Coppock Curve Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

Autor: Philipp Berger

Die Coppock Curve ist ein langfristig ausgerichteter Momentum-Indikator, der ursprünglich entwickelt wurde, um größere Tiefpunkte in Aktienindizes zu erkennen. Sie glättet zwei Änderungsraten des Kurses zu einer einzigen, um Null schwingenden Linie und liefert dem Händler damit vor allem Kaufsignale nach ausgedehnten Abwärtsphasen. Für Investoren mit langem Zeithorizont zählt sie zu den klassischen Einstiegsindikatoren.

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Coppock Curve im Überblick

Indikator-Steckbrief: Coppock Curve
Kategorie Momentum
Darstellung Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts)
Standardparameter ROC-Perioden: 14 und 11, WMA-Glättung: 10
Wertebereich Unbegrenzt, oszilliert um die Nulllinie
Typische Zeitrahmen Ursprünglich Monatschart; auch Weekly und Daily gebräuchlich
Märkte Vor allem Aktienindizes (S&P 500, Dow Jones), zunehmend auch Einzelaktien und ETFs
Entwickelt von Edwin Sedgwick Coppock, 1962 (Barron’s)

Coppock Curve – Signale und Interpretation

Die Coppock Curve ist ein zentrierter Oszillator: Sie bewegt sich ober- und unterhalb einer Nulllinie und veranschaulicht dadurch, ob das langfristige Momentum positiv oder negativ ausgerichtet ist. Das ursprüngliche Kaufsignal entsteht an einem Wendepunkt der Kurve unterhalb der Nulllinie. Nulllinien-Durchgänge werden in späteren Interpretationen ebenfalls als Signale oder Bestätigung herangezogen.

S&P-500-Chart mit Coppock Curve unter dem Kurs
Die Coppock Curve ist ein zentrierter Oszillator und bewegt sich um die Nulllinie. Werte oberhalb von Null zeigen positives, Werte darunter negatives Momentum. Für Signale sind insbesondere Wendepunkte und die Lage zur Nulllinie relevant.

Hinweis: Die Nulllinie dient als Referenz zur Unterscheidung zwischen positiven und negativen Werten der Coppock Curve. Wird sie in der verwendeten TradingView-Version nicht automatisch dargestellt, kann sie als horizontale Linie bei einem Wert von 0 manuell ergänzt werden.

Kaufsignal

Das ursprüngliche Signal: Die Kurve befindet sich im negativen Bereich und dreht aus einem Tief wieder nach oben. Coppock konzipierte diese Aufwärtsdrehung unterhalb der Nulllinie als langfristiges Kaufsignal nach einer ausgeprägten Schwächephase. Ein späterer Anstieg über die Nulllinie kann als zusätzliche Bestätigung interpretiert werden, gehört jedoch nicht zur ursprünglichen Signalregel.

S&P-500-Chart mit Kurstief und anschließender Erholung, die Coppock Curve dreht unterhalb der Nulllinie nach oben und steigt später über Null.
Das klassische Coppock-Kaufsignal entsteht, wenn die Kurve im negativen Bereich ein Tief ausbildet und anschließend nach oben dreht. Ein späterer Anstieg über die Nulllinie kann als zusätzliche Bestätigung dienen.

Verkaufssignal

Coppock selbst hat den Indikator ausschließlich für Kaufsignale konzipiert. Viele Analysten werten heute dennoch einen Rückfall der Kurve von positivem in negatives Terrain als Warnsignal bzw. Verkaufssignal. Dieses Signal gilt als deutlich weniger zuverlässig als das Kaufsignal.

S&P-500-Chart mit starkem Kursrückgang und Coppock Curve, die aus dem positiven Bereich deutlich unter die Nulllinie fällt.
Ein Rückfall der Coppock Curve von positivem in negatives Terrain wird heute häufig als Warn- oder Verkaufssignal interpretiert. Dieses Signal gehört nicht zur ursprünglichen Coppock-Methode und gilt als weniger zuverlässig als das Kaufsignal.

Neutraler Bereich

Solange die Kurve klar oberhalb der Null verläuft und steigt, gilt der Zustand als „Halten“ – ein Aufwärtstrend ist intakt, ohne dass ein neues Signal entsteht. In ausgeprägten Seitwärtsphasen kann die Kurve mehrfach knapp um die Null pendeln und dabei Fehlsignale erzeugen. Hier empfiehlt sich das Abwarten einer klaren Bestätigung.

