Hull Moving Average (HMA) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Hull Moving Average im Überblick

Indikator-Steckbrief: Hull Moving Average (HMA)
Kategorie Trend
Darstellung Direkt auf dem Preischart (Overlay)
Standardparameter Periode: je nach Plattform 9 bis 20; verbreitet sind zudem 16, 21, 55 und 200
Wertebereich Unbegrenzt – die Linie bewegt sich auf Höhe des Kursniveaus
Typische Zeitrahmen Universell – von Intraday über Daily bis Weekly
Märkte Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar
Entwickelt von Alan Hull, 2005

Hull-Moving-Average-Signale und Interpretation

Der HMA wird wie andere gleitende Durchschnitte gelesen, reagiert aber deutlich schneller. Die wichtigsten Signale ergeben sich aus der Richtung der Linie und aus ihren Wendepunkten – nicht aus Kreuzungen mehrerer HMAs, wie weiter unten erläutert wird.

HMA-Indikator (Funktionsweise/Aufbau)
Die Hull Moving Average kombiniert eine schnelle Reaktionsfähigkeit mit einer vergleichsweise glatten Linienführung. Dadurch eignet sie sich gut zur Einschätzung von Trendrichtung, Dynamik sowie möglichen Trendwechseln.

Kaufsignal

Im übergeordneten Aufwärtstrend dreht der HMA von fallend auf steigend – dieser Wendepunkt gilt als Long-Signal. Häufig wird als Filter ein längerer HMA oder ein anderer gleitender Durchschnitt verwendet. Notiert der Kurs oberhalb einer steigenden HMA-Linie, ist der Aufwärtstrend intakt.

HMA-Indikator – Typisches Kaufsignal
Steigt die Hull Moving Average (HMA) an und der Kurs notiert oberhalb der Linie, spricht dies für einen intakten Aufwärtstrend. Rücksetzer bis zur HMA können dabei als Orientierung innerhalb des Trends dienen.

Verkaufssignal

Im übergeordneten Abwärtstrend dreht der HMA von steigend auf fallend – dieser Wendepunkt gilt als Short-Signal. Fällt der Kurs unter eine fallende HMA-Linie, bestätigt das die abwärtsgerichtete Tendenz.

HMA-Indikator – Typisches Verkaufssignal
Ein Verkaufssignal entsteht häufig, wenn die Hull Moving Average (HMA) nach unten dreht und der Kurs unterhalb der Linie bleibt. Im weiteren Verlauf fungiert die HMA oft als dynamischer Widerstand.

Neutraler Bereich

Verläuft der HMA flach oder wechselt er in kurzen Abständen die Richtung, liefert er keine belastbaren Signale. Solche Phasen deuten auf einen Seitwärtsmarkt hin, in dem auf eine Bestätigung durch die Preisstruktur gewartet werden sollte.

HMA-Indikator – Neutraler Bereich
In trendlosen Marktphasen verläuft die HMA-Linie häufig flach und der Kurs kreuzt sie mehrfach. Dadurch nimmt die Aussagekraft einzelner Signale deutlich ab.

Hinweis zu Crossover-Signalen

Alan Hull rät ausdrücklich davon ab, den HMA für klassische Crossover-Strategien (schneller kreuzt langsamen Durchschnitt) zu nutzen. Diese Technik beruht auf dem Lag-Unterschied zweier Durchschnitte – und genau dieser Lag ist beim HMA bereits stark reduziert. Stattdessen sollten die Wendepunkte der Linie als Ein- und Ausstiegssignale dienen.

Kurs-HMA-Kreuzung als zusätzliche Bestätigung

Eine Kreuzung zwischen dem Kurs und dem HMA ist von einem klassischen Crossover zweier gleitender Durchschnitte zu unterscheiden.

  • Schließt der Kurs oberhalb eines steigenden HMA, kann dies eine bestehende Aufwärtsbewegung bestätigen.
  • Ein Schlusskurs unterhalb eines fallenden HMA kann entsprechend auf eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung hindeuten.

Besonders in Seitwärtsphasen kann jedoch der Kurs die HMA-Linie mehrfach in kurzer Folge über- und unterschreiten. Aussagekräftiger wird das Signal, wenn die Richtung des HMA, der Kerzenschluss und die übergeordnete Preisstruktur übereinstimmen.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des Hull-Moving-Average-Indikators

Die Berechnung des HMA baut vollständig auf dem gewichteten gleitenden Durchschnitt (Weighted Moving Average, WMA) auf. Als Eingang dient eine gewählte Kurs- oder Datenreihe. Häufig wird dafür der Schlusskurs (Close) verwendet.

