Ankereffekt (Anchoring Bias) – Definition & Beispiel

Autor: Maik Engelkamp

Der Ankereffekt (englisch: “Anchoring Bias”), auch bekannt als Ankerheuristik, ist eine kognitive Verzerrung, bei der irrelevanter Informationen als festen Bezugspunkt („Anker“) für zukünftige Entscheidungen verwendet werden. Der Ankereffekt ist häufig im Alltag zu beobachten. So schätzen Menschen den Wert desselben Artikels im Durchschnitt höher ein, wenn er 50 Euro kostet, als wenn er zu einem Preis von 30 Euro ausgeschrieben ist.

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Was ist ein Ankereffekt? – Definition

Ankereffekt ist ein Denkfehler, bei dem irrelevante Daten als fester Bezugspunkt für spätere Entscheidungen dienen. Das Phänomen des Ankereffekts ist an der Börse besonders stark vertreten, sodass hierbei auch von einem „Investor Bias“ gesprochen wird.

Bei der Entscheidungsfindung kommt es häufig zu einem Ankereffekt, wenn Menschen einen anfänglichen Wert verwenden, um nachfolgende Urteile zu fällen. So setzt beispielsweise der aktuelle Preis einer Aktie den Maßstab für eine spätere Investition, sodass Kurse, die unter dem anfänglichen Preis liegen, günstiger erscheinen, auch wenn sie immer noch höher sind als der tatsächliche Wert der Aktie.

Der Ankereffekt ist einer von vielen kognitiven Verzerrungen (cognitive biases) beim Denken, Wahrnehmen, Erinnern und Urteilen. Kognitive Verzerrungen sind systematische Denkfehler bei der Beurteilung. Sie werden häufig in der Psychologie, Soziologie und Verhaltensökonomie (Behavioral Finance) untersucht.

Ursachen des Ankereffekts

Über die Ursachen des Ankereffekts wird immer noch diskutiert, aber die neuesten Erkenntnisse deuten darauf hin, dass sie aus unterschiedlichen Gründen erfolgt, je nachdem, woher die verankernde Information stammt.

Die ursprüngliche Erklärung für die Ankerheuristik stammt von Amos Tversky und Daniel Kahneman, zwei der einflussreichsten Vertreter der Verhaltensökonomie. Sie stellten die Theorie auf, dass Menschen, bei Schätzungen oder Prognosen, mit einem bestimmten Anfangswert oder Ausgangspunkt beginnen und dann von dort aus Anpassungen vornehmen. Die Verzerrung durch den Ankereffekt tritt deswegen auf, weil die Anpassungen in der Regel nicht groß genug sind und uns zu falschen Entscheidungen führen. Dies ist als Anpassungsheuristik (engl. adjustment heuristic) bekannt geworden.

Eine weitere Theorie stützt sich auf das sogenannte Priming. Genau wie der Ankereffekt ist das Priming ein robustes und allgegenwärtiges Phänomen, das bei vielen anderen Vorurteilen und Heuristiken eine Rolle spielt – und auch beim Ankereffekt. Dabei soll Anchoring eine besondere Form des Primings sein, bei dem die erste Zahl, die uns in einer bestimmten Situation begegnet, als Referenzpunkt dient und nachfolgende Urteile beeinflusst.

Die Forschung hat zudem eine Reihe weiterer Faktoren aufgedeckt, die den Ankereffekt beeinflussen. Einer davon ist die Stimmung. Es wurde nachgewiesen, dass Menschen in trauriger Stimmung anfälliger für den Anchoring Bias sind als Menschen in guter Stimmung.

Bedeutung des Anchoring Bias

Bei Verkaufs-, Preis- und Lohnverhandlungen kann Anchoring ein wirkungsvolles Instrument sein. Studien haben gezeigt, dass das Setzen eines Ankers zu Beginn einer Verhandlung einen größeren Einfluss auf das Endergebnis haben kann als der dazwischen liegende Verhandlungsprozess. Ein bewusst zu hoch angesetzter Startpunkt kann sich auf die Bandbreite aller nachfolgenden Gegenangebote auswirken.

Im Zusammenhang mit Investitionen besteht eine Folge der Verankerung darin, dass Marktteilnehmer mit einer Verankerungsneigung dazu neigen, Anlagen zu halten, die an Wert verloren haben, weil sie ihre Schätzung des beizulegenden Zeitwerts am ursprünglichen Preis und nicht an den Fundamentaldaten festgemacht haben. Infolgedessen gehen die Marktteilnehmer ein größeres Risiko ein, indem sie die Anlage in der Hoffnung halten, dass das Wertpapier zu ihrem Kaufpreis zurückkehren wird.

Wie funktioniert der Ankereffekt?

Einstellungsgespräche sind eine Möglichkeit, Anchoring im Alltag regelmäßig zu beobachten. Im Normalfall findet ein Einstellungsgespräch zwischen zwei Parteien statt: Unternehmen und Bewerber. In dieser Situation kommt es darauf an, welche Partei den ersten Gehaltsvorschlag unterbreitet.

