Elder Force Index Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Elder Force Index im Überblick

Indikator-Steckbrief: Elder Force Index
Kategorie Volumen / Momentum
Darstellung Oszillator (separates Panel)
Standardparameter EMA-Periode: 13 (kurzfristig auch 2, langfristig 100)
Wertebereich Unbegrenzt, oszilliert um die Nulllinie
Typische Zeitrahmen Daily (auch Intraday und Weekly)
Märkte Aktien, Futures und Krypto, sofern belastbare Volumendaten vorliegen
Entwickelt von Dr. Alexander Elder, 1993

Elder Force Index – Signale und Interpretation

Der EFI schwankt um eine Nulllinie. Positive Werte zeigen, dass der Kaufdruck überwiegt, negative Werte signalisieren Verkaufsdruck. Die Höhe des Ausschlags gibt die Stärke der Bewegung an – also das Zusammenspiel aus Kursveränderung und dazugehörigem Volumen.

Elder Force Index mit Kurschart, EFI-Linie und Nulllinie zur Darstellung von Kauf- und Verkaufsdruck
Aufbau des Elder Force Index: Der EFI kombiniert Kursveränderung und Handelsvolumen. Werte oberhalb der Nulllinie zeigen überwiegenden Kaufdruck, Werte darunter überwiegenden Verkaufsdruck.

Kaufsignal

Der EFI kreuzt von unten nach oben über die Nulllinie bzw. dreht bei steigenden Kursen ins Positive und bestätigt damit einen Aufwärtsimpuls.

Elder Force Index Kaufsignal mit Überschreiten der Nulllinie und anschließend steigenden Kursen
Typisches Kaufsignal beim Elder Force Index: Der EFI steigt aus dem negativen Bereich über die Nulllinie, während sich der Kurs nach oben bewegt. Der positive Ausschlag bestätigt zunehmenden Kaufdruck.

Verkaufssignal

Fällt der EFI bei nachgebenden Kursen unter die Nulllinie, überwiegt der Verkaufsdruck.

Elder Force Index Verkaufssignal mit Unterschreiten der Nulllinie und stark fallendem Kurs
Typisches Verkaufssignal beim Elder Force Index: Fällt der EFI bei sinkenden Kursen unter die Nulllinie, nimmt der Verkaufsdruck zu. Starke negative Ausschläge unterstreichen die Dynamik der Abwärtsbewegung.

Neutraler Bereich

Pendelt der EFI dicht um die Nulllinie und wechselt bei geringem Volumen häufig das Vorzeichen, signalisiert er damit eine Seitwärtsphase.

Elder Force Index im neutralen Bereich mit kleinen Ausschlägen um die Nulllinie während einer Seitwärtsphase
Neutraler Bereich des Elder Force Index: Schwankt der EFI mit kleinen Ausschlägen um die Nulllinie, fehlt eine klare Dominanz von Käufern oder Verkäufern. Dies tritt häufig während seitwärts laufender Märkte auf.

Divergenz

Eine bullische Divergenz entsteht, wenn der Kurs ein neues Tief bildet, der EFI aber ein höheres Tief – ein Zeichen nachlassenden Verkaufsdrucks und möglicher Bodenbildung. Eine bärische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Hoch erreicht, der EFI jedoch schwächer ausfällt.

Bullische und bärische Divergenz beim Elder Force Index durch unterschiedliche Hochs und Tiefs von Kurs und EFI
Divergenzen beim Elder Force Index entstehen, wenn sich Kurs und EFI unterschiedlich entwickeln. Ein höheres EFI-Tief trotz tieferem Kurstief kann auf nachlassenden Verkaufsdruck hinweisen, ein schwächeres EFI-Hoch trotz höherem Kurshoch auf nachlassenden Kaufdruck.

Trendfortsetzung und nachlassende Kraft

Neben Nulllinien-Kreuzungen und Divergenzen lassen sich auch die Hochs und Tiefs des EFI zur Trendbeurteilung heranziehen.

