Know Sure Thing (KST) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Know Sure Thing (KST) im Überblick

Indikator-Steckbrief: Know Sure Thing (KST)
Kategorie Momentum
Darstellung Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts)
Standardparameter ROC-Perioden 10/15/20/30, Glättung (SMA) 10/10/10/15, Signallinie 9 (Daily-Einstellung)
Wertebereich Unbegrenzt – oszilliert um die Nulllinie (positiv/negativ)
Typische Zeitrahmen Daily, Weekly, Monthly – Parameter je Zeitrahmen angepasst
Märkte Auf viele preisbasierte Märkte wie Aktien, Indizes, Devisen, Futures und Kryptowährungen anwendbar
Entwickelt von Martin J. Pring, 1992 (Stocks & Commodities Magazine)

Know Sure Thing (KST) – Signale und Interpretation

Der Know Sure Thing (KST) liefert Momentum-Signale über zwei Hauptmechanismen: das Kreuzen der Signallinie und das Kreuzen der Nulllinie (Centerline). Grundsätzlich gilt: Ein positiver KST-Wert zeigt aufwärts gerichtetes Momentum, ein negativer Wert abwärts gerichtetes.

&P-500-Chart mit Know-Sure-Thing-Indikator, KST-Linie, Signallinie und gestrichelter Nulllinie zur Darstellung des Momentums
Der Know Sure Thing (KST) stellt das zusammengesetzte Momentum über die KST-Linie dar. Die Signallinie dient zur Erkennung von Kreuzungssignalen, während die Nulllinie zwischen positivem und negativem Momentum unterscheidet.

Hinweis: Beim Know Sure Thing-Indikator gibt es keine festgelegten Extremwerte. Historische Extrembereiche können jedoch instrument- und zeitrahmenspezifisch als zusätzlicher Kontext betrachtet werden.

Kaufsignal

Kreuzt die KST-Linie ihre Signallinie von unten nach oben, entsteht ein bullisches KST-Signal und das aufwärts gerichtete Momentum nimmt relativ zur Signallinie zu. Ein Anstieg über die Nulllinie zeigt zusätzlich den Wechsel des zusammengesetzten Momentums in den positiven Bereich an. Pring betonte zusätzlich die Bestätigung durch die Kursentwicklung.

S&P-500-Tageschart mit bullischem Know-Sure-Thing-Signal durch Aufwärtskreuzung der KST- und Signallinie sowie positivem Momentum
Ein bullisches KST-Signal entsteht, wenn die KST-Linie ihre Signallinie von unten nach oben kreuzt. Ein anschließender Anstieg über die Nulllinie und eine entsprechende Kursbewegung können das Signal zusätzlich bestätigen.

Verkaufssignal

Fällt die KST-Linie von oben unter ihre Signallinie, entsteht ein bärisches KST-Signal. Ein Durchbruch der Nulllinie nach unten zeigt zusätzlich den Wechsel des zusammengesetzten Momentums in den negativen Bereich an. Auch hier sollte eine mögliche Trendumkehr anhand der Kursentwicklung bestätigt werden.

S&P-500-Tageschart mit bärischem Know-Sure-Thing-Signal durch Abwärtskreuzung der KST- und Signallinie und Wechsel zu negativem Momentum
Ein bärisches KST-Signal entsteht, wenn die KST-Linie von oben unter ihre Signallinie fällt. Der Durchbruch der Nulllinie nach unten zeigt zusätzlich den Wechsel zu negativem Momentum an.

Neutraler Bereich

Pendelt der KST-Indikator eng um die Nulllinie oder verläuft flach entlang der Signallinie, fehlt ein klarer Momentum-Impuls. Besonders in Seitwärtsphasen können häufige Kreuzungen auftreten. In solchen Situationen sollte das KST-Signal im Zusammenhang mit der übergeordneten Kursentwicklung beurteilt werden.

S&P-500-Chart mit Know-Sure-Thing-Indikator im neutralen Bereich, wobei KST- und Signallinie mehrfach um die Nulllinie pendeln
Pendeln KST und Signallinie eng um die Nulllinie, fehlt häufig ein klarer Momentum-Impuls. Vor allem in Seitwärtsphasen können mehrere Kreuzungen auftreten, weshalb die übergeordnete Kursentwicklung berücksichtigt werden sollte.

Divergenz

Läuft der Kurs auf ein neues Hoch, während der KST ein niedrigeres Hoch bildet, liegt eine bärische Divergenz vor. Bei einem neuen Kurstief und einem höheren KST-Tief entsprechend eine bullische Divergenz.

Eine Divergenz ist zunächst ein Warnhinweis auf nachlassendes bzw. zunehmendes Momentum. Pring empfiehlt deshalb eine Bestätigung durch den Preis selbst, beispielsweise durch einen Trendlinienbruch, die Vollendung einer Kursformation oder ein entsprechendes Moving-Average-Signal.

Kurschart mit Know-Sure-Thing-Indikator und Beispielen für bärische und bullische Divergenzen zwischen Kursentwicklung und KST-Momentum
Divergenzen zwischen Kurs und KST-Indikator können auf eine Veränderung des Momentums hinweisen. Ein höheres Kurshoch bei niedrigerem KST-Hoch gilt als bärische, ein tieferes Kurstief bei höherem KST-Tief als bullische Divergenz.

