Relative Strength Index (RSI) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

Autor: Philipp Berger

Der Relative Strength Index (RSI) ist einer der meistverwendeten Momentum-Oszillatoren in der technischen Analyse. Er misst die Geschwindigkeit und das Ausmaß von Kursbewegungen auf einer Skala von 0 bis 100 und hilft Händlern dabei, überkaufte und überverkaufte Marktzustände zu identifizieren. Für kurzfristige Händler wie auch für langfristige Investoren kann der RSI wertvolle Hinweise auf mögliche Trendwenden und die innere Stärke eines Basiswerts liefern.

🔴Live-Webinar am 03.08.2026 um 18:30 Uhr

Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren

Einführung: Optionsstrategien für alle MarktlagenLerne in unserem kostenlosen Live-Webinar, wie du an der Börse ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust.


Zusatzeinkommen an der Börse - so funktioniert's

Handeln mit System: Investieren ohne Bauchgefühl

Gute von schlechten Aktien unterscheiden können

Mit nur wenig Zeitaufwand möglich
Community-Mitglieder
Bereits 11.000+
Teilnehmer

🔴Live-Webinar
am 03.08.2026 um 18:30 Uhr

Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren

Einführung: Optionsstrategien für alle MarktlagenLerne in unserem kostenlosen Live-Webinar, wie du an der Börse ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust.


Zusatzeinkommen an der Börse - so funktioniert's

Handeln mit System: Investieren ohne Bauchgefühl

Gute von schlechten Aktien unterscheiden können

Mit nur wenig Zeitaufwand möglich
Community-Mitglieder
Bereits 11.000+
Teilnehmer

Relative Strength Index (RSI) im Überblick

Indikator-Steckbrief: RSI
Kategorie Momentum
Darstellung Oszillator (Separates Panel)
Standardparameter Periode: 14 (Wilder-Glättung)
Wertebereich 0–100 (Oszillator); Schwellen: 30 (überverkauft) / 70 (überkauft)
Typische Zeitrahmen Intraday (1 Min – 4 Std), Daily, Weekly
Märkte Aktien, Futures, Forex, Kryptowährungen – universell einsetzbar
Entwickelt von J. Welles Wilder Jr. (1935–2021), veröffentlicht 1978

Relative Strength Index (RSI): Signale und Interpretation

Der RSI-Indikator liefert mehrere Signaltypen, darunter Überkauft-/Überverkauft-Zustände und Divergenzen. Entscheidend ist, diese Signale im Kontext des übergeordneten Trends zu bewerten.

Beispielhafte Darstellung des Relative Strength Index (RSI)
Der RSI-Indikator (Relative Strength Index) misst die Stärke und Dynamik von Kursbewegungen. Werte über 70 deuten auf einen überkauften Markt (mögliches Verkaufssignal) hin, während Werte unter 30 auf einen überverkauften Markt (mögliches Kaufsignal) hindeuten.

Kaufsignal

Ein bullisches Signal entsteht, wenn der RSI in den überverkauften Bereich unter 30 fällt und anschließend wieder über diese Schwelle ansteigt. Der Rückstieg signalisiert, dass der Verkaufsdruck nachlässt und eine Gegenbewegung wahrscheinlicher wird.

Zusätzlich kann ein Bullish Failure Swing als stärkeres Kaufsignal gewertet werden: Der RSI fällt unter 30, steigt, fällt erneut – bleibt dabei aber über 30 – und durchbricht dann das vorherige Zwischenhoch. Ein Kreuzen der Mittellinie (50) von unten nach oben bestätigt zudem den Wechsel zu überwiegend positiver Kursdynamik.

Typische Kaufsignale des Relative Strength Index (RSI)
Typische Kaufsignale des Relative Strength Index (RSI). Ein klassisches Kaufsignal entsteht, wenn der RSI nach einer überverkauften Marktphase wieder über die Marke von 30 ansteigt. Ein stärkeres Signal kann durch einen Bullish Failure Swing bestätigt werden, bei dem der RSI ein Zwischenhoch überwindet und anschließend die 50-Linie überschreitet.

Verkaufssignal

Spiegelbildlich wird ein bärisches Signal generiert, wenn der RSI über 70 steigt und anschließend unter diese Marke zurückfällt. Der Rückfall deutet darauf hin, dass die Aufwärtsdynamik nachlässt.

Ein Bearish Failure Swing verstärkt das Signal: Der RSI steigt über 70, fällt, steigt erneut – erreicht aber nicht mehr 70 – und unterschreitet dann das vorherige Zwischentief. Ein Unterschreiten der 50er-Linie kann als zusätzliche Bestätigung für einen Trendwechsel ins Negative dienen.

Typische Verkaufssignale des Relative Strength Index (RSI)
Typische Verkaufssignale des Relative Strength Index (RSI). Ein klassisches Verkaufssignal wird generiert, wenn der RSI nach einer überkauften Marktphase unter die Marke von 70 zurückfällt. Ein Bearish Failure Swing liefert ein zusätzliches Bestätigungssignal, indem der RSI ein Zwischentief unterschreitet und anschließend unter die 50-Linie fällt.

