Average Directional Index (ADX) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Average Directional Index (ADX) ist ein Trendstärke-Indikator, der 1978 von J. Welles Wilder entwickelt wurde. Er gibt nicht die Marktrichtung an, sondern wie stark die vorherrschende Bewegung ist.Für den Händler dient er damit vor allem als Filter: Er veranschaulicht, ob ein Markt eine Richtung hat – und ob trendfolgende Ansätze überhaupt sinnvoll sind.
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Average Directional Index im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Average Directional Index (ADX) | |
|---|---|
| Kategorie | Trend (Trendstärke) |
| Darstellung | Oszillator in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts. Der offizielle TradingView-ADX zeigt ausschließlich die ADX-Linie, +DI und -DI sind nur in erweiterten Darstellungen enthalten. |
| Standardparameter | DI-Länge: 14, ADX-Glättung: 14 beim offiziellen TradingView-ADX. Community-Skripte können abweichende Eingabefelder und Berechnungen verwenden. |
| Wertebereich | 0–100 (in der Praxis selten über 60) |
| Typische Zeitrahmen | Daily und Weekly; im Intraday-Bereich ab 15 Min sinnvoll einsetzbar |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Rohstoffe, Kryptowährungen |
| Entwickelt von | J. Welles Wilder Jr., 1978 („New Concepts in Technical Trading Systems“) |
ADX-Signale und Interpretation
Der ADX selbst ist richtungsneutral: Ein hoher Wert bedeutet lediglich, dass ein Trend kräftig ist – er kann nach oben oder nach unten verlaufen. Die Steigung die Trendstärke, ob sie gegenwärtig zu- oder abnimmt.
Als grobe Orientierung gilt: Werte unter 20 stehen für eine trendlose Phase, Werte über 25 für einen etablierten Trend, Werte über 40 für einen sehr starken Trend.
| ADX-Bereich | Typische Einordnung |
|---|---|
| Unter 20 | Geringe oder fehlende Trendstärke. Der Wert beweist jedoch keine klar abgegrenzte Seitwärtsrange. |
| 20 bis 25 | Übergangsbereich ohne eindeutige Bestätigung. Die Kursstruktur und die Entwicklung der DI-Linien gewinnen hier besondere Bedeutung. |
| Über 25 | Hinweis auf eine ausgeprägtere Trendphase. Die Richtung ergibt sich aus +DI, -DI und dem Kursverlauf. |
| Über etwa 40 bis 50 | Sehr hohe Trendstärke. Ein solcher Wert stellt jedoch weder ein Handelssignal dar, noch ist er ein Beleg für eine unmittelbar bevorstehende Trendwende. |
ADX-Wert, Steigung und DI-Lage richtig lesen
Die Trendrichtung des ADX-Indikators wird durch die beiden Begleitlinien +DI (Plus Directional Indicator) und -DI (Minus Directional Indicator) angezeigt. Eine erweiterte Darstellung mit diesen beiden Linien kann zusätzlich zeigen, welche gerichtete Bewegung dominiert.

Zusammenspiel von ADX, +DI und -DI im Detail
Die folgende Tabelle bezieht sich auf eine solche Drei-Linien-Darstellung.
| ADX-Verlauf | DI-Konstellation | Interpretation |
|---|---|---|
| ADX steigt | +DI liegt über -DI | Die positive gerichtete Bewegung gewinnt an Stärke. |
| ADX steigt | -DI liegt über +DI | Die negative gerichtete Bewegung gewinnt an Stärke. |
| ADX fällt | +DI liegt über -DI | Die positive Richtung dominiert weiterhin, ihre Trendstärke nimmt jedoch ab. |
| ADX fällt | -DI liegt über +DI | Die negative Richtung dominiert weiterhin, ihre Trendstärke nimmt jedoch ab. |
| ADX niedrig und flach | Häufige DI-Kreuzungen | Es fehlt ein belastbarer Trendfilter. Einzelne Kreuzungen sind entsprechend störanfällig. |
Kaufsignal
Kreuzt +DI den -DI von unten nach oben, zeigt dies, dass die positive gerichtete Bewegung innerhalb des betrachteten Berechnungszeitraums gegenüber der negativen Bewegung an Gewicht gewonnen hat. Die Kreuzung kann daher als potenzielles bullisches Signal interpretiert werden.