Der WMA gewichtet dabei jüngere Werte stärker als ältere, wodurch er schneller reagiert als ein einfacher Durchschnitt (SMA). Auf dieser Basis kombiniert Hull mehrere WMAs so, dass der Nachlauf deutlich reduziert wird:

  • Ein WMA über die halbe Periode reagiert besonders schnell, ein WMA über die volle Periode liefert die stabilere Basislinie.
  • Aus beiden wird ein bewusst überzeichneter Rohwert gebildet, der anschließend über die Wurzel der Periode geglättet wird.

Schritt 1 – Gewichteter Durchschnitt (WMA) als Grundbaustein:

WMA_n = \frac{P_1 \cdot 1 + P_2 \cdot 2 + \dots + P_n \cdot n}{1 + 2 + \dots + n}
\text{mit } P_n = \text{jüngster Kurs, } P_1 = \text{ältester Kurs im Fenster}

Schritt 2 – Zwei WMAs berechnen:
WMA_1 = WMA_{n/2}(P) \qquad WMA_2 = WMA_{n}(P)

Schritt 3 – Roh-HMA bilden:

Der Roh-HMA kann durch die Verdopplung des schnellen WMA und den Abzug des langsamen WMA leicht überkompensieren. Diese Konstruktion rückt die Linie näher an die aktuelle Kursentwicklung und reduziert den Nachlauf der verschachtelten Mittelung. Sie erzeugt jedoch keinen echten Vorlauf und liefert keine Prognosen.

\text{Roh-HMA} = 2 \cdot WMA_{n/2}(P) - WMA_{n}(P)

Schritt 4 – Glättung mit der Wurzel der Periode (finaler Indikatorwert):

Die abschließende Glättung über die Wurzel der Periode dämpft das Rauschen, ohne den Nachlauf wieder so stark zu erhöhen wie eine Glättung über die volle Periode.

HMA = WMA_{\sqrt{n}}\left(2 \cdot WMA_{n/2}(P) - WMA_{n}(P)\right)

Hinweis: Ergeben n/2 oder √n keine ganzen Zahlen, hängt die Umwandlung auf ganze Perioden von der jeweiligen Plattform ab. Bspw. Alan Hulls veröffentlichte MetaStock-Formel arbeitet mit einer Ganzzahlumwandlung. Dadurch können die berechneten HMA-Werte verschiedener Plattformen bei ungeraden Perioden geringfügig voneinander abweichen.

Typische Hull-Moving-Average-Einstellungen

Der zentrale Glättungsparameter des HMA ist die Periode n. Häufig ist der Schlusskurs voreingestellt.

  • Eine kürzere Periode (z.B. 9) macht die Linie deutlich reaktionsschneller und eignet sich für kurzfristige Einstiege, produziert in Seitwärtsphasen aber mehr Fehlsignale.
  • Eine längere Periode (z.B. 55 oder 200) glättet stärker, reagiert träger und dient primär der Bestimmung des übergeordneten Trends.

Für das Swing-Trading sind mittlere Werte um 16 bis 21 verbreitet. Viele Händler kombinieren einen kurzen HMA für Signale mit einem langen HMA als Trendfilter.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Hull-Moving-Average-Indikator im Chart

Der folgende Chart zeigt den S&P-500-Index Cash mit einem 9-Perioden-HMA. Die Periodenlänge kann über die Einstellungen des Indikators angepasst werden (z. B. auf 50). Außerdem kann über den Menüpunkt „Indikatoren“ beispielsweise eine zweite HMA ergänzt werden.

Hull-Moving-Average-Indikator in TradingView erstellen

Der Hull Moving Average gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX für den S&P 500).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Hull Moving Average“ bzw. „HMA“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der HMA direkt auf dem Kurschart als Overlay hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Periode (Length) und die verwendete Kursquelle sowie unter „Style“ Farbe und Linienstärke anpassen.

Hinweis: Da der HMA jüngere Kurse stark gewichtet und die Wendepunkte im Fokus stehen, empfiehlt sich pro Zeitrahmen eine bewusste Wahl der Periode: kurze Werte für Signale, längere Werte als Trendfilter.

Hull Moving Average im Vergleich zu SMA, EMA und WMA

Beim Simple Moving Average (SMA), Exponential Moving Average (EMA) und Weighted Moving Average (WMA) wird jeweils eine Kursreihe geglättet. Beim Hull Moving Average (HMA) wird dagegen zunächst aus einem schnellen und einem langsameren WMA eine korrigierte Rohreihe gebildet. Diese wird anschließend erneut geglättet.

