Bollinger BandWidth Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Bollinger BandWidth (BBW) ist ein Volatilitätsindikator, der aus den Bollinger Bändern abgeleitet wird und deren Breite in einer einzigen Kennzahl zusammenfasst. Er stellt dar, ob sich der Markt gerade in einer ruhigen Konsolidierung oder in einer bewegten Phase befindet. Für den Händler ist er vor allem nützlich, um Volatilitätswechsel wie den „Squeeze“ frühzeitig zu erkennen, die häufig größeren Kursbewegungen vorausgehen.
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Bollinger BandWidth im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Bollinger BandWidth | |
|---|---|
| Kategorie | Volatilität |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Periode: 20, Standardabweichung: 2 (übernommen von den Bollinger Bändern) |
| Wertebereich | Bei positivem mittleren Band (MB): ≥ 0; bei MB = 0 ist die BandWidth nicht definiert; bei MB < 0 kann sie negativ werden |
| Typische Zeitrahmen | Daily und Weekly, auch Intraday |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | John Bollinger (Bollinger Bänder: frühe 1980er; BandWidth beschrieben in „Bollinger on Bollinger Bands“, 2001) |
Bollinger BandWidth: Signale und Interpretation
Der BBW-Indikator misst die relative Breite der Bollinger Bänder und damit den aktuellen Volatilitätszustand: Ein niedriger Wert („Squeeze“) steht für enge Bänder und geringe Volatilität, ein hoher Wert („Bulge“) für breite Bänder und hohe Volatilität. Die Richtung eines möglichen neuen Trends ergibt sich erst aus dem anschließenden Kursverlauf.
Squeeze (Volatilitätskontraktion)
Fällt die BandWidth im Vergleich zur jüngeren Historie auf ein außergewöhnlich niedriges Niveau, spricht man von einem „Squeeze“. Die Bollinger Bänder liegen dann eng zusammen und die Volatilität ist gering. Ein Squeeze ist zunächst richtungsneutral und stellt für sich genommen weder ein Kauf- noch ein Verkaufssignal dar.
Entscheidend ist der anschließende Kursverlauf:
- Bricht der Kurs aus den engen Bollinger Bändern aus und beginnt die BandWidth gleichzeitig wieder zu steigen, setzt eine Volatilitätsexpansion ein.
- Ein Ausbruch nach oben kann ein bullisches, ein Ausbruch nach unten ein bärisches Setup darstellen.
The Bulge (Volatilitätsspitze)
Steigt die BandWidth im Vergleich zur jüngeren Historie auf ein außergewöhnlich hohes Niveau, wird dies als „The Bulge“ bezeichnet. Der Markt befindet sich dann in einer Phase stark ausgeweiteter Bollinger Bänder bzw. hoher Volatilität.
Solche Volatilitätsspitzen können gegen Ende kräftiger Trendbewegungen auftreten und auf eine fortgeschrittene Marktbewegung oder eine bevorstehende Volatilitätskontraktion hinweisen. Erst wenn der Kurs anschließend Anzeichen einer Trendwende zeigt, kann daraus ein bullisches oder bärisches Reversal-Setup entstehen.
Kaufsignal
Ein bullisches Setup kann sowohl nach einem Squeeze als auch nach einem Bulge entstehen.
- Nach einem Squeeze: Schließt der Kurs oberhalb des oberen Bollinger Bandes und beginnt die BandWidth gleichzeitig wieder zu steigen, liegt ein bullischer Volatilitätsausbruch vor. Dieser kann auf den Beginn oder die Fortsetzung einer Aufwärtsbewegung hindeuten.
- Nach einem Bulge: Tritt eine außergewöhnlich hohe BandWidth nach einer starken Abwärtsbewegung auf, kann dies auf eine fortgeschrittene oder auslaufende Abwärtsbewegung hindeuten. Ein Kaufsignal entsteht daraus jedoch erst, wenn der Kurs anschließend eine bullische Trendwende bestätigt.
Verkaufssignal
Auch ein bärisches Setup kann sowohl nach einem Squeeze als auch nach einem Bulge entstehen.