Der ADX liefert hierzu ausschließlich Informationen über die gemessene Trendstärke. Ein ADX oberhalb eines gewählten Schwellenwerts, häufig etwa 20 oder 25, deutet nach verbreiteter Interpretation auf eine bereits ausgeprägtere Trendbewegung hin. Ein steigender ADX zeigt dagegen an, dass die gemessene Trendstärke zunimmt. ADX-Niveau und ADX-Steigung sollten deshalb getrennt betrachtet werden.
In einer Darstellung, die nur die ADX-Linie enthält, lässt sich die positive Richtung nicht erkennen. Sie muss aus dem Kursverlauf oder einem zusätzlichen Richtungsfilter abgeleitet werden.
Verkaufssignal
Kreuzt -DI den +DI von unten nach oben, gewinnt die negative gerichtete Bewegung gegenüber der positiven Bewegung an Gewicht. Dies kann als potenzielles bärisches Signal interpretiert werden.
Ein ADX oberhalb des gewählten Schwellenwerts deutet auf eine bereits ausgeprägtere Trendstärke hin. Ein nach oben drehender ADX zeigt dagegen eine Zunahme der gemessenen Trendstärke an. Ein hoher, aber fallender ADX steht somit eher für einen weiterhin ausgeprägten, jedoch schwächer werdenden Trend.
In einer reinen ADX-Darstellung muss die negative Richtung aus der Kursstruktur oder einem zusätzlichen Richtungsfilter hervorgehen.
Neutraler Bereich
Notiert der ADX auf einem niedrigen Niveau, häufig unterhalb eines Orientierungswerts von etwa 20, spricht dies für eine geringe gemessene Trendstärke. DI-Kreuzungen werden in solchen Marktphasen häufig als weniger belastbar angesehen. Ein niedriger ADX ist jedoch nicht in jedem Fall mit einemr Seitwärtsphase gleichzusetzen.
- Ein übergeordneter Auf- oder Abwärtstrend kann fortbestehen, während der ADX niedrig bleibt, wenn sich der Kurs kurzfristig nur schrittweise bewegt, häufige Gegenbewegungen auftreten oder sich die Handelsspannen stark überlappen. Besonders bei einem ADX(14) kann die gemessene kurzfristige Trendstärke deshalb von der über mehrere Monate erkennbaren Kursrichtung abweichen.
- Eine Seitwärtsphase ist dagegen durch überlappende Schwünge, wiederholt getestete Begrenzungen, eine ADX-Linie, die häufig um die Schwellenlinie schwankt, sowie einen geringen Nettokursfortschritt gekennzeichnet.
Trendabschwächung statt Divergenz
Markiert der Kurs beispielsweise ein neues Hoch, während die ADX-Linie ein niedrigeres Hoch ausbildet oder von einem erhöhten Niveau fällt, lässt sich dies als nachlassende gemessene Trendstärke beziehungsweise als ADX-Divergenz beschreiben.
Eine solche Entwicklung kann einer Konsolidierung, einer langsameren Trendfortsetzung oder einer Umkehr vorausgehen. Der ADX allein erlaubt keine Unterscheidung zwischen diesen Möglichkeiten und liefert kein eigenständiges Umkehrsignal.
Berechnung des ADX-Indikators
Die Berechnung des ADX-Indikators erfolgt in mehreren Schritten. Ausgangspunkt sind die Höchst-, Tiefst- und Schlusskurse (High, Low, Close) aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird ermittelt, welcher Teil der Kursbewegung über die Vorperiode hinausgeht – die sogenannte gerichtete Bewegung (Directional Movement):
- Übersteigt das Plus an Höchstkurs das Minus an Tiefstkurs, wird die Aufwärtsbewegung als +DM gewertet. Im umgekehrten Fall zählt die Abwärtsbewegung als -DM. Beide Werte sind nie negativ, mindestens einer von beiden ist stets null.
- Anschließend werden +DM, -DM und die True Range über die gewählte Periodenanzahl (Standard: 14) nach Wilders Glättungsverfahren zusammengefasst und normiert.
