Positive Volume Index (PVI) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Positive Volume Index (PVI) ist ein kumulativer Volumenindikator, der Kursbewegungen ausschließlich in Perioden mit steigendem Handelsvolumen erfasst. Für den Händler dient der PVI daher vor allem dazu, die Kursentwicklung in Perioden mit zunehmendem Volumen in den übergeordneten Markttrend einzuordnen.
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Positive Volume Index im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Positive Volume Index (PVI) | |
|---|---|
| Kategorie | Volumen |
| Darstellung | Kumulativer Trend-/Volumenindikator (separates Panel) – PVI-Linie mit optionaler Signallinie |
| Standardparameter | Startwert: 1.000; TradingView: 255-Perioden-EMA als langfristige Vergleichslinie |
| Wertebereich | Startwert frei skalierbar; langfristiger Vergleich: Einjahresdurchschnitt, bei TradingView standardmäßig 255-Perioden-EMA |
| Typische Zeitrahmen | Daily oder Weekly im klassischen Ansatz; andere Perioden technisch möglich, historisch jedoch nicht durch Fosbacks ursprüngliche Auswertung abgedeckt |
| Märkte | Vor allem Aktienindizes sowie andere Basiswerte mit geeigneten und konsistenten Volumendaten |
| Entwickelt von | Paul L. Dysart Jr. (1930er-Jahre); heute verbreitete preisbasierte Version: Norman G. Fosback (1970er-Jahre) |
Positive Volume Index – Signale und Interpretation
Der Positive Volume Index (PVI) wird vor allem zur Einordnung des Markttrends anhand jener Perioden eingesetzt, in denen das Handelsvolumen gegenüber der vorherigen Periode steigt. Entscheidend ist dabei seine Position im Verhältnis zu einer langfristigen Vergleichslinie.
- Liegt der PVI über dieser Vergleichslinie, deutet dies darauf hin, dass sich der Markt in Perioden mit zunehmendem Handelsvolumen per saldo positiv entwickelt hat.
- Eine fallende PVI-Linie bedeutet entsprechend, dass an den berücksichtigten Perioden mit höherem Volumen eher Kursverluste dominieren.
Kaufsignal
Ein klassisches Kaufsignal beziehungsweise ein Wechsel in eine bullische Trendkonstellation entsteht, wenn der PVI seinen langfristigen Durchschnitt von unten nach oben überschreitet. Anschließend gilt die Konstellation nach dieser Methode als bullisch, solange der PVI oberhalb seiner Vergleichslinie bleibt.
Verkaufssignal
Ein Verkaufssignal beziehungsweise ein Wechsel in eine bärische Trendkonstellation liegt vor, wenn der PVI seinen langfristigen Durchschnitt von oben nach unten unterschreitet. Solange der PVI darunter bleibt, gilt er nach der klassischen Methode als abwärtsgerichtet.
Neutraler Bereich
In trendlosen Marktphasen kann der Positive Volume Index seine langfristige Vergleichslinie innerhalb kurzer Zeit mehrfach über- und unterschreiten. Dadurch können aufeinanderfolgende Kauf- und Verkaufssignale entstehen, ohne dass sich anschließend eine nachhaltige Trendbewegung entwickelt.
Solche kurzfristigen Richtungswechsel werden in der technischen Analyse häufig als Whipsaws bezeichnet. Sie treten insbesondere dann auf, wenn der PVI nur knapp um seine Vergleichslinie schwankt.
Divergenz
Divergenzen zwischen Kurs und PVI können ergänzend als technische Beobachtung herangezogen werden.
- Erreicht der Kurs beispielsweise neue Hochs, während der PVI zurückbleibt oder fällt, werden diese Hochs von der Kursentwicklung in Perioden mit steigendem Volumen nicht im gleichen Maß begleitet.
- Umgekehrt kann ein steigender PVI bei stagnierenden oder fallenden Kursen zeigen, dass sich die Kursentwicklung gerade in Perioden mit zunehmendem Volumen verbessert.