- Nach einem Squeeze: Schließt der Kurs unterhalb des unteren Bollinger Bandes und beginnt die BandWidth wieder zu steigen, liegt ein bärischer Volatilitätsausbruch vor. Dieser kann auf den Beginn oder die Fortsetzung einer Abwärtsbewegung hindeuten.
- Nach einem Bulge: Erreicht die BandWidth nach einer starken Aufwärtsbewegung ein außergewöhnlich hohes Niveau, kann dies auf eine fortgeschrittene oder auslaufende Aufwärtsbewegung hinweisen. Ein Verkaufssignal entsteht daraus erst, wenn der Kurs anschließend eine bärische Trendwende bestätigt.
Neutraler Bereich
Bewegt sich die BandWidth innerhalb ihrer üblichen historischen Spanne, liefert sie für sich genommen meist kein besonderes Setup.
Berechnung des Bollinger-BandWidth-Indikators
Die Berechnung baut direkt auf den Bollinger Bändern auf. Ausgangspunkt sind die Schlusskurse (Close) aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird aus ihnen ein gleitender Durchschnitt als mittleres Band gebildet, um das herum die beiden äußeren Bänder über die Standardabweichung konstruiert werden:
- Das mittlere Band ist ein Simple Moving Average (SMA) über die gewählte Periode (Standard: 20).
- Oberes und unteres Band ergeben sich, indem ein Vielfaches (Standard: 2) der Standardabweichung zum mittleren Band addiert bzw. davon subtrahiert wird.
Schritt 1 – Mittleres Band (SMA):
Schritt 2 – Standardabweichung der Schlusskurse:
Schritt 3 – Oberes und unteres Band:
Da oberes und unteres Band symmetrisch im Abstand von k·σ um das mittlere Band liegen, entspricht der Zähler genau 2k·σ (bei Standardeinstellung also 4σ). Die BandWidth ist damit im Kern ein durch das mittlere Band normiertes Maß der Standardabweichung. Bei positivem mittleren Band steigt sie mit zunehmender Bandbreite.
Schritt 4 – BandWidth (finaler Indikatorwert):
Die Multiplikation mit 100 drückt das Ergebnis in Prozent aus – ein Wert von 10 bedeutet bei positivem mittleren Band, dass die Bandbreite 10 % des mittleren Bandes beträgt.
Typische Bollinger-BandWidth-Einstellungen
Die BandWidth übernimmt ihre Parameter direkt von den Bollinger Bändern.
- Eine kürzere Periode macht den Indikator reaktionsschneller, aber anfälliger für Störsignale.
- Eine längere Periode glättet stärker und reagiert träger. Ein größerer Standardabweichungs-Faktor verbreitert die Bänder und hebt das absolute BandWidth-Niveau, ein kleinerer verengt sie.
In der Praxis bleiben die meisten Händler bei den Standardwerten (20, 2), da die BandWidth ohnehin relativ zu ihrer eigenen Historie interpretiert wird. Bei deutliche Veränderungen der Periodenlänge kann auch den Standardabweichungsfaktor angepasst werden. John Bollinger nennt für eine vergleichbare Einfassung der Kursbewegungen als Orientierung etwa 1,9 Standardabweichungen bei 10 Perioden, 2,0 bei 20 Perioden und 2,1 bei 50 Perioden.
Beispiel: Bollinger-BandWidth-Indikator im Chart
Der folgende Chart zeigt den S&P 500 (Cash) mit dem Bollinger BandWidth in einem separaten Panel. Gut erkennbar ist der Wechsel zwischen engen Squeeze-Phasen (niedrige BandWidth) und anschließenden Volatilitätsausbrüchen, bei denen sich die Bänder deutlich weiten.
Bollinger-BandWidth-Indikator in TradingView erstellen
Der Bollinger BandWidth gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Bollinger BandWidth“ bzw. „BBW“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der Bollinger BandWidth in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ unter anderem die Periodenlänge („Length“), die verwendete Kursquelle („Source“), der Standardabweichungsfaktor („StdDev“) sowie die Vergleichszeiträume „Highest Expansion Length“ und „Lowest Contraction Length“ einstellen. Unter „Style“ können Farbe und Darstellung angepasst werden.
