ALMA-Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Arnaud Legoux Moving Average (ALMA) ist ein gleitender Durchschnitt, der mithilfe einer Gauß-Gewichtung Kursverzerrungen filtert und dabei die typische Verzögerung klassischer Durchschnitte deutlich reduziert. Ziel ist eine Linie, die zugleich glatt und reaktionsschnell verläuft. Für den Händler bedeutet das erkennbare Trendsignale bei geringerer Anfälligkeit für Fehlausschläge.
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ALMA im Überblick
| Indikator-Steckbrief: ALMA | |
|---|---|
| Kategorie | Trend |
| Darstellung | Direkt auf dem Preischart (Overlay) |
| Standardparameter | Periodenlänge: 9, Sigma: 6, Offset: 0,85 |
| Wertebereich | Unbegrenzt (bewegt sich auf der Kursskala des Basiswerts) |
| Typische Zeitrahmen | Universell – von Intraday (1 Min – 4 Std) über Daily bis Weekly |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | Arnaud Legoux & Dimitris Kouzis-Loukas (2009) |
ALMA-Signale und Interpretation
Als Overlay-Indikator legt sich der ALMA direkt über den Kurs und dient in erster Linie der Trendbestimmung. Die wichtigsten Signale ergeben sich aus der Lage des Kurses zur ALMA-Linie, aus der Steigung der Linie sowie aus dem Zusammenspiel zweier ALMAs mit unterschiedlicher Periodenlänge.

Kaufsignal
Der Kurs kreuzt die ALMA-Linie von unten nach oben, während diese aufwärts dreht. Bei einem Zwei-Linien-Ansatz gilt das Kreuzen des schnellen ALMA über den langsamen von unten nach oben als bullisches Signal.

Verkaufssignal
Der Kurs kreuzt die ALMA-Linie von oben nach unten und die Linie neigt sich abwärts. Kreuzt der schnelle ALMA den langsamen nach unten, bestätigt das die bärische Lesart.
Neutraler Bereich
Verläuft der ALMA flach und seitwärts, liefert er keine belastbaren Signale. In solchen Phasen häufen sich Fehlausschläge (Whipsaws) – hier empfiehlt sich das Warten auf eine eindeutige Richtung oder eine zusätzliche Bestätigung.
Dynamische Unterstützung und Widerstand
In etablierten Trends wirkt der ALMA häufig als bewegliche Unterstützungs- bzw. Widerstandszone. Rückläufer an die Linie, die dort abprallen, veranschaulichen die Trendstärke und lassen sich als Einstiege in Trendrichtung nutzen.

