Chaikin Money Flow (CMF) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Chaikin Money Flow im Überblick

Indikator-Steckbrief: Chaikin Money Flow (CMF)
Kategorie Volumen (volumengewichteter Oszillator)
Darstellung Oszillator in separatem Panel unterhalb des Kurscharts
Standardparameter Periode: 20 (alternativ 21, entspricht rund einem Handelsmonat)
Wertebereich −1 bis +1; in der Praxis meist zwischen −0,5 und +0,5, Nulllinie als Zentrum
Typische Zeitrahmen Daily (Standard); auch Intraday und Weekly
Märkte Aktien, ETFs, Futures, Forex, Kryptowährungen – setzt verlässliche Volumendaten voraus
Entwickelt von Marc Chaikin, frühe 1980er-Jahre

Chaikin-Money-Flow-Signale und Interpretation

Der CMF-Indikator liefert Signale aus der Lage des Wertes relativ zur Nulllinie. Positive Werte stehen für überwiegenden Kaufdruck (Akkumulation), negative für überwiegenden Verkaufsdruck (Distribution). Je weiter der Wert von der Null entfernt ist, desto stärker das Signal. Häufig wird der CMF eingesetzt, um bestehende Trends oder Ausbrüche über Widerstände und Unterstützungen zu bestätigen.

Funktionsweise des Chaikin Money Flow mit positiver und negativer Zone um die Nulllinie
Funktionsweise des Chaikin Money Flow: Positive CMF-Werte stehen für überwiegenden Kaufdruck, negative Werte für überwiegenden Verkaufsdruck. Die Nulllinie dient dabei als zentrale Referenz.

Hinweis: Anders als beispielsweise der Money Flow Index (MFI) besitzt der Chaikin Money Flow keine allgemein festgelegten Schwellen. Entscheidend sind in erster Linie die Lage ober- oder unterhalb der Nulllinie, die Dauer in diesem Bereich sowie Veränderungen des Indikatorverlaufs.

Kaufsignal

Kreuzt der CMF die Nulllinie von unten nach oben, gewinnt der Kaufdruck die Oberhand – ein Hinweis auf eine mögliche bullische Phase. Ein Ausbruch über einen Widerstand gilt als bestätigt, wenn der CMF gleichzeitig im positiven Bereich bleibt. Zur Filterung schwacher Signale wird oft eine Pufferschwelle von etwa +0,05 statt der reinen Null verwendet.

Chaikin Money Flow Kaufsignal beim S&P 500 mit CMF über der Nulllinie
Typisches CMF-Kaufsignal: Steigt der Chaikin Money Flow über die Nulllinie, deutet dies auf zunehmenden Kaufdruck hin und kann eine bullische Kursbewegung bestätigen.

Verkaufssignal

Fällt der CMF von oben unter die Nulllinie, überwiegt der Verkaufsdruck – ein Hinweis auf eine mögliche bärische Phase. Ein Bruch unter eine Unterstützung gilt als bestätigt, wenn der CMF zugleich negativ notiert. Analog dient hier eine Schwelle um −0,05 zur Reduktion von Fehlsignalen.

Chaikin Money Flow Verkaufssignal beim S&P 500 mit CMF unter der Nulllinie
Typisches CMF-Verkaufssignal: Fällt der Chaikin Money Flow unter die Nulllinie, weist dies auf zunehmenden Verkaufsdruck hin und kann einen bestehenden Abwärtstrend bestätigen.

Neutraler Bereich

Pendelt der CMF eng um die Nulllinie, zeigt der Indikator keine klare Dominanz von Kauf- oder Verkaufsdruck. Daraus lässt sich jedoch nicht immer ableiten, dass sich der Kurs selbst in einer Seitwärtsphase befindet. In dieser Zone können sich Fehlsignale bei Nulllinien-Kreuzungen häufen.

S&P 500 mit Chaikin Money Flow im neutralen Bereich nahe der Nulllinie
Chaikin Money Flow im neutralen Bereich: Bewegt sich der CMF eng um die Nulllinie, lässt sich weder ein eindeutiger Kauf- noch Verkaufsdruck erkennen.

