ALMA-Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

Autor: Philipp Berger

Der Arnaud Legoux Moving Average (ALMA) ist ein gleitender Durchschnitt, der mithilfe einer Gauß-Gewichtung Kursverzerrungen filtert und dabei die typische Verzögerung klassischer Durchschnitte deutlich reduziert. Ziel ist eine Linie, die zugleich glatt und reaktionsschnell verläuft. Für den Händler bedeutet das erkennbare Trendsignale bei geringerer Anfälligkeit für Fehlausschläge.

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ALMA im Überblick

Indikator-Steckbrief: ALMA
Kategorie Trend
Darstellung Direkt auf dem Preischart (Overlay)
Standardparameter Periodenlänge: 9, Sigma: 6, Offset: 0,85
Wertebereich Unbegrenzt (bewegt sich auf der Kursskala des Basiswerts)
Typische Zeitrahmen Universell – von Intraday (1 Min – 4 Std) über Daily bis Weekly
Märkte Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar
Entwickelt von Arnaud Legoux & Dimitris Kouzis-Loukas (2009)

ALMA-Signale und Interpretation

Als Overlay-Indikator legt sich der ALMA direkt über den Kurs und dient in erster Linie der Trendbestimmung. Die wichtigsten Signale ergeben sich aus der Lage des Kurses zur ALMA-Linie, aus der Steigung der Linie sowie aus dem Zusammenspiel zweier ALMAs mit unterschiedlicher Periodenlänge.

ALMA-Indikator – Funktionsweise und Aufbau
Der ALMA-Indikator (Arnaud Legoux Moving Average) glättet Kursbewegungen und dient dazu, Trends sowie mögliche Trendwechsel zu erkennen. Kreuzt der kurzfristige 50er-ALMA den langfristigen 200er-ALMA von unten nach oben, entsteht ein Golden Cross als mögliches Kaufsignal. Eine Kreuzung von oben nach unten wird als Death Cross bezeichnet und kann auf einen beginnenden Abwärtstrend hindeuten.

Kaufsignal

Der Kurs kreuzt die ALMA-Linie von unten nach oben, während diese aufwärts dreht. Bei einem Zwei-Linien-Ansatz gilt das Kreuzen des schnellen ALMA über den langsamen von unten nach oben als bullisches Signal.

ALMA-Indikator – Typisches Kaufsignal
Ein typisches Kaufsignal entsteht, wenn beispielsweise der 50er-ALMA den 200er-ALMA von unten nach oben kreuzt. Dieses Golden Cross gewinnt an Aussagekraft, wenn beide ALMA-Linien steigen und sich der Kurs oberhalb der gleitenden Durchschnitte bewegt.

Hinweis: Ein kurzfristiger Ausbruch über die ALMA-Linie reicht oft nicht aus. Fällt der Kurs schnell wieder darunter, handelt es sich in der Regel um ein Fehlsignal (Head Fake). Das Gleiche gilt umgekehrt auch für potenzielle Verkaufssignale.

Verkaufssignal

Der Kurs kreuzt die ALMA-Linie von oben nach unten und die Linie neigt sich abwärts. Kreuzt der schnelle ALMA den langsamen nach unten, bestätigt das die bärische Lesart.

ALMA-Indikator – Typisches Verkaufssignal
Ein typisches Verkaufssignal entsteht, wenn beispielsweise der 50er-ALMA den 200er-ALMA von oben nach unten kreuzt. Dieses Death Cross kann einen Wechsel in einen Abwärtstrend anzeigen. Fallen beide ALMA-Linien und notiert der Kurs darunter, wird das bärische Signal zusätzlich bestätigt.

Neutraler Bereich

Verläuft der ALMA flach und seitwärts, liefert er keine belastbaren Signale. In solchen Phasen häufen sich Fehlausschläge (Whipsaws) – hier empfiehlt sich das Warten auf eine eindeutige Richtung oder eine zusätzliche Bestätigung.

ALMA-Indikator – Neutraler Bereich und Fehlsignale
In seitwärts verlaufenden Märkten kreuzen sich die ALMA-Linien häufig, ohne dass sich ein stabiler Trend entwickelt. Solche kurzfristigen Richtungswechsel werden als Whipsaws bezeichnet und können zu Fehlsignalen führen.