Schritt 1 – Gerichtete Bewegung je Periode (+DM / -DM):
Schritt 2 – True Range und Wilder-Glättung (Periode n = 14):
Schritt 3 – Directional Indicators und Directional Index (DX):
Ist die geglättete True Range oder die Summe aus +DI und -DI gleich null, ist der jeweilige Quotient mathematisch nicht definiert. Chartplattformen und Analyseprogramme müssen diesen Sonderfall vor der Division ausdrücklich abfangen.
Schritt 4 – Average Directional Index (finaler Indikatorwert):
Typische ADX-Einstellungen
Der ADX beruht rechnerisch auf zwei Längen: der DI-Länge für die Ermittlung der gerichteten Bewegung und der anschließenden ADX-Glättung.
Beim offiziellen TradingView-ADX stehen beide Werte als separate Eingaben zur Verfügung, obwohl im Chart ausschließlich die ADX-Linie erscheint. Die verbreitete Grundeinstellung beträgt 14 für beide Parameter.
- Eine kürzere DI-Länge lässt die zugrunde liegenden Richtungswerte schneller auf neue Bewegungen reagieren.
- Eine kürzere ADX-Glättung beschleunigt vor allem die Reaktion der ADX-Linie auf Veränderungen der Trendstärke.
Kürzere Einstellungen erzeugen insgesamt eine empfindlichere und unruhigere Darstellung, während längere Einstellungen stärker glätten und später reagieren.
Erweiterte Skripte können andere Eingabefelder verwenden. Beim in den Signalabbildungen eingesetzten Community-Indikator „ADX and DI for v4“ steuert „Len“ die Periodenlänge, während „Th“ den dargestellten Schwellenwert festlegt. Eine separate Eingabe für die ADX-Glättung ist in dieser Version nicht vorhanden. Die angezeigten Werte können deshalb von denen des offiziellen TradingView-ADX mit der Einstellung 14/14 abweichen.
ADX in der Praxis anwenden
1. Trendrichtung zuerst bestimmen
Zunächst wird geprüft, welche Richtung im Kurschart dominiert. Bei der offiziellen TradingView-Darstellung mit nur einer ADX-Linie erfolgt dies beispielsweise anhand der Kursstruktur oder eines gleitenden Durchschnitts. Höhere Hochs und höhere Tiefs sprechen für eine positive Ausrichtung, tiefere Hochs und tiefere Tiefs für eine negative Ausrichtung.
Sind über einen erweiterten Indikator zusätzlich +DI und -DI eingeblendet, können auch diese Linien zur Richtungsbestimmung herangezogen werden. Ein +DI oberhalb des -DI spricht für eine positive gerichtete Bewegung, ein -DI oberhalb des +DI für eine negative gerichtete Bewegung.
2. Ausbrüche mit dem ADX bestätigen
Ein niedriger ADX prognostiziert für sich genommen keinen bevorstehenden Ausbruch. Die Reihenfolge sollte umgekehrt sein: Zuerst verlässt der Kurs eine erkennbare Konsolidierungszone, einen Widerstand oder eine Unterstützung. Anschließend wird geprüft, ob der ADX nach oben dreht und die Trendstärke zunimmt.
Bei einer reinen ADX-Darstellung ergibt sich die Richtung ausschließlich aus dem Ausbruch im Kurschart. Sind zusätzlich DI-Linien eingeblendet, sollte bei einem Ausbruch nach oben idealerweise +DI über -DI liegen. Bei einem Ausbruch nach unten sollte -DI über +DI dominieren.
Steigt der ADX anschließend in Richtung des Bereichs von 20 bis 25 oder darüber, erhält der Ausbruch eine zusätzliche Bestätigung.
4. Optional: DI-Kreuzungen mit Wilders Extrempunktregel filtern
Dieser Schritt setzt voraus, dass +DI und -DI über einen erweiterten ADX-Indikator angezeigt werden. Wilders Extrempunktregel ergänzt ein DI-Kreuzen um eine Bestätigung durch den Kurs:
- Bullisches DI-Kreuzen: Steigt +DI über -DI, wird das Hoch der Kreuzungsperiode als Extrempunkt markiert. Ein möglicher Einstieg wird erst bestätigt, wenn der Kurs dieses Hoch überschreitet.
- Bärisches DI-Kreuzen: Steigt -DI über +DI, wird das Tief der Kreuzungsperiode markiert. Ein mögliches Verkaufssignal wird erst bestätigt, wenn der Kurs dieses Tief unterschreitet.