Durchschnitt Gewichtung Reaktionsverhalten Typische Verwendung
SMA Alle Werte innerhalb der Periode werden gleich gewichtet. Reagiert bei gleicher Periode vergleichsweise langsam und bildet einen ruhigen Verlauf. Langfristige Trendbestimmung sowie stabile Referenz- und Basislinien.
EMA Jüngere Werte erhalten exponentiell mehr Gewicht als ältere. Reagiert schneller als der SMA, behält aber einen sichtbaren Nachlauf. Allgemeine Trendfolge, Momentum-Einordnung und klassische Crossover-Ansätze.
WMA Jüngere Werte erhalten innerhalb des Berechnungsfensters linear höhere Gewichte. Reagiert ebenfalls schneller als der SMA und bildet den Grundbaustein des HMA. Kurzfristigere Trendbeobachtung und Berechnungsgrundlage komplexerer Durchschnitte.
HMA Kombiniert mehrere WMAs und glättet die korrigierte Rohreihe über √n. Der Nachlauf wird stark reduziert, während die Linie vergleichsweise glatt bleibt. Bei abrupten Bewegungen kann sie jedoch überschwingen. Frühzeitige Erkennung der Trendrichtung und von Wendepunkten sowie Verwendung als Trendfilter.

Hinweis: Welcher Durchschnitt besser geeignet ist, hängt vom Analyseziel ab. Der HMA reagiert besonders schnell, ist dadurch in Seitwärtsmärkten aber empfindlicher gegenüber häufigen Richtungswechseln. Ein langsamerer SMA oder EMA kann in solchen Phasen stabiler sein, bestätigt neue Bewegungen dafür meist später.

Hull-Moving-Average-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Deutlich geringerer Nachlauf als SMA oder EMA gleicher Periode
  • Glatte Linie trotz hoher Reaktionsgeschwindigkeit
  • Klare Wendepunkte zur frühen Bestimmung der Trendrichtung
  • Universell auf alle Märkte und Zeitrahmen anwendbar

Schwächen

  • Trotz Reduktion nicht völlig lagfrei – ein gewisser Nachlauf bleibt
  • Das bewusste Überschwingen kann in ruhigen Märkten Fehlsignale erzeugen
  • Whipsaws bei sehr kurzen Perioden in Seitwärtsphasen
  • Nicht für Mean-Reversion- bzw. Counter-Trend-Ansätze geeignet
  • Für klassische Crossover-Strategien laut Hull ungeeignet

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der HMA entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die Trendaussage des HMA um eine Momentum-Perspektive und hilft, überkaufte oder überverkaufte Zonen zu erkennen, in denen ein HMA-Wendepunkt an Aussagekraft gewinnt.
  • Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt die vom HMA angezeigte Trendrichtung und liefert zusätzliche Hinweise auf nachlassende oder anziehende Dynamik.
  • On-Balance-Volume (OBV): Prüft, ob eine vom HMA signalisierte Bewegung durch entsprechendes Volumen gedeckt ist, und veranschaulicht so die Tragfähigkeit des Trends.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehr- und Fortsetzungsformationen an einem HMA-Wendepunkt erhöhen die Verlässlichkeit des Signals.
  • Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein HMA-Signal an einer relevanten Preiszone stellt einen Kontext dar, der Ein- und Ausstiege präziser macht.

Hintergrund und Geschichte des Hull-Moving-Average-Indikators

  • 2005: Der australische Händler und Mathematiker Alan Hull entwickelt den HMA, während er eigentlich an einem anderen Indikator arbeitet und dabei das Problem des Nachlaufs gleitender Durchschnitte löst.
  • Veröffentlichung: Hull stellt die Formel – ursprünglich in MetaStock-Notation – in die Public Domain und beschreibt sie öffentlich auf seiner Website.
  • Verbreitung: Durch die Aufnahme in populäre Charting-Plattformen findet der HMA weltweit Verbreitung und wird international in Händler-Communities diskutiert.

Fazit zu Hull Moving Average

Der Hull Moving Average verbindet zwei Eigenschaften, die sich bei klassischen Durchschnitten meist ausschließen: schnelle Reaktion und glatter Linienverlauf. Durch die Kombination gewichteter Durchschnitte und die Glättung über die Wurzel der Periode eignet er sich gut, um Trendrichtung und Wendepunkte zügig zu erfassen.

Anleger sollten dem Rat des Entwicklers allerdings folgen und auf die Wendepunkte statt auf Crossover-Signale achten. Zudem sollten sie den Indikator mit weiteren Analysebausteinen absichern. Weiterführende Erläuterungen und die Originalformel finden sich direkt bei Alan Hull (alanhull.com).

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