CAGR (jährliche Wachstumsrate) – Erklärung & Berechnung

Autor: - Inhaltlich geprüft von: Philipp Berger

Die CAGR (Compound Annual Growth Rate), auch bekannt als “jährliche Wachstumsrate”, ist eine Kennzahl in der Unternehmensanalyse. Sie schreibt die relative Steigerung eines Basiswertes über einen bestimmten Zeitraum. Dadurch kann die CAGR für die Analyse von Aktien oder Unternehmen von Nutzen sein. Eine Besonderheit der CAGR ist, dass sie nicht auf eine betriebswirtschaftliche Kennzahl als Basis festgelegt ist. Die CAGR kann beispielsweise im Zusammenhang mit Gewinnen, Umsätzen oder Margen und diversen weiteren Betrachtungsgrößen verwendet werden.

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CAGR (Compound Annual Growth Rate) – Definition

Die CAGR (Compound Annual Growth Rate) ist eine flexible Kennzahl zur Abbildung von Wachstum innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Sie kann für diverse betriebliche Kennzahlen und Basiswerte ermittelt werden. Die CAGR nimmt dabei eine Durchschnittsbetrachtung vor. Sind beispielsweise der Umsatz aus dem Jahr 2017 und 2020 bekannt, kann die jährliche Wachstumsrate grundsätzlich ermittelt werden. Das Ergebnis der CAGR-Berechnungen ist eine Prozentangabe, die aussagt, wie stark der betrachtete Wert im Durchschnitt pro Jahr gestiegen ist.

Die betrachtete Größe ist dabei flexibel. Auch wenn dies bei Aktienanalysen sehr verbreitet ist, muss sich die jährliche Wachstumsrate nicht zwingend auf Kennzahlen der Bilanz oder Gewinn- und Verlustrechung (GuV) beziehen. Beispielsweise können auch die Betrachtung von Absatzmengen oder Websiteaufrufen wichtige Erkenntnisse für das Unternehmen oder einen potenziellen Investor bedeuten. Bei Werten mit geringen Schwankungen und zum Zweck einer Ersteinschätzung kann die CAGR eine wichtige Rolle spielen. Je langfristiger die Betrachtung angelegt ist, desto höher ist die Aussagekraft der Kennzahl.

Bei volatilem Basiswert, kurzen Betrachtungszeiträumen oder negativen Werten büßt die jährliche Wachstumsrate dagegen einen großen Teil ihrer Aussagekraft ein. Eine Bewertung von Risiken und ein abschließender Vergleich von Investitionsalternativen ist mit der CAGR folglich nicht möglich.

Wichtig: Der CAGR liegt die Annahme zugrunde, dass die Entwicklung zwischen Anfangswert und Endwert konstant ist. Die Aussagekraft dieser Kennzahl ist folglich bei Unternehmen mit konstantem Wachstum höher, als bei solchen mit stark schwankenden Ergebnissen.

Berechnung der CAGR (Compound Annual Growth Rate)

Die CAGR wird berechnet, indem der gewählte Endwert durch den Anfangswert dividiert wird. Der Wert „n“ in den folgenden Formeln ergibt sich aus der Anzahl der betrachteten Jahre. Genauer gesagt wird die Anzahl der Jahreswechsel gezählt. Angenommen der Anfangswert liegt in 2015 und der Endwert in 2020, ergibt sich ein n von 5. Die Formel zur Ermittlung der CAGR beruht auf dem Konzept des Zinseszinses.

n=letztes~betrachtetes~Jahr-erstes~betrachtetes~Jahr

Durch die Division von Endwert und Anfangswert wird als Zwischenergebnis das gesamte Wachstum über den Betrachtungshorizont ermittelt. Die Verwendung der n-ten Wurzel sorgt für eine Aufteilung dieser Wachstumsraten auf die einzelnen Jahre. Aufgrund des Zinseszinses ist eine einfache Division durch die Anzahl der Jahre nicht möglich. Durch die Subtraktion von 1 und der Multiplikation mit 100 ergibt sich der endgültige Prozentwert.