S&P-500-Chart in einer Seitwärtsphase mit Coppock Curve, die mehrfach knapp ober- und unterhalb der Nulllinie verläuft.
In Seitwärtsphasen kann die Coppock Curve mehrfach knapp um die Nulllinie pendeln. Solche Kreuzungen besitzen nur geringe Aussagekraft.

Divergenz

Chartanalysten suchen häufig nach bullischen und bärischen Divergenzen zwischen Kurs und Coppock Curve, um Wendepunkte vor dem eigentlichen Nulllinien-Durchgang zu antizipieren. Vorsicht ist geboten, da eine Divergenz nicht zwangsläufig in einer Trendwende mündet. Der Trend kann sich lediglich verlangsamen und dennoch fortsetzen.

S&P-500-Chart mit Coppock Curve und markierten Divergenzen: steigender Kurs bei fallender Coppock Curve sowie fallender Kurs bei steigender Coppock Curve.
Bärische und bullische Divergenzen entstehen, wenn sich Kurs und Coppock Curve gegensätzlich entwickeln. Sie können frühzeitig auf nachlassendes Momentum hinweisen, bestätigen für sich allein jedoch keine Trendwende.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des Coppock Curve Indikators

Die Berechnung der Coppock Curve baut auf den Schlusskursen (Close) aufeinanderfolgender Perioden auf und kombiniert zwei Änderungsraten (Rate of Change, ROC) mit einer gewichteten Glättung. Der Grundgedanke ist einfach: Zwei unterschiedlich lange Momentum-Messungen werden addiert und anschließend geglättet.

  • Zunächst wird die prozentuale Kursveränderung gegenüber dem Schlusskurs vor 14 bzw. vor 11 Perioden ermittelt.
  • Die Summe beider Änderungsraten wird anschließend über einen gewichteten gleitenden Durchschnitt (Standard: 10 Perioden) geglättet, der jüngere Werte stärker gewichtet.

Schritt 1 – Änderungsraten (Rate of Change):

ROC_{14} = \frac{Close_t - Close_{t-14}}{Close_{t-14}} \times 100
ROC_{11} = \frac{Close_t - Close_{t-11}}{Close_{t-11}} \times 100

Schritt 2 – Summe der Änderungsraten:
S_t = ROC_{14} + ROC_{11}

Schritt 3 – Gewichteter gleitender Durchschnitt (WMA) über n Perioden:
WMA = \frac{n \cdot S_t + (n-1) \cdot S_{t-1} + \dots + 1 \cdot S_{t-n+1}}{n + (n-1) + \dots + 1}

Schritt 4 – Coppock Curve (Endwert):
Coppock = WMA_{10}\left(ROC_{14} + ROC_{11}\right)
Rechenbeispiel zur Coppock Curve

Angenommen, ein Aktienindex schließt aktuell bei 4.500 Punkten. Vor 14 Monaten lag der Schlusskurs bei 5.000 Punkten und vor 11 Monaten ebenfalls bei 4.500 Punkten. Daraus ergeben sich zunächst die beiden Änderungsraten:

ROC_{14} = \frac{4.500 - 5.000}{5.000} \times 100 = -10\%
ROC_{11} = \frac{4.500 - 4.500}{4.500} \times 100 = 0\%

Die Summe der beiden ROC-Werte für die aktuelle Periode beträgt damit:

S_t = -10\% + 0\% = -10\%

Für die Berechnung der Coppock Curve werden neben diesem aktuellen Wert noch die neun vorherigen ROC-Summen benötigt. Nehmen wir für dieses vereinfachte Beispiel folgende Werte an:

Periode ROC-Summe WMA-Gewicht
Aktuell -10 % 10
1 Periode zuvor -12 % 9
2 Perioden zuvor -14 % 8
3 Perioden zuvor -16 % 7
4 Perioden zuvor -18 % 6
5 Perioden zuvor -20 % 5
6 Perioden zuvor -22 % 4
7 Perioden zuvor -24 % 3
8 Perioden zuvor -26 % 2
9 Perioden zuvor -28 % 1

Die Summe der WMA-Gewichte beträgt 55. Der aktuelle Coppock-Wert ergibt sich deshalb zu:

