Triple EMA (TEMA) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Triple Exponential Moving Average (TEMA) (deutsch: „dreifache EMA“) ist ein gleitender Durchschnitt, der die typische Verzögerung klassischer Durchschnittslinien deutlich reduziert. Er kombiniert dafür einen einfachen, einen doppelt und einen dreifach geglätteten EMA zu einer einzigen Linie, die dem Kursverlauf enger folgt. Für Händler bedeutet das: Trendwechsel werden früher angezeigt als bei einer einfachen EMA – allerdings um den Preis einer höheren Signalanfälligkeit in Seitwärtsphasen.
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TEMA im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Triple Exponential Moving Average (TEMA) | |
|---|---|
| Kategorie | Trend |
| Darstellung | Direkt auf dem Preischart (Overlay) |
| Standardparameter | Periode: 9 (TradingView-Voreinstellung); in der Praxis ebenfalls verbreitet: 20, 21 oder 50 |
| Wertebereich | Unbegrenzt – der TEMA wird in Kurseinheiten des Basiswerts dargestellt |
| Typische Zeitrahmen | Intraday (5 Min – 4 Std) bis Daily; auf Weekly seltener eingesetzt |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | Patrick G. Mulloy, veröffentlicht 1994 in „Technical Analysis of Stocks & Commodities“ |
TEMA-Signale und Interpretation
Der TEMA ist ein reiner Trendindikator. Seine Signale ergeben sich aus der Lage des Kurses zur TEMA-Linie, aus der Steigung der Linie selbst und aus dem Zusammenspiel zweier TEMA-Linien mit unterschiedlichen Perioden. Weil der Indikator dem Kurs enger folgt als ein Exponential Moving Average (EMA) gleicher Länge, kommen die Signale früher – ein Vorteil im Trend, ein Nachteil in der Seitwärtsbewegung.
Kaufsignal
Der Kurs durchbricht die TEMA-Linie von unten nach oben und die Linie beginnt gleichzeitig zu steigen. Im Zwei-Linien-Ansatz gilt der Schnitt eines kurzen TEMA (z.B. 9 Perioden) über einen längeren TEMA (z.B. 21 Perioden) als bullisches Signal (auch bekannt als „Golden Cross“).
Verkaufssignal
Der Kurs fällt unter die TEMA-Linie, während diese nach unten dreht. Analog gilt der Schnitt des kurzen TEMA unter den längeren als bärisches Signal (auch bekannt als „Death Cross“).
Neutraler Bereich
Verläuft der TEMA flach und der Kurs oszilliert um die Linie, liegt kein tragfähiger Trend vor. In diesen Phasen produziert der Indikator gehäuft Fehlsignale (Whipsaws). Sinnvoll ist dann, Signale nur in Richtung eines übergeordneten Trendfilters zu handeln oder auf eine Bestätigung durch Volumen oder Price Action zu warten.
TEMA als dynamische Unterstützung und Widerstand
In einem etablierten Aufwärtstrend kann ein steigender TEMA als dynamische Unterstützungszone dienen. Rücksetzer in Richtung der Linie, denen eine erneute Aufwärtsbewegung folgt, sprechen dafür, dass der bestehende Trend intakt bleibt. In einem Abwärtstrend kann ein fallender TEMA entsprechend als dynamischer Widerstand fungieren.
Dabei handelt es sich nicht um ein punktgenaues Preislevel. Aussagekräftiger sind Zonen um die TEMA-Linie und wiederholte Reaktionen des Kurses. Ob der TEMA diese Funktion beim jeweiligen Basiswert und im betrachteten Zeitrahmen erfüllt, sollte anhand des bisherigen Chartverlaufs geprüft werden.

TEMA als Glättung anderer Indikatoren
Klassische Divergenzen liefert der TEMA nicht, da er kein Oszillator ist. Mulloy selbst wies jedoch darauf hin, dass sich der TEMA als Glättungsverfahren innerhalb anderer Indikatoren einsetzen lässt – etwa als Ersatz für die EMA-Komponenten im MACD (falls angeboten). Ein TEMA-MACD reagiert schneller und kann Divergenzen aufspüren, die dem Standard-MACD noch verborgen bleiben.
Berechnung des TEMA-Indikators
Der TEMA-Indikator ist eine gewichtete Kombination aus drei EMA-Stufen. Als Eingangsreihe dient eine numerische Datenreihe P. In Chartanwendungen ist dies häufig der Schlusskurs. Grundsätzlich kann der TEMA aber auch auf andere Kursreihen oder auf die Werte eines anderen Indikators angewendet werden.