Dynamische Unterstützung und Widerstand

In etablierten Trends wirkt der ALMA häufig als bewegliche Unterstützungs- bzw. Widerstandszone. Rückläufer an die Linie, die dort abprallen, veranschaulichen die Trendstärke und lassen sich als Einstiege in Trendrichtung nutzen.

ALMA-Indikator als dynamische Unterstützung und Widerstand
ALMA-Linien können in Trendphasen als dynamische Unterstützungs- oder Widerstandszonen dienen. In einem Aufwärtstrend fangen sie Kursrücksetzer häufig als Unterstützung auf. In einem Abwärtstrend können Erholungen an den ALMA-Linien hingegen auf Widerstand treffen und anschließend wieder nach unten drehen.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des ALMA-Indikators

Ausgangspunkt ist eine frei wählbare Eingangsserie einer festgelegten Anzahl aufeinanderfolgender Perioden – der sogenannten Periödenlänge n. Häufig werden dafür die Schlusskurse (Close) verwendet. Grundsätzlich lässt sich der ALMA jedoch auch auf andere Preis- oder Datenreihen anwenden. In der folgenden Darstellung wird mit Schlusskursen gerechnet.

Die Werte werden über eine Gaußsche Glockenkurve gewichtet. Deren Position und Breite steuern zwei Parameter:

  • Der Offset (Standard: 0,85) verschiebt den Scheitel der Glockenkurve innerhalb des Fensters.
    • Werte nahe 1 legen das Gewicht auf die jüngsten Kurse (reaktionsschnell),
    • Werte nahe 0 auf ältere Kurse (glatter, aber träger).
  • Das Sigma (Standard: 6) bestimmt die Breite der Glocke. Ein höheres Sigma erzeugt in der hier verwendeten Berechnung eine schmalere, schärfere Gewichtung (reaktionsschneller), ein niedrigeres eine breitere und damit glattere Kurve.

Schritt 1 – Zentrum und Breite der Gauß-Gewichtung:

m = \text{offset} \cdot (n - 1)
s = \dfrac{n}{\sigma}

Schritt 2 – Gewichtungsfaktor je Periode:
w_i = \exp\!\left(-\dfrac{(i - m)^2}{2\,s^2}\right), \quad i = 0, 1, \dots, n-1

Schritt 3 – finaler ALMA-Wert (gewichtete, normierte Summe):
\text{ALMA} = \dfrac{\displaystyle\sum_{i=0}^{n-1} w_i \cdot P_i}{\displaystyle\sum_{i=0}^{n-1} w_i}

Dabei ist P_i der Wert der gewählten Eingangsserie an Position i im Fenster (i = 0 ältester, i = n-1 jüngster Wert). Bei Verwendung von Close entspricht P_i dem jeweiligen Schlusskurs. Durch die Division durch die Summe aller Gewichte werden die Gewichte normiert, sodass der ALMA auf der Skala der verwendeten Eingangsserie bleibt.

Hinweis:Die Standardabweichung fließt nicht als statistische Kennzahl der Kurse ein – Sigma steuert ausschließlich die Form der Gauß-Kurve. Da der Scheitel über den Offset in Richtung der jüngsten Kurse verschoben wird, reagiert der ALMA früher auf Preisänderungen als ein symmetrisch gewichteter Durchschnitt, ohne dabei an Glättung einzubüßen.

Typische ALMA-Einstellungen

Die drei Parameter greifen ineinander und lassen sich auf Handelsstil und Zeitrahmen abstimmen.

  • Eine kürzere Fenstergröße (z. B. 9) macht die Linie reaktionsschnell und eignet sich für kurzfristiges Handeln, während größere Fenster (z. B. 50 oder 200) langfristige Trends glätten.
  • Ein höherer Offset (Richtung 1) verringert die Verzögerung und liefert mehr, aber unruhigere Signale, ein niedrigerer Offset erzeugt eine ruhigere Linie.
  • Über das Sigma steuert man die Trennschärfe: höhere Werte schärfen die Reaktion, niedrigere glätten stärker.