Durch die zusätzliche Preisbestätigung lassen sich einige kurzfristige DI-Überschneidungen bzw. Berührungen ohne Anschlussbewegung herausfiltern.
Beispiel: ADX-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index mit dem offiziellen TradingView-ADX in einem separaten Panel. Im Widget wird ausschließlich die ADX-Linie mit einer DI-Länge von 14 und einer ADX-Glättung von 14 dargestellt. Die Richtung der jeweiligen Marktbewegung wird deshalb aus der Kursstruktur des Index abgeleitet. Die ADX-Linie ordnet lediglich ein, ob die Trendstärke zu- oder abnimmt.
ADX-Indikator in TradingView erstellen
Der Average Directional Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren. Dabei ist zwischen der offiziellen Ein-Linien-Darstellung und erweiterten Skripten mit zusätzlichen DI-Linien zu unterscheiden:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen, beispielsweise den S&P-500-Index.
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Für die offizielle Darstellung im Suchfeld „Average Directional Index“ beziehungsweise „ADX“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren auswählen. Diese Version zeigt ausschließlich die ADX-Linie und wird auch im eingebetteten Beispiel-Chart dieses Artikels verwendet.
- Schritt 4: Wer zusätzlich +DI und -DI im selben Panel sehen möchte, kann einen entsprechenden DMI- oder Community-Indikator verwenden. Für die Signalabbildungen dieses Artikels wird „ADX and DI for v4“ eingesetzt. Da Community-Skripte von einzelnen Autoren veröffentlicht und verändert werden können, sollten Name, Autor und Version vor der Auswahl überprüft werden.
- Schritt 5: Beim offiziellen ADX lassen sich unter „Inputs“ die Werte „DI Length“ und „ADX Smoothing“ einstellen, üblich sind jeweils 14.
- Unter „Style“ wird nur die Darstellung der ADX-Linie angepasst.
- Beim gezeigten Community-Indikator stehen dagegen die Eingaben „Len“ für die Periodenlänge und „Th“ für den Schwellenwert zur Verfügung. Die Sichtbarkeit und Gestaltung von ADX, +DI und -DI werden dort unter „Style“ festgelegt.
ADX, DMI, DX, +DI und -DI – die Unterschiede
Die Begriffe rund um das Directional Movement System werden nicht auf allen Plattformen einheitlich verwendet. Für die Interpretation ist deshalb eine klare Trennung hilfreich:
| Begriff | Bedeutung und Funktion |
|---|---|
| +DM und -DM | Die gerichteten Rohbewegungen einer einzelnen Periode. +DM erfasst die relevante Bewegung des Hochs nach oben, -DM die relevante Bewegung des Tiefs nach unten. |
| +DI und -DI | Die geglätteten und über die True Range normierten Richtungsindikatoren. Liegt +DI über -DI, dominiert die positive gerichtete Bewegung. Liegt -DI über +DI, dominiert die negative gerichtete Bewegung. |
| DMI | Directional Movement Indicator. Der Begriff bezeichnet häufig das Linienpaar aus +DI und -DI. Einige Plattformen verwenden DMI jedoch für die gesamte Darstellung aus +DI, -DI und ADX. |
| DX | Die unmittelbare Vorstufe des ADX. Der DX bildet die normierte absolute Differenz zwischen +DI und -DI ab, bevor eine weitere Glättung erfolgt. |
| ADX | Der geglättete Durchschnitt der DX-Werte. Er misst die Stärke der gerichteten Bewegung, enthält aber keine Information darüber, ob die Kurse steigen oder fallen. |
ADX-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Misst die Stärke eines Trends unabhängig von dessen Richtung und hilft, schwache von ausgeprägteren Trendphasen zu unterscheiden
- Hervorragend als Filter für trendfolgende Strategien geeignet – auch in Kombination mit anderen Indikatoren
- Durch die Normierung auf 0–100 über Märkte und Zeitrahmen hinweg vergleichbar
- Im vollständigen Directional Movement System können +DI und -DI die Richtungsanalyse ergänzen – die reine ADX-Linie selbst bleibt richtungsneutral
Schwächen
- Stark nachlaufend: Die doppelte Glättung führt zu deutlich verzögerten Signalen
- Der ADX allein sagt nichts über die Trendrichtung aus
- Bei eingeblendeten DI-Linien treten besonders in Seitwärtsphasen häufige Kreuzungen und entsprechende Fehlsignale auf
- Keine Aussage über Einstiegsniveaus, Kursziele oder Stop-Marken
- Der Filter blendet bei Überschreiten einer bestimmten Schwelle neben schlechten auch gute Signale aus
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der ADX entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Moving Average (Gleitender Durchschnitt): Der ADX beantwortet die Frage nach der Trendstärke, der gleitende Durchschnitt die nach der Richtung. Ein Einstieg oberhalb des 200er-MA bei gleichzeitig steigendem ADX verbindet beide Perspektiven.
