Rate of Change (ROC) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Rate of Change (ROC) ist ein reiner Momentum-Oszillator, der die prozentuale Kursveränderung gegenüber einem zurückliegenden Zeitpunkt misst. Er zeigt dem Händler auf einen Blick, ob eine Bewegung an Tempo gewinnt oder verliert, und eignet sich damit zur Beurteilung von Trendstärke, Extremzonen und möglichen Wendepunkten.
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Rate of Change (ROC) im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Rate of Change (ROC) | |
|---|---|
| Kategorie | Momentum |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Periode (n): häufig 12; gängig auch 9, 10, 14, 20 oder 25 |
| Wertebereich | Bei positiven Kursreihen nach unten auf −100 % begrenzt und nach oben unbegrenzt; der ROC oszilliert um die Nulllinie (Angabe in %) |
| Typische Zeitrahmen | Universell – Intraday, Daily, Weekly |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures und Kryptowährungen; bei Preisreihen, die null oder negative Werte annehmen können, ist die prozentuale ROC-Formel nur eingeschränkt sinnvoll interpretierbar |
| Entwickelt von | Zugrunde liegendes Momentum-Konzept zählt zu den ältesten der technischen Analyse; die prozentuale ROC-Form wird häufig Fred G. Schutzman zugeschrieben |
Rate of Change (ROC)-Signale und Interpretation
Der ROC-Indikator liefert seine Signale rund um die Nulllinie: Ein positiver Wert bedeutet, dass der Kurs höher notiert als vor n Perioden, ein negativer Wert das Gegenteil. Je weiter sich der Indikator von null entfernt, desto stärker das Momentum. Die wichtigsten Signaltypen sind Nulllinien-Kreuzungen, Extremwerte (überkauft/überverkauft) und Divergenzen.
ROC-Wert und Laufrichtung gemeinsam lesen
Neben dem Vorzeichen des ROC ist zu beachten, ob der Indikator gegenüber seinem vorherigen Wert steigt oder fällt. Das Vorzeichen beschreibt die Kursveränderung über n Perioden, während die Laufrichtung zeigt, ob diese Veränderung aktuell größer oder kleiner wird.
| ROC-Zustand | Interpretation |
|---|---|
| Positiv und steigend | Das Aufwärtsmomentum verstärkt sich. |
| Positiv und fallend | Das Aufwärtsmomentum schwächt sich ab, bleibt über den betrachteten Zeitraum aber positiv. |
| Negativ und fallend | Das Abwärtsmomentum verstärkt sich. |
| Negativ und steigend | Der Verkaufsdruck lässt nach, ohne dass bereits positives Momentum vorliegt. |
Extremzonen im Trend- und Seitwärtskontext
Überkaufte und überverkaufte ROC-Werte sollten stets im Zusammenhang mit der vorherrschenden Marktphase interpretiert werden:
- Aufwärtstrend: Historisch überverkaufte ROC-Werte können auf einen kurzfristigen Rücksetzer innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends hinweisen. Überkaufte Werte sind dagegen nicht immer ein Verkaufssignal, da positives Momentum über längere Zeit erhöht bleiben kann.
- Abwärtstrend: Historisch überkaufte ROC-Werte können eine vorübergehende Erholung innerhalb des Abwärtstrends markieren. Ein überverkaufter Wert allein bestätigt noch keine nachhaltige Bodenbildung.
- Seitwärtsphase: In einer klar begrenzten Handelsspanne können kalibrierte Extremzonen an den oberen und unteren Rändern hilfreich sein. Nulllinienkreuzungen in der Mitte der Spanne erzeugen dagegen häufig Whipsaws.
Hinweis: Ein Extremwert ist zunächst nur ein Warn- oder Bereitschaftssignal. Ein Basiswert kann längere Zeit überkauft oder überverkauft bleiben. Aussagekräftiger wird das Signal, wenn der ROC-Indikator aus der Extremzone zurückdreht und gleichzeitig eine Bestätigung im Kurschart erfolgt.
Kaufsignal
Kreuzt der ROC-Indikator die Nulllinie von unten nach oben, wechselt die prozentuale Kursveränderung über n Perioden von negativ auf positiv: Der aktuelle Kurs liegt nun über dem Kurs n Perioden zuvor. Sie gilt als bullischer Hinweis, der durch den Kursverlauf oder einen weiteren Indikator bestätigt werden sollte. Als zusätzliches Signal kann die Rückkehr aus einem historisch überverkauften Extrem dienen.
Verkaufssignal
Kreuzt der ROC-Indikator die Nulllinie von oben nach unten, wechselt die prozentuale Kursveränderung über n Perioden von positiv auf negativ: Der aktuelle Kurs liegt nun unter dem Kurs n Perioden zuvor. Auch diese Kreuzung ist zunächst als bärischer Hinweis zu verstehen. Ein Rückgang aus einem historisch überkauften Extrem kann das Warnsignal ergänzen.
