Connors RSI (CRSI) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Connors RSI (CRSI) ist ein Momentum-Oszillator von Larry Connors, der den klassischen RSI gezielt für den kurzfristigen Handel weiterentwickelt. Er fasst drei getrennte Komponenten zu einem einzigen Wert zwischen 0 und 100 zusammen und veranschaulicht so überkaufte und überverkaufte Zustände deutlich schneller als der herkömmliche RSI(14). Für den Händler liefert er dadurch präzisere Ein- und Ausstiegssignale auf niedrigen Zeitebenen.
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Connors RSI im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Connors RSI (CRSI) | |
|---|---|
| Kategorie | Momentum |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Kurs-RSI: 3, Streak-RSI: 2, PercentRank: 100 – notiert als CRSI(3,2,100) |
| Wertebereich | 0–100 (Oszillator) |
| Typische Zeitrahmen | Kurzfristig – überwiegend Daily, auch Intraday und Weekly |
| Märkte | Aktien, ETFs, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | Larry Connors / Connors Research (Anfang der 2010er-Jahre) |
Connors RSI-Signale und Interpretation
Der Connors RSI schwankt zwischen 0 und 100 und arbeitet mit engeren Extremzonen als der klassische RSI. Weil er stärker ausschlägt und schneller reagiert, verlegt Connors die relevanten Schwellen nach außen: überkauft ab 90, überverkauft ab 10. Die Signale folgen einer Mean-Reversion-Logik – nach einem Extremwert wird eine Rückkehr in Richtung Mittelwert erwartet.

Hinweis: Trendkontext und Signalrichtung
Ein Extremwert des Connors RSI ist zunächst eine Zustandsbeschreibung und muss im Kontext des Trends bewertet werden.
- Aufwärtstrend: Ein überverkaufter CRSI kann einen kurzfristigen Rücksetzer innerhalb des übergeordneten Aufwärtstrends kennzeichnen. Ein überkaufter Wert kann dagegen früh auftreten, während der Kurs anschließend weiter steigt.
- Abwärtstrend: Ein überkaufter CRSI kann eine kurzfristige Gegenbewegung innerhalb des Abwärtstrends anzeigen. Ein überverkaufter Wert bestätigt noch keine dauerhafte Bodenbildung.
- Seitwärtsphase: Extremwerte in der Nähe klarer Unterstützungs- oder Widerstandszonen können als mögliche Mean-Reversion-Setups interpretiert werden.
Ob ein Extrem für einen Einstieg, einen Ausstieg oder lediglich als Warnsignal verwendet wird, sollte deshalb vorab durch eindeutige Strategie- und Trendregeln festgelegt werden.
Kaufsignal
Fällt der Connors RSI unter 10, gilt der Basiswert als überverkauft. Dreht der Indikator anschließend wieder nach oben, deutet das auf nachlassenden Verkaufsdruck und eine mögliche Gegenbewegung hin. Bei sehr volatilen Basiswerten setzen manche Händler die Schwelle noch tiefer auf 5.
Verkaufssignal
Steigt der Connors RSI über 90, ist der Basiswert überkauft. Kippt der Wert danach wieder ab, kann das eine bevorstehende Korrektur signalisieren. Für volatile Werte wird die obere Schwelle teils auf 95 angehoben.

Neutraler Bereich
Zwischen 10 und 90 entsteht kein eigenständiges Einstiegs- oder Ausstiegssignal. Der Bereich ist jedoch nicht grundsätzlich ohne Handelsrelevanz: In regelbasierten ConnorsRSI-Strategien können beispielsweise Schwellen von 50, 60, 70 oder 80 als Ausstieg dienen.
Divergenz
Läuft der Kurs auf ein neues Tief, während der Connors RSI ein höheres Tief bildet (bullische Divergenz), kann sich eine Aufwärtsumkehr andeuten. Umgekehrt weist ein neues Kurshoch bei gleichzeitig niedrigerem Indikatorhoch (bärische Divergenz) auf nachlassendes Momentum hin.

Berechnung des Connors RSI-Indikators
Die Berechnung des Connors RSI erfolgt in mehreren Schritten. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Der Indikator setzt sich aus drei eigenständigen Komponenten zusammen, die jeweils einzeln ermittelt und anschließend gemittelt werden:
- Jede der drei Komponenten wird auf eine eigene Skala von 0 bis 100 gebracht, sodass der Endwert ebenfalls in diesem Bereich liegt.
- Berechnet wird über die Standardperioden 3 (Kurs-RSI), 2 (Streak-RSI) und 100 (PercentRank).