  • Erreicht der Elder Force Index während steigender Kurse ein neues markantes Hoch, bestätigt dies eine zunehmende Kraft der Käufer und kann für eine Fortsetzung des Aufwärtstrends sprechen.
  • Umgekehrt signalisiert ein neues EFI-Tief bei fallenden Kursen starken Verkaufsdruck und bestätigt die laufende Abwärtsbewegung.
  • Flacht der EFI dagegen ab oder bildet deutlich schwächere Ausschläge, obwohl der Kurs seine Bewegung fortsetzt, fehlt der Preisbewegung zunehmend die entsprechende Kombination aus Kursänderung und Volumen. Dies kann ein Warnsignal für nachlassende Trendkraft darstellen.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des Elder Force Index-Indikators

Die Berechnung des Elder Force Index-Indikators erfolgt in wenigen Schritten. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) und das Volumen aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird die Kursveränderung zur Vorperiode ermittelt und mit dem Volumen der aktuellen Periode multipliziert:

  • Liegt der aktuelle Schluss über dem vorherigen (steigender Kurs), fließt der Rohwert positiv ein.
  • Liegt er darunter, wird der Wert negativ. Anschließend wird der Rohwert über die gewählte Periodenanzahl (Standard: 13) per Exponential Moving Average (EMA) geglättet.

Schritt 1 – 1-Perioden-Kraftindex (Rohwert):

FI_{1} = (C_{t} - C_{t-1}) \times V_{t}

Schritt 2 – Glättungsfaktor:
\alpha = \dfrac{2}{n + 1}

Schritt 3 – Geglätteter Kraftindex (EMA):
FI_{n}(t) = \alpha \cdot FI_{1}(t) + (1 - \alpha) \cdot FI_{n}(t-1)

Rechenbeispiel zum Elder Force Index

Angenommen, der Schlusskurs eines Basiswerts steigt von 100 auf 102 und das Volumen der aktuellen Periode beträgt 1.500.000 Stück. Zunächst wird daraus der ungeglättete 1-Perioden-Force-Index berechnet:

Ausgangsdaten:

  • Vorheriger Schlusskurs: 100
  • Aktueller Schlusskurs: 102
  • Aktuelles Volumen: 1.500.000

Schritt 1 – Rohwert berechnen:

FI_{1} = (102 - 100) \times 1{.}500{.}000 = 3{.}000{.}000

Der Rohwert ist positiv, weil der aktuelle Schlusskurs über dem Schlusskurs der Vorperiode liegt. Je größer die Kursveränderung oder das dazugehörige Volumen ausfällt, desto größer wird auch der Ausschlag des Force Index.

Für einen 13-Perioden-EFI beträgt der Glättungsfaktor:

\alpha = \dfrac{2}{13 + 1} = \dfrac{1}{7} \approx 0{,}142857

Angenommen, der geglättete EFI der vorherigen Periode lag bei 1.400.000. Dann ergibt sich:

Schritt 2 – 13-Perioden-EFI berechnen:

FI_{13}(t) = 0{,}142857 \times 3{.}000{.}000 + 0{,}857143 \times 1{.}400{.}000 \approx 1{.}628{.}571

Der positive geglättete Wert zeigt, dass die jüngste Preis-Volumen-Bewegung weiterhin positiven Einfluss auf den EFI hat. Entscheidend ist dabei weniger der absolute Zahlenwert als dessen Verlauf: Vorzeichen, Richtung, Extremwerte und Veränderungen gegenüber früheren EFI-Werten liefern die eigentlichen Interpretationssignale.

Hinweis: Das Vorzeichen des EFI zeigt die Richtung (Kauf- oder Verkaufsdruck), sein Betrag die Intensität aus Kursbewegung und Volumen. Der 1-Perioden-Rohwert ist stark sprunghaft und wechselt häufig das Vorzeichen – erst die EMA-Glättung macht den Indikator brauchbar.

Typische Elder Force Index-Einstellungen

Der EFI wird über die Periode der EMA-Glättung gesteuert. Elder verwendet für den mittelfristigen Trend die Standardeinstellung 13, für kurzfristige Korrekturen die sehr reagible 2 und für den übergeordneten Trend längere Werte wie 100.

  • Eine kürzere Periode reagiert schneller, erzeugt aber mehr Fehlsignale.
  • Eine längere Periode glättet stärker, läuft dafür träger und bestätigt Bewegungen erst verzögert.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Elder Force Index-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500 (Cash) mit dem Elder Force Index in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Vorzeichenwechsel an der Nulllinie sowie Divergenzen, bei denen der EFI die Kursbewegung nicht mehr bestätigt.

Hinweis: Bei Indizes verwendet TradingView die Summe der Volumina seiner Komponenten. Der EFI basiert hier somit auf einem von TradingView definierten Volumenaggregat.

