigkeit deutet in der Regel darauf hin, dass ein Unternehmen seine Produkte effizient verkauft und weniger Kapital in unverkauften Lagerbeständen gebunden ist. Darüber hinaus ist eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit ein Indikator für eine gute Marktposition. Eine niedrige Umschlagshäufigkeit hingegen kann auf überhöhte Lagerbestände, schlechte Verkaufsleistungen oder eine ineffiziente Lagerhaltung hinweisen.

Wie viele Bilanzkennzahlen kann auch die Lagerumschlagshäufigkeit bis zu einem gewissen Grad durch bilanzpolitische Maßnahmen beeinflusst werden. Zudem liefert sie nur für Unternehmen mit nennenswerten Lagerbeständen aussagekräftige Ergebnisse.

Die Inventory Turnover Ratio gibt Auskunft darüber, wie häufig das Lager eines Unternehmens neu bestückt werden musste. Dies ermöglicht Rückschlüsse auf die Nachfrage und den Erfolg von Marketingmaßnahmen.

Bewertung der Preisgestaltung und der Marktposition

Die Inventory Turnover Ratio ist eine der wenigen Kennzahlen, die eine Beurteilung der Preispolitik eines Unternehmens ermöglicht. Je höher der Lagerumschlag eines Unternehmens ist, desto geringer kann die Marge sein. Durch eine hohe Anzahl verkaufter Produkte können Preissenkungen besser aufgefangen werden als bei Unternehmen mit einer höheren Lagerumschlagshäufigkeit.

Eine sehr grundlegende Aussage lässt die Inventory Turnover Ratio bezüglich der Marktstellung eines Unternehmens zu. Je höher diese Kennzahl ausfällt, desto besser scheint die Marktposition zu sein. Denn eine hohe Turn Rate ist ein Indikator für hohe Umsätze und eine hohe Nachfrage am Markt. Dieser Aspekt ist für den gesamten Unternehmensausblick von Bedeutung.

Eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit muss nicht immer positive Entwicklungen implizieren. Es kann auch einfach sein, dass das Lager derzeit zu klein ist und die Kennzahl daher hoch erscheint. Letztendlich verbessert eine hohe Lagerumschlagshäufigkeit den Gewinn und die Rentabilität eines Unternehmens.

Bedeutung der Lagerumschlagshäufigkeit

Die Inventory Turnover Ratio ist vor allem für vorratsintensive Unternehmen von Interesse. Dies sind in der Regel produzierende Industrie- und Handelsunternehmen. Die Aussagekraft der Kennzahl ist dabei vielfältig. Die Kapitalbindung, die Liquidität und der Umsatz eines Unternehmens werden durch eine hohe Umschlagshäufigkeit positiv beeinflusst. Diese fundamentalen Kennzahlen sind wichtige Eckpfeiler eines gesunden Unternehmens, weshalb dieser Kennzahl auch eine gewisse Beachtung geschenkt werden sollte.

Wichtig ist jedoch, diese Kennzahl im Zeitverlauf zu betrachten. Ein Vergleich mit anderen Unternehmen der Branche bringt hier wenig, da es schwer zu sagen ist, wie groß das Lager eines Unternehmens tatsächlich ist. Wird das Lager bewusst klein gehalten, ist der Wert der gelagerten Waren gering. Um einen hohen Lagerumschlag zu erreichen, muss der Umsatz wesentlich geringer sein als bei Unternehmen mit einem größeren Lager. Daher liefert nur der Vergleich desselben Unternehmens über die Zeit valide Daten.

Nachteile der Inventory Turnover Ratio

Die Grenzen der Inventory Turnover Ratio liegen in der bewussten Beeinflussung der Kennzahl. Sowohl Veränderungen in der Lagergröße als auch Bestrebungen, den Umsatz einer Periode höher oder niedriger darzustellen, können diese Kennzahl verfälschen. Die Möglichkeiten sind zwar geringer als bei anderen Bilanzkennzahlen, aber dennoch vorhanden.

Nicht für jedes Unternehmen geeignet

Darüber hinaus ist die Lagerumschlagshäufigkeit nicht für jeden Unternehmenstyp geeignet. Gesellschaften, die keine Waren produzieren oder verkaufen, weisen keinen oder keinen signifikanten Lagerbestand aus. Die Turn Rate hat also keinen Effekt für beispielsweise:

  • Banken
  • Dienstleistungsunternehmen
  • Versicherer

Gründe für die Werte sind oft unklar

Schwierig fällt die Bewertung ebenfalls, wenn der Lagerbestand eines Unternehmens langfristigen Schwankungen unterworfen ist. Wird beispielsweise ein ganzes Jahr der Lagerbestand eines neuen Produktes aufgebaut, scheint die Lagerumschlagshäufigkeit der Produktionsperiode außergewöhnlich schlecht, weil die Umsätze erst im Folgejahr entstehen. Solche Sondereffekte sollten zwar berücksichtigt werden, aber diese herauszufinden ist häufig einfach nur Glück, sofern nicht systematisch der gesamte Geschäftsbericht studiert wird.

Vorräte haben als Bilanzposten einen bekannten Nachteil. Es findet keine qualitative Bewertung der Vorräte statt. Der Lagerbestand kann zur Hälfte aus Ladenhütern und unverkäuflichen Waren bestehen. Der tatsächliche Lagerbestand wäre dann niedriger und der Lagerumschlag theoretisch höher. Um dies zu erreichen, müsste das Unternehmen nur die unverkäuflichen Bestände loswerden, verschrotten oder ähnliches. Aber auch dieser Sachverhalt ist von außen kaum erkennbar.

Beispiel zur Ermittlung der Inventory Turnover Ratio

Am Beispiel der Siemens AG (Abschluss 2018) wird hier die Inventory Turnover Ratio gebildet. Alle verwendeten Daten können im Geschäftsbericht gefunden werden. Lagerbestände werden in der Praxis jedoch selten als solche ausgewiesen.

Rohstoffe, Handelswaren, Fertigprodukte und ähnliche Begriffe können die gesuchten Lagerbestände in tatsächlichen Bilanzen beinhalten. Generell werden die gesuchten Werte aber nah beieinanderstehen, weil dies die Rangfolge der Bilanz vorgibt.

Inventory Turnover Ratio - Auswahl der Vorräte
Auswahl der Vorräte aus der Aktiva für die Berechnung der Inventory Turnover Ratio für Siemens AG
Durchschnittlicher~Lagerbestand~Siemens=\frac{13,885~Mrd.~EUR +13,885~Mrd.~EUR }{2}=13,885~Mrd.~EUR
Inventory Turnover Ratio - Auswahl der Umsatzerlöse
Auswahl der Umsatzerlöse für die Berechnung der Inventory Turnover Ratio für Siemens AG

Die Berechnung der Lagerumschlagshäufigkeit lautet somit wie folgt:

Inventory~Turnover~Ratio~Siemens=\frac{83,044~Mrd.~EUR }{13,885~Mrd.~EUR }=5,98

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