Schritt 1 – Kurz-RSI (Momentum):
Zunächst wird ein Relative Strength Index (RSI) nach Welles Wilder mit sehr kurzer Periode auf die Schlusskurse angewendet. Für CRSI(3,2,100) gilt n = 3.
Die erste durchschnittliche Aufwärts- und Abwärtsbewegung wird als arithmetischer Mittelwert der ersten n Perioden ermittelt. Anschließend werden beide Größen mit Wilders rekursivem Verfahren geglättet. Abwärtsbewegungen gehen dabei als positive Verlustbeträge in die Berechnung ein.
Dabei bezeichnet G den jeweiligen Kursgewinn bzw. 0 und V den positiven Betrag des jeweiligen Kursverlusts bzw. 0. Dasselbe Glättungsverfahren wird in Schritt 2 auf die Streak-Reihe angewendet.
Schritt 2 – Up/Down-Streak (Trenddauer):
Die zweite Komponente misst, wie viele Perioden in Folge der Kurs höher (positiver Wert) oder tiefer (negativer Wert) als der Vortag geschlossen hat. Bei unverändertem Kurs wird der Streak auf 0 zurückgesetzt. Auf diese Streak-Reihe wird anschließend ein RSI mit Periode 2 angewendet.
Schritt 3 – PercentRank (Magnitude der Kursänderung):
Die dritte Komponente bewertet, wie groß die jüngste Tages-Kursänderung im Vergleich zu den letzten 100 Perioden ausfällt. Ermittelt wird der prozentuale Anteil der vergangenen Kursänderungen, die kleiner sind als die aktuelle.
Schritt 4 – Finaler Connors RSI:
Zum Schluss werden die drei Komponenten addiert und durch drei geteilt.
Ein-Perioden-Rendite und konkretes Rechenbeispiel
Für die dritte Komponente wird zunächst die prozentuale Kursänderung gegenüber dem vorherigen Schlusskurs berechnet. Auf Tagesbasis entspricht dies der Ein-Tages-Rendite. Auf einem Intraday-Chart handelt es sich entsprechend um die Veränderung gegenüber der vorherigen Kerze.
Anschließend wird ermittelt, wie viele der vergangenen Ein-Perioden-Renditen kleiner als der aktuelle Wert waren. Angenommen, die drei Komponenten liefern für eine Periode folgende Ergebnisse:
| Komponente | Beispielwert | Interpretation |
|---|---|---|
| RSI(3) | 12 | Die kurzfristige Kursbewegung ist deutlich negativ. |
| RSI(Streak,2) | 8 | Die aktuelle Folge tieferer Schlusskurse liegt nahe am unteren Extrem. |
| PercentRank(100) | 4 | Nur 4 der 100 Vergleichsrenditen waren kleiner als die aktuelle Ein-Perioden-Rendite. |
Der finale Connors RSI beträgt damit:
Mit einem Wert von 8 befindet sich der Indikator unterhalb der üblichen Überverkauft-Schwelle von 10. Das Ergebnis beschreibt eine außergewöhnlich schwache kurzfristige Bewegung, garantiert für sich genommen aber noch keine anschließende Kurserholung.
Typische Connors RSI-Einstellungen
Die Standardkonfiguration lautet CRSI(3,2,100).
- Eine kürzere RSI-Periode macht die Momentum-Komponente reaktionsschneller, aber auch anfälliger für Verzerrungen.
- Eine längere Periode glättet die Kurve und reduziert Fehlsignale.
Der PercentRank-Zeitraum von 100 Perioden bestimmt, gegen wie viele historische Kursänderungen die aktuelle Bewegung eingeordnet wird – ein kürzeres Fenster reagiert stärker auf jüngste Volatilität. Auch die Schwellen lassen sich anpassen: 90/10 sind der Standard, bei sehr volatilen Basiswerten kommen 95/5 zum Einsatz.
Beispiel: Connors RSI-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index Cash mit dem Connors RSI in einem separaten Panel. Gut erkennbar ist, wie der Kurs nach Werten unter 10 zu kurzfristigen Erholungen und nach Werten über 90 zu Rücksetzern neigte.