Trendlinien und zusätzliche Durchschnittslinien
Die PVI-Linie lässt sich grundsätzlich auch mit klassischen Methoden der technischen Analyse untersuchen. Beispielsweise können Trendlinien an markanten Hoch- oder Tiefpunkten eingezeichnet werden.
Teilweise werden zusätzlich kürzere gleitende Durchschnitte eingesetzt, um Veränderungen schneller abzubilden. Ein kürzerer Durchschnitt reagiert früher als die langfristige Vergleichslinie, kann dafür aber auch häufiger die Richtung wechseln.
Solche Varianten gehören allerdings nicht zur klassischen Fosback-Regel.
Berechnung des Positive Volume Index Indikators
Ausgangspunkt für die Berechnung des Positive Volume Index (PVI) sind die Schlusskurse (Close) und das Handelsvolumen aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird der PVI auf einen frei wählbaren Startwert gesetzt (üblich: 1.000). Anschließend entscheidet allein die Volumenentwicklung gegenüber der vorherigen Periode darüber, ob der Wert angepasst wird:
- Steigt das Volumen gegenüber der Vorperiode, fließt die prozentuale Kursveränderung in den PVI ein.
- Bleibt das Volumen gleich oder sinkt es, bleibt der PVI unverändert – die Kursbewegung wird für diese Periode ignoriert.
Schritt 1 – Prozentuale Kursveränderung (Rate of Change):
Schritt 2 – Fall A (Volumen steigt):
Schritt 3 – Fall B (Volumen sinkt oder bleibt gleich):
Schritt 4 – langfristige Vergleichslinie:
Fosback verwendete für die klassische Interpretation einen Durchschnitt der PVI-Werte über das vorangegangene Jahr. Moderne Charting-Plattformen können davon abweichende Umsetzungen verwenden.
Positive Volume Index berechnen – einfaches Beispiel
Ein kurzes Zahlenbeispiel veranschaulicht die Berechnung. Ausgangspunkt ist ein PVI von 1.000:
| Periode | Schlusskurs | Volumen | Kursänderung | PVI |
|---|---|---|---|---|
| Tag 1 | 100,00 | 1.000.000 | – | 1.000,00 |
| Tag 2 | 102,00 | 1.100.000 | +2,00 % | 1.020,00 |
| Tag 3 | 103,00 | 900.000 | +0,98 % | 1.020,00 |
| Tag 4 | 101,00 | 950.000 | -1,94 % | 1.000,19 |
Tag 2: Das Volumen steigt von 1.000.000 auf 1.100.000. Deshalb wird die Kurssteigerung von 2 % berücksichtigt:
Tag 3: Obwohl der Kurs weiter steigt, fällt das Volumen auf 900.000. Der PVI bleibt deshalb unverändert bei 1.020.
Tag 4: Das Volumen steigt wieder von 900.000 auf 950.000. Die Kursveränderung gegenüber Tag 3 beträgt rund -1,94 % und wird deshalb in den PVI übernommen:
Das Beispiel zeigt zugleich die Besonderheit des Indikators: Die positive Kursbewegung an Tag 3 wird vollständig ignoriert, weil sie bei niedrigerem Volumen als in der Vorperiode stattfindet.
Typische Positive-Volume-Index-Einstellungen
Der PVI kommt mit wenigen Parametern aus:
- Startwert: Frei wählbare Skalierungsgröße ohne Einfluss auf die relativen Bewegungen des Indikators. TradingView verwendet standardmäßig 1.000.
- Vergleichslinie: Im klassischen Fosback-Ansatz wird der PVI mit seinem Durchschnitt über das vorangegangene Jahr verglichen. TradingView verwendet hierfür standardmäßig einen 255-Perioden-EMA.
- Zeitrahmen: Der klassische PVI kann auf täglichen oder wöchentlichen Daten berechnet werden. Moderne Charting-Plattformen erlauben teilweise auch einen separaten Berechnungszeitraum unabhängig vom angezeigten Chart. Dabei ist zu beachten, dass sich die Länge einer Signallinie immer auf die Anzahl der verwendeten Perioden bezieht: 255 Perioden entsprechen auf einem Tageschart ungefähr einem Handelsjahr, auf einem Wochenchart dagegen 255 Wochen.
