On Balance Volume (OBV) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der On Balance Volume (OBV) ist ein kumulativer Volumenindikator, der das gehandelte Volumen je nach Schlusskursrichtung auf- oder abaddiert und so den Kauf- bzw. Verkaufsdruck sichtbar macht. Sein Grundgedanke lautet: Das Volumen läuft dem Preis voraus. Für Händler dient OBV vor allem der Trendbestätigung und dem frühen Erkennen von Divergenzen.
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On Balance Volume (OBV) im Überblick
| Indikator-Steckbrief: On Balance Volume (OBV) | |
|---|---|
| Kategorie | Volumen |
| Darstellung | Separates Panel unterhalb des Kurscharts (fortlaufende Linie, kein begrenzter Oszillator) |
| Standardparameter | Parameterfrei, da rein kumulativ – optional Glättung durch eine Signallinie (z.B. 20-Perioden-SMA auf OBV) |
| Wertebereich | Unbegrenzt und kumulativ – der absolute Wert ist bedeutungslos, entscheidend ist die Richtung |
| Typische Zeitrahmen | Vor allem Daily und Weekly; ab 4-Stunden-Charts werden die Signale klarer |
| Märkte | Aktien, Indizes, Futures, Krypto – überall dort, wo Volumendaten vorliegen (bei Cash-Indizes bspw. Index-ETFs oder Index-Futures, bei Forex Tick-Volumen) |
| Entwickelt von | Joseph Granville (1963); das Grundkonzept geht auf Woods & Vignolia (1946) zurück |
OBV-Indikator: Signale und Interpretation
On Balance Volume (OBV) besteht aus einer einzigen Linie, deren absoluter Wert keine Rolle spielt. Aussagekräftig sind allein ihre Steigung, ihre Hoch- und Tiefpunkte sowie ihr Verhältnis zum Kursverlauf. Grundsätzlich gilt: Bestätigt OBV die Kursbewegung, ist der Trend gesund. Laufen beide auseinander, warnt das vor nachlassender Beteiligung.
Kaufsignal
Steigt OBV, während der Kurs seitwärts läuft oder fällt, deutet das auf zufließendes Volumen (Akkumulation) hin. Konkrete Auslöser sind eine bullische Divergenz (fallende Kurstiefs bei steigenden OBV-Tiefs), der Bruch einer zuvor eingezeichneten OBV-Abwärtstrendlinie oder ein Schnitt der OBV-Linie über ihre Signal-Glättung.
Verkaufssignal
Fällt OBV, während der Kurs noch steigt oder stagniert, fließt Volumen ab (Distribution). Typische Auslöser sind eine bärische Divergenz (steigende Kurshochs bei fallenden OBV-Hochs), der Bruch einer OBV-Aufwärtstrendlinie oder ein Schnitt unter die Signal-Glättung.
Neutraler Bereich
In Seitwärtsphasen liefert OBV häufig Fehlsignale (Whipsaws), da das Volumen richtungslos hin- und herpendelt. Hier sollte man auf eine Bestätigung durch die Price Action – etwa den Ausbruch aus einer Range – oder durch einen zweiten Indikator warten, statt jeder OBV-Bewegung zu folgen.
Divergenz
Divergenzen sind die stärkste Anwendung des Indikators.
- Bullische Divergenz: Der Kurs bildet ein tieferes Tief, OBV jedoch ein höheres Tief – der Verkaufsdruck lässt nach.
- Bärische Divergenz: Der Kurs markiert ein höheres Hoch, OBV aber ein tieferes Hoch – der Kaufdruck erlahmt.
Solche Signale sind allerdings eine Frühwarnung und kein sofortiger Handelsauslöser. Sie können sich über Tage bis Wochen hinziehen.
Unterstützung und Widerstand im OBV
Neben Divergenzen können auch Trendlinien sowie horizontale Unterstützungen und Widerstände direkt im OBV-Panel eingezeichnet werden. Bricht die OBV-Linie über einen zuvor mehrfach getesteten Widerstand, kann dies auf zunehmende Akkumulation hindeuten – besonders dann, wenn der Kurs kurz vor einem Ausbruch aus einer Range steht. Fällt der OBV dagegen unter eine wichtige Unterstützung, kann das ein frühes Warnsignal für Distribution sein.
- Bullisches OBV-Signal: Die OBV-Linie bricht über einen horizontalen Widerstand oder eine fallende Trendlinie, während der Kurs noch seitwärts läuft.
- Bärisches OBV-Signal: Die OBV-Linie fällt unter eine Unterstützung oder bricht eine steigende OBV-Trendlinie, obwohl der Kurs noch stabil wirkt.
Aussagekräftiger werden sie, wenn gleichzeitig eine charttechnische Schlüsselzone im Kurs erreicht oder durchbrochen wird.
Berechnung des OBV-Indikators
Die Berechnung des OBV-Indikators erfolgt in wenigen Schritten und zählt zu den einfachsten der technischen Analyse. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) und das Volumen aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird für jede Periode die Richtung der Kursveränderung zum Vortag bestimmt:
- Schließt der Kurs höher als zuvor, wird das gesamte Volumen der Periode addiert. Schließt er tiefer, wird es subtrahiert.
- Bei unverändertem Schlusskurs bleibt der OBV-Wert unverändert. Der so entstehende Wert wird fortlaufend zum bisherigen OBV fortgeschrieben.