Neutraler Bereich

Bewegt sich der RSI dauerhaft im Bereich zwischen 30 und 70, gilt er als neutral. Ein Wert um 50 deutet eher auf einen fehlenden Trend hin. Der RSI ist in Seitwärtsphasen anfällig für häufige Richtungswechsel ohne klare Aussagekraft.

Der neutrale Bereich des Relative Strength Index (RSI)
Der neutrale Bereich des Relative Strength Index (RSI). Schwankt der RSI überwiegend um die Marke von 50, deutet dies auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Kauf- und Verkaufsdruck hin. In dieser Marktphase liegen in der Regel weder überkaufte noch überverkaufte Bedingungen und damit keine eindeutigen Handelssignale vor.

Divergenz

Auch Divergenzen beim RSI können Impulse liefern, insbesondere, wenn sie durch weitere Indikatoren bestätigt werden.

  • Bullische Divergenz: Der Kurs bildet ein tieferes Tief, während der RSI ein höheres Tief ausbildet. Dies deutet darauf hin, dass der Abwärtstrend an Momentum verliert und eine Trendumkehr nach oben bevorstehen könnte.
  • Bärische Divergenz: Der Kurs markiert ein höheres Hoch, der RSI jedoch ein tieferes Hoch. Das zeigt nachlassende Aufwärtsdynamik an und warnt vor einer möglichen Korrektur oder Trendwende nach unten.
Bullische und bärische Divergenzen zwischen Kursverlauf und Relative Strength Index (RSI)
Bullische und bärische Divergenzen zwischen Kursverlauf und Relative Strength Index (RSI). Eine bullische Divergenz entsteht, wenn der Kurs tiefere Tiefs bildet, der RSI jedoch höhere Tiefs ausprägt und damit auf nachlassendes Abwärtsmomentum hinweist. Eine bärische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs höhere Hochs erreicht, der RSI jedoch tiefere Hochs bildet, was auf eine Abschwächung des Aufwärtsmomentums hindeutet.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action erhöht die Zuverlässigkeit der Signale.

Berechnung des Relative Strength Index (RSI)

Die Berechnung des RSI-Indikators erfolgt in mehreren Schritten. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird für jede Periode die Kursveränderung zum Vortag ermittelt:

  • Steigt der Kurs, fließt die Differenz als Gewinn (U) ein. Fällt er, als Verlust (D) – stets als positiver Betrag.
  • Anschließend werden die durchschnittlichen Gewinne und Verluste über die gewählte Periodenanzahl (Standard: 14) berechnet.

Schritt 1 – Kursveränderung je Periode:

U_t = \max(Close_t - Close_{t-1},~0)
D_t = \max(Close_{t-1} - Close_t,~0)

Schritt 2 – Erster Durchschnitt (einfacher Mittelwert über N Perioden):

\overline{U}_{initial} = \frac{1}{N}\sum_{t=1}^{N} U_t
\overline{D}_{initial} = \frac{1}{N}\sum_{t=1}^{N} D_t

Schritt 3 – Fortlaufende Glättung (Wilder-Methode):

\overline{U}_t = \frac{(N-1) \times \overline{U}_{t-1} + U_t}{N}
\overline{D}_t = \frac{(N-1) \times \overline{D}_{t-1} + D_t}{N}

Schritt 4 – Relative Stärke (RS) und RSI:

RS = \frac{\overline{U}}{\overline{D}}
RSI = 100 - \frac{100}{1 + RS}

Hinweis:
Die Wilder-Glättung ist eine spezielle Form des exponentiellen Durchschnitts mit dem Glättungsfaktor α = 1/N. Dadurch erhalten jüngere Kursdaten ein höheres Gewicht, während ältere Werte exponentiell abnehmen. Ist der durchschnittliche Verlust gleich null, nähert sich der RS dem Unendlichen – der RSI wird dann per Definition auf 100 gesetzt. Umgekehrt ergibt ein durchschnittlicher Gewinn von null einen RSI von 0.

Typische RSI-Einstellungen

Der wichtigste einstellbare Parameter des RSI ist die Periodenanzahl (N). Die Standardeinstellung von 14 Perioden geht auf Wilder selbst zurück und bildet einen Kompromiss zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und Signalqualität.

  • Eine kürzere Periode (z. B. 7 oder 9) macht den RSI reaktionsfreudiger – er schwingt häufiger in die Extrembereiche und erzeugt mehr Signale, darunter aber auch mehr Fehlsignale. Daytrader und Scalper nutzen diese Einstellungen häufig, um schneller auf Kursänderungen zu reagieren.
  • Eine längere Periode (z. B. 21 oder 25) glättet den Indikator deutlich. Es werden weniger, dafür aber zuverlässigere Signale erzeugt – geeignet für Swing-Trader und Positionshändler, die kurzfristige Marktschwankungen ausblenden wollen.