Hinweis: Pring betonte insbesondere die Bestätigung eines Momentum-Signals durch die Kursentwicklung. Weitere Indikatoren können zusätzlichen Kontext liefern.

Berechnung des Know Sure Thing (KST)-Indikators

Ausgangspunkt für die Berechnung des KST-Indikators sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird für vier verschiedene Zeitfenster die Rate of Change (ROC) ermittelt – also die prozentuale Kursveränderung gegenüber n Perioden zuvor:

  • Für jedes der vier Zeitfenster (Standard: 10, 15, 20 und 30 Perioden) wird ein eigener ROC-Wert berechnet.
  • Jeder dieser vier ROC-Werte wird anschließend mit einem Simple Moving Average (SMA) geglättet, gewichtet und zur finalen KST-Linie summiert.

Schritt 1 – Rate of Change (ROC) je Zeitfenster:

ROC_{n} = \frac{Close_{t} - Close_{t-n}}{Close_{t-n}} \times 100

Schritt 2 – Glättung der vier ROC-Werte (RCMA):
RCMA_{1} = SMA_{10}(ROC_{10}) \quad RCMA_{2} = SMA_{10}(ROC_{15})
RCMA_{3} = SMA_{10}(ROC_{20}) \quad RCMA_{4} = SMA_{15}(ROC_{30})

Schritt 3 – Gewichtete Summe (KST-Linie):

Die Gewichtung steigt vom kürzesten zum längsten ROC-Baustein von 1 auf 4. Dadurch erhalten die längerfristigen Komponenten innerhalb der Summe ein höheres nominales Gewicht.

KST = (RCMA_{1} \times 1) + (RCMA_{2} \times 2) + (RCMA_{3} \times 3) + (RCMA_{4} \times 4)

Schritt 4 – Signallinie:
Signal = SMA_{9}(KST)

Hinweis: Die hier dargestellte SMA-Berechnung entspricht der Standardimplementierung in TradingView. In Prings ursprünglicher KST-Methode existieren jedoch sowohl Varianten mit einfachen als auch mit exponentiellen gleitenden Durchschnitten (EMAs). Später erklärte Pring, dass er für den KST überwiegend die EMA-Variante verwendet.

Typische Know Sure Thing (KST)-Einstellungen

In der TradingView-KST-Variante teilen sich die neun Parameter in vier ROC-Perioden, vier zugehörige Glättungslängen und eine Signallinien-Periode auf. Kürzere ROC- und Glättungswerte reagieren schneller auf Kursänderungen, schwanken dafür in der Regel stärker. Längere Einstellungen glätten stärker, erhöhen jedoch die zeitliche Verzögerung.

TradingView dokumentiert für unterschiedliche Zeithorizonte folgende von Prings Systematik abgeleitete Parametersätze:

  • Kurzfristig (Daily): KST(10, 15, 20, 30, 10, 10, 10, 15, 9)
  • Mittelfristig (Weekly): KST(10, 13, 15, 20, 10, 13, 15, 20, 9)
  • Langfristig (Monthly): KST(9, 12, 18, 24, 6, 6, 6, 9, 9)

Auf Wochen- und Monatsbasis verläuft der KST-Indikator bei diesen Einstellungen deutlich glatter. Dadurch reagieren Nulllinien-Kreuzungen häufig später, während Signallinien-Kreuzungen früher auf Veränderungen des geglätteten Momentums reagieren können.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Know Sure Thing (KST)-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (Cash) mit dem KST-Indikator in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Signallinien-Kreuzungen, die Wechsel des Momentums anzeigen, sowie die Durchgänge durch die Nulllinie, die den übergeordneten Momentum-Zustand veranschaulichen.

Know Sure Thing (KST)-Indikator in TradingView erstellen

Der Know Sure Thing gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Know Sure Thing“ bzw. „KST“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der KST in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (ROC-Perioden, Glättungslängen, Signallinie) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung von KST- und Signallinie anpassen.

Hinweis: Die TradingView-Standardwerte entsprechen der Daily-Einstellung (10,15,20,30,10,10,10,15,9). Für Wochen- und Monatscharts dokumentiert TradingView alternative Parametersätze.