Connors RSI-Indikator in TradingView erstellen
Der Connors RSI gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SP:SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Connors RSI“ bzw. „CRSI“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der Connors RSI in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (RSI-Periode, Streak-RSI-Periode, PercentRank-Länge) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Connors RSI vs. klassischer RSI und Connors RSI(2)
Die Bezeichnungen Connors RSI, ConnorsRSI und CRSI stehen für denselben zusammengesetzten Indikator. Davon zu unterscheiden ist Larry Connors’ älterer RSI(2)-Ansatz. Dieser verwendet lediglich einen klassischen RSI mit zwei Perioden und ist trotz des ähnlichen Namens nicht mit CRSI(3,2,100) identisch.
| Merkmal | Klassischer RSI(14) | Connors-RSI(2)-Ansatz | Connors RSI beziehungsweise CRSI |
|---|---|---|---|
| Aufbau | Ein einzelner RSI auf Basis der Kursbewegungen | Ein einzelner RSI mit einer Periode von 2 | Mittelwert aus Kurs-RSI, Streak-RSI und PercentRank |
| Typische Parameter | RSI(14) | RSI(2) | CRSI(3,2,100) |
| Typische Extremzonen | 70 und 30 | Häufig 90 und 10 oder noch extremere Schwellen – abhängig von der Strategie | Standardmäßig 90 und 10, teilweise 95 und 5 |
| Hauptzweck | Allgemeine Momentum- und Überkauft-/Überverkauft-Analyse | Kurzfristige Pullbacks mit einem sehr schnellen RSI erkennen | Momentum, Dauer der Kursserie und relative Größe der jüngsten Bewegung gemeinsam bewerten |
| Berechnung | RSI nach Welles Wilder | RSI nach Welles Wilder mit zwei Perioden | [RSI(3) + RSI(Streak,2) + PercentRank(100)] / 3 |
Connors RSI-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Reagiert deutlich schneller als der klassische RSI(14) und eignet sich damit für den kurzfristigen Handel.
- Vereint drei Dimensionen – Momentum, Trenddauer und Magnitude der Kursänderung – in einem einzigen Wert.
- Erzeugt kurzfristig zwar seltener, dafür aussagekräftigere Extremsignale als der Standard-RSI.
- Vollständig offengelegte Formel: Connors Research veröffentlichte zudem simulierte historische Tests für konkret definierte Strategien mit dem Indikator
Schwächen
- Höhere Volatilität – der Indikator schwankt stärker und kann früh ausschlagen.
- Fehlsignale in starken Trends, wenn Extremwerte während einer Fortsetzung auftreten.
- Keine Aussage über Preisziele, er markiert lediglich Extremzonen.
- Empfindlich gegenüber den gewählten Schwellen, die je Basiswert angepasst werden sollten.
- Für langfristig orientierte Anleger wenig geeignet.
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Connors RSI entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- 200-Perioden-Durchschnitt (SMA 200): Als optionaler übergeordneter Trendfilter. Je nach Regelwerk können Long-Setups auf Kurse oberhalb und Short-Setups auf Kurse unterhalb des Durchschnitts begrenzt werden.
- Average Directional Index (ADX): Als Trendstärke-Filter. Die im ursprünglichen Guidebook veröffentlichte ConnorsRSI-Pullback-Strategie verlangt einen 10-Tage-ADX über 30.
- Bollinger Bänder: Eine Kontraktion der Bollinger Bänder in Verbindung mit einem CRSI-Extrem erhöht die Wahrscheinlichkeit einer anschließenden Volatilitätsausdehnung.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrkerzen (z.B. Hammer, Pin Bar) an einem CRSI-Extrem bestätigen einen möglichen Dreh.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein Extremwert an einer relevanten Preiszone wiegt schwerer als ein Signal im „luftleeren Raum“.
Hintergrund und Geschichte des Connors RSI-Indikators
- Ab Mitte der 1990er: Connors Research beginnt mit der Entwicklung, dem Test und der Veröffentlichung quantifizierter Handelsstrategien.
- 2008: Larry Connors und Cesar Alvarez popularisieren mit „Short-Term Trading Strategies That Work“ den 2-Perioden-RSI (RSI(2)) als kurzfristigen Mean-Reversion-Ansatz – die konzeptionelle Vorstufe zum Connors RSI.
- Anfang der 2010er: Aus der Erkenntnis, dass der reine RSI(2) noch zu viele Fehlsignale liefert, entsteht der zusammengesetzte Connors RSI. Formel und Testergebnisse werden im Guidebook „An Introduction to ConnorsRSI“ vollständig offengelegt.
Fazit zu Connors RSI
Der Connors RSI ist ein durchdachter Momentum-Oszillator, der den klassischen RSI für den kurzfristigen Handel schärft, indem er Momentum, Trenddauer und die Größe der Kursbewegung zu einem Wert verdichtet. Er eignet sich vor allem für kurzfristige, regelbasierte Mean-Reversion- und Pullback-Setups.
Wie jeder Oszillator sollte der Connors RSI zusammen mit klar definierten Ein- und Ausstiegsregeln sowie geeigneten Filtern eingesetzt werden. Händler, die tiefer einsteigen möchten, finden die vollständige Herleitung samt Strategie im Guidebook „An Introduction to ConnorsRSI” von Larry Connors, Cesar Alvarez und Matt Radtke.
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