Advance Decline Ratio (ADR) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Advance Decline Ratio im Überblick

Indikator-Steckbrief: Advance Decline Ratio
Kategorie Marktbreite (Breadth)
Darstellung Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts)
Standardparameter Roh-ADR (tägliches Verhältnis); optionale Glättung per gleitendem Durchschnitt, häufig 10 Perioden
Wertebereich 0 bis höchstens zur Anzahl der berücksichtigten Aktien minus 1, sofern mindestens ein Decliner vorliegt; 1 = neutral (gleich viele Gewinner wie Verlierer). Gibt es keinen Decliner, ist die Roh-ADR mathematisch nicht definiert.
Typische Zeitrahmen Daily; für längerfristige Betrachtung auch Weekly oder Monthly
Märkte Aktienindizes (z.B. S&P 500, NYSE, Nasdaq); überall dort, wo Breadth-Daten eines Aktienkorbs vorliegen
Entwickelt von Wurzeln in der Advance-Decline-Analyse; erste Berechnungen durch Leonard Ayres (1926), popularisiert ab den 1960ern u.a. durch Richard Russell und Joseph Granville

Begriffsabgrenzung: Die Abkürzung ADR kann im Finanzbereich unterschiedliche Bedeutungen haben. In diesem Artikel steht ADR ausschließlich für die Advance Decline Ratio.

Advance Decline Ratio-Signale und Interpretation

Die Advance Decline Ratio (ADR) liefert vor allem ein Stimmungs- und Bestätigungssignal: Ein Wert über 1 bedeutet, dass mehr Aktien gestiegen als gefallen sind, ein Wert unter 1 das Gegenteil. Aussagekräftiger als ein einzelner Tageswert sind häufig der Verlauf der Ratio, ihre historische Einordnung und das Zusammenspiel mit dem betrachteten Index.

Die Advance Decline Ratio (ADR) misst das Verhältnis steigender zu fallender Aktien und dient als Indikator für die Marktbreite.
Die Advance Decline Ratio (ADR) misst das Verhältnis steigender zu fallender Aktien und dient als Indikator für die Marktbreite. Besonders aussagekräftig sind Trendwechsel, Divergenzen zum Index und die historische Einordnung der Werte.

Kaufsignal

Eine steigende ADR bzw. ein Kreuzen über den eigenen gleitenden Durchschnitt (falls vorhanden) deutet auf eine zunehmende Marktbreite hin. Besonders relevant ist eine solche Entwicklung, wenn der Index gleichzeitig eine Widerstandszone überwindet oder wenn sich nach einer schwachen Marktphase eine positive Divergenz bildet.

Sehr niedrige ADR-Werte zeigen zunächst breiten Verkaufsdruck. Als möglicher Umkehrhinweis gewinnen sie erst an Bedeutung, wenn sich die Marktbreite stabilisiert, die ADR wieder ansteigt oder weitere Breadth- und Kurssignale die Entwicklung bestätigen.

Nach einer Phase breiten Verkaufsdrucks kann eine wieder steigende Advance Decline Ratio (ADR) auf eine Verbesserung der Marktbreite hinweisen.
Nach einer Phase breiten Verkaufsdrucks kann eine wieder steigende Advance Decline Ratio (ADR) auf eine Verbesserung der Marktbreite hinweisen. Besonders aussagekräftig wird das Signal, wenn der Index gleichzeitig wichtige Widerstände überwindet oder weitere Indikatoren die Bewegung bestätigen.

Verkaufssignal

Eine fallende ADR bzw. ein Kreuzen unter den eigenen gleitenden Durchschnitt weist auf eine nachlassende Marktbreite hin. Kritisch kann dies insbesondere werden, wenn der Index weiter steigt, während sich immer weniger Aktien an der Bewegung beteiligen.

Ein hoher absoluter ADR-Wert ist dagegen kein Verkaufssignal. Außergewöhnlich breite Aufwärtsbewegungen können je nach Marktphase auch auf starkes bullisches Momentum hindeuten. Für eine Umkehrinterpretation sind daher zusätzliche Hinweise wie eine nachlassende ADR, eine negative Divergenz oder eine bestätigende Price Action erforderlich.

Eine fallende Advance Decline Ratio (ADR) bei gleichzeitig weiter steigendem Index kann auf eine nachlassende Marktbreite hindeuten.
Eine fallende Advance Decline Ratio (ADR) bei gleichzeitig weiter steigendem Index kann auf eine nachlassende Marktbreite hindeuten. Bestätigt sich die negative Divergenz durch weitere Signale oder Price Action, erhöht dies die Aussagekraft.

Neutraler Bereich

Rund um den Wert 1 herrscht ein annäherndes Gleichgewicht zwischen Gewinnern und Verlierern. In solchen Phasen liefert der absolute ADR-