Bollinger Bands %b Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Bollinger Bands %b (auch „Percent b“) ist ein aus den Bollinger Bändern abgeleiteter Indikator, der die Position des Kurses innerhalb der Bänder in eine einzige, normierte Kennzahl übersetzt. In der Standardeinstellung wird dafür meist der Schlusskurs (Close) verwendet. Der %b beantwortet die Frage, ob ein Wert relativ zu seiner eigenen Bandbreite gerade hoch oder tief steht und liefert dem Händler damit einen präzisen Wert.
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Bollinger Bands %b im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Bollinger Bands %b | |
|---|---|
| Kategorie | Volatilität |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Periode: 20, Standardabweichungsfaktor: 2 |
| Wertebereich | Typischerweise 0–1 (bzw. 0–100 %); Werte über 1 und unter 0 sind möglich |
| Typische Zeitrahmen | Vorrangig Daily, ebenso Intraday und Weekly |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | John Bollinger; Bollinger Bänder Anfang der 1980er-Jahre, %b ausführlich beschrieben in „Bollinger on Bollinger Bands“ (2001) |
Bollinger Bands %b-Signale und Interpretation
Der %b quantifiziert, wo sich der Kurs zwischen unterem und oberem Band befindet: Entscheidend ist die Lage relativ zu den Grenzwerten: 1 entspricht dem oberen Band, 0,50 dem Mittelband und 0 dem unteren Band. Werte über 1 oder unter 0 bedeuten, dass die verwendete Datenquelle außerhalb der Bollinger Bänder liegt.
Aus dieser Position lassen sich Extremzonen, Trendstärke und Divergenzen ableiten.

Werte über 1 und unter 0 genauer interpretieren
Werte außerhalb des Bereichs von 0 bis 1 zeigen nicht nur an, dass die verwendete Datenquelle außerhalb der Bollinger Bänder liegt. Der Betrag des %b zeigt zugleich, wie weit sie sich relativ zur gesamten Bandbreite außerhalb befindet.
- Ein %b von 1,25 bedeutet beispielsweise, dass der aktuelle Wert um 25 % einer vollständigen Bandbreite oberhalb des oberen Bandes liegt.
- Ein %b von -0,25 entspricht dagegen einem Abstand von 25 % einer Bandbreite unterhalb des unteren Bandes.
Dadurch lässt sich auch die Stärke verschiedener Bandüberschreitungen unmittelbar vergleichen: Ein Wert von 1,05 liegt nur knapp außerhalb des oberen Bandes, während 1,40 einen Abstand von 40 % der aktuellen Bandbreite oberhalb des oberen Bandes ausdrückt.
Entsprechendes gilt spiegelbildlich für negative Werte unterhalb des unteren Bandes.
Kaufsignal
Fällt der %b auf 0 oder darunter (der Kurs berührt oder unterschreitet das untere Band) und dreht anschließend wieder nach oben, deutet dies auf einen überverkauften Zustand hin. Besonders aussagekräftig ist ein solches Signal innerhalb eines übergeordneten Aufwärtstrends, wo Rücksetzer an das untere Band häufig gute Einstiege veranschaulichen. Als Orientierung gelten Werte unter 0,20 als kursnah am unteren Band.
Verkaufssignal
Steigt der %b auf 1 oder darüber (der Kurs erreicht oder überschreitet das obere Band) und kippt danach zurück, signalisiert das einen überkauften Zustand. Im übergeordneten Abwärtstrend liefern Erholungen an das obere Band (%b über 0,80) entsprechend Anhaltspunkte für Short-Gelegenheiten.
Neutraler Bereich
Rund um den Wert 0,50 notiert der Kurs nahe dem Mittelband. Hier liefert der %b keine klaren Extremsignale. Sinnvoller ist es, auf eine Bewegung in Richtung der Bänder oder auf Bestätigung durch weitere Indikatoren zu warten. In stark trendenden Phasen kann der %b zudem über längere Zeit nahe einem Band verharren („Walking the Bands“), ohne dass dies eine Umkehr bedeutet.
Divergenz
Erreicht der Kurs ein neues Hoch, während der %b ein niedrigeres Hoch ausbildet (bärische Divergenz), lässt die Aufwärtsdynamik nach. Umgekehrt weist ein neues Kurstief bei steigendem %b-Tief (bullische Divergenz) auf nachlassenden Verkaufsdruck hin.