Know Sure Thing (KST)-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Bündelt vier geglättete ROC-Komponenten unterschiedlicher Zeithorizonte in einer gemeinsamen Momentum-Linie
  • Die Glättung soll kurzfristige Schwankungen und Fehlsignale (Whipsaws) gegenüber ungeglätteten Momentum-Reihen begrenzen
  • Mehrere Interpretationsansätze möglich: Signallinie, Nulllinie, Divergenzen und Trendlinien
  • Parameter lassen sich an unterschiedliche kurz-, mittel- und langfristige Betrachtungshorizonte anpassen

Schwächen

  • Nachlaufend – die verwendeten gleitenden Durchschnitte erzeugen eine systembedingte Verzögerung
  • Historische Extrembereiche sind basiswert- und zeitrahmenspezifisch
  • Nulllinien-Kreuzungen können besonders bei stärker geglätteten Einstellungen deutlich verzögert auftreten
  • Die zahlreichen Parameter schaffen Anpassungsmöglichkeiten, erhöhen bei nachträglicher Optimierung aber auch das Risiko von Overfitting und Data-Snooping
  • Divergenzen können lange bestehen oder mehrfach auftreten, bevor der Preis tatsächlich dreht, und sollten deshalb durch die Kursentwicklung bestätigt werden

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der Know Sure Thing entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Gleitende Durchschnitte (Moving Averages): Können verwendet werden, um die übergeordnete Kursrichtung zu definieren und KST-Signale im Kontext eines bestehenden Trends zu beurteilen.
  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt den nicht standardisiert begrenzten KST um einen Oszillator mit festem Wertebereich und kann damit eine zusätzliche Perspektive auf relative Extremzustände liefern.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Liefert eine weitere Momentum-Perspektive. Stimmen MACD und KST überein, liegt eine zusätzliche technische Bestätigung vor.
  • Price Action / Kursformationen: Trendlinienbrüche, Moving-Average-Signale oder abgeschlossene Kursformationen können zur Bestätigung eines KST-Signals herangezogen werden. Diese Form der Preisbestätigung entspricht auch Prings ursprünglichem Ansatz.
  • Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Preiszonen können helfen, ein KST-Signal in den aktuellen Markt- und Trendkontext einzuordnen.

KST vs. MACD, RSI und Rate of Change (ROC)

Know Sure Thing (KST), Moving Average Convergence Divergence (MACD), Rate of Change (ROC) und Relative Strength Index (RSI) werden häufig zur Beurteilung des Momentums eingesetzt, betrachten Kursbewegungen jedoch aus unterschiedlichen Perspektiven.

Merkmal KST MACD RSI ROC
Grundlage Vier geglättete und gewichtete ROC-Reihen Differenz zweier gleitender Durchschnitte Verhältnis beziehungsweise Stärke positiver und negativer Kursbewegungen Prozentuale Kursänderung über einen einzelnen Zeitraum
Wertebereich Nicht fest begrenzt, oszilliert um Null Nicht fest begrenzt, oszilliert um Null Fest zwischen 0 und 100 Nicht fest begrenzt, oszilliert um Null
Zeithorizonte Verbindet vier ROC-Perioden in einer Linie Vergleicht einen schnellen mit einem langsameren gleitenden Durchschnitt Verwendet eine definierte Berechnungsperiode Verwendet einen einzelnen ROC-Rückblick
Typische Interpretation Signallinie, Nulllinie, Richtung und Divergenzen MACD-/Signallinien-Crossover, Nulllinie, Histogramm und Divergenzen Momentum, relative Extrembereiche und Divergenzen Momentum-Richtung, Nulllinie und relative Extrembereiche
Besonderheit Fasst Momentum mehrerer Zeitfenster zu einer gewichteten Gesamtreihe zusammen Stellt den Abstand zwischen zwei unterschiedlich schnellen Durchschnittsberechnungen dar Standardisierter Wertebereich erleichtert den Vergleich relativer Extremwerte Direkte und vergleichsweise wenig geglättete Messung der prozentualen Kursveränderung

Hinweis: Mehrere ähnliche Momentum-Indikatoren gleichzeitig einzusetzen liefert nicht immer mehr Information, da sich ihre Eingangsdaten und Signalmechanismen teilweise überschneiden.

Hintergrund und Geschichte des Know Sure Thing (KST)-Indikators

  • 1992: Martin J. Pring stellt den Indikator im Stocks & Commodities Magazine unter dem Titel „Summed Rate of Change (KST)“ vor – ursprünglich als Summierte Rate of Change bezeichnet.
  • Konzept: Pring geht davon aus, dass Kurstrends aus dem Zusammenspiel vieler Zeitzyklen entstehen und bedeutende Wenden dann eintreten, wenn mehrere dieser Zyklen gleichzeitig drehen – daher die Kombination von vier ROC-Fenstern.
  • Verbreitung: Durch die Aufnahme in populäre Charting-Plattformen (u.a. TradingView, StockCharts, MetaStock) wurde der KST als eingebauter Standard-Indikator breit verfügbar.

Fazit zu Know Sure Thing (KST)

Der Know Sure Thing ist ein Momentum-Oszillator, der vier geglättete Rate-of-Change-Zyklen zu einem einzigen, gewichteten Signal verdichtet und dabei die längeren Zyklen bewusst stärker gewichtet. Seine Stärke liegt in der Kombination aus Robustheit und Vielseitigkeit. Seine Grenzen in der systembedingten Verzögerung und der fehlenden Eignung für Extremzonen.

Wer den KST einsetzt, sollte Signallinien- und Nulllinien-Kreuzungen im Kontext des übergeordneten Trends lesen und ihn mit weiterer Analyse kombinieren. Vertiefend empfiehlt sich Martin Prings Standardwerk „Technical Analysis Explained“, das Momentum-Indikatoren ausführlich behandelt.

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