Weighted Moving Average (WMA) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Weighted Moving Average (WMA) (deutsch: „gewichteter gleitender Durchschnitt“) ist ein Trendindikator, der die Kurse einer Periode nicht gleich behandelt, sondern jüngeren Kursen ein höheres Gewicht zuweist. Dadurch reagiert er schneller auf Richtungswechsel als der einfache gleitende Durchschnitt (SMA). Für Händler ist er vor allem dann interessant, wenn Trendwechsel früher erkannt werden sollen.
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Weighted Moving Average im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Weighted Moving Average (WMA) | |
|---|---|
| Kategorie | Trend |
| Darstellung | Direkt auf dem Preischart (Overlay) |
| Standardparameter | Periodenlänge: frei wählbar und je nach Plattform unterschiedlich vorbelegt; Kursbasis: häufig Schlusskurs (Close); lineare Gewichtung |
| Wertebereich | Unbegrenzt – der WMA bewegt sich in der Preisskala des Basiswerts |
| Typische Zeitrahmen | Intraday (5 Min – 4 Std), Daily, Weekly |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | Kein einzelner Erfinder; die lineare Gewichtung stammt aus der klassischen Zeitreihenanalyse und fand ab den 1950er/1960er Jahren Eingang in die technische Analyse |
WMA oder LWMA – Begriffliche Abgrenzung
Der Begriff „gewichteter gleitender Durchschnitt“ ist in der allgemeinen Zeitreihenanalyse weiter gefasst: Grundsätzlich können die Datenpunkte innerhalb eines gleitenden Fensters mit unterschiedlich festgelegten Gewichten versehen werden.
In der technischen Analyse bezeichnet der Weighted Moving Average (WMA) jedoch meist den linear gewichteten gleitenden Durchschnitt, auf Englisch „Linear Weighted Moving Average“ oder kurz LWMA. Bei dieser Variante steigen die Gewichte vom ältesten zum jüngsten Kurs in gleichmäßigen Schritten von 1 bis n. Der aktuelle Kurs erhält bei einem WMA über n Perioden somit das Gewicht n, der älteste berücksichtigte Kurs das Gewicht 1.
Weighted Moving Average (WMA) – Signale und Interpretation
Der Weighted Moving Average (WMA) arbeitet über die Lage des Kurses zur Linie, über die Steigung der Linie selbst sowie über Kreuzungen mehrerer WMAs mit unterschiedlichen Perioden. Grundsätzlich gilt: Notiert der Kurs über einem steigenden WMA, spricht das für einen Aufwärtstrend – notiert er unter einem fallenden WMA, spricht das für einen Abwärtstrend.
Kaufsignal
Der Kurs durchbricht die WMA-Linie von unten nach oben, während die Linie bereits dreht oder steigt. Im Zwei-Linien-Ansatz entsteht das Signal, wenn ein kurzer WMA (z.B. 50 Perioden) einen längeren WMA (z.B. 200 Perioden) von unten nach oben kreuzt.

Verkaufssignal
Der Kurs fällt von oben durch die WMA-Linie, während diese abflacht oder bereits dreht. Analog gilt die Kreuzung des kurzen WMA unter den längeren als Verkaufssignal.

Neutraler Bereich
Verläuft der WMA flach und schwankt der Kurs mehrfach um die Linie, befindet sich der Markt in einer Seitwärtsphase. In dieser Konstellation entstehen gehäuft Fehlsignale (Whipsaws). Die Kreuzungen sollten dann ignoriert oder durch einen zweiten Indikator bestätigt werden.
Dynamische Unterstützung und Widerstand
In etablierten Trends fungiert der WMA häufig als dynamische Unterstützung (im Aufwärtstrend) bzw. als Widerstand (im Abwärtstrend). Insbesondere der 200er-WMA wird von vielen Marktteilnehmern beobachtet, wodurch er als selbsterfüllende Marke an Bedeutung gewinnt.