- Relative Strength Index (RSI): Beide Indikatoren stammen von Wilder und ergänzen sich funktional. Bei niedrigem ADX liefert der RSI brauchbare Überkauft-/Überverkauft-Signale. Bei hohem ADX sind RSI-Extremwerte hingegen typisch für starke Trends und taugen nicht als Umkehrsignal – der ADX schützt hier vor dem klassischen Fehlgriff.
- Average True Range (ATR): Ebenfalls von Wilder und ohnehin Bestandteil der ADX-Berechnung. Die ATR quantifiziert die Volatilität und stellt damit die Grundlage für die Positionsgrößenbestimmung und die Platzierung von Stops im vom ADX bestätigten Trend dar.
- Price Action / Kerzenmuster: Ausbrüche aus Konsolidierungszonen, Innenstäbe oder Engulfing-Muster gewinnen an Aussagekraft, wenn der ADX zeitgleich aus dem niedrigen Bereich nach oben dreht – ein Hinweis darauf, dass der Ausbruch von echter Dynamik getragen wird.
- Support/Resistance und Fibonacci-Levels: Sind DI-Linien eingeblendet, ist ein DI-Kreuzen direkt an einer relevanten Preiszone belastbarer als eine Überschneidung ohne erkennbaren Bezug zur Kursstruktur. Unabhängig von der gewählten Darstellung warnt ein hoher, aber abdrehender ADX an einem Widerstand oder einer Unterstützung vor einer nachlassenden Trendkraft.
Hintergrund und Geschichte des ADX-Indikators
- 1978: J. Welles Wilder Jr. (1935–2021) veröffentlicht „New Concepts in Technical Trading Systems“ und stellt darin neben dem Directional Movement System mit ADX, +DI und -DI auch RSI, Parabolic SAR und die Average True Range vor.
- Ursprung: Wilder war ausgebildeter Maschinenbauingenieur und zunächst in der Immobilienbranche tätig, bevor er sich in den 1970er-Jahren dem Rohstoffhandel und der technischen Analyse zuwandte. Den ADX konzipierte er ursprünglich für Tagescharts von Rohstoffen. Später wurde der Indikator auf weitere Märkte und Zeitrahmen übertragen.
- 1980er–1990er: Mit dem Aufkommen elektronischer Charting-Software werden Wilders Indikatoren zum Standardrepertoire nahezu jeder Handelsplattform – der ADX findet Verbreitung weit über die Rohstoffmärkte hinaus.
- Heute: Der ADX zählt zu den meistgenutzten Trendstärke-Indikatoren und ist in TradingView, MetaTrader und praktisch allen professionellen Systemen fest integriert.
Fazit zum Average Directional Index
Der ADX ist ein Kontextindikator: Er zeigt, ob die aktuelle Marktphase zum gewählten Handelsansatz passt. Genau darin liegt sein Wert, denn trendfolgende Strategien scheitern selten an schlechten Einstiegen, sondern daran, dass sie in Seitwärtsmärkten angewendet werden.
Ein Nachteil ist, dass er träge und nachlaufend ist. Wer den ADX-Indikator isoliert für Timing-Entscheidungen nutzt, wird regelmäßig zu spät kommen. In Verbindung mit Price Action, Volatilitätsmaßen und Risikomanagement bleibt er dagegen einer der nützlichsten Indikatoren der klassischen technischen Analyse.
Weiterführende Literatur: J. Welles Wilder Jr., „New Concepts in Technical Trading Systems“ (Trend Research, 1978) – die Originalquelle, in der neben dem Directional Movement System auch RSI, ATR und Parabolic SAR erstmals beschrieben werden.
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