Hinweis: Die Standardeinstellungen (9 / 6 / 0,85) dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: ALMA-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P Index Cash mit einem 9-Perioden-ALMA. Die Periodenlänge kann über die Einstellungen des Indikators angepasst werden (z. B. auf 50). Außerdem kann über den Menüpunkt „Indikatoren“ eine zweite ALMA ergänzt werden.

ALMA-Indikator in TradingView erstellen

Der ALMA gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z. B. SPX).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Arnaud Legoux Moving Average“ bzw. „ALMA“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der ALMA direkt auf dem Kurschart (Overlay) hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (Fenstergröße, Offset, Sigma) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.

Hinweis: Bei der Standardeinstellung mit einem Offset von 0,85 werden jüngere Kurswerte relativ stark gewichtet, weshalb Datenfehler auf sehr kurzen Zeitrahmen deutlicher durchschlagen können. Für eine stärkere Glättung ist zunächst eine größere Fenstergröße zu prüfen.

ALMA-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Geringe Verzögerung bei zugleich glattem Verlauf – ein guter Kompromiss aus Reaktionsschnelligkeit und Rauschfilterung
  • Flexibel über drei Parameter an Markt und Zeitrahmen anpassbar
  • Universell auf allen Basiswerten und Zeitrahmen einsetzbar
  • Filtert kleinere Preisschwankungen wirksam heraus und verdeutlicht den übergeordneten Trend

Schwächen

  • Bleibt ein nachlaufender Indikator – Signale kommen trotz reduzierter Verzögerung mit einem gewissen Zeitversatz
  • Fehlsignale in Seitwärtsphasen (Whipsaws)
  • Reagiert empfindlich auf die Parameterwahl, falsche Einstellungen können erratische Ergebnisse erzeugen
  • Komplexere Berechnung als SMA oder EMA und dadurch weniger intuitiv nachvollziehbar

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der ALMA entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die reine Trendrichtung des ALMA um eine Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Zonen zu erkennen.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt Trendwechsel und Dynamik, Kreuzungen des Kurses mit dem ALMA gewinnen an Aussagekraft, wenn der MACD in dieselbe Richtung dreht.
  • Zweiter ALMA (Dual-ALMA): Ein schneller und ein langsamer ALMA erzeugen über ihre Kreuzungen klare Trendsignale, ähnlich einem klassischen EMA-Crossover, jedoch mit geringerer Verzögerung.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an der ALMA-Linie (etwa Pin Bars oder Engulfing-Kerzen) bestätigen Abpraller und Durchbrüche.
  • Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Fällt ein ALMA-Signal mit einer relevanten horizontalen Zone oder einem Fibonacci-Level zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion.

Hintergrund und Geschichte des ALMA-Indikators

  • 2009: Arnaud Legoux und Dimitris Kouzis-Loukas entwickeln den ALMA mit dem Ziel, die Schwächen von SMA und EMA – vor allem Verzögerung und Rauschempfindlichkeit – zu überwinden.
  • Konzept: Inspiriert vom Gauß-Filter überträgt das Duo die Idee einer glockenförmigen Gewichtung auf den gleitenden Durchschnitt und veröffentlicht sie unter dem Titel „ALMA – In search for the perfect moving average“.
  • Verbreitung: Über die Integration in populäre Charting-Plattformen wie TradingView sowie in MetaTrader-Portierungen findet der ALMA rasch Eingang in die Werkzeugkästen diskretionärer wie algorithmischer Händler.

Fazit zu ALMA

Der Arnaud Legoux Moving Average verbindet die Glättung eines gewichteten Durchschnitts mit einer über den Offset nach vorn verschobenen Gauß-Gewichtung und erreicht damit ein selten gutes Verhältnis aus Ruhe und Reaktionsschnelligkeit.

Als reiner Trendindikator ersetzt er keine vollständige Handelsstrategie, liefert aber in Kombination mit Momentum-Indikatoren und Price Action ein tragfähiges Gerüst zur Trendbestimmung. Wer sich vertiefen möchte, findet in der Originalveröffentlichung von Legoux und Kouzis-Loukas die mathematischen Grundlagen im Detail.

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