Berechnung des WMA-Indikators
Ausgangspunkt für die Berechnung des Weighted Moving Average (WMA) sind die Schlusskurse (Close) von n aufeinanderfolgenden Perioden. Anders als beim einfachen gleitenden Durchschnitt geht jeder Kurs mit einem eigenen Gewicht in die Rechnung ein:
- Der aktuellste Kurs erhält das höchste Gewicht (n), der zweitaktuellste das Gewicht n−1 und so fort bis zum ältesten Kurs mit dem Gewicht 1. Die Gewichte nehmen also linear ab.
- Die Summe aller gewichteten Kurse wird anschließend durch die Summe der Gewichte geteilt, damit das Ergebnis wieder in der Preisskala des Basiswerts liegt.
Schritt 1 – Gewichtung der einzelnen Perioden:
Schritt 2 – Summe der Gewichte:
Schritt 3 – Gewichtete Summe der Kurse:
Schritt 4 – Finaler Indikatorwert:
Rechnenbeispiel
Ein Zahlenbeispiel für n = 5 mit den Schlusskursen 100, 102, 101, 104 und 106 (ältester bis jüngster Kurs):
- Der gewichtete Zähler beträgt 1·100 + 2·102 + 3·101 + 4·104 + 5·106 = 1.553.
- Die Summe der Gewichte 15. Der WMA liegt damit bei 103,53 – deutlich näher am aktuellen Kurs von 106 als der SMA mit 102,60.
Typische WMA-Einstellungen
Der Weighted Moving Average (WMA) kennt im Kern nur zwei Parameter: die Periodenlänge und die zugrunde liegende Kursbasis.
Die Kursbasis (Source) ist standardmäßig der Schlusskurs. Alternativ lassen sich Eröffnungs-, Hoch- oder Tiefkurse oder Mittelwerte wie (High + Low)/2 verwenden, was den Verlauf leicht glättet.
Die Periodenlänge (Length) bestimmt Reaktionsgeschwindigkeit und Glättung.
- Kurze Perioden (5 bis 20) liegen eng am Kurs, liefern früh Signale und erzeugen entsprechend viele Fehlsignale – sie eignen sich für Daytrading und kurzfristige Swing-Ansätze.
- Mittlere Perioden (20 bis 50) gelten als Kompromiss und werden häufig als Trendfilter im Tageschart eingesetzt.
- Lange Perioden (100 bis 200) glätten stark, reagieren träge und dienen der Bestimmung des übergeordneten Trends.
Als Faustregel gilt: Je kürzer der gehandelte Zeitrahmen, desto kürzer die sinnvolle Periode.
Was bedeutet WMA 20?
Die Zahl hinter der Bezeichnung gibt an, wie viele Kerzen beziehungsweise Bars des aktiven Charts in die Berechnung eingehen. Ein WMA 20 basiert daher immer auf den letzten 20 Chartperioden – nicht automatisch auf 20 Kalendertagen.
Im Stundenchart verwendet ein WMA 20 die letzten 20 Stundenkerzen, im 5-Minuten-Chart die letzten 20 Fünf-Minuten-Kerzen und im Tageschart die letzten 20 Tageskerzen. Bei einem börsentäglich gehandelten Basiswert entsprechen 20 Tageskerzen in der Regel 20 Handelstagen. Die Periodenlänge muss deshalb immer zusammen mit dem eingestellten Zeitrahmen gelesen werden.
Beispiel: WMA-Indikator im Chart
Der folgende Chart zeigt den S&P-500-Index im Tagesintervall mit einem WMA über 9 Perioden direkt auf dem Kurschart. Anhand unterschiedlicher Marktphasen lassen sich die Reaktion der Linie auf Richtungswechsel, mögliche Rücksetzer an den WMA sowie häufigere Kreuzungen in Seitwärtsphasen nachvollziehen. Die Periodenlänge lässt sich über die Einstellungen des WMA-Indikators anpassen.