CAGR=(\sqrt[n]{\frac{Endwert}{Anfangswert}}-1)*100

Dadurch, dass mathematisch der Exponent „1 durch n“ identisch mit der n-ten Wurzel ist, ergeben sich zwei mögliche Formeln, die zum selben Ergebnis führen.

CAGR=((\frac{Endwert}{Anfangswert})^\frac{1}{n}-1)*100

Herleitung der Formel für die jährliche Wachstumsrate

Die Formel zur Ermittlung der järhlichen Wachstumsrate können Investoren, die das Konzept der Zinseszinsrechnung verstanden haben, anschaulich herleiten. Ausgangspunkt ist die Zinseszinsformel.

Endwert=Anfangswert*(1+Zinssatz)^{Jahresanzahl}

Anfangswert = C0 | Zinssatz = p | Jahresanzahl = n

Der Zinssatz entspricht inhaltlich der Wachstumsrate und ist folglich die gesuchte Unbekannte. Daher muss die Formel nach dem Zinssatz aufgelöst werden. Im ersten Umformungsschritt wird die Formel durch den Anfangswert geteilt. Es ergibt sich folgende Formel:

\frac{Endwert}{Anfangswert}=(1+Zinssatz)^{Jahresanzahl}

Um den Exponenten „n“ oder auch „Jahresanzahl“ aufzulösen, wird die n-te Wurzel verwendet.

1+Zinssatz=(\sqrt[n]{\frac{Endwert}{Anfangswert}})

Nach der Subtraktion der 1 vor dem Zinssatz ergibt sich die oben stehende CAGR-Formel. Die Multiplikation mit 100 wird ergänzt, damit das Ergebnis als Prozentwert dargestellt wird.

Sonderfall: CAGR-Berechnung mit negativen Werten

Aufgrund ihrer mathematischen Struktur kann die CAGR-Formel nicht immer angewendet werden. In bestimmten Konstellationen, insbesondere bei einem negativen Anfangswert, lassen sich keine sinnvollen Lösungen ermitteln. In der folgenden Liste sind alle denkbaren Konstellationen von Anfangs- und Endwerten aufgeführt und werden auf die Anwendbarkeit der CAGR untersucht.

Beispiel: Wenn der Anfangswert null ist und sich dann zu einem positiven Endwert entwickelt, ist bereits das Ergebnis der Division „Endwert durch Anfangswert“ eine Division durch 0. Diese ist nicht möglich, beziehungsweise ergibt eine unendlich große Zahl. Ein solches Ergebnis kann für eine Unternehmensanalyse nicht nutzbringend verwendet werden.

Anfangswert Endwert Ergebnis
Positiv Positiv Verwendbar
Positiv Null Verwendbar
Positiv Negativ Nicht verwendbar
Null Positiv Nicht verwendbar
Negativ Positiv Nicht verwendbar
Negativ Null Nicht verwendbar
Negativ Negativ Verwendbar bei steigenden Werten
Nicht verwendbar bei sinkenden Werten

Merke: Eine negative CAGR ist ohne Weiteres möglich, weil sich ein absolut positiver Wert gegenüber dem Anfangswert verringern kann. Erst, wenn beispielsweise der Gewinn eines Unternehmens zu einem der beiden Zeitpunkte negativ ist, kann die CAGR nicht mehr berechnet werden.

CAGR – Interpretation & Bedeutung

Die CAGR (Compound Annual Growth Rate) ist keine exakte Kennzahl, sondern gibt die langfristige Entwicklung eines Unternehmens wider. Es handelt sich also eher um eine schematische Darstellung aufgrund der Durchschnittsbildung. Dennoch kann diese Darstellungsform Vorteile und Chancen bieten. Auf Sicht von mehreren Jahren wird beispielsweise die Vergleichbarkeit gegenüber anderen Unternehmen erhöht. Mithilfe der CAGR kann ein Unternehmen mit starken Schwankungen mit solchen Unternehmen verglichen werden, das sich konstanter entwickeln.