Neutraler Bereich
Notiert der ROC nahe null oder wechselt er in einer Seitwärtsphase mehrfach kurz hintereinander die Nulllinie, liefert er keine belastbaren Signale. Solche Whipsaws (Fehlsignale) sind typisch für trendlose Märkte – hier empfiehlt sich das Warten auf Bestätigung durch Kurs oder einen zweiten Indikator.
Divergenz
Eine bullische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein tieferes Tief bildet, der ROC-Indikator jedoch ein höheres Tief – ein Hinweis auf nachlassenden Verkaufsdruck. Spiegelbildlich warnt eine bärische Divergenz (höheres Kurshoch, niedrigeres ROC-Hoch) vor schwindender Aufwärtskraft. Divergenzen sind allerdings vergleichsweise unzuverlässig und sollten stets durch ein Kurssignal bestätigt werden.
Berechnung des Rate of Change (ROC)-Indikators
Ausgangspunkt für die Berechnung des ROC-Indikators sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Verglichen werden lediglich zwei Werte: der aktuelle Schlusskurs und der Schlusskurs vor einer festgelegten Anzahl an Perioden (n):
- Zunächst wird der Referenzkurs bestimmt – der Schlusskurs, der genau n Perioden zurückliegt (Standard je nach Plattform: n = 12).
- Anschließend wird die Differenz zum aktuellen Kurs ins Verhältnis zum Referenzkurs gesetzt und in Prozent ausgedrückt.
Schritt 1 – Prozentuale Kursveränderung (Grundformel):
Schritt 2 – Äquivalente Quotienten-Schreibweise:
Dabei bezeichnet Pt den aktuellen Schlusskurs und Pt-n den Schlusskurs n Perioden zuvor. Beide Formeln liefern identische Werte.
Rechenbeispiel mit dem ROC-Indikator
Ein kurzes Rechenbeispiel verdeutlicht die Rechenmethode. Angenommen, der S&P 500 (SPX) notiert aktuell bei 6.000 Punkten, während der Schlusskurs vor zwölf Handelstagen bei 5.760 Punkten lag. Der 12-Perioden-ROC beträgt dann:
((6.000 − 5.760) / 5.760) × 100 ≈ +4,17 %
Das Vorzeichen zeigt, ob der aktuelle Kurs über oder unter dem Kurs n Perioden zuvor liegt. Der Betrag entspricht der Höhe dieser prozentualen Veränderung. Der Index liegt also rund 4,2 % höher als knapp drei Wochen zuvor – ein positiver, aber moderater Momentum-Wert.
ROC-Indikator glätten und mit einer Signallinie auswerten
Da der ungeglättete ROC besonders bei kurzen Perioden stark schwanken kann, lässt sich zusätzlich ein gleitender Durchschnitt auf die ROC-Linie anwenden. Verwendet werden kann beispielsweise ein kurzer Simple Moving Average (SMA) oder Exponential Moving Average (EMA). Dieser gleitende Durchschnitt dient als Signallinie und ist von einem gleitenden Durchschnitt im eigentlichen Kurschart zu unterscheiden.
- ROC kreuzt über die Signallinie: Der aktuelle ROC liegt über seinem geglätteten Durchschnitt. Das n-Perioden-Momentum verbessert sich gegenüber seinen jüngsten Durchschnittswerten.
- ROC kreuzt unter die Signallinie: Der aktuelle ROC fällt unter seinen geglätteten Durchschnitt. Das n-Perioden-Momentum verschlechtert sich gegenüber seinen jüngsten Durchschnittswerten.
- ROC und Signallinie über null: Die Kursveränderung über n Perioden bleibt positiv, auch wenn ein bearishes Signallinienkreuz auf nachlassende Dynamik hinweisen kann.
- ROC und Signallinie unter null: Die Kursveränderung über n Perioden bleibt negativ, auch wenn ein bullishes Signallinienkreuz auf nachlassenden Verkaufsdruck hinweisen kann.
Eine mögliche Beispielkonfiguration ist ein 63-Perioden-ROC mit einem 9-Perioden-SMA auf der ROC-Linie. Je länger die Glättungsperiode gewählt wird, desto ruhiger verläuft die Signallinie. Zugleich reagiert sie später auf Momentumwechsel.

Typische Rate of Change (ROC)-Einstellungen
Der ROC-Indikator kennt praktisch nur einen relevanten Parameter: die Periode n. Sie legt fest, wie weit der Vergleich in die Vergangenheit reicht.
- Eine kurze Periode (z. B. 5–10) macht den Indikator sehr empfindlich, erzeugt frühe, aber auch mehr fehlerhafte Signale.
- Längere Perioden (z. B. 20–25) glätten den Verlauf und erfassen nachhaltigere Trendbewegungen, reagieren dafür träger.