Berechnung des ALMA-Indikators
Ausgangspunkt ist eine frei wählbare Eingangsserie einer festgelegten Anzahl aufeinanderfolgender Perioden – der sogenannten Periödenlänge n. Häufig werden dafür die Schlusskurse (Close) verwendet. Grundsätzlich lässt sich der ALMA jedoch auch auf andere Preis- oder Datenreihen anwenden. In der folgenden Darstellung wird mit Schlusskursen gerechnet.
Die Werte werden über eine Gaußsche Glockenkurve gewichtet. Deren Position und Breite steuern zwei Parameter:
- Der Offset (Standard: 0,85) verschiebt den Scheitel der Glockenkurve innerhalb des Fensters.
- Werte nahe 1 legen das Gewicht auf die jüngsten Kurse (reaktionsschnell),
- Werte nahe 0 auf ältere Kurse (glatter, aber träger).
- Das Sigma (Standard: 6) bestimmt die Breite der Glocke. Ein höheres Sigma erzeugt in der hier verwendeten Berechnung eine schmalere, schärfere Gewichtung (reaktionsschneller), ein niedrigeres eine breitere und damit glattere Kurve.
Schritt 1 – Zentrum und Breite der Gauß-Gewichtung:
Schritt 2 – Gewichtungsfaktor je Periode:
Schritt 3 – finaler ALMA-Wert (gewichtete, normierte Summe):
Dabei ist P_i der Wert der gewählten Eingangsserie an Position i im Fenster (i = 0 ältester, i = n-1 jüngster Wert). Bei Verwendung von Close entspricht P_i dem jeweiligen Schlusskurs. Durch die Division durch die Summe aller Gewichte werden die Gewichte normiert, sodass der ALMA auf der Skala der verwendeten Eingangsserie bleibt.
Typische ALMA-Einstellungen
Die drei Parameter greifen ineinander und lassen sich auf Handelsstil und Zeitrahmen abstimmen.
- Eine kürzere Fenstergröße (z. B. 9) macht die Linie reaktionsschnell und eignet sich für kurzfristiges Handeln, während größere Fenster (z. B. 50 oder 200) langfristige Trends glätten.
- Ein höherer Offset (Richtung 1) verringert die Verzögerung und liefert mehr, aber unruhigere Signale, ein niedrigerer Offset erzeugt eine ruhigere Linie.
- Über das Sigma steuert man die Trennschärfe: höhere Werte schärfen die Reaktion, niedrigere glätten stärker.
Beispiel: ALMA-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P Index Cash mit einem 9-Perioden-ALMA. Die Periodenlänge kann über die Einstellungen des Indikators angepasst werden (z. B. auf 50). Außerdem kann über den Menüpunkt „Indikatoren“ eine zweite ALMA ergänzt werden.
ALMA-Indikator in TradingView erstellen
Der ALMA gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z. B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Arnaud Legoux Moving Average“ bzw. „ALMA“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der ALMA direkt auf dem Kurschart (Overlay) hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (Fenstergröße, Offset, Sigma) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
ALMA-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Geringe Verzögerung bei zugleich glattem Verlauf – ein guter Kompromiss aus Reaktionsschnelligkeit und Rauschfilterung
- Flexibel über drei Parameter an Markt und Zeitrahmen anpassbar
- Universell auf allen Basiswerten und Zeitrahmen einsetzbar
- Filtert kleinere Preisschwankungen wirksam heraus und verdeutlicht den übergeordneten Trend
Schwächen
- Bleibt ein nachlaufender Indikator – Signale kommen trotz reduzierter Verzögerung mit einem gewissen Zeitversatz
- Fehlsignale in Seitwärtsphasen (Whipsaws)
- Reagiert empfindlich auf die Parameterwahl, falsche Einstellungen können erratische Ergebnisse erzeugen
- Komplexere Berechnung als SMA oder EMA und dadurch weniger intuitiv nachvollziehbar
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der ALMA entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die reine Trendrichtung des ALMA um eine Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Zonen zu erkennen.
- Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt Trendwechsel und Dynamik, Kreuzungen des Kurses mit dem ALMA gewinnen an Aussagekraft, wenn der MACD in dieselbe Richtung dreht.
- Zweiter ALMA (Dual-ALMA): Ein schneller und ein langsamer ALMA erzeugen über ihre Kreuzungen klare Trendsignale, ähnlich einem klassischen EMA-Crossover, jedoch mit geringerer Verzögerung.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an der ALMA-Linie (etwa Pin Bars oder Engulfing-Kerzen) bestätigen Abpraller und Durchbrüche.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Fällt ein ALMA-Signal mit einer relevanten horizontalen Zone oder einem Fibonacci-Level zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit einer Reaktion.
Hintergrund und Geschichte des ALMA-Indikators
- 2009: Arnaud Legoux und Dimitris Kouzis-Loukas entwickeln den ALMA mit dem Ziel, die Schwächen von SMA und EMA – vor allem Verzögerung und Rauschempfindlichkeit – zu überwinden.
- Konzept: Inspiriert vom Gauß-Filter überträgt das Duo die Idee einer glockenförmigen Gewichtung auf den gleitenden Durchschnitt und veröffentlicht sie unter dem Titel „ALMA – In search for the perfect moving average“.
- Verbreitung: Über die Integration in populäre Charting-Plattformen wie TradingView sowie in MetaTrader-Portierungen findet der ALMA rasch Eingang in die Werkzeugkästen diskretionärer wie algorithmischer Händler.
Fazit zu ALMA
Der Arnaud Legoux Moving Average verbindet die Glättung eines gewichteten Durchschnitts mit einer über den Offset nach vorn verschobenen Gauß-Gewichtung und erreicht damit ein selten gutes Verhältnis aus Ruhe und Reaktionsschnelligkeit.
Als reiner Trendindikator ersetzt er keine vollständige Handelsstrategie, liefert aber in Kombination mit Momentum-Indikatoren und Price Action ein tragfähiges Gerüst zur Trendbestimmung. Wer sich vertiefen möchte, findet in der Originalveröffentlichung von Legoux und Kouzis-Loukas die mathematischen Grundlagen im Detail.
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