Coppock = \frac{10 \cdot (-10) + 9 \cdot (-12) + 8 \cdot (-14) + 7 \cdot (-16) + 6 \cdot (-18) + 5 \cdot (-20) + 4 \cdot (-22) + 3 \cdot (-24) + 2 \cdot (-26) + 1 \cdot (-28)}{55} = -16

Der Coppock-Wert liegt in diesem Beispiel bei -16 und damit unterhalb der Nulllinie. Für das klassische Kaufsignal muss die Kurve unterhalb der Nulllinie zunächst ein Tief ausbilden und anschließend nach oben drehen.

Hinweis: Die Perioden 11 und 14 gehen auf eine Anekdote zurück: Coppock erfragte bei der Episcopal Church die durchschnittliche Trauerzeit nach einem Verlust (rund 11 bis 14 Monate) und übertrug diesen „Erholungszeitraum“ auf die Markterholung nach einer Baisse. Da die Kurve ein geglättetes Momentum darstellt, zählt weniger ihr absoluter Wert als vielmehr ihre Richtung und die Lage relativ zur Nulllinie.

Typische Coppock-Curve-Einstellungen

Die drei Standardparameter (ROC 14, ROC 11 und WMA 10) stammen aus Coppocks Originalarbeit und sind bis heute die gängige Voreinstellung.

  • Kürzere ROC- oder WMA-Perioden machen die Kurve schneller und reaktionsfreudiger, erhöhen aber die Zahl der Fehlsignale.
  • Längere Perioden glätten stärker und liefern seltenere, dafür belastbarere Signale.

Entscheidend ist auch der Zeitrahmen: Der Coppock Curve Indikator wurde für eine langfristige, ursprünglich monatliche Betrachtung entwickelt. Im Monatschart entstehen jedoch nur wenige Signale mit sehr langer Laufzeit. Weekly- und Daily-Charts erzeugen hingegen deutlich mehr – und damit auch mehr fragwürdige – Signale.

Zeitrahmen und Perioden richtig einordnen

Die ursprünglichen Einstellungen 14, 11 und 10 beziehen sich auf Monatsdaten: Gemeint sind also ein 14-Monats-ROC, ein 11-Monats-ROC und eine Glättung über 10 Monate. Werden dieselben Zahlen auf einem Weekly- oder Daily-Chart verwendet, beziehen sie sich stattdessen auf Wochen bzw. Handelstage und bilden damit einen deutlich kürzeren Zeithorizont ab.

Wer den zeitlichen Horizont des ursprünglichen Monatsindikators auf einem kleineren Chart näherungsweise beibehalten möchte, kann die Perioden entsprechend umrechnen:

Chart-Zeitrahmen ROC lang ROC kurz WMA-Glättung
Monatlich (Original) 14 Monate 11 Monate 10 Monate
Wöchentlich, näherungsweise 61 Wochen 48 Wochen 43 Wochen
Täglich, näherungsweise 294 Handelstage 231 Handelstage 210 Handelstage

Die Umrechnungen sind Näherungswerte, da die Zahl der Handelswochen und Handelstage pro Monat schwankt. Werden auf einem Wochen- oder Tageschart stattdessen unverändert 14, 11 und 10 Perioden verwendet, handelt es sich um eine bewusst schnellere Variante der Coppock Curve und nicht um denselben zeitlichen Horizont wie beim ursprünglichen Monatsmodell.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Coppock Curve Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index mit der Coppock Curve in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Nulllinien-Durchgänge sowie die Tiefpunkte im negativen Bereich, an denen die Kurve nach oben dreht und ein langfristiges Kaufsignal andeutet.

Coppock Curve Indikator in TradingView erstellen

Die Coppock Curve gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX für den S&P 500).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Coppock Curve“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird die Coppock Curve in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (die beiden ROC-Längen und die WMA-Glättung) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.

Hinweis: Da die Coppock Curve für langfristige Analysen konzipiert ist, entfaltet sie ihre Stärke am ehesten auf höheren Zeitrahmen. Auf dem Daily-Chart sollten Signale kritischer geprüft und durch weitere Kriterien bestätigt werden.