Bollinger-BandWidth-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Liefert einen quantitativen Messwert für die Marktvolatilität
- Erkennt zuverlässig Squeeze-Phasen, die häufig größeren Bewegungen vorausgehen
- Durch die Normierung gegenüber dem absoluten Kursniveau skalenbereinigt
- Einfach zu berechnen und in praktisch jeder Charting-Plattform verfügbar
Schwächen
- Trifft keine Richtungsaussage – misst ausschließlich Volatilität
- „Eng“ und „weit“ sind relativ und erfordern einen Referenzzeitraum
- Ausbrüche nach einem Squeeze können scheitern (Head-Fakes)
- Nachlaufend, da auf einem gleitenden Durchschnitt basierend
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Bollinger BandWidth entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Bollinger Bänder & %B: Die BandWidth zeigt, wann sich Volatilität aufbaut. Die Bänder selbst und %B veranschaulichen, wo der Kurs relativ zu den Bändern steht und in welche Richtung er ausbricht.
- On-Balance-Volume (Volumen): Ein Ausbruch nach dem Squeeze gewinnt an Aussagekraft, wenn er von steigendem Volumen begleitet wird.
- Average Directional Index (ADX): Zeigt, ob sich nach einem Volatilitätsausbruch Trendstärke aufbaut.
- Price Action / Kerzenmuster: Ausbruchskerzen, Innenstäbe und Konsolidierungsdreiecke bestätigen Squeeze-Situationen.
- Support/Resistance: Ein Ausbruch aus dem Squeeze an einer markanten Kurszone erhöht die Relevanz des Signals.
Bollinger BandWidth vs. Average True Range (ATR)
Bollinger BandWidth und Average True Range (ATR) messen beide Volatilität, verwenden dafür jedoch unterschiedliche Ansätze. Die BandWidth beantwortet vor allem die Frage, wie eng oder weit die Bollinger Bänder im Verhältnis zu ihrer Basis sind. Der ATR misst dagegen die tatsächliche Handelsspanne und berücksichtigt dabei insbesondere auch Kurslücken gegenüber dem vorherigen Schlusskurs.
| Merkmal | Bollinger BandWidth | Average True Range (ATR) |
|---|---|---|
| Berechnungsbasis | Breite der Bollinger Bänder auf Basis der Standardabweichung | True Range aus Tages-/Periodenspanne und gegebenenfalls Abstand zum vorherigen Schlusskurs |
| Normierung | Typischerweise relativ zum mittleren Bollinger Band | Standardmäßig in Preiseinheiten; mit ATR% ist auch eine prozentuale Darstellung möglich |
| Gaps | Fließen über die verwendete Kursreihe und deren Standardabweichung ein | Werden durch die True-Range-Berechnung ausdrücklich berücksichtigt |
| Typische Anwendung | Volatilitätskontraktion und -expansion sowie Squeeze-Phasen erkennen | Größe der tatsächlichen Handelsspanne bzw. Schwankungsintensität beurteilen |
| Richtungssignal | Nein | Nein |
Hintergrund und Geschichte des Bollinger-BandWidth-Indikators
- Frühe 1980er: John Bollinger entwickelt beim Optionshandel die adaptiven Bollinger Bänder, deren Bandbreite sich über die Standardabweichung an die Volatilität anpasst.
- 2001: Im Buch „Bollinger on Bollinger Bands“ stellt er BandWidth und %B als die beiden zentralen, aus den Bändern abgeleiteten Indikatoren vor.
- Ab 2011: Bollinger lässt „Bollinger Bands“ als Marke eintragen. Die BandWidth ist heute fester Bestandteil nahezu aller Charting-Plattformen.
Fazit zu Bollinger BandWidth
Der Bollinger BandWidth reduziert die Information der Bollinger Bänder auf eine Volatilitätskennzahl und eignet sich damit besonders zur Erkennung von Squeeze-Phasen, die häufig größeren Bewegungen vorausgehen.
Als reiner Volatilitätsindikator trifft er keine Richtungsaussage. Erst der anschließende Bandausbruch, idealerweise durch Volumen, ADX oder Price Action bestätigt, liefert ein handelbares Signal. Zur Vertiefung empfiehlt sich John Bollingers Standardwerk „Bollinger on Bollinger Bands“ (2001).
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