Keynesianismus – Definition & Bedeutung

Autor: Maik Engelkamp - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Der Keynesianismus ist eine makroökonomische Wirtschaftstheorie der Effekte der Gesamtausgaben auf die Wirtschaft, die Produktion, die Beschäftigung und die Inflation. Die keynesianische Wirtschaftslehre wurde von dem britischen Wirtschaftswissenschaftler John Maynard Keynes in den 1930er-Jahren entwickelt, um die Große Depression zu analysieren. Der Keynesianismus gilt als eine „nachfrageseitige“ Theorie, die sich auf kurzfristige Veränderungen in der Wirtschaft konzentriert.

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Keynesianismus – Definition

Keynesianismus steht typischerweise für das Konzept, dass eine optimale Wirtschaftsleistung erreicht und Konjunktureinbrüche verhindert werden können, indem die Gesamtnachfrage durch aktive Stabilisierungs- und wirtschaftliche Interventionsmaßnahmen der Regierung beeinflusst wird.

Bei dieser Theorie wurde erstmalig die Untersuchung des wirtschaftlichen Verhaltens und der Märkte, auf der Grundlage individueller Anreize, scharf von den Grundlagen der klassischen Wirtschaftslehre getrennt.

Bedeutung des Keynesianismus

Die keynesianische Wirtschaftslehre stellte eine seinerzeit neue Sichtweise auf Ausgaben, Produktion und Inflation dar. Zuvor ging die klassische Wirtschaftstheorie davon aus, dass zyklische Schwankungen der Beschäftigung und der Wirtschaftsleistung Gewinnchancen schaffen, die Einzelpersonen und Unternehmer nutzen sollten, um die Ungleichgewichte in der Wirtschaft zu korrigieren.

Nach Keynes‘ Konstruktion der klassischen Wirtschaftstheorie würde ein Rückgang der Gesamtnachfrage in der Wirtschaft und die daraus resultierende Schwäche der Produktion und der Arbeitsplätze zu einem Rückgang der Preise und Löhne führen. Ein niedrigeres Inflations- und Lohnniveau würde die Arbeitgeber dazu veranlassen, Investitionen zu tätigen und mehr Menschen zu beschäftigen, wodurch die Beschäftigung angekurbelt und das Wirtschaftswachstum wiederhergestellt würde.

Keynes glaubte, dass die Tiefe und Dauer der Großen Depression diese Hypothese auf eine harte Probe stellten, weshalb er nach alternativen Hypothesen suchte. Keynes plädierte letztendlich für höhere Staatsausgaben und niedrigere Steuern, um die Nachfrage anzukurbeln und die Weltwirtschaft aus der Depression herauszuführen.

Besonderheiten der Theorie

In seinem Buch “The General Theory of Employment, Interest, and Money” und anderen Werken argumentierte Keynes, dass, während einer Rezession, der Geschäftspessimismus und bestimmte Merkmale der Marktwirtschaft die wirtschaftliche Schwäche noch verstärken und die Gesamtnachfrage weiter einbrechen lassen würden.

So bestreitet der Keynesianismus beispielsweise die von einigen Ökonomen vertretene Auffassung, dass niedrigere Löhne die Vollbeschäftigung wiederherstellen können, weil die Arbeitsnachfragekurve wie jede andere normale Nachfragekurve nach unten abfällt. Stattdessen wird argumentiert, dass Arbeitgeber keine neuen Mitarbeiter einstellen werden, solange die Nachfrage nach ihren Produkten schwach ist.

In ähnlicher Weise kann eine schlechte Wirtschaftslage dazu führen, dass Unternehmen ihre Kapitalinvestitionen reduzieren, anstatt die niedrigeren Preise für Investitionen in neue Anlagen und Ausrüstungen zu nutzen. Dies würde ebenfalls zu einem Rückgang der Gesamtausgaben und der Beschäftigung führen.

Keynesianismus – Ursprung in der Großen Depression

Keynes‘ allgemeine Wirtschaftstheorie verfasste er in einer Zeit der weltweiten Depression, welche seine Denkweise stark geprägt hat.