Coppock Curve Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Einfach zu berechnen und klar zu interpretieren
  • Historisch bewährt beim Erkennen großer Markttiefs in Indizes (u.a. vor den Erholungen nach 2000 und 2008)
  • Filtert kurzfristiges Marktrauschen durch die gewichtete Glättung der Summe zweier unterschiedlich langer ROC-Messungen heraus
  • Gut geeignet für langfristig orientierte Investoren und Index-Strategien

Schwächen

  • Nachlaufend – Signale kommen aufgrund der starken Glättung verzögert
  • Auf kürzeren Zeitrahmen anfällig für Fehlsignale (Whipsaws)
  • Primär auf Kaufsignale ausgelegt; Verkaufssignale sind weniger verlässlich
  • Für Rohstoffe und Devisen weniger geeignet als für Aktienindizes

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Die Coppock Curve entfaltet ihre Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Gleitender Durchschnitt (z.B. 200-Tage-Linie): Bestätigt die langfristige Trendrichtung und filtert Coppock-Signale, die gegen den übergeordneten Trend laufen.
  • Relative-Stärke-Index (RSI): Ergänzt die langsame Coppock-Betrachtung um eine schnellere Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Phasen zu erkennen.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Liefert ein zusätzliches Momentum- und Trendsignal, das den Wendepunkt der Coppock Curve untermauern kann.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an markanten Tiefs stützen ein gerade entstehendes Kaufsignal der Kurve.
  • Support/Resistance: Ein Coppock-Signal im Bereich einer bedeutenden Unterstützung gewinnt zusätzlich an Aussagekraft.

Coppock Curve vs. MACD und Rate of Change

Coppock Curve, MACD und Rate of Change (ROC) zählen zur Momentum-Analyse, unterscheiden sich aber deutlich in ihrer Berechnung und ihrem typischen Einsatz.

Der ROC misst, wie stark sich ein Kurs über einen festgelegten Zeitraum verändert hat. Die Coppock Curve hingegen kombiniert zwei solcher ROC-Messungen und glättet ihre Summe. Der MACD basiert auf dem Abstand zweier gleitender Durchschnitte und ergänzt diesen um eine Signallinie.

Merkmal Coppock Curve MACD Rate of Change (ROC)
Berechnung WMA der Summe zweier ROC-Werte Differenz zweier gleitender Durchschnitte plus Signallinie Prozentuale Kursveränderung gegenüber einer früheren Periode
Glättung 10-Perioden-WMA im Original Gleitende Durchschnitte sowie zusätzliche Signallinie Keine zusätzliche Glättung in der Grundform
Ursprünglicher Fokus Langfristige Kaufgelegenheiten nach ausgeprägten Rückgängen Trend- und Momentumveränderungen Direkte Messung der Stärke einer Kursveränderung
Typisches Signal Aufwärtsdrehung unterhalb der Nulllinie Kreuzungen von MACD- und Signallinie sowie Lage zur Nulllinie Lage und Bewegung relativ zur Nulllinie
Charakter Langsam und stark geglättet Flexibler Trend- und Momentumindikator Direkter und weniger geglätteter Momentumindikator

Hintergrund und Geschichte des Coppock Curve Indikators

  • 1962: Der Ökonom Edwin Sedgwick Coppock stellt die nach ihm benannte Kurve in der Finanzzeitschrift Barron’s vor – ursprünglich als „Trendex Model“.
  • Grundidee: Auf Anregung der Episcopal Church überträgt Coppock die durchschnittliche Trauerzeit nach einem Verlust (11 bis 14 Monate) als „Erholungszeitraum“ auf die Markterholung.
  • Spätere Verbreitung: Durch die Integration in populäre Charting-Plattformen wird der Indikator über Indizes hinaus auch auf Einzelaktien, ETFs und kürzere Zeitrahmen angewendet.

Fazit zu Coppock Curve

Die Coppock Curve ist ein bewährter, langfristig ausgerichteter Momentum-Indikator, dessen Stärke im Erkennen großer Markttiefs von Aktienindizes liegt. Auf höheren Zeitrahmen und in Verbindung mit einer Trendbestätigung liefert sie seltene, aber häufig aussagekräftige Kaufsignale. Wer sie einsetzt, sollte ihre nachlaufende Natur berücksichtigen und die Signale – gerade auf niedrigeren Zeitrahmen – stets durch weitere Kriterien absichern.

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