Ein Anwendungsgebiet der CAGR ist auch der Vergleich mehrerer Kennzahlen eines einzelnen Unternehmens. Beispielsweise können der Umsatz, die Reklamationsrate und die Kundenzufriedenheit mittels der CAGR abgebildet werden. Für sich allein ist die Aussagekraft der Werte begrenzt, aber wenn eine positive CAGR für den Umsatz einer negativen CAGR für die Kundenzufriedenheit gegenübersteht, kann eine nähere Analyse notwendig sein. Das Ergebnis könnte bedeuten, dass der Service oder die Produktqualität aufgrund der gesteigerten Absatzmenge gesunken sind.

Private Anwendung der jährlichen Wachstumsrate

Als eine der wenigen betriebswirtschaftlichen Kenngrößen kann die CAGR auch privat von Investoren verwendet werden. Die Formel ändert sich dabei nicht.

Angenommen ein Hausbesitzer möchte ermitteln, wie viel Rendite er mit einem gegebenen Kapital jährlich erreichen muss, um in 15 Jahren die Restschuld seines Immobilienkredites abzulösen. Die Restschuld wird zum Ende der Zinsbindung 150.000 Euro betragen. Das Startkapital beträgt 50.000 Euro. Dieses soll innerhalb von 15 Jahren so vermehrt werden, dass es mindestens 150.000 Euro abdeckt. Aus mathematischer Sicht sind ein Anfangswert, ein Endwert und eine Dauer gegeben. Diese müssen lediglich in die CAGR-Formel eingesetzt werden.

CAGR=(\sqrt[15]{\frac{150.000~EUR}{50.000~EUR}}-1)*100=7,60~\%

Der Hausbesitzer muss mit seinem Startkapital von 50.000 Euro folglich eine jährliche Rendite von 7,60 % netto erreichen, damit er nach 15 Jahren die Zielsumme von 150.000 Euro erreicht hat.

Nachteile der CAGR

Die größte Einschränkung der CAGR (Compound Annual Growth Rate) ist bereits in den vorherigen Abschnitten deutlich geworden. Da nur eine Gesamtbetrachtung und eine Glättung der Ergebnisse durchgeführt werden, spielen die einzelnen Werte kaum eine Rolle. Sowohl Anomalien im Positiven („Lucky Punch“), wie im Negativen werden kaum berücksichtigt. In der Praxis bedeutet dies, dass der Einfluss von Volatilität nicht in der CAGR berücksichtigt wird. Wie im folgenden Bild zu sehen ist, unterscheidet sich ein Unternehmen mit konstanter Gewinnentwicklung  bezüglich der CAGR nicht von einem Unternehmen mit stark schwankenden Ergebnissen, sofern Anfangs- und Endbetrag identisch sind.

CAGR jährliche Wachstumsrate - Diagramm zum Beispiel
Konstante Gewinnentwicklung vs. schwankende jährliche Ergebnisse

Sowohl im Hinblick auf Unternehmen, als auch bei der Betrachtung von Wertpapierportfolios kann die CAGR nur absolute Veränderungen abbilden. Das bedeutet, dass eine Veränderung des Investitionsvolumens nicht berücksichtigt werden kann. Führt ein Unternehmen beispielsweise eine Kapitalerhöhung durch, damit das zusätzliche Geld für Umsatzsteigerungen verwendet werden kann, steigt dessen Umsatz-CAGR. Gleichzeitig verringern sich jedoch der Wert der Aktie beziehungsweise deren Stimmrecht (Verwässerung). Verglichen mit der CAGR eines direkten Konkurrenten ohne Kapitalerhöhung verliert die Betrachtung des Umsatzes ihre Aussagekraft, weil das eine Unternehmen zusätzliche Mittel hinzugefügt hat und das andere nicht.