Elder Force Index-Indikator in TradingView erstellen

Der Elder Force Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SP:SPX).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Elder’s Force Index“ bzw. „EFI“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der Elder Force Index in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Glättungsperiode (Standard 13) anpassen sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung ändern.
Elder Force Index-Alarm in TradingView einrichten

Wer die Nulllinien-Kreuzungen des EFI nicht permanent selbst beobachten möchte, kann dafür in TradingView einen technischen Alarm einrichten:

  • Schritt 1: Den Elder Force Index wie oben beschrieben zum Chart hinzufügen.
  • Schritt 2: Auf den EFI im Chart rechtsklicken und „Alarm hinzufügen“ auswählen oder über den Alarm-Manager einen neuen Alarm erstellen.
  • Schritt 3: Unter „Bedingung“ den Elder’s Force Index auswählen.
  • Schritt 4: Für eine Aufwärtskreuzung der Nulllinie den Operator „Aufwärts kreuzend“ mit dem Wert 0 wählen. Für eine Abwärtskreuzung entsprechend „Abwärts kreuzend“ und ebenfalls den Wert 0 verwenden. Soll unabhängig von der Richtung jede Nulllinien-Kreuzung gemeldet werden, kann alternativ „Kreuzend“ gewählt werden.
  • Schritt 5: Anschließend Auslösehäufigkeit und Benachrichtigungsart festlegen. Wer ausschließlich Signale abgeschlossener Kerzen berücksichtigen möchte, kann den Alarm auf eine Auslösung pro Balkenschluss einstellen.

Wird die EFI-Periode nach dem Erstellen eines TradingView-Alarms geändert, sollte der Alarm neu erstellt werden.

Hinweis: Da der EFI auf Volumen basiert, liefert er vor allem bei einer klar definierten Volumenbasis aussagekräftige Ergebnisse. Bei börsengehandelten Futures steht tatsächlich erfasstes Kontraktvolumen zur Verfügung. Bei Cash-Indizes hängt die Volumenbasis dagegen vom Datenanbieter ab. Im Forex-Spot stehen je nach Datenquelle handelsplatz- bzw. brokerspezifische Handelsvolumina oder Tickvolumen zur Verfügung.

Elder Force Index-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Verbindet Preis und Volumen und liefert damit mehr Informationsgehalt als reine Preisoszillatoren
  • Klare Trendbestätigung über die Nulllinien-Logik
  • Flexibel über die EMA-Periode an jeden Zeithorizont anpassbar
  • Divergenzen liefern frühe Hinweise auf mögliche Trendwenden

Schwächen

  • Nachlaufend durch die EMA-Glättung – Signale kommen verzögert
  • Anfällig für Volumenspitzen und Ausreißer, besonders bei kurzen Perioden
  • Benötigt verlässliche Volumendaten, was im Forex-Spot problematisch ist
  • Keine festen Schwellen, absolute Werte sind zwischen Basiswerten kaum vergleichbar

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der Elder Force Index entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Gleitende Durchschnitte (EMA): Sie geben die Trendrichtung vor, während der EFI die Kraft hinter der Bewegung bestätigt – Elder kombiniert ihn im Rahmen seines Triple-Screen-Systems.
  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt den EFI um einen überkauft/überverkauft-Kontext, den dieser selbst nicht liefert.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt Momentum und Trendwechsel und stützt so die EFI-Signale.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an markanten Zonen bestätigen Divergenzen und Nulllinien-Kreuzungen des EFI.
  • Support/Resistance: Ein EFI-Signal im Bereich relevanter Preiszonen gewinnt zusätzlich an Aussagekraft.

Hintergrund und Geschichte des Elder Force Index-Indikators

  • 1993: Dr. Alexander Elder stellt den Force Index in seinem Klassiker „Trading for a Living“ vor. Er definiert drei Kernelemente jeder Kursbewegung: Richtung, Ausmaß und Volumen.
  • 2002: In „Come Into My Trading Room“ vertieft Elder den Indikator und bettet ihn in umfassendere trendfolgende Systeme wie das Triple-Screen-Verfahren ein.
  • Heute: Durch die Verfügbarkeit als eingebauter Indikator in populären Charting-Plattformen wie TradingView hat der EFI breite Verbreitung gefunden.

Fazit zu Elder Force Index

Der Elder Force Index ist ein vielseitiger Volumen- und Momentum-Oszillator, der Kursveränderung und Volumen zu einer einzigen Kennzahl bündelt. Er eignet sich zur Trendbestätigung über die Nulllinie, zum Aufspüren von Korrekturen und zum frühen Erkennen von Divergenzen.

Seine Signale sollten stets durch weitere Indikatoren oder Price Action abgesichert werden, und aussagekräftig ist er nur auf Basiswerten mit belastbaren Volumendaten. Wer sich tiefer einlesen möchte, findet die Grundlagen in Alexander Elders Werken „Trading for a Living“ (1993) und „Come Into My Trading Room“ (2002).

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