Divergenz

Eine bärische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs neue Hochs bildet, der CMF dieses Hoch aber nicht mitgeht – ein Zeichen nachlassenden Kaufdrucks. Umgekehrt deutet eine bullische Divergenz auf nachlassenden Verkaufsdruck hin.

Bullische und bärische Divergenz beim Chaikin Money Flow im Vergleich
Divergenzen beim Chaikin Money Flow: Eine bärische Divergenz entsteht, wenn der Kurs höhere Hochs bildet, während der CMF tiefere Hochs markiert. Eine bullische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs tiefere Tiefs erreicht, der CMF jedoch bereits höhere Tiefs ausbildet.

Hinweis: Solange der CMF negativ bleibt, zeigt eine bullische Divergenz lediglich schwächeren Verkaufsdruck. Echter Kaufdruck ist erst mit dem Übertritt in den positiven Bereich belegt.

Steigender und fallender Chaikin Money Flow

Neben der Lage zur Nulllinie liefert auch die Richtung des CMF zusätzliche Informationen. Steigt der CMF innerhalb des positiven Bereichs, nimmt der gemessene Kaufdruck tendenziell zu.  Fällt er dort in Richtung null, lässt der Kaufdruck nach, bleibt aber zunächst positiv.

Umgekehrt zeigt ein steigender CMF unterhalb der Nulllinie einen nachlassenden Verkaufsdruck an. Erst mit dem Übertritt über null überwiegt der Kaufdruck. Ein Anstieg von beispielsweise −0,30 auf −0,10 ist eine Verbesserung des Money Flows, aber noch kein positives CMF-Signal.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des Chaikin-Money-Flow-Indikators

Ausgangspunkt für die Berechnung des CMF-Indikators sind Höchst- (High), Tiefst- (Low), Schlusskurs (Close) sowie das Volumen jeder Periode. Zunächst wird ermittelt, wo der Schlusskurs innerhalb der Handelsspanne liegt:

  • Schließt der Kurs in der oberen Hälfte der Spanne, fällt der Multiplikator positiv aus (Akkumulation).
  • Schließt der Kurs in der unteren Hälfte, wird der Multiplikator negativ (Distribution). Anschließend wird dieser Wert mit dem Volumen gewichtet und über die gewählte Periodenanzahl (Standard: 20) summiert.

Schritt 1 – Money Flow Multiplier (MFM):

Der Multiplikator erreicht +1, wenn der Schluss auf dem High liegt, und −1, wenn er auf dem Low liegt. Nahe der Spannenmitte liegt er nahe null. Fallen High und Low zusammen (High = Low), würde die Formel durch null teilen, in diesem Grenzfall wird der MFM auf 0 gesetzt.

MFM = \frac{(Close - Low) - (High - Close)}{High - Low}

Schritt 2 – Money Flow Volume (MFV):
MFV = MFM \times Volumen

Schritt 3 – Chaikin Money Flow (finaler Indikatorwert über N Perioden):
CMF_N = \frac{\sum_{i=1}^{N} MFV_i}{\sum_{i=1}^{N} Volumen_i}

Chaikin Money Flow berechnen – konkretes Beispiel

Das folgende vereinfachte Beispiel verwendet drei Perioden, um die einzelnen Rechenschritte übersichtlich darzustellen. In der Praxis wird der CMF üblicherweise über 20 oder 21 Perioden berechnet.

