Advance Decline Line Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Die Advance Decline Line (A/D-Linie) ist ein Marktbreite-Indikator, der die Zahl steigender und fallender Aktien eines Index gegeneinander aufrechnet und kumulativ darstellt. Sie veranschaulicht, wie breit eine Kursbewegung im Markt getragen wird, und hilft dem Händler vor allem dabei, die tatsächliche Stärke eines Trends einzuschätzen und Divergenzen zum Index frühzeitig zu erkennen.
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Advance Decline Line im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Advance Decline Line | |
|---|---|
| Kategorie | Marktbreite (Market Breadth) |
| Darstellung | Separates Panel unterhalb des Kurscharts (kumulative Linie, meist im Vergleich zum Index) |
| Standardparameter | Keine klassischen Glättungsparameter; entscheidend ist der zugrunde liegende Aktienindex (z.B. NYSE, Nasdaq, S&P 500) |
| Wertebereich | Unbegrenzt (kumulativ) – der absolute Wert ist zweitrangig, entscheidend sind Richtung und Divergenz |
| Typische Zeitrahmen | Daily und Weekly (langfristig ausgerichtet) |
| Märkte | Aktienindizes (bspw. NYSE, Nasdaq, S&P 500) |
| Entwickelt von | Datenbasis: Leonard Ayres & James Hughes (1926); popularisiert durch Richard Russell in den 1960ern |
Advance-Decline-Line-Signale und Interpretation
Die A/D-Linie liefert weniger klassische Kauf- und Verkaufssignale als vielmehr eine Einordnung, wie gesund der aktuelle Markttrend ist. Der wichtigste Anwendungsfall ist der Abgleich mit dem zugehörigen Index: Bewegen sich Linie und Index gleichgerichtet, bestätigt das den Trend. Laufen sie auseinander, entsteht ein Warnsignal.
Kaufsignal
Steigt die A/D-Linie parallel zum Index auf neue Hochs, tragen viele Aktien die Aufwärtsbewegung – ein Zeichen für breite Marktbeteiligung und einen intakten Aufwärtstrend. Als bullisch gilt zudem eine steigende A/D-Linie bei gleichzeitig fallendem Index (bullische Divergenz), da sich die Marktbreite trotz rückläufigem Index verbessert. Welche Titel die Indexbewegung bestimmen, lässt sich aus der A/D-Linie allein jedoch nicht ableiten.
Verkaufssignal
Fällt die A/D-Linie gemeinsam mit dem Index, bestätigt das den Abwärtstrend. Besonders relevant ist die bärische Divergenz: Der Index markiert neue Hochs, die A/D-Linie folgt jedoch nicht mehr. Die Marktbeteiligung bestätigt den Indexanstieg in diesem Fall nicht mehr.
Neutraler Bereich
Läuft die A/D-Linie im Gleichlauf mit dem Index ohne erkennbare Divergenz, liefert sie keine eigenständigen Signale. In solchen Phasen dient sie primär der Bestätigung, und der Händler sollte auf zusätzliche Auslöser aus Price Action oder anderen Indikatoren warten.
Divergenz
Die Divergenzanalyse ist der Kern des Indikators. Eine bärische Divergenz (Index steigt, Linie fällt) deutet auf eine schwindende Beteiligung im Aufwärtstrend hin, eine bullische Divergenz (Index fällt, Linie steigt) auf abnehmenden Verkaufsdruck. Divergenzen können jedoch über längere Zeit bestehen, bevor sie sich im Kurs niederschlagen.
Berechnung des Advance-Decline-Line-Indikators
Die Berechnung der A/D-Linie beginnt mit dem Vergleich des aktuellen Schlusskurses jeder Aktie mit ihrem Schlusskurs des vorherigen Handelstags. Dabei werden die Titel des festgelegten Aktienindexes in drei Gruppen eingeteilt:
- Advances: Aktien, deren Schlusskurs über dem Schlusskurs des vorherigen Handelstags liegt.
- Declines: Aktien, deren Schlusskurs unter dem Schlusskurs des vorherigen Handelstags liegt.
- Unchanged: Aktien, deren Schlusskurs gegenüber dem vorherigen Handelstag unverändert geblieben ist.
Schritt 1 – Tagesbreite (Net Advances):
Für die klassische A/D-Linie werden anschließend nur die Advances und Declines miteinander verrechnet. Unverändert geschlossene Aktien erhalten den Wert null und verändern die Tagesbreite nicht:
- Überwiegen die steigenden Aktien, sind die Net Advances positiv und die Linie steigt.
- Überwiegen die fallenden Aktien, sind die Net Advances negativ und die Linie fällt.
- Ist die Zahl der Advances und Declines identisch, bleibt die A/D-Linie gegenüber dem Vortag unverändert.
Schritt 2 – Startwert der Linie:
Schritt 3 – Kumulierung (finaler Indikatorwert):
Berechnungsbeispiel der Advance Decline Line
Das folgende vereinfachte Beispiel verwendet einen konstanten Aktienindex aus 100 Titeln. Als Ausgangswert der A/D-Linie wird vor dem ersten dargestellten Handelstag null angenommen.
| Handelstag | Advances | Declines | Unchanged | Net Advances | A/D-Linie |
|---|---|---|---|---|---|
| Tag 1 | 56 | 39 | 5 | 56 − 39 = +17 | 0 + 17 = 17 |
| Tag 2 | 42 | 51 | 7 | 42 − 51 = −9 | 17 + (−9) = 8 |
| Tag 3 | 61 | 34 | 5 | 61 − 34 = +27 | 8 + 27 = 35 |
- Am ersten Handelstag überwiegen die steigenden Aktien um 17 Titel, sodass die Linie auf 17 steigt.