Andere Ökonomen hatten argumentiert, dass Unternehmen und Investoren, die in Verfolgung ihrer eigenen Interessen von niedrigeren Produktions- und Einkaufspreisen profitieren, nach einem weitverbreiteten Konjunkturabschwung, im Rahmen des Konjunkturzyklus, die Produktion und die Preise wieder selbst ins Gleichgewicht bringen würden, sofern sie nicht anderweitig daran gehindert würden.

Keynes war der Ansicht, dass die Große Depression diese Theorie zu widerlegen schien, was ihn zum Aufstellen eigener Theorien inspirierte, aus welchen sich praktische Handlungsansätze ableiten lassen.

Neue Denkansätze des John Maynard Keynes

Keynes lehnte die Vorstellung ab, dass die Wirtschaft automatisch zu einem natürlichen Zustand des Gleichgewichts zurückkehren würde. Stattdessen vertrat er die Ansicht, dass, sobald ein wirtschaftlicher Abschwung einsetzt, die Angst und die düstere Stimmung, die dieser bei Unternehmen und Anlegern hervorruft. Die Angst neigt dazu, sich selbst zu bestätigen und führt zu einer anhaltenden Periode gedrückter wirtschaftlicher Aktivität und Arbeitslosigkeit.

Als Reaktion darauf plädierte Keynes für eine antizyklische Finanzpolitik, bei der die Regierung in wirtschaftlich schlechten Zeiten Ausgaben tätigen sollte, um den Rückgang der Investitionen auszugleichen und die Verbraucherausgaben anzukurbeln, um die Gesamtnachfrage zu stabilisieren.

Keynes kritisierte die britische Regierung zu dieser Zeit scharf. Die Regierung hatte die Sozialausgaben signifikant erhöht und die Steuern angehoben, um die Staatsfinanzen auszugleichen. Keynes sagte, dass dies die Menschen nicht dazu ermutigen würde, ihr Geld auszugeben, wodurch die Wirtschaft nicht stimuliert würde und sich nicht erholen und zu einem erfolgreichen Zustand zurückkehren könnte.

Stattdessen schlug er vor, dass die Regierung mehr Geld ausgibt und die Steuern senkt, um ein Haushaltsdefizit auszugleichen, was die Verbrauchernachfrage in der Wirtschaft erhöhen würde. Dies wiederum würde zu einem Anstieg der gesamtwirtschaftlichen Aktivität und einem Rückgang der Arbeitslosigkeit führen.

Keynes kritisierte auch die Idee des übermäßigen Sparens, sofern es nicht für einen bestimmten Zweck wie die Altersvorsorge oder die Ausbildung bestimmt war. Er sah darin eine Gefahr für die Wirtschaft, denn je mehr Geld auf der Stelle tritt, desto weniger Geld ist in der Wirtschaft vorhanden und stimuliert das Wachstum.

Keynesianismus als Begründer der antizyklischen Fiskalpolitik

Der Multiplikatoreffekt, der von Keynes‘ Schüler Richard Kahn entwickelt wurde, ist einer der Hauptbestandteile der keynesianischen antizyklischen Finanzpolitik. Nach Keynes‘ Theorie der fiskalischen Anreize führt eine Erhöhung der Staatsausgaben schließlich zu einer Steigerung der Wirtschaftstätigkeit und zu noch mehr Ausgaben. Die Theorie besagt, dass Ausgaben die Gesamtproduktion ankurbeln und schließlich zu mehr Einkommen führen:

  • Staatsausgaben (die zum Ankurbeln der Wirtschaft bestimmt sind), sowie Ausgaben von Verbrauchern werden zum Einkommen des Unternehmens.
  • Das Einkommen des Unternehmens wird dann wiederum für Ausrüstung, Löhne, Materialien, Dienstleistungen, Steuern und Dividenden ausgegeben.
  • Die Unternehmensausgaben werden somit wiederum zum Einkommen anderer Unternehmen, des Staates, sowie der Arbeitnehmer (die jeweils auch Verbraucher sind).
  • Die Unternehmen, der Staat und die Arbeitnehmer können nun das aus den Ausgaben des Unternehmens resultierende Einkommen wieder für neue Ausgaben nutzen.
  • Der durch Staatsausgaben angestoßene Zyklus zwischen Einnahmen und Ausgaben führt letztendlich zu Wirtschaftswachstum.