Periode High Low Close Volumen MFM MFV
1 110 100 108 1.000 +0,60 +600
2 112 102 103 1.200 −0,80 −960
3 111 101 110 800 +0,80 +640

Für die erste Periode ergibt sich beispielsweise:

MFM = \frac{(108 - 100) - (110 - 108)}{110 - 100} = \frac{6}{10} = 0{,}60

Das Money Flow Volume beträgt entsprechend:

MFV = 0{,}60 \times 1.000 = 600

Über alle drei Beispielperioden summiert sich das Money Flow Volume auf:

600 - 960 + 640 = 280

Das Gesamtvolumen beträgt:

1.000 + 1.200 + 800 = 3.000

Damit ergibt sich für den vereinfachten 3-Perioden-CMF:

CMF_3 = \frac{280}{3.000} \approx 0{,}093

Der positive Wert zeigt, dass über diese drei Perioden nach der CMF-Berechnung insgesamt der Kaufdruck überwog. Das Beispiel dient lediglich zur Veranschaulichung der Formel. Für die praktische Chartanalyse werden üblicherweise längere Perioden wie 20 oder 21 verwendet.

Hinweis: Der MFM bewertet nur die Lage innerhalb einer Periode, nicht die Veränderung zum Schluss der Vorperiode. Bei Kurslücken (Gaps) kann sich der CMF daher vom tatsächlichen Kursverlauf entkoppeln.

Typische Chaikin-Money-Flow-Einstellungen

Der einzige zentrale Parameter ist die Periodenlänge. Der Standard von 20 bzw. 21 Perioden entspricht etwa einem Handelsmonat.

  • Eine kürzere Periode (z.B. 10) macht den Indikator reaktionsschneller, erhöht aber Fehlsignale.
  • Eine längere Periode (z.B. 40 oder 60) glättet den Verlauf, reagiert träger und eignet sich zur Beurteilung längerfristiger Akkumulations- oder Distributionsphasen.

Manche Händler legen zwei CMF unterschiedlicher Länge übereinander, um den Geldfluss über mehrere Zeithorizonte zu vergleichen. Zusätzlich lässt sich die Nulllinie durch Pufferschwellen (etwa ±0,05) ergänzen, um schwache Signale zu filtern.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Chaikin-Money-Flow-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (Cash) mit dem Chaikin Money Flow in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Wechsel über und unter die Nulllinie sowie Phasen anhaltender Akkumulation, in denen der CMF den Aufwärtstrend bestätigt.

Chaikin-Money-Flow-Indikator in TradingView erstellen

Der Chaikin Money Flow gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Chaikin Money Flow“ bzw. „CMF“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der Chaikin Money Flow in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Periode (Standard: 20) anpassen sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung ändern.

Hinweis: Der CMF ist auf verlässliche Volumendaten angewiesen. Bei Basiswerten mit lückenhaftem oder dezentral erfasstem Volumen (etwa im Spot-Forex) kann die Aussagekraft eingeschränkt sein.

Chaikin-Money-Flow-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Verbindet Preis und Volumen und stellt den Kauf- bzw. Verkaufsdruck hinter Kursbewegungen dar
  • Gute Bestätigung von Trends und Ausbrüchen, erkennt anhaltende Akkumulation oder Distribution
  • Klar interpretierbar über die Lage zur Nulllinie
  • Vielseitig auf verschiedene Märkte und Zeitrahmen anwendbar

Schwächen

  • Der Multiplikator ignoriert Kurslücken – bei Gaps kann sich der CMF vom Preis entkoppeln
  • Fehlsignale (Whipsaws) bei Nulllinien-Kreuzungen in Seitwärts- und volatilen Phasen
  • Benötigt verlässliche Volumendaten und ist damit nicht für jeden Basiswert geeignet
  • Nachlaufend, liefert keine Kursziele und reagiert empfindlich auf die Periodenwahl

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der Chaikin Money Flow entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die Volumensicht um reines Preismomentum. Ein Kaufsignal gewinnt an Gewicht, wenn der CMF ins Positive dreht und der RSI zugleich über 50 steigt.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Als reiner Preis-Oszillator liefert er eine unabhängige Bestätigung der vom CMF angezeigten Druckverhältnisse.
  • Accumulation/Distribution Line und Chaikin Oszillator: Die verwandten Chaikin-Indikatoren ergänzen den rollierenden CMF um eine kumulative Perspektive beziehungsweise um das Momentum der Accumulation/Distribution Line.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehr- und Fortsetzungsformationen können den Zeitpunkt eines CMF-Signals präzisieren.
  • Support/Resistance: Ein CMF-Signal im Kontext relevanter Preiszonen bestätigt Ausbrüche und filtert Fehlsignale.

