Parabolic SAR Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Parabolic SAR (Stop and Reverse) ist ein trendfolgender Indikator, der als Punktreihe ober- oder unterhalb des Kurses erscheint und die vorherrschende Trendrichtung anzeigt. Entwickelt von J. Welles Wilder, dient er zugleich als dynamischer Trailing-Stop und liefert dem Händler konkrete Ein- und Ausstiegspunkte. Sein Nutzen liegt vor allem in klar gerichteten Marktphasen, in denen er Positionen bis zur Trendumkehr begleitet.
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Parabolic SAR im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Parabolic SAR | |
|---|---|
| Kategorie | Trend |
| Darstellung | Direkt auf dem Preischart (Overlay) – als Punkte ober-/unterhalb des Kurses |
| Standardparameter | Start: 0,02 | Schrittweite (Increment): 0,02 | Maximum: 0,20 |
| Wertebereich | Folgt dem Kurs auf Preisebene – nach oben/unten unbegrenzt |
| Typische Zeitrahmen | Intraday, Daily und Weekly nutzbar |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | J. Welles Wilder Jr., 1978 |
Parabolic SAR – Signale und Interpretation
Der Parabolic SAR liefert ein eindeutiges Richtungs- bzw. Positionssignal: Er befindet sich entweder unter dem Kurs oder über dem Kurs. Wird der SAR vom Preis durchbrochen und wechselt anschließend auf die andere Seite des Charts, markiert dies im ursprünglichen System einen „Stop and Reverse“-Punkt.
Kaufsignal
Wechseln die SAR-Marker von oberhalb des Kurses nach unterhalb, erfolgt im ursprünglichen Stop-and-Reverse-System der Wechsel auf Long. Der Durchbruch der zuvor oberhalb liegenden SAR-Reihe kann daher als potenzielles Aufwärts- bzw. Einstiegssignal interpretiert werden.
Verkaufssignal
Wechseln die SAR-Marker von unterhalb des Kurses nach oberhalb, erfolgt im ursprünglichen System der Wechsel auf Short. Der Durchbruch der zuvor unterhalb liegenden SAR-Reihe gilt entsprechend als potenzielles Abwärts- bzw. Ausstiegssignal.
Neutraler Bereich
Der Indikator kennt konstruktionsbedingt keine Neutralzone – er ist immer long oder short positioniert. In Seitwärtsphasen führt das jedoch zu häufigen Fehlsignalen (Whipsaws), weshalb in solchen Marktlagen eine Bestätigung durch trendstärkemessende Indikatoren ratsam ist.
Berechnung des Parabolic SAR-Indikators
Die Berechnung des Parabolic SAR erfolgt iterativ und greift auf die Höchst- und Tiefstkurse (High, Low) aufeinanderfolgender Perioden zurück. Jeder neue Wert baut auf dem vorangegangenen SAR auf. Zunächst wird die Trendrichtung bestimmt und daraus der Extrempunkt (EP) sowie der Beschleunigungsfaktor (AF) abgeleitet:
- Im Aufwärtstrend ist der Extrempunkt (EP) das höchste Hoch des laufenden Trends, im Abwärtstrend das tiefste Tief.
- Der Beschleunigungsfaktor (AF) startet bei 0,02 und erhöht sich um 0,02 mit jedem neuen Extrempunkt – bis zum Maximum von 0,20.
Schritt 1 – Extrempunkt (EP) und Beschleunigungsfaktor (AF):
Schritt 2 – Steigender SAR (Aufwärtstrend):
Schritt 3 – Fallender SAR (Abwärtstrend):
Schritt 4 – Begrenzung des SAR-Werts:
Der SAR darf im Aufwärtstrend nicht oberhalb der maßgeblichen Tiefstkurse der beiden vorangegangenen Perioden liegen und im Abwärtstrend nicht unterhalb der entsprechenden Höchstkurse.
Wird der SAR vom Preis durchbrochen, kommt es zum „Stop and Reverse“: Die Berechnungsrichtung dreht, der erste SAR-Wert des neuen Abschnitts entspricht dem Extrempunkt des vorangegangenen Trades, der neue EP wird aus dem aktuellen Abschnitt bestimmt und der Beschleunigungsfaktor auf seinen Startwert zurückgesetzt.
Initialisierung des Parabolic SAR
Eine Besonderheit der Berechnung betrifft den Beginn einer neuen Datenreihe. Für einen laufenden Trend lässt sich der nächste SAR eindeutig aus dem vorherigen SAR, dem Extrempunkt und dem Beschleunigungsfaktor berechnen. Ganz am Anfang eines Charts existieren diese vorherigen Werte jedoch noch nicht.
Wilders ursprüngliche Darstellung enthält keine Regel dafür, wie der allererste SAR einer beliebigen historischen Datenreihe initialisiert werden muss. Charting-Plattformen müssen diesen Start daher technisch definieren.
TradingView berechnet für den ersten Balken noch keinen SAR. Am zweiten Balken wird zunächst anhand der Schlusskurse der ersten beiden Balken bestimmt, ob die anfängliche Richtung aufwärts oder abwärts verläuft. Bei einer anfänglichen Aufwärtsrichtung dient das Tief des ersten Balkens als SAR des zweiten Balkens. Bei einer Abwärtsrichtung entsprechend das Hoch des ersten Balkens.
Typische Parabolic SAR-Einstellungen
Der Parabolic SAR besitzt in TradingView drei zentrale Berechnungsparameter:
- den Startwert des Beschleunigungsfaktors (Start, Standard 0,02),
- die Schrittweite seiner Erhöhung (Increment, Standard 0,02) und den maximal zulässigen
- Beschleunigungsfaktor (Maximum, Standard 0,20).
