Choppiness Index Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Choppiness Index (CHOP) ist ein nicht-direktionaler Indikator, der veranschaulicht, ob sich ein Markt in einem Trend befindet oder seitwärts läuft. Er sagt bewusst nichts über die Richtung aus, sondern nur über den Marktzustand und hilft Händlern so bei der Wahl der passenden Strategie: Trendfolge in gerichteten Phasen, Range-Ansätze in Seitwärtsphasen.
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Choppiness Index im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Choppiness Index | |
|---|---|
| Kategorie | Volatilität (Trend- bzw. Seitwärts-Filter) |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Periode: 14; Schwellen: 61,8 (choppy) und 38,2 (Trend) |
| Wertebereich | Typischerweise 0–100 |
| Typische Zeitrahmen | Universell – Intraday, Daily, Weekly |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | E.W. „Bill“ Dreiss, frühe 1990er-Jahre |
Choppiness-Index-Signale und Interpretation
Der Choppiness Index ist ein nicht richtungsgebundener Zustandsindikator: Er liefert keine klassischen Kauf- oder Verkaufssignale, sondern stellt dar, wie gerichtet bzw. wechselhaft die Kursbewegung verläuft. Niedrige Werte deuten auf einen Trend hin, hohe Werte auf eine Seitwärtsphase.

Was der Choppiness Index misst – und was nicht
Der Choppiness Index wird häufig den Volatilitätsindikatoren zugeordnet, beschreibt aber vor allem, wie effizient bzw. gerichtet sich der Kurs bewegt.
- Ein Markt kann deshalb gleichzeitig sehr volatil und dennoch stark trendend sein. Ein schneller, weitgehend einseitiger Kursrückgang kann beispielsweise mit hoher Volatilität und einem niedrigen CHOP einhergehen.
- Umgekehrt kann eine relativ enge, aber stark hin- und herlaufende Range einen hohen CHOP aufweisen, obwohl die absolute Volatilität gering ist.
Auch ein Abdrehen von hohen Werten zeigt zunächst nur, dass die Kursbewegung gerichteter wird. Richtung und Zeitpunkt eines möglichen Ausbruchs müssen aus anderen Indikatoren abgeleitet werden.
Trendsignal (niedrige Werte)
Fällt der Choppiness Index unter die Schwelle von 38,2, wird dies häufig als der Beginn einer Trendphase interpretiert. Diese Phasen eignen sich für Trendfolge-Strategien. Ob long oder short, hängt von der jeweiligen Kursrichtung ab, die der CHOP selbst nicht angibt.
Seitwärtssignal (hohe Werte)
Steigt der Index über 61,8, bewegt sich der Markt überwiegend seitwärts bzw. konsolidiert. Range-/Mean-Reversion-Ansätze können eher in Betracht kommen.
Neutraler Bereich
In dem Bereich zwischen den beiden Schwellen (rund 38,2 bis 61,8) kann der Indikator keine eindeutige Zuordnung zu einer ausgeprägten Trend- oder Seitwärtsphase liefern. Hier empfiehlt sich Zurückhaltung und das Warten auf Bestätigung durch weitere Indikatoren.
Ausbruchsvorbereitung
Ein längerer Verbleib über 61,8 weist auf eine anhaltend choppy bzw. wenig gerichtete Marktphase hin. Dreht der CHOP anschließend deutlich nach unten, kann dies darauf hindeuten, dass die Kursbewegung gerichteter wird. Ein tatsächlicher Ausbruch und dessen Richtung müssen jedoch durch die Kursentwicklung selbst oder weitere Analysewerkzeuge bestätigt werden.
Berechnung des Choppiness-Index-Indikators
Ausgangspunkt für die Berechnung des Choppiness-Index-Indikators sind die High-, Low- und Close-Kurse aufeinanderfolgender Perioden. Die Grundidee: Der zurückgelegte Weg (die Summe der einzelnen Kursspannen) wird ins Verhältnis zur tatsächlich überwundenen Strecke (der Gesamtspanne des Zeitfensters) gesetzt.
- Zickzackt der Kurs stark innerhalb einer engen Gesamtspanne, ist der zurückgelegte Weg lang – der Index steigt in Richtung 100.
- Bewegt sich der Kurs geradlinig in eine Richtung, entspricht der Weg etwa der Gesamtspanne – der Index fällt in Richtung 0. Standardmäßig wird über eine Periode von n = 14 gerechnet.
Schritt 1 – True Range je Periode:
Schritt 2 – Summe der True Ranges über n Perioden:
Schritt 3 – Gesamtspanne des Zeitfensters:
Schritt 4 – finaler Indikatorwert:
Der Zähler ist die Summe der einzelnen True Ranges (also der ATR mit Periode 1, aufsummiert über n Perioden). Die logarithmische Normierung durch LOG10(n) skaliert den Choppiness Index dimensionslos und typischerweise auf die bekannte 0–100-Interpretation.
Typische Choppiness-Index-Einstellungen
Der zentrale Parameter ist die Periode n, standardmäßig 14.
- Eine kürzere Periode macht den Index reaktionsschneller, erzeugt aber auch mehr Ausschläge und Fehlsignale.
- Eine längere Periode glättet den Verlauf und filtert Kursverzerrungen heraus, reagiert dafür träger auf einen Trendwechsel.
Die beiden Schwellen (38,2 und 61,8) leiten sich von Fibonacci-Verhältnissen ab und lassen sich bei Bedarf enger oder weiter fassen, je nachdem, wie streng zwischen Trend und Seitwärtsphase getrennt werden soll.