Berechnung des Bollinger Bands %b-Indikators
Die Berechnung des %b setzt auf den Bollinger Bändern auf. Ausgangspunkt ist eine gewählte Datenquelle über die festgelegte Periode. In der Standardeinstellung werden meist die Schlusskurse (Close) der letzten 20 Perioden verwendet. Zunächst werden Mittelband, Standardabweichung sowie oberes und unteres Band bestimmt. Erst der letzte Schritt setzt den aktuellen Wert der Datenquelle ins Verhältnis zu diesen Bändern:
- Das Mittelband ist bei der klassischen Berechnung der einfache gleitende Durchschnitt (SMA) über die gewählte Periode (Standard: 20).
- Oberes und unteres Band ergeben sich, indem die Standardabweichung mit einem Faktor multipliziert (Standard: 2) und zum Mittelband addiert bzw. davon subtrahiert wird.
Dabei bezeichnet P im Folgenden die gewählte Datenquelle, beispielsweise den Schlusskurs.
Schritt 1 – Mittelband (SMA):
Schritt 2 – Standardabweichung der Datenquelle:
Schritt 3 – Oberes und unteres Band:
Schritt 4 – %b-Wert:
Das Ergebnis wird meist als Dezimalwert (0 bis 1) dargestellt. Multipliziert man es mit 100, erhält man die Prozentschreibweise (0 bis 100 %).
Typische Bollinger Bands %b-Einstellungen
Der %b erbt seine Parameter direkt von den zugrunde liegenden Bollinger Bändern. Die Standardwerte lauten Periode 20 und Standardabweichungsfaktor 2.
Eine kürzere Periode lässt Mittelwert und Standardabweichung schneller auf neue Daten reagieren, während eine längere Periode insbesondere das Mittelband träger macht. Für den %b selbst folgt daraus jedoch nicht ein glatterer Verlauf oder eine geringere Zahl an Fehlsignalen, da sich mit der Periodenlänge sowohl der Mittelwert als auch die Standardabweichung verändern.
John Bollinger nennt für eine vergleichbare Preisabdeckung als Richtwerte einen Faktor von 1,9 bei 10 Perioden, 2,0 bei 20 Perioden und 2,1 bei 50 Perioden.
- Ein höherer Standardabweichungsfaktor verbreitert die Bänder, wodurch der %b bei ansonsten gleichen Daten näher an 0,50 liegt.
- Ein niedrigerer Faktor verengt die Bänder und führt entsprechend schneller zu Werten nahe oder außerhalb von 0 und 1.
Beispiel: Bollinger Bands %b-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (SPX) mit dem Bollinger Bands %b in einem separaten Panel. Gut erkennbar ist, wie der %b in überkauften Phasen auf oder über 1 steigt, in überverkauften Phasen auf 0 oder darunter fällt und sich im Trend über längere Strecken nahe einem Bandrand halten kann.
Bollinger Bands %b-Indikator in TradingView erstellen
Der Bollinger Bands %b gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Bollinger Bands %B“ bzw. „%b“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der %b in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ unter anderem Periode, Datenquelle und Standardabweichungsfaktor sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Bollinger Bands %b-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Übersetzt die Kursposition in einen normierten Wert und stellt sie damit exakt und vergleichbar dar
- Erleichtert das Erkennen von Divergenzen zwischen Kurs und Bandlage
- Lässt sich nicht nur auf Kurse, sondern auch auf andere Daten (z.B. Volumen oder Indikatoren wie den RSI) anwenden
- Verbindet Volatilität und Kursposition in einer einzigen Kennzahl
Schwächen
- Als abgeleiteter Indikator übernimmt er die Nachlaufeigenschaft der Bollinger Bänder
- Extremwerte sind kein automatisches Umkehrsignal – im starken Trend „läuft“ der %b entlang eines Bandes
- Die Aussagekraft hängt stark vom übergeordneten Trend ab
- Empfindlich gegenüber der Wahl von Periode und Standardabweichung
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Bollinger Bands %b entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Money Flow Index (MFI): John Bollinger selbst schlug ein trendfolgendes System vor. Ein Aufwärtstrend gilt als bestätigt, wenn %b über 0,80 und der MFI (Standard: 10 Perioden) über 80 liegt; ein Abwärtstrend, wenn %b unter 0,20 und der MFI unter 20 notiert.
- Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die Positionsangabe des %b um eine reine Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Extremzonen unabhängig zu bestätigen.
- Bollinger BandWidth: Der zweite aus den Bändern abgeleitete Indikator zeigt Verengungen (Squeeze) an und veranschaulicht damit Phasen, in denen der %b bald ausbrechen könnte.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrkerzen wie Hammer oder Pin Bar an einem %b-Extrem erhöhen die Wahrscheinlichkeit einer Gegenbewegung.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein %b-Signal gewinnt an Gewicht, wenn es mit einer relevanten Kurszone zusammenfällt.