  • Beginnt der Unternehmensvertreter mit einem Gehaltsvorschlag, wird er typischerweise ein Gehalt vorschlagen, welches unterhalb der verfügbaren Mittel liegt. Somit ist ein niedriger Anker gesetzt, was dazu führt, dass der Bewerber wahrscheinlich ein geringeres Gehalt akzeptiert.
  • Beginnt der Bewerber mit einem Gehaltsvorschlag, wird er typischerweise ein Gehalt nennen, welches oberhalb seiner tatsächlichen Gehaltsvorstellungen liegt. Das kann dazu führen, dass der Unternehmensvertreter dem Bewerber einen höheren Gegenvorschlag unterbreitet, als er es hätte, wenn er die Gehaltsverhandlung begonnen hätte.

In beiden Fällen dient der erste Gehaltsvorschlag dazu, als Anker für das restliche Gespräch zu dienen. Die Parteien haben bei den nachfolgenden Vorschlägen stets den Anker im Hinterkopf, weshalb sich dieser typischerweise positiv oder negativ auf das Endresultat auswirkt.

Auswirkungen des Anchoring Bias auf Investoren

Ein Anchoring Bias kann an jeder Stelle des finanziellen Entscheidungsprozesses auftreten, von den wichtigsten Bewertungsannahmen, bis hin zu den endgültigen Ergebnissen wie Unternehmenswerten und resultierenden Aktienkursen.

  • Historische Werte wie Akquisitionspreise oder Hochwassermarken sind übliche Anker. Dies gilt für Werte, die notwendig sind, um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, wie z. B. das Erreichen einer Zielrendite oder die Erzielung eines bestimmten Nettoerlöses. Diese Werte haben keinen Bezug zur Marktpreisbildung und veranlassen die Marktteilnehmer dazu, rationale Entscheidungen abzulehnen.
  • Eine Verankerung kann bei relativen Kennzahlen, beispielsweise bei. Bewertungsmultiplikatoren, wie dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV), gegeben sein. Marktteilnehmer, die einen Bewertungsmultiplikator als Faustregel zur Bewertung von Wertpapierkursen verwenden, zeigen ein Ankereffekt, wenn sie Hinweise darauf ignorieren, dass Unternehmen unterschiedliche Qualitätsmerkmale aufweisen und unterschiedliche Potenziale für Gewinnwachstum haben.

Am Aktienmarkt lässt sich der Ankereffekt in verschiedenen Zusammenhängen beobachten. Grundsätzlich führt die Ankerheuristik allerdings entweder zu dem Festhalten an qualitativ minderwertigen oder stark überbewerteten Aktien oder dem voreiligen Verkauf von qualitativ hochwertigen Aktien.

Beispiel für den Ankereffekt an der Börse

In der Börsenwelt kann die Ankerheuristik verschiedene Formen annehmen. Beispielsweise sind Anleger in der Regel auf den Preis fixiert, zu dem sie eine Aktie ursprünglich gekauft haben. Wenn ein Anleger die Aktie XYZ zu einem Preis von 50 Euro gekauft hat, wird er psychologisch auf diesen Preis „verankert“ sein. Dieser Anker resultiert darin, dass der Anleger seine Folgeentscheidungen darauf basierend trifft:

  • Fällt der Preis der Aktie, wird der Anleger die Aktie nicht verkaufen, solange das Einstandsniveau nicht wieder erreicht ist oder sogar nachkaufen, da die Aktie nun für ihn günstig wirkt.
  • Steigt der Preis der Aktie, wird der Anleger die Aktie gegebenenfalls verkaufen, obwohl ein Verkauf zu diesem Zeitpunkt möglicherweise nicht rational begründbar ist.

In beiden Fällen dient der Anker als irrationale Grundlage für Entscheidungen, welche eigentlich basierend auf rationalen Prozessen, wie beispielsweise qualitativer Aktienanalysen und Unternehmensbewertungen getroffen werden sollten.

Anchoring Bias beim Investieren vermeiden

Marktteilnehmer können dem Ankereffekt entgegenwirken, indem sie die Faktoren, die hinter dem Anker stehen, identifizieren und Vermutungen durch quantifizierbare Daten ersetzen. Umfassende Recherchen und Bewertungen von Faktoren, die die Märkte oder den Preis eines Wertpapiers beeinflussen, sind notwendig, um eine Verzerrung der Entscheidungsfindung im Anlageprozess zu vermeiden.

Systematisiertes Investieren

Um irrationalen Preisankern zu entgehen, ist es für Investoren hilfreich, ihre Entscheidungen auf Basis eines festen Regelwerks zu treffen. Dieses sollte eine umfassende Unternehmensanalyse, resultierend in einer Unternehmensbewertung, inkludieren. Durch die Kenntnis über das Investment an sich und vor allem dessen “fairen Wert”, können irrationale Anker umgangen werden.

Die regelmäßige Überprüfung der getätigten Investitionen, beispielsweise nach Veröffentlichung der Jahresabschlüsse, kann darüber hinaus dazu beitragen, den ursprünglichen Preisanker laufend zu hinterfragen und zu aktualisieren. Durch die Hinzunahme eines festen Regelwerks zur Überprüfung der Investments, kann man dem Treffen von Entscheidungen auf einer irrationalen Grundlage entgegenwirken

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