WMA-Indikator in TradingView erstellen
Der Weighted Moving Average (WMA) gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SP:SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Moving Average Weighted“ bzw. „WMA“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der WMA direkt auf dem Kurschart als Linie hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (Länge, Quelle, Offset) sowie unter „Style“ Farbe, Linienstärke und Darstellung anpassen. Für einen Zwei-Linien-Ansatz wird der Indikator einfach ein zweites Mal mit abweichender Periode hinzugefügt.
Weighted Moving Average (WMA) – Stärken und Schwächen
Stärken
- Geringere Verzögerung als der Simple Moving Average (SMA) bei gleicher Periodenlänge
- Nachvollziehbare, transparente Berechnung ohne rekursive Glättung
- Zuverlässige Trendbestätigung und dynamische Unterstützung/Widerstände in gerichteten Märkten
- Auf jeden Basiswert und jeden Zeitrahmen anwendbar bzw. in nahezu jeder Charting-Software vorhanden
Schwächen
- Grundsätzlich nachlaufend – Signale entstehen erst nach der Kursbewegung
- Häufige Fehlsignale in Seitwärtsphasen (Whipsaws)
- Höhere Sensitivität gegenüber dem SMA bedeutet auch mehr Verzerrungen
- Abrupte Sprünge möglich, wenn Ausreißer aus dem Berechnungsfenster fallen
- Keine Aussage über Kursziele oder die Qualität eines Trends
WMA, SMA und EMA im Vergleich
Weighted Moving Average (WMA), Simple Moving Average (SMA) und Exponential Moving Average (EMA) verfolgen dasselbe Grundziel: Sie glätten Kursbewegungen und stellen die zugrunde liegende Trendrichtung dar. Sie unterscheiden sich jedoch darin, wie stark einzelne Kurse berücksichtigt werden und wie lange ältere Daten in die Berechnung einfließen.
| Merkmal | Simple Moving Average (SMA) | Weighted Moving Average (WMA/LWMA) | Exponential Moving Average (EMA) |
|---|---|---|---|
| Gewichtung | Alle Kurse innerhalb der gewählten Periode erhalten dasselbe Gewicht. | Die Gewichte steigen linear an: Der jüngste Kurs erhält das höchste, der älteste Kurs das niedrigste Gewicht. | Die Gewichte nehmen exponentiell ab. Aktuelle Kurse besitzen den größten Einfluss. |
| Berücksichtigte Historie | Festes Fenster aus den letzten n Kursen. | Festes Fenster aus den letzten n Kursen. | Rekursive Berechnung über den vorherigen EMA. Ältere Kurse verlieren fortlaufend an Gewicht, werden aber nicht zu einem festen Zeitpunkt vollständig entfernt. |
| Reaktion auf neue Kurse | Reagiert bei vergleichbarer Periodenlänge meist am ruhigsten, da alle Kurse gleich gewichtet sind. | Reagiert schneller als der SMA, weil die jüngsten Kurse einen größeren Anteil am Ergebnis haben. | Gewichtet neue Kurse ebenfalls stärker als der SMA. Wie schnell der EMA im Vergleich zum WMA reagiert, hängt von der gewählten Periode und dem verwendeten Glättungsfaktor ab. |
| Ausscheiden alter Kurse | Der älteste Kurs fällt nach n Perioden vollständig aus dem Berechnungsfenster. | Der älteste Kurs fällt nach n Perioden vollständig aus dem Fenster, besitzt unmittelbar davor aber nur noch das Gewicht 1. | Es gibt keinen festen Zeitpunkt, an dem ein älterer Kurs abrupt aus der rekursiven Berechnung entfernt wird. |
| Typischer Einsatz | Ruhige Darstellung übergeordneter Trends sowie häufige Referenz für langfristige Durchschnittslinien. | Frühere Reaktion auf aktuelle Richtungsänderungen bei transparenter und zeitlich begrenzter Gewichtung. | Fortlaufende Trendbeobachtung mit exponentiell abnehmendem Einfluss älterer Kurse. |
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der WMA entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die reine Trendrichtung um eine Momentum-Perspektive. Ein WMA-Kaufsignal bei gleichzeitig aus dem überverkauften Bereich drehendem Relative Strength Index (RSI) gilt als robuster als ein Signal bei bereits überkauftem Momentum.