- Am zweiten Tag sind die Net Advances mit −9 negativ und reduzieren den bisherigen Linienwert auf 8.
- Die positiven Net Advances des dritten Tages erhöhen die A/D-Linie anschließend auf 35.
Die unveränderten Aktien werden zwar zur Kontrolle des gesamten Aktienindexes aufgeführt, gehen aber nicht in die Standardformel ein.
Was die Standardberechnung nicht berücksichtigt: Die klassische A/D-Linie zählt ausschließlich die Richtung der einzelnen Aktien. Ein Kursanstieg von 0,1 % wird daher ebenso als ein Advance erfasst wie ein Anstieg von 10 %. Auch Marktkapitalisierung und Handelsvolumen beeinflussen den Tageswert nicht: Jeder steigende Titel zählt als +1, jeder fallende Titel als −1 und jeder unveränderte Titel als 0.
Typische Advance-Decline-Line-Einstellungen
Die A/D-Linie besitzt keine Perioden- oder Glättungsparameter. Die zentrale „Einstellung“ ist die Wahl des zugrunde liegenden Aktienindexes: Eine auf sämtlichen NYSE-Werten basierende A/D-Linie gilt als besonders aussagekräftig, weil sie sehr viele Titel erfasst.
Enger gefasste Varianten, etwa der S&P-500, reagieren anders und sind stärker von einzelnen Sektoren geprägt. Einige Varianten verwenden zudem das Volumen der steigenden und fallenden Aktien statt ihrer bloßen Anzahl.
Beispiel: Advance-Decline-Line-Indikator im Chart
Der folgende Chart zeigt den S&P-500-Index (Cash) gemeinsam mit der Advance Decline Line in einem separaten Panel. Gut erkennbar ist, wie die Linie den Index in einer breit getragenen Aufwärtsphase bestätigt und wie eine nachlassende A/D-Linie bei weiter steigendem Index auf eine schmaler werdende Marktbeteiligung hinweist.
Advance-Decline-Line-Indikator in TradingView erstellen
Die Advance Decline Line ist in TradingView als eingebauter Indikator verfügbar und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX für den S&P 500).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Advance/Decline Line“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird die Advance Decline Line in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Datenquelle bzw. das Symbol und unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Advance-Decline-Line-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Zeigt die tatsächliche Marktbeteiligung hinter einer Indexbewegung
- Divergenzen können frühzeitig auf nachlassende Trendstärke hinweisen
- Einfaches, transparentes Berechnungsprinzip
- Seit Jahrzehnten bewährt und weit verbreitet
Schwächen
- Die klassische A/D-Linie setzt mehrere Aktien voraus und ist nicht auf einen einzelnen Basiswert anwendbar
- Gleichgewichtung aller Titel – weicht dadurch von kapitalgewichteten Indizes wie dem S&P 500 ab
- Anfällig für Verzerrungen durch Delistings, IPOs und Änderungen im Aktienindex
- Liefert kein präzises Timing – Divergenzen können lange bestehen bleiben
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Die Advance Decline Line entfaltet ihre Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- McClellan Oszillator: Verdichtet dieselben Advance-Decline-Daten zu einem kurzfristigeren Momentum-Signal und ergänzt so die langfristig orientierte A/D-Linie.
- Neue Hochs / Neue Tiefs (New Highs-Lows): Eine zweite Breadth-Perspektive, die bestätigt, ob eine Bewegung wirklich breit getragen wird.
- Gleitende Durchschnitte (auf den Index): Liefern die übergeordnete Trendrichtung, in deren Kontext die Marktbreite eingeordnet wird.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen am Index gewinnen an Gewicht, wenn sie mit einer Breadth-Divergenz zusammenfallen.
- Support/Resistance: Eine Divergenz der A/D-Linie an einer relevanten Kurszone erhöht die Wahrscheinlichkeit einer dort einsetzenden Reaktion.
Hintergrund und Geschichte des Advance-Decline-Line-Indikators
- 1926: Colonel Leonard Ayres, Ökonom und Marktanalyst bei der Cleveland Trust Company, wertet gemeinsam mit James Hughes erstmals Advance-Decline-Daten aus, um den Markt jenseits reiner Kursdurchschnitte zu betrachten.
- 1931: Die Wochenzeitung Barron’s beginnt mit der regelmäßigen Veröffentlichung von Advance-Decline-Zahlen.
- 1960er: Richard Russell (Dow Theory Letters) und Joseph Granville machen den Indikator populär – unter anderem, weil eine Divergenz das Markthoch von 1961/62 vorwegnahm.
Fazit zu Advance Decline Line
Die Advance Decline Line ist einer der klassischen Marktbreite-Indikatoren und weniger ein Timing-Instrument als vielmehr ein Barometer für die „Gesundheit“ eines Trends. Ihr größter Nutzen liegt in der Divergenzanalyse: Wenn ein Index steigt, die Beteiligung dahinter aber bröckelt, stellt die Linie diese Schwäche dar, bevor sie sich im Kurs zeigt.
Als eigenständiges Signalinstrument ist sie ungeeignet – im Verbund mit Trend- und Momentum-Indikatoren sowie Price Action liefert sie jedoch wertvollen Kontext. Weiterführende Grundlagen finden sich unter anderem in den historischen Darstellungen zur Advance-Decline-Datenanalyse (u.a. Ayres/Hughes, Richard Russell).
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