Neben der Periodenlänge lassen sich auch die Schwellenwerte anpassen. Die klassischen Grenzen bei 70/30 können bei besonders volatilen Märkten auf 80/20 erweitert oder in trendstarken Phasen asymmetrisch verschoben werden (z. B. 40–80 im Aufwärtstrend, 20–60 im Abwärtstrend – ein Ansatz, der auf Andrew Cardwell zurückgeht).

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: RSI-Indikator im Chart

Der folgende Chart zeigt den S&P Index Cash mit dem 14-Perioden-RSI in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Schwankungen des Oszillators zwischen den klassischen Schwellenwerten 30 und 70.

Relative Strength Index (RSI) in TradingView einstellen

Der RSI-Indikator gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und muss nicht als Skript importiert werden. In wenigen Schritten lässt er sich auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. den S&P 500 über das Symbol „SPX“ oder den E-mini-Future „ES“).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Relative Strength Index“ oder „RSI“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der RSI-Indikator in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Periodenlänge (Standard: 14) sowie die Lage der überkauften/überverkauften Linien (Standard: 70 und 30) anpassen. Unter „Style“ sind Farbe und Liniendarstellung einstellbar.

Hinweis: Eine kürzere Periode macht den Indikator empfindlicher und erzeugt mehr Signale, eine längere glättet den Verlauf und reduziert Fehlsignale.

RSI-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Einfach zu berechnen und intuitiv zu interpretieren – die Skala von 0 bis 100 ermöglicht schnelle Einschätzungen
  • Vielseitig einsetzbar auf nahezu allen Märkten, Assetklassen und Zeitrahmen
  • Divergenzen liefern wertvolle Frühwarnsignale für bevorstehende Trendwenden
  • Bei kürzeren Perioden als vorlaufender Indikator nutzbar, der Extrempunkte vor ihrer tatsächlichen Ausbildung andeutet

Schwächen

  • In starken Trends kann der RSI lange im überkauften oder überverkauften Bereich verharren, ohne dass eine Trendwende eintritt
  • Fehlsignale in trendlosen Seitwärtsphasen (sogenannte Whipsaws) sind häufig
  • Liefert keine Aussage über Preisziele oder die wahrscheinliche Reichweite einer Bewegung
  • Empfindlich gegenüber der gewählten Periodenlänge – unterschiedliche Einstellungen können widersprüchliche Signale erzeugen

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der RSI entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Werkzeugen der technischen Analyse:

  • MACD (Moving Average Convergence Divergence): Bestätigung von Momentum-Signalen und Divergenzen durch einen zweiten Oszillator
  • Bollinger Bänder: Volatilitäts-Kontext für RSI-Extremwerte – ein RSI-Signal an einem Bollinger-Band erhöht die Aussagekraft
  • Gleitende Durchschnitte (SMA/EMA): Trendfilter, um RSI-Signale nur in Trendrichtung zu handeln
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen wie Doji oder Engulfing Pattern als Bestätigung von RSI-Divergenzen
  • Support/Resistance und Fibonacci-Levels: RSI-Signale an relevanten Preiszonen misst Momentum im Kontext

Hintergrund und Geschichte des RSI-Indikators

  • Juni 1978: J. Welles Wilder Jr. stellt den Relative Strength Index erstmals in einem Artikel im Commodities Magazine (ab 2015 Modern Trader) vor.
  • 1978: Im selben Jahr erscheint Wilders Buch „New Concepts in Technical Trading Systems“, das neben dem RSI auch den Parabolic SAR, die Average True Range (ATR) und das Directional Movement Concept (ADX) einführt.
  • 1980er–1990er: Mit der zunehmenden Verbreitung computergestützter Chartanalyse wird der RSI zum Standard-Indikator auf praktisch jeder Handelsplattform weltweit.
  • 1990er–2000er: Constance Brown und Andrew Cardwell erweitern die RSI-Theorie um Konzepte wie Range Shifts, positive/negative Reversals und trendangepasste Schwellenwerte.

Fazit zum Relative Strength Index (RSI)

Der RSI-Indikator ist seit über vier Jahrzehnten ein Eckpfeiler der technischen Analyse. Für die vertiefte Auseinandersetzung empfiehlt sich Wilders Originalwerk „New Concepts in Technical Trading Systems“ (1978) sowie Constance Browns „Technical Analysis for the Trading Professional“ (1999), das die weiterentwickelte RSI-Interpretation nach Cardwell behandelt. Beide Werke sind Standardliteratur der technischen Analyse und bieten fundierte Einblicke über die Grundlagen hinaus.

🔴 Kostenloses Live-Webinar: Optionshandel lernen und Zusatzeinkommen generieren

Lerne in unserem kostenlosen Live-Webinar am 03.08.2026 um 18:30 Uhr, wie du mit dem Optionshandel ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust. Lerne, gute von schlechten Aktien zu unterscheiden und erkenne zuverlässig überteuerte Aktienkurse. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Klicke hier, um dich für das Webinar anzumelden.

DeltaValue GmbH hat 4,89 von 5 Sternen | 279 Bewertungen auf ProvenExpert.com