- Zunächst wird ein gewöhnlicher EMA über die gewählte Periodenanzahl N berechnet, anschließend ein EMA dieses EMA und schließlich ein EMA der zweiten Stufe.
- Jede zusätzliche Glättungsstufe erhöht die Verzögerung gegenüber der Eingangsreihe.
- Durch die abschließende Verrechnung der drei Stufen (3× erste Stufe minus 3× zweite Stufe plus dritte Stufe) wird ein Teil dieser Verzögerung kompensiert. Vollständig beseitigt wird sie nicht.
Schritt 1 – Glättungsfaktor und EMA-Grundformel:
Schritt 2 – Erste Glättungsstufe (EMA der Eingangsreihe):
Schritt 3 – Zweite und dritte Glättungsstufe:
Schritt 4 – Finaler Indikatorwert:
Datenbedarf und Startwerte
Wird jede EMA-Stufe erst mit dem einfachen Durchschnitt ihrer ersten N Eingangswerte initialisiert, steht der erste vollständig initialisierte TEMA-Wert theoretisch nach 3N−2 Datenpunkten zur Verfügung. Für einen TEMA mit 21 Perioden wären dies 61 Kerzen.
Charting-Plattformen können jedoch andere Startwerte verwenden oder zusätzliche historische Daten im Hintergrund einbeziehen. Deshalb werden teilweise bereits früher Werte angezeigt, und die ersten TEMA-Werte können sich zwischen Plattformen unterscheiden. Für Vergleiche sollten Kursquelle, Periodenlänge, Datenhistorie und Initialisierungsverfahren übereinstimmen.
Typische TEMA-Einstellungen
Der einzige relevante Parameter ist die Periodenlänge N.
- Kurze Perioden (5–10) machen den TEMA extrem reaktionsschnell und eignen sich für Intraday-Handel – erzeugen aber viele Fehlsignale.
- Mittlere Einstellungen (20–21) sind ein gängiger Kompromiss für Swing-Ansätze auf Tagesbasis.
- Lange Perioden (50 und mehr) glätten den Verlauf spürbar. Hier zeigt sich die Stärke des TEMA besonders deutlich, weil er trotz langer Periode näher am Kurs bleibt als ein EMA gleicher Länge.
Ein häufig genutzter Aufbau kombiniert zwei TEMA-Linien (z.B. 9 und 21), um Kreuzungssignale zu erzeugen. Zusätzlich lässt sich meist die Kursquelle wählen (Close, Open, HL2, HLC3) – die Voreinstellung Close ist in den meisten Fällen sinnvoll.
Beispiel: TEMA-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (SPX) mit dem in TradingView integrierten TEMA (9 Perioden) direkt auf dem Kurschart. Die Anzahl der Perioden kann über den Indikator angepasst werden. Über den Menüpunkt „Mehr” kann beispielsweise eine EMA-Linie hinzugefügt werden, um einen Vergleich durchzuführen.
TEMA-Indikator in TradingView erstellen
Der TEMA ist in TradingView als eingebauter Standard-Indikator verfügbar und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Triple EMA“ bzw. „TEMA“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der TEMA direkt auf dem Kurschart hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Periodenlänge anpassen. Unter „Style“ können Farbe und Linienstärke geändert werden. Eine separate Auswahl der Kursquelle ist beim eingebauten Triple EMA derzeit nicht als Input vorhanden. Für Kreuzungssignale den Indikator ein zweites Mal mit abweichender Periode hinzufügen.
TEMA, DEMA und EMA im Vergleich
Exponential Moving Average (EMA), Double Exponential Moving Average (DEMA) und Triple Exponential Moving Average (TEMA) basieren auf der Exponentialglättung, unterscheiden sich aber in der Art, wie sie die Verzögerung gegenüber der Eingangsreihe behandeln. Bei identischer Periodenlänge reagiert der TEMA in der Regel am schnellsten, während der gewöhnliche EMA stärker glättet und dadurch weniger empfindlich auf kurzfristige Kursschwankungen reagiert.