Wann steigt oder fällt der Positive Volume Index?
Die Bewegung der PVI-Linie lässt sich direkt aus ihrer Berechnung ableiten. Entscheidend ist zunächst, ob das Handelsvolumen gegenüber der vorherigen Periode gestiegen ist:
- Höheres Volumen und steigender Kurs: Der PVI steigt entsprechend der prozentualen Kursveränderung.
- Höheres Volumen und fallender Kurs: Der PVI fällt entsprechend der prozentualen Kursveränderung.
- Gleiches oder niedrigeres Volumen: Der PVI verändert sich nicht – unabhängig davon, ob der Kurs steigt oder fällt.
Ein steigender PVI zeigt somit, dass sich der Kurs in Perioden mit zunehmendem Volumen per saldo positiv entwickelt hat. Ein fallender PVI steht entsprechend für negative Kursbewegungen in diesen Perioden.
Beispiel: Positive-Volume-Index-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P 500 (Cash) mit dem PVI in einem separaten Panel unterhalb des Kurses. Erkennbar ist das Zusammenspiel des kumulativen PVI mit seiner langfristigen Vergleichslinie. Der PVI berücksichtigt dabei ausschließlich Kursveränderungen in Perioden, deren Volumen höher als in der jeweils vorherigen Periode liegt.
Positive-Volume-Index-Indikator in TradingView erstellen
Der Positive Volume Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf einem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen.
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Positive Volume Index“ beziehungsweise „PVI“ eingeben und den eingebauten Indikator auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der PVI in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol lassen sich unter „Inputs“ unter anderem die EMA-Länge und der Berechnungszeitraum sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Positive-Volume-Index-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Konzentriert die Analyse auf Kursbewegungen in Perioden mit steigendem Volumen
- Einfache und transparente kumulative Berechnungslogik
- Kann zur Einordnung längerfristiger Markttrends über den Vergleich mit einem Einjahresdurchschnitt eingesetzt werden
- Historisch untersuchte Beziehung zu laufenden Bullen- und Bärenmärkten in Fosbacks Stichprobe von 1941 bis 1975
- Ergänzt den Negative Volume Index, der die Kursentwicklung in Perioden mit rückläufigem Volumen betrachtet
Schwächen
- Nachlaufend – eine langfristige Vergleichslinie wie die 255-Perioden-EMA reagiert verzögert auf Trendwechsel
- Anfällig für wiederholte Richtungswechsel beziehungsweise Whipsaws in Seitwärtsphasen
- Die bekannten Wahrscheinlichkeitswerte stammen aus Fosbacks Stichprobe von 1941 bis 1975 und stellen keine aktuellen Trefferwahrscheinlichkeiten dar
- Fosback kam selbst zu dem Ergebnis, dass der PVI gegenüber Advance/Decline-Linie und NVI keinen zusätzlichen Prognosewert lieferte
- Setzt geeignete und konsistente Volumendaten voraus
- Die traditionelle Zuordnung von Perioden mit steigendem Volumen zur breiten Masse ist eine historische Annahme und keine direkte Messung bestimmter Anlegergruppen
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der PVI kann gemeinsam mit anderen Indikatoren und Methoden der technischen Analyse betrachtet werden:
- Negative Volume Index (NVI): Das Gegenstück zum PVI berücksichtigt Kursbewegungen in Perioden mit sinkendem Volumen. Zusammen stellen beide Indikatoren dar, wie sich der Kurs unter unterschiedlichen Volumenbedingungen entwickelt.
- On-Balance-Volume (OBV): Ein weiterer kumulativer Volumenindikator, der Preisrichtung und gesamtes Periodenvolumen nach einer anderen Berechnungslogik miteinander verknüpft und so eine ergänzende Perspektive liefert.
- Gleitende Durchschnitte auf den Kurs: Ein zusätzlicher Preis-Trendfilter kann zeigen, ob die vom PVI angezeigte Richtung auch mit dem übergeordneten Kursverlauf übereinstimmt.