Schritt 1 – Richtung der Kursveränderung je Periode:
Schritt 2 – Volumenbeitrag der Periode:
Schritt 3 – Kumulierter Gesamtwert (fortlaufende Summe):
Typische On Balance Volume (OBV)-Einstellungen
Der OBV selbst kennt keine einstellbare Periode – er ist parameterfrei. Justieren lassen sich lediglich ergänzende Werkzeuge: Eine über den OBV gelegte gleitende Durchschnittslinie (häufig 20 Perioden) dient als Signal- und Filterlinie. Ein kürzerer Durchschnitt reagiert schneller, ein längerer glättet stärker.
Zusätzlich beeinflusst der gewählte Zeitrahmen die Signalqualität deutlich: Höhere Zeitebenen wie Daily und Weekly reduzieren Rauschen und Whipsaws, während niedrigere Zeitrahmen mehr Fehlsignale produzieren.
Beispiel: On Balance Volume (OBV)-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den SPDR S&P 500 ETF Trust (SPY) als handelbares S&P-500-Proxy mit dem On Balance Volume (OBV) in einem separaten Panel. Die OBV-Linie bestätigt steigende Kurshochs mit eigenen neuen Hochs, was ein Zeichen intakter Kaufbeteiligung ist. Eine bärische Divergenz, bei der die OBV nicht mehr mit dem Kurs mitzieht, zeigt eine nachlassende Aufwärtsdynamik.
OBV-Indikator in TradingView einstellen
Der OBV gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und muss nicht als Skript importiert werden. In wenigen Schritten lässt er sich auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen – idealerweise ein Instrument mit Volumendaten, z.B. eine Aktie, der SPDR S&P 500 ETF Trust „SPY“ oder der E-mini-S&P-500-Future „ES“.
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „On Balance Volume“ oder „OBV“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der OBV in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ eine optionale Glättungslinie (z.B. SMA oder EMA mit wählbarer Länge) sowie unter „Style“ Farbe und Liniendarstellung anpassen.
On Balance Volume (OBV)-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Sehr einfache Berechnung und intuitive Interpretation über eine einzige Linie
- Vorlaufender Charakter: Volumen läuft dem Preis oft voraus, wodurch Divergenzen frühe Warnungen liefern
- Starke Trendbestätigung und Validierung von Ausbrüchen durch begleitendes Volumen
- Marktübergreifend einsetzbar – überall dort, wo echte Volumendaten vorliegen (Aktien, Indizes, Futures, Krypto)
Schwächen
- Rein kumulativ – der absolute Wert ist bedeutungslos und zwischen Datenquellen nicht vergleichbar
- Anfällig für Fehlsignale und Whipsaws in Seitwärtsphasen
- Empfindlich gegenüber Volumenspitzen: Ein einzelner extremer Tag kann die Linie stark verzerren
- Berücksichtigt nur Schlusskurse und ignoriert das Kursgeschehen innerhalb der Periode. Als alleiniges Werkzeug ungeeignet
- Abhängig von der Qualität der Volumendaten: Bei illiquiden Werten, dünnem Handel, Cash-Indizes, vielen CFDs oder Forex-Tick-Volumen können OBV-Signale weniger belastbar sein
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der OBV entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse:
- RSI (Relative Strength Index): Ergänzt den volumenbasierten OBV um eine Momentum-Perspektive mit überkauften/überverkauften Zonen. Decken sich OBV-Divergenz und RSI-Extremwert, steigt die Aussagekraft
- Gleitende Durchschnitte (SMA/EMA): Direkt auf den OBV gelegt als Signallinie (Crossover), auf den Kurs gelegt als Trendfilter, um OBV-Signale nur in Trendrichtung zu handeln
- MACD (Moving Average Convergence Divergence): Zweiter Momentum-Indikator zur Bestätigung von OBV-Divergenzen und Trendwechseln
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen wie Doji oder Engulfing Pattern als Bestätigung, bevor auf eine OBV-Divergenz gehandelt wird
- Support/Resistance und Ausbruchszonen: Ein OBV-Anstieg während einer Range oder an einer Schlüsselzone erhöht die Wahrscheinlichkeit eines gültigen Ausbruchs
Hintergrund und Geschichte des On Balance Volume (OBV)-Indikators
- 1946: Woods und Vignolia stellen das zugrunde liegende Konzept unter der Bezeichnung „cumulative volume“ vor.
- 1963: Joseph Granville macht die Technik unter dem Namen „On-Balance Volume“ mit seinem Buch Granville’s New Key to Stock Market Profits populär – OBV gilt als einer der ersten Indikatoren, die positiven und negativen Volumenfluss erfassen.
- Ab den 1980er/1990er-Jahren: Breite Adaption durch die Verfügbarkeit in gängigen Charting-Plattformen und Übertragung von Aktien auf Futures, Forex und später Krypto.
Fazit zu On Balance Volume (OBV)
OBV übersetzt rohe Volumendaten in eine einzige Richtungslinie, die Akkumulation und Distribution unterhalb der Preisoberfläche sichtbar macht. Seine Stärke liegt in der Trendbestätigung und im frühzeitigen Aufdecken von Divergenzen – seine Schwäche zugleich in der Einfachheit, weshalb er nicht isoliert, sondern zusammen mit Kursstruktur, Risikomanagement und weiteren Indikatoren eingesetzt werden sollte. Wer sich vertiefen möchte, findet die Ursprungsidee in Joseph Granvilles Granville’s New Key to Stock Market Profits (1963).
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