Weitere Anwendungen des Bollinger Bands %b
Andere Indikatoren mit %b normalisieren
Eine Anwendung des %b besteht darin, eine andere Datenreihe relativ zu ihren eigenen Bollinger Bändern zu betrachten. Dafür wird zunächst der gewünschte Ursprungsindikator (beispielsweise RSI, MFI oder eine Volumenreihe) berechnet. Anschließend werden Bollinger Bänder auf diesen Indikator gelegt und daraus wiederum dessen %b bestimmt.
Die allgemeine Berechnung bleibt identisch. Bezeichnet I den aktuellen Wert des Ursprungsindikators, ergibt sich:
Der resultierende Wert zeigt damit wo sich beispielsweise der RSI relativ zu seiner eigenen jüngeren Verteilung befindet. Ein %b von 1 beim RSI bedeutet entsprechend, dass der RSI sein oberes Bollinger Band erreicht hat. Ein Wert von 0 entspricht seinem unteren Band.
Der Vorteil dieser Methode besteht darin, Hoch- und Tiefbereiche relativ zur jüngeren Entwicklung des jeweiligen Indikators zu definieren, anstatt ausschließlich mit dauerhaft festgelegten Schwellenwerten zu arbeiten. John Bollinger nennt für diese Art der Normalisierung als allgemeine Vorgehensweise Bollinger Bänder mit 50 Perioden oder länger auf dem jeweiligen Ursprungsindikator.
M- und W-Muster mit dem %b analysieren
Neben einfachen Divergenzen kann der %b auch bei der objektiveren Beurteilung von Chartmustern wie M-Tops und W-Bottoms helfen. Entscheidend ist dabei der Vergleich der relativen Bandposition an den verschiedenen Hoch- oder Tiefpunkten eines Musters.
Bei einem möglichen W-Bottom kann beispielsweise ein zweiter Kurstest auf einem ähnlichen oder sogar niedrigeren Preisniveau stattfinden, während der %b gleichzeitig ein höheres Tief ausbildet. Der zweite Tiefpunkt liegt dann relativ zu den Bollinger Bändern weniger extrem als der erste. Diese positive Divergenz kann die Interpretation eines entstehenden W-Musters unterstützen.
Bei einem möglichen M-Top gilt die Logik entsprechend spiegelbildlich: Erreicht der Kurs nochmals ein vergleichbares oder höheres Hoch, während der %b unter seinem vorherigen Hoch bleibt, bestätigt der Indikator die neue Kursextreme relativ zu den Bändern nicht mehr.
%b für Screening, Alerts und Backtests
Da der %b die visuelle Position innerhalb der Bollinger Bänder in einen eindeutigen Zahlenwert übersetzt, eignet er sich auch für regelbasierte Analysen. Bedingungen wie „%b steigt über 0,80″, „%b überschreitet 1″ oder „%b fällt unter 0″ können eindeutig definiert und dadurch beispielsweise in Screenern, Alerts oder Backtests verwendet werden.
Das erleichtert insbesondere den Vergleich identischer Regeln über viele Basiswerte oder historische Zeiträume hinweg. Anstelle der subjektiven Frage, ob ein Kurs „nahe am oberen Band“ liegt, kann eine konkrete Schwelle festgelegt und systematisch ausgewertet werden.
Hintergrund und Geschichte des Bollinger Bands %b-Indikators
- Anfang der 1980er-Jahre: John Bollinger entwickelt die nach ihm benannten Bollinger Bänder als Volatilitätsindikator mit Mittelband und zwei über die Standardabweichung definierten Außenbändern.
- 2001: In seinem Buch „Bollinger on Bollinger Bands“ (McGraw-Hill) beschreibt Bollinger die beiden abgeleiteten Indikatoren %b und BandWidth systematisch und stellt ein %b-basiertes Handelssystem mit dem Money Flow Index vor.
- Danach: Durch die Aufnahme in gängige Charting-Plattformen wie TradingView, StockCharts oder Barchart wird der %b breit verfügbar und zählt heute zu den Standard-Indikatoren.
Fazit zu Bollinger Bands %b
Der Bollinger Bands %b macht aus einer visuellen Einschätzung („Wo steht der Kurs innerhalb der Bänder?“) eine exakte Zahl und stellt damit Extremzonen, Trendstärke und Divergenzen klar dar. Sein Nutzen entfaltet sich am besten im Zusammenspiel mit dem übergeordneten Trend und ergänzenden Indikatoren wie dem MFI oder RSI.
Wer die Methode vertiefen möchte, findet die maßgebliche Darstellung in John Bollingers Buch „Bollinger on Bollinger Bands“ (McGraw-Hill, 2001).
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