Für die längerfristige Trendeinordnung lassen sich mehrere ROC gleichzeitig einsetzen (z. B. 21, 63, 126 und 252 Handelstage für Monats-, Quartals-, Halbjahres- und Jahresmomentum).
Anders als beim RSI (Relative Strength Index) gibt es keine fixen Überkauft-/Überverkauft-Schwellen. Als grobe Orientierung dienen ±10 % (z. B. beim 20-Perioden-ROC), doch sinnvolle Grenzen hängen von der Volatilität des Basiswerts ab und werden am besten aus historischen Extremwerten abgeleitet.
Beispiel: Rate of Change (ROC)-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index mit dem ROC-Indikator in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Nulllinien-Kreuzungen als Trendhinweise sowie die überkauften und überverkauften Extremzonen an den Rändern.
Rate of Change (ROC)-Indikator in TradingView erstellen
Der Rate of Change (ROC) gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z. B. SP:SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Rate Of Change“ bzw. „ROC“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der ROC in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Periode (Length; Standard: 9) sowie die Kursquelle anpassen. Unter „Style“ Farbe und Darstellung.
Rate of Change (ROC)-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Sehr einfach zu berechnen und zu interpretieren – reines Momentum in Prozent
- Die prozentuale Skala veranschaulicht die Größenordnung einer Bewegung
- Über zahlreiche Märkte und Zeitrahmen einsetzbar, sofern die verwendete Preisreihe einen von null verschiedenen und sinnvoll interpretierbaren Referenzkurs besitzt
- Kann Veränderungen des n-Perioden-Momentums anzeigen, bevor eine mögliche Trendwende durch einen Ausbruch oder Strukturbruch im Kurschart bestätigt ist
Schwächen
- Keine festen Grenzen – Überkauft-/Überverkauft-Schwellen müssen je Basiswert kalibriert werden
- Anfällig für Fehlsignale (Whipsaws) an der Nulllinie in Seitwärtsphasen
- Divergenzen sind unzuverlässig und liefern häufig verfrühte oder falsche Signale
- Empfindlich gegenüber der Periodenwahl und dem Referenzkurseffekt
- Berücksichtigt nur den aktuellen Kurs und den Kurs vor n Perioden, nicht aber den dazwischenliegenden Kursverlauf
- Basiert ausschließlich auf historischen Kursdaten und stellt keine eigenständige Prognose dar
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Rate of Change (ROC) entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse:
- Gleitende Durchschnitte (SMA/EMA): Trendfilter, um ROC-Signale nur in Richtung des übergeordneten Trends zu handeln und Whipsaws zu reduzieren.
- Relative Strength Index (RSI): Auf 0 bis 100 begrenzter Oszillator als Gegenstück zum asymmetrisch skalierten ROC – liefert eine zweite Momentum-Perspektive zur Einordnung möglicher Überkauft-/Überverkauft-Zustände.
- Moving Average Convergence Divergence (MACD): Ordnet Nulllinien-Kreuzungen des ROC richtungsmäßig ein und bestätigt Trend- und Momentumwechsel.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen wie Hammer oder Engulfing bestätigen ROC-Divergenzen und Extremwerte.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein ROC-Signal an einer markanten Preiszone besitzt eine höhere Trefferquote.
Hintergrund und Geschichte des Rate of Change (ROC)-Indikators
- Frühe Chartanalyse: Das Momentum- bzw. Rate-of-Change-Prinzip – der Vergleich des aktuellen Kurses mit einem zurückliegenden – zählt zu den ältesten Werkzeugen der technischen Analyse.
- Mitte des 20. Jahrhunderts: Die prozentuale ROC-Form etabliert sich als Standardoszillator; in gängigen Charting-Quellen wird sie häufig Fred G. Schutzman zugeschrieben.
- 1991: Schutzman stellt mit dem Smoothed Rate of Change (S-ROC) eine über exponentielle Durchschnitte geglättete Variante vor, die ruhigere, aber langsamere Signale liefert.
- 1990er bis heute: Mit der Verbreitung digitaler Charting-Software wird der ROC zum festen Bestandteil nahezu aller Plattformen (u. a. TradingView, StockCharts).
Fazit zu Rate of Change (ROC)
Der Rate of Change (ROC) ist ein schlanker, transparenter Momentum-Indikator, der die Geschwindigkeit von Kursbewegungen unmittelbar in Prozent abbildet. Seine Stärke liegt in der Einfachheit und Vielseitigkeit – seine Schwäche in fehlenden festen Grenzen und der Anfälligkeit für Fehlsignale in trendlosen Phasen. In Kombination mit einem Trendfilter und Bestätigung durch Kurs oder einen zweiten Oszillator wird der ROC zu einem verlässlichen Baustein einer momentumorientierten Handelsstrategie. Weiterführende Details zur Berechnung und Interpretation finden sich u. a. in der ChartSchool von StockCharts sowie in der TradingView-Dokumentation.
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