- Average Directional Index (ADX): Ergänzt den WMA um eine Einschätzung der Trendstärke. Da der WMA in Seitwärtsphasen anfällig für Fehlsignale ist, kann der ADX-Indikator als zusätzlicher Filter dienen. Werte oberhalb von etwa 25 werden häufig als Hinweis auf einen stärkeren Trend gelesen, während Werte unter 20 eher für einen schwachen oder fehlenden Trend sprechen.
- Average True Range (ATR): Liefert die Volatilitätsdimension und dient der Platzierung von Stopps in sinnvollem Abstand zum WMA, statt die Linie selbst als starre Ausstiegsmarke zu nutzen.
- Price Action / Kerzenmuster: Bullische Formationen wie Engulfing-Kerzen oder Hammer direkt an einem steigenden WMA bestätigen dessen Funktion als dynamische Unterstützung – und umgekehrt bei fallender Linie.
- Support/Resistance und Fibonacci-Levels: Fällt ein WMA-Signal mit einer horizontalen Preiszone oder einem Fibonacci-Retracement zusammen, gewinnt es an Bedeutung, weil mehrere unabhängige Ansätze auf dieselbe Zone verweisen.
Hintergrund und Geschichte des Weighted-Moving-Average-Indikators
- Frühes 20. Jahrhundert: Gleitende Durchschnitte mit ungleicher Gewichtung sind in der statistischen Zeitreihenanalyse längst etabliert, lange bevor sie in der Chartanalyse Verwendung finden.
- 1950er/1960er Jahre: Der linear gewichtete gleitende Durchschnitt findet Eingang in die technische Analyse; ein einzelner Erfinder lässt sich nicht benennen, da das Konzept aus der Statistik übernommen wurde.
- 1970er/1980er Jahre: Mit dem Aufkommen computergestützter Auswertung wird die aufwendigere Rechnung praktikabel. Standardwerke der technischen Analyse – etwa „The Encyclopedia of Technical Market Indicators“ von Robert W. Colby und Thomas A. Meyers (1988) – führen den WMA neben SMA und EMA als eigenständige Variante.
- Ab den 1990er Jahren: Breite Adaption durch die feste Integration in nahezu alle Charting-Plattformen. Der WMA dient zudem als Baustein weiterentwickelter Indikatoren, etwa der Hull Moving Average (HMA) von Alan Hull, die vollständig auf gewichteten Durchschnitten aufbaut.
Fazit zu Weighted Moving Average (WMA)
Der Weighted Moving Average (WMA) ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Trendindikator, der die Verzögerung des klassischen SMA reduziert, ohne dessen Grundprinzip aufzugeben. Er veranschaulicht die vorherrschende Kursrichtung und liefert über Kreuzungen und die Steigung der Linie klar definierte Signale.
Seine Schwächen, wie Nachlauf und Fehlsignale in Seitwärtsphasen, teilt der WMA-Indikator mit allen gleitenden Durchschnitten. Sie lassen sich unter anderem durch einen Trendfilter wie den ADX und die Bestätigung über Price Action deutlich entschärfen.
Wer sich vertiefen möchte, findet fundierte Darstellungen gleitender Durchschnitte in John J. Murphys „Technical Analysis of the Financial Markets“ (1999) sowie in Robert W. Colbys „The Encyclopedia of Technical Market Indicators“ (2. Auflage, 2003), das die verschiedenen Glättungsverfahren systematisch vergleicht. Praxisnahe Erläuterungen liefern zudem die Dokumentationen der gängigen Charting-Plattformen.
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