Der Startwert bestimmt den anfänglichen AF nach einem Wechsel, während die Schrittweite festlegt, wie stark der AF bei jedem neuen Extrempunkt steigt. Das Maximum begrenzt diese Beschleunigung. Kleinere Werte lassen den SAR im Allgemeinen langsamer nachziehen, höhere Werte erhöhen seine Reaktionsgeschwindigkeit.
Wilder verwendete einen Startwert von 0,02 und eine Erhöhung um 0,02 und bezeichnete diese konstante Schrittweite als insgesamt beste Wahl. Für eine Individualisierung der Schrittweite nannte er einen Bereich von ungefähr 0,018 bis 0,021.
Beispiel: Parabolic SAR-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (Cash) mit dem Parabolic SAR direkt auf dem Kurschart. Gut erkennbar sind die Punktreihen, die in Aufwärtsphasen unterhalb und in Abwärtsphasen oberhalb des Kurses verlaufen, sowie die Umkehrpunkte, an denen der Indikator die Seite wechselt.
Parabolic SAR-Indikator in TradingView erstellen
Der Parabolic SAR gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Parabolic SAR“ bzw. „SAR“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der Parabolic SAR direkt auf dem Kurschart hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (Start, Increment, Maximum) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung der Punkte anpassen.
Parabolic SAR mit einem anderen Indikator-Zeitrahmen berechnen
TradingView bietet zusätzlich die Einstellung „Indicator Timeframe“. Damit kann der Parabolic SAR auf Basis eines anderen Zeitrahmens berechnet werden als der aktuell dargestellte Chart. So lässt sich beispielsweise ein auf 1-Stunden-Daten berechneter SAR in einem 5-Minuten-Chart anzeigen.
Der eingestellte Indikator-Zeitrahmen verändert dabei die Datenbasis der SAR-Berechnung. Er ist daher von einer bloßen Änderung der optischen Darstellung des Charts zu unterscheiden.
Parabolic SAR Indikator und Strategie in TradingView
Neben dem normalen Parabolic-SAR-Indikator bietet TradingView auch eine separate „Parabolic SAR“-Strategie.
- Parabolic-SAR-Indikator: Zeigt die berechneten SAR-Werte als Overlay auf dem Kurschart und dient der technischen Analyse.
- Parabolic-SAR-Strategie: Setzt die ursprüngliche Stop-and-Reverse-Logik als Strategie um.
- Wechselt der SAR von oberhalb nach unterhalb des Kurses, wird eine Long-Position simuliert.
- Beim Wechsel von unterhalb nach oberhalb entsprechend eine Short-Position.
Für die reine Chartanalyse genügt der Indikator. Die Strategie ist dagegen relevant, wenn die Stop-and-Reverse-Regeln innerhalb von TradingView als regelbasierte Strategie nachvollzogen beziehungsweise getestet werden sollen.
Parabolic SAR-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Liefert klare, eindeutige Signale (stets long oder short)
- Hervorragend als dynamischer Trailing-Stop zur Gewinnsicherung geeignet
- Gute Trendbegleitung in stark gerichteten Märkten
- Universell auf verschiedene Zeitrahmen und Märkte anwendbar
Schwächen
- Zahlreiche Fehlsignale in Seitwärtsphasen (Whipsaws)
- Trifft keine Aussage über die Stärke eines Trends – nur über Richtung und Dauer
- Reagiert empfindlich auf die Parametereinstellungen
- Kurslücken (Gaps) werden nicht als eigene Größe berechnet, können den SAR jedoch wie jede andere Preisbewegung durchbrechen und dadurch eine Stop-and-Reverse-Umkehr auslösen
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Parabolic SAR entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Average Directional Index (ADX/DMI): Von Wilder selbst als Ergänzung empfohlen – misst die Trendstärke und filtert schwache Trendphasen heraus, in denen der SAR zu Whipsaws neigt.
- Gleitender Durchschnitt (Moving Average): Dient als übergeordneter Trendfilter. SAR-Signale werden nur in Richtung des langfristigen Durchschnitts gehandelt.
- Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die Trendinformation um eine Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Zonen einzuordnen.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an den SAR-Wechselpunkten erhöhen die Aussagekraft des Signals.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein SAR-Wechsel nahe einer relevanten Preiszone gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
Hintergrund und Geschichte des Parabolic SAR-Indikators
- 1978: J. Welles Wilder Jr. stellt das „Parabolic Time/Price System“ in seinem Buch New Concepts in Technical Trading Systems vor – gemeinsam mit RSI, ATR und dem Directional Movement Concept (ADX).
- Heute: Durch die Verfügbarkeit in praktisch allen Charting-Plattformen zählt der Parabolic SAR zu den weitverbreiteten Standard-Indikatoren.
Fazit zu Parabolic SAR
Der Parabolic SAR ist ein trendfolgender Indikator, der vor allem als Stop-and-Reverse- bzw. Trailing-Stop-System in klar gerichteten Märkten eingesetzt wird. In engen Seitwärtsphasen kann es dagegen zu häufigen Richtungswechseln und Whipsaws kommen. Als alleiniger Signalgenerator wird der SAR daher üblicherweise nicht empfohlen.
Sinnvoll ist eine Ergänzung durch einen Indikator zur Beurteilung der Trendstärke beziehungsweise Richtungsbewegung wie ADX/DMI. Wer die Grundlagen vertiefen möchte, findet die Originaldarstellung in J. Welles Wilders Standardwerk New Concepts in Technical Trading Systems (1978).
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