Choppiness Index in mehreren Zeitrahmen
Der CHOP beschreibt immer den Marktzustand auf Basis der Kerzen des aktuell betrachteten Zeitrahmens. Deshalb können unterschiedliche Zeitebenen gleichzeitig unterschiedliche Trends anzeigen: Ein Basiswert kann beispielsweise im Tageschart in einer Seitwärtsphase liegen, während sich innerhalb dieser Range im Stundenchart ein ausgeprägter kurzfristiger Trend entwickelt.
Bei einer Multi-Timeframe-Analyse lässt sich der höhere Zeitrahmen daher als übergeordneter Regime-Filter verwenden, während ein niedrigerer Zeitrahmen die kurzfristige Marktstruktur zeigt. Ein hoher CHOP im Tageschart schließt einen niedrigen CHOP im Intraday-Chart nicht aus. Beide Werte beziehen sich auf unterschiedliche Betrachtungsfenster und sollten entsprechend getrennt interpretiert werden.
Beispiel: Choppiness-Index-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index mit dem Choppiness Index in einem separaten Panel. Gut erkennbar ist, wie der Index in ausgeprägten Trendphasen unter die 38,2er-Marke fällt, während er in Konsolidierungen über 61,8 steigt.
Choppiness-Index-Indikator in TradingView erstellen
Der Choppiness Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SP:SPX für den S&P 500).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Choppiness Index“ bzw. „CHOP“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der Choppiness Index in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Periode sowie unter „Style“ Farbe und die Schwellenlinien (38,2 / 61,8) anpassen.
Choppiness-Index-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Klare Unterscheidung zwischen Trend- und Seitwärtsphasen
- Dimensionslos skaliert und dadurch weitgehend unabhängig vom nominalen Kursniveau des Basiswerts; typischerweise im Bereich von 0 bis 100
- Universell auf allen Basiswerten und Zeitrahmen einsetzbar
- Ideal als Regime-Filter für andere Strategien
Schwächen
- Nicht-direktional – liefert allein keine Kauf- oder Verkaufssignale
- Nachlaufend, da auf vergangenen Kursspannen basierend
- Im neutralen Mittelbereich wenig aussagekräftig
- Empfindlich gegenüber der Wahl der Periode
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Choppiness Index entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse – vor allem mit richtungsweisenden, da er selbst keine Trendrichtung angibt:
- ADX (Average Directional Index): Beide messen die Trendstärke aus unterschiedlichem Blickwinkel; decken sich niedrige CHOP-Werte mit einem steigenden ADX, ist die Trendaussage robuster.
- Gleitende Durchschnitte / MACD: In trendstarken Phasen (niedriger CHOP) liefern Trendfolge-Indikatoren wie MA-Kreuzungen oder der MACD die eigentliche Richtung.
- RSI / Stochastik: In choppy Phasen (hoher CHOP) funktionieren diese Mean-Reversion-Oszillatoren an den Range-Grenzen meist besser als Trendfolge-Ansätze.
- Bollinger Bänder: Eine enge Band-Kontraktion bei gleichzeitig hohem CHOP kennzeichnet eine reife Konsolidierung, aus der ein Ausbruch folgen kann.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein hoher CHOP nahe einer bekannten Range-Grenze ordnet das Signal in den Kontext relevanter Preiszonen ein.
Choppiness Index vs. ADX, ATR und Bollinger BandWidth
Die Abgrenzung zu anderen häufig verwendeten Indikatoren hilft bei der Interpretation:
- Choppiness Index: Misst, ob die Kursbewegung innerhalb des betrachteten Fensters eher gerichtet oder „zerhackt“ verläuft. Niedrige Werte sprechen für eine trendartige Bewegung, hohe Werte für eine stärker seitwärts geprägte Struktur.
- ADX: Bewertet ebenfalls die Trendstärke, ist für sich genommen aber ebenfalls nicht-direktional. Anders als beim CHOP stehen höhere ADX-Werte typischerweise für einen stärkeren Trend. Die Trendrichtung wird im DMI-System über +DI und -DI bestimmt.
- ATR / Bollinger BandWidth: Beschreiben vor allem die Höhe bzw. Ausdehnung der aktuellen Volatilität. Sie beantworten damit eine andere Frage als der CHOP: Ein Markt kann eine hohe Volatilität aufweisen und trotzdem einen niedrigen CHOP besitzen – oder umgekehrt.
Hintergrund und Geschichte des Choppiness-Index-Indikators
- Frühe 1990er: Der australische Rohstoffhändler E.W. „Bill“ Dreiss entwickelt den Choppiness Index, um die Grenzen bestehender Trendindikatoren zu überwinden.
- 1992: Erste breitere Veröffentlichung des Konzepts im Artikel „The Fractal Wave Algorithm, Charts And Systems“ in der Juli/August-Ausgabe des Commodity Traders Consumer Report.
- Grundidee: Dreiss stützte sich auf fraktale bzw. chaostheoretische Überlegungen dazu, wie Kurse den Raum ausfüllen – ein zickzackender Markt legt pro Netto-Fortschritt einen längeren Weg zurück als ein geradlinig laufender.
Fazit zu Choppiness Index
Der Choppiness Index beantwortet eine der grundlegendsten Fragen im Handel: Trendet der Markt oder läuft er seitwärts? Als reiner Zustandsindikator ersetzt er keine Richtungsanalyse, eignet sich aber hervorragend als Filter, um die passende Strategie für die aktuelle Marktphase zu wählen. Wer sich vertiefen möchte, findet die Wurzeln des Konzepts in Dreiss‘ Arbeiten zum „Fractal Wave Algorithm“ sowie in der Standarddokumentation gängiger Charting-Plattformen.
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