- Price Action / Kerzenmuster: Kursstrukturen und Kerzenformationen können zusätzlichen Kontext zu einer PVI-Konstellation liefern.
- Support/Resistance: Unterstützungs- und Widerstandszonen können genutzt werden, um ein PVI-Signal in den übergeordneten Kurskontext einzuordnen.
Positive Volume Index vs. Negative Volume Index
Das Gegenstück zum Positive Volume Index (PVI) ist der Negative Volume Index (NVI). Während der PVI Kursbewegungen in Perioden mit steigendem Volumen erfasst, berücksichtigt der NVI ausschließlich Perioden mit sinkendem Volumen. Zusammen stellen beide dar, wie sich der Kurs unter unterschiedlichen Veränderungen der Handelsaktivität entwickelt.
| Merkmal | Positive Volume Index (PVI) | Negative Volume Index (NVI) |
|---|---|---|
| Wann verändert sich der Indikator? | Wenn das Volumen gegenüber der vorherigen Periode steigt | Wenn das Volumen gegenüber der vorherigen Periode sinkt |
| Wann bleibt er unverändert? | Bei gleichbleibendem oder sinkendem Volumen | Bei gleichbleibendem oder steigendem Volumen |
| Berücksichtigte Kursbewegung | Prozentuale Kursänderung in Perioden mit steigendem Volumen | Prozentuale Kursänderung in Perioden mit rückläufigem Volumen |
| Traditionelle Interpretation | Historisch mit der Aktivität der breiteren Marktteilnahme in Verbindung gebracht | Historisch mit der Aktivität besser informierter Marktteilnehmer („Smart Money“) in Verbindung gebracht |
| Aussage | Zeigt, wie sich der Kurs während zunehmender Handelsaktivität entwickelt | Zeigt, wie sich der Kurs während rückläufiger Handelsaktivität entwickelt |
| Fosback-Auswertung 1941–1975 | Über Einjahresdurchschnitt: 79 % der Beobachtungen in Bullenmärkten; darunter: 67 % in Bärenmärkten | Über Einjahresdurchschnitt: 96 % der Beobachtungen in Bullenmärkten; darunter: 53 % in Bärenmärkten |
Hintergrund und Geschichte des Positive-Volume-Index-Indikators
- 1930er-Jahre: Der US-amerikanische Markttechniker Paul L. Dysart Jr. entwickelt PVI und NVI ursprünglich als Indikatoren der Marktbreite. Der PVI akkumuliert dabei Advance-/Decline-Informationen an Tagen, an denen das Marktvolumen gegenüber der vorherigen Periode steigt.
- 1970er-Jahre: Norman G. Fosback greift das Konzept in seinem Buch „Stock Market Logic“ auf und verwendet anstelle der Advance-/Decline-Daten prozentuale Veränderungen eines Marktindex. Für seine Signalauswertung vergleicht er den PVI mit seinem Durchschnitt über das vorangegangene Jahr.
- Einordnung durch Fosback: Trotz dieser Beziehung kam Fosback zu dem Schluss, dass der PVI gegenüber der Advance/Decline-Linie und dem Negative Volume Index keinen zusätzlichen Prognosewert lieferte.
- Heute: Durch die Verfügbarkeit in populären Charting-Plattformen findet die Fosback-Version breite Verbreitung und wird zum Standard.
Fazit zu Positive Volume Index
Der Positive Volume Index ist ein kumulativer Volumenindikator, der ausschließlich Kursbewegungen in Perioden mit steigendem Handelsvolumen berücksichtigt. Seine klassische Anwendung liegt in der Einordnung des Markttrends über den Vergleich mit einem Einjahresdurchschnitt.
Wie jeder technische Indikator sollte auch der PVI im Kontext weiterer Marktinformationen und Analysemethoden eingesetzt werden. Wer sich vertiefen möchte, findet die ausführliche historische Darstellung in Norman G. Fosbacks „Stock Market Logic“.
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