| Merkmal | EMA | DEMA | TEMA |
|---|---|---|---|
| Berechnung | Eine EMA-Stufe | 2 × EMA1 − EMA2 | 3 × EMA1 − 3 × EMA2 + EMA3 |
| Verzögerung bei gleicher Periode | Am stärksten ausgeprägt | Geringer als beim EMA | In der Regel geringer als bei EMA und DEMA |
| Reaktion auf Kursänderungen | Vergleichsweise ruhig | Schneller | Am empfindlichsten |
| Glättung | Stärker | Mittlerer Kompromiss | Geringer, da die Linie enger am Kurs verläuft |
| Seitwärtsphasen | Weniger, aber spätere Kreuzungssignale | Mehr Fehlsignale als beim EMA möglich | Höchste Whipsaw-Anfälligkeit der drei Varianten |
| Typischer Einsatz | Allgemeiner Trendfilter und längerfristige Trendbeobachtung | Kompromiss aus Reaktionsgeschwindigkeit und Glättung | Frühe Trend- und Kreuzungssignale in klar gerichteten Märkten |
TEMA-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Deutlich geringere Verzögerung als SMA, EMA oder DEMA gleicher Periodenlänge
- Frühere Anzeige von Trendwechseln, was engere Stopps und bessere Einstiege ermöglicht
- Gute Glättung bei langen Perioden, ohne dabei stark hinter dem Kurs zurückzubleiben
- Vielseitig einsetzbar – auch als Glättungskomponente innerhalb anderer Indikatoren (z.B. MACD)
Schwächen
- Anfällig für Fehlsignale und Whipsaws in Seitwärtsphasen
- Neigt zum Overshooting: Die Linie kann über Kursextreme hinausschießen
- Bleibt trotz Optimierung ein nachlaufender Indikator – Trendwechsel werden bestätigt, nicht prognostiziert
- Keine Aussage über Trendstärke oder Preisziele
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der TEMA entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Average Directional Index (ADX): Der TEMA liefert die Trendrichtung, der ADX die Trendstärke. Nur bei ausreichend hohem ADX-Wert werden TEMA-Signale gehandelt – das filtert Whipsaws in Seitwärtsphasen heraus.
- Relative Strength Index (RSI): Als Momentum-Oszillator relativiert der RSI überhitzte TEMA-Signale und warnt davor, in einen bereits weit gelaufenen Trend einzusteigen.
- Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt Kreuzungssignale zweier TEMA-Linien auf Momentum-Ebene. Alternativ lässt sich der MACD selbst auf TEMA-Basis rechnen, wie von Mulloy vorgeschlagen.
- Volumen (z.B. OBV oder VWMA): Steigendes Volumen im Moment des TEMA-Durchbruchs untermauert die Tragfähigkeit des Signals.
- Price Action / Kerzenmuster: Engulfing-Formationen, Pin Bars oder Ausbrüche aus Konsolidierungen an der TEMA-Linie liefern eine unabhängige Bestätigung des Signals.
- Support/Resistance + Fibonacci-Levels: Ein TEMA-Signal, das mit einer relevanten Preiszone zusammenfällt, hat ein besseres Chance-Risiko-Verhältnis, da sich Stopps eng an der Zone platzieren lassen.
Hintergrund und Geschichte des TEMA-Indikators
- Anfang der 1990er: Der Ingenieur und Händler Patrick G. Mulloy sucht nach einem Weg, die systembedingte Verzögerung gleitender Durchschnitte zu reduzieren, ohne deren Glättungswirkung aufzugeben.
- Januar 1994: Mulloy veröffentlicht in „Technical Analysis of Stocks & Commodities“ den Artikel „Smoothing Data with Faster Moving Averages“. Darin stellt er den Double Exponential Moving Average (DEMA) vor und wendet die schnellere Glättung unter anderem auf den MACD an.
- Februar 1994: Im Folgeartikel „Smoothing Data with Less Lag“ führt Mulloy den Triple Exponential Moving Average (TEMA) ein und behandelt auch eine MACD-Variante mit TEMA-Glättung.
Fazit zu TEMA
Der TEMA adressiert ein zentrales Problem klassischer Durchschnittslinien: ihre Verzögerung. Er kann diese deutlich reduzieren, beseitigt sie aber nicht vollständig. Anleger, die Trendfolgestrategien verfolgen und früher reagieren möchten, finden im TEMA eine Alternative, die schneller reagiert, ohne vollständig auf Glättung zu verzichten. Der Preis dafür ist eine erhöhte Empfindlichkeit gegenüber Marktrauschen. In trendlosen Phasen kann deshalb ein zusätzlicher Filter, wie der ADX, hilfreich sein.
Wer die Originalquelle zur Herleitung des TEMA nachlesen möchte, findet sie in Patrick G. Mulloys Artikel „Smoothing Data with Less Lag“ (Technical Analysis of Stocks & Commodities, Ausgabe Februar 1994). Weiterführend behandelt Steve Achelis in „Technical Analysis from A to Z“ die Einordnung des TEMA im Kontext anderer Glättungsverfahren.
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