Anwendung der CAGR bei Portfolios

In einem Portfolio ist die Wirkung von Einlagen nicht anders. Misst ein Investor seine Rendite mit der CAGR, ist diese Berechnung nur korrekt, wenn in der Zwischenzeit keine weiteren Einlagen getätigt wurden. Andernfalls setzt sich die Differenz aus Anfangs- und Endbetrag nicht nur aus der Rendite zusammen, sondern auch aus performanceneutralen Bewegungen (Einlagen oder Entnahmen).

Grenzen der jährliche Wachstumsrate bei Prognosen

Unabhängig der genannten Grenzen der CAGR existiert keine Möglichkeit mit dieser Kennzahl Prognosen aufzustellen. Die CAGR wird rein vergangenheitsorientiert ermittelt und berücksichtigt keine Faktoren, die die Zukunft betreffen. Daher hat eine hohe CAGR keine Aussagekraft darüber, ob die Wachstumsrate auch zukünftig auf diesem Niveau verweilen kann. Je kürzer der zugrunde liegende Zeitraum, desto mehr leidet die Aussagekraft zusätzlich.

Wichtig: Einem Investor sollte bewusst sein, dass der Zeitraum für die Ermittlung der CAGR frei wählbar ist. Wenn diese Kennzahl also beispielsweise in dem Prospekt eines Finanzproduktes erwähnt wird, ist es entscheidend, welcher Zeitraum ihr zugrunde liegt. Angenommen ein Fondsmanager hat in den letzten 10 Jahren deutliche Verluste erwirtschaftet und ein ursprünglicher Anlagebetrag von 100.000 Euro war vor 7 Jahren nur noch 20.000 Euro wert. Danach konnte sich der Wert auf 40.000 Euro erholen. Die CAGR auf 10 Jahre liegt bei -8,76 %. Werden dagegen nur die letzten drei Jahre als Basis genutzt, liegt die CAGR bei 25,99 %. Beide Werte sind korrekt, der zweite Wert wurde jedoch bewusst positiv dargestellt.

Beispiel für die Anwendung der CAGR

Angenommen ein Investor hat einen Betrag in Aktien von Coca-Cola und Pepsi investiert. Er möchte vergleichen, welches Investment ihm eine höhere Wachstumsrate seines Kapitals liefern konnte und wie hoch diese tatsächlich ausgefallen ist. Dafür stehen ihm folgende Angaben zur Verfügung.

Betrachtungszeitraum: 10 Jahre
Anfangsbetrag 01.02.2010: jeweils 5.000 Euro
Endbetrag Coca-Cola 01.02.2020: 13.947,37 Euro
Endbetrag Pepsi 01.02.2020: 14.883,72 Euro

– Die Dividenden der Unternehmen werden aus Vereinfachungsgründen nicht mit berücksichtigt. –

CAGR~Coca~Cola=(\sqrt[10]{\frac{13.947,37~EUR}{5.000~EUR}}-1)*100=10,80\%

CAGR~Pepsi=(\sqrt[10]{\frac{14.883,72~EUR}{5.000~EUR}}-1)*100=11,53\%

Die CAGR von Pepsi ist somit gegenüber der von Coca-Cola um 0,7 % pro Jahr höher. Diese Aussage kann der Investor nur für den definierten Zeitraum treffen. Entwicklungen außerhalb dieser 10 Jahre werden nicht berücksichtigt. Da beide Unternehmen in einer Branche tätig sind, könnte der Investor den Schluss daraus ziehen, dass Pepsi das bessere Investment dargestellt hat. Hierbei wird die zukünftige Entwicklung jedoch nicht berücksichtigt.

Außerdem kann dann Investor nicht davon ausgehen, dass die Volatilität beider Titel identisch war. In diesem Beispiel ähneln sich die Kursverläufe zwar stark, was aber mehr durch die robuste Branche, als durch die CAGR begründet werden kann.

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