Keynes und seine Anhänger glaubten ebenfalls, dass der Einzelne weniger sparen und mehr ausgeben sollte, um seine marginale Konsumneigung zu erhöhen und so Vollbeschäftigung und Wirtschaftswachstum zu erreichen. Nach dieser Theorie führt ein Dollar, der für fiskalische Anreize ausgegeben wird, letztendlich zu mehr als einem Dollar an Wachstum.

Viele Wirtschaftswissenschaftler stützen sich immer noch auf Multiplikatormodelle, obwohl die meisten anerkennen, dass fiskalische Anreize weit weniger wirksam sind, als das ursprüngliche Multiplikatormodell vermuten lässt.

Keynesianismus als Befürworter der expansiven Geldpolitik

Laut Keynes können sich Märkte nicht selbst regulieren. Daher befürwortet der Keynesianismus nachfrageseitige Lösungen für rezessive Phasen. Er sieht das Eingreifen des Staates in wirtschaftliche Prozesse als ein wichtiger Teil der Bekämpfung von Arbeitslosigkeit, Unterbeschäftigung und geringer wirtschaftlicher Nachfrage.

Der Vorschlag direkter staatlicher Eingriffe in die Wirtschaft bringt die keynesianischen Theoretiker oft in Konflikt mit denjenigen, die für eine begrenzte staatliche Beteiligung an den Märkten plädieren. Keynesianische Theoretiker argumentieren, dass sich Volkswirtschaften nicht sehr schnell selbst stabilisieren und ein aktives Eingreifen erforderlich ist, welches die kurzfristige Nachfrage in der Wirtschaft ankurbelt.

Löhne und Beschäftigung reagieren langsamer auf die Bedürfnisse des Marktes und erfordern staatliche Eingriffe, um auf Kurs zu bleiben. Außerdem reagieren auch die Preise nicht schnell und ändern sich nur sukzessive, wenn geldpolitische Maßnahmen ergriffen werden. Dies führt zu einem Zweig der keynesianischen Wirtschaftslehre, der als Monetarismus bekannt ist.

Zinssenkungen und die Liquiditätsfalle

Wenn sich die Preise nur langsam ändern, ist es möglich, die Geldmenge als Instrument zu nutzen und die Zinssätze zu ändern, um die Kreditaufnahme und -vergabe zu fördern. Die Senkung der Zinssätze ist eine Möglichkeit für Zentralbanken, sinnvoll in das Wirtschaftssystem einzugreifen und so den Konsum und die Investitionsausgaben zu fördern.

Kurzfristige Nachfragesteigerungen, die durch Zinssenkungen ausgelöst werden, beleben das Wirtschaftssystem und sorgen für mehr Beschäftigung und eine höhere Nachfrage nach Dienstleistungen. Die neue Wirtschaftstätigkeit sorgt dann für weiteres Wachstum und Beschäftigung.

Ohne Intervention, so die keynesianische Theorie, wird dieser Zyklus unterbrochen und das Marktwachstum wird instabiler und anfälliger für übermäßige Schwankungen. Das Beibehalten niedriger Zinssätze ist ein Versuch, den Wirtschaftskreislauf zu stimulieren, indem Unternehmen und Einzelpersonen ermutigt werden, mehr Geld zu leihen, welches Sie anschließend  für Investitionen ausgeben. Diese neuen Ausgaben kurbeln die Wirtschaft wiederum an.

Eine Senkung der Zinssätze führt jedoch nicht immer direkt zu einer wirtschaftlichen Verbesserung. Wenn sich die Zinssätze dem Nullpunkt nähern, wird die Ankurbelung der Wirtschaft durch Zinssenkungen immer weniger wirksam. Zinsmanipulationen reichen möglicherweise nicht mehr aus, um neue wirtschaftliche Aktivitäten zu generieren, wenn sie die Investitionen nicht ankurbeln können. Dies ist eine Art Liquiditätsfalle.

Wenn die Senkung der Zinssätze nicht zum Erfolg führt, müssen nach Ansicht der keynesianischen Ökonomen andere Strategien eingesetzt werden, in erster Linie die Lockerung der Fiskalpolitik.

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