Chaikin Money Flow vs. MFI, A/D Line und Chaikin Oszillator

Der Chaikin Money Flow wird häufig mit anderen volumenbasierten Indikatoren verwechselt. Besonders der Money Flow Index (MFI), die Accumulation/Distribution Line (ADL) und der Chaikin Oszillator verwenden ebenfalls Preis- und Volumendaten, unterscheiden sich jedoch deutlich in ihrer Berechnung und Interpretation.

Der wichtigste Unterschied zwischen CMF und ADL liegt damit in der zeitlichen Betrachtung: Die ADL kumuliert das Money Flow Volume fortlaufend, während die CMF nur ein rollierendes Fenster von beispielsweise 20 oder 21 Perioden betrachtet und dessen Money Flow Volume ins Verhältnis zum gesamten Volumen dieses Fensters setzt.

Der Chaikin Oszillator baut wiederum auf der ADL auf und misst deren Momentum über zwei exponentielle gleitende Durchschnitte. Der Money Flow Index ist dagegen ein eigenständiger Oszillator mit einer anderen Berechnung und einem festen Wertebereich von 0 bis 100.

Indikator Berechnung / Grundidee Wertebereich Typische Interpretation
Chaikin Money Flow (CMF) Summe des Money Flow Volume über einen festen Zeitraum geteilt durch die Volumensumme desselben Zeitraums −1 bis +1 Kauf- bzw. Verkaufsdruck und Bestätigung von Trends oder Ausbrüchen
Money Flow Index (MFI) Verknüpft Typical Price und Volumen und setzt positiven zu negativem Money Flow ins Verhältnis 0 bis 100 Momentum sowie überkaufte und überverkaufte Bereiche; häufig verwendete Schwellen sind 80 und 20
Accumulation/Distribution Line (ADL) Kumuliert das Money Flow Volume fortlaufend Kein fester Wertebereich Entwicklung der Akkumulation bzw. Distribution über einen längeren Verlauf
Chaikin Oszillator Differenz einer kurzfristigen und einer längerfristigen EMA der Accumulation/Distribution Line Kein fester Wertebereich; schwankt um die Nulllinie Momentum der Accumulation/Distribution Line

Hintergrund und Geschichte des Chaikin-Money-Flow-Indikators

  • 1960er-Jahre: Marc Chaikin beginnt seine Karriere an der Wall Street und befasst sich intensiv mit der Rolle des Handelsvolumens als „fehlendem Glied“ hinter jeder Kursbewegung.
  • Frühe 1980er-Jahre: Aufbauend auf der Accumulation/Distribution Line entwickelt Chaikin den CMF, um Akkumulation und Distribution über einen festen Zeitraum zu messen und dem Handeln institutioneller Akteure nachzuspüren.
  • Spätere Jahre: Der Indikator verbreitet sich über Bloomberg- und Reuters-Terminals sowie gängige Charting-Plattformen und wird zu einem Baustein von Chaikin Analytics und dem Power-Gauge-System.

Fazit zu Chaikin Money Flow

Der Chaikin Money Flow ist ein volumengewichteter Oszillator, der Kauf- und Verkaufsdruck über einen festen Zeitraum bündelt und so die Kräfteverhältnisse hinter einer Kursbewegung darstellt. Seine Stärke liegt in der Bestätigung von Trends und Ausbrüchen. Als alleiniges Signalinstrument ist er dagegen anfällig für Fehlsignale und für Verzerrungen durch Kurslücken.

Am wirkungsvollsten wird er in Kombination mit Preis-Oszillatoren wie MACD oder RSI sowie mit Price Action eingesetzt, ergänzt um Pufferschwellen um die Nulllinie. Wer sich vertiefen möchte, findet fundierte Grundlagen zu Volumen und technischer Analyse etwa in John J. Murphys „Technical Analysis of the Financial Markets“ sowie in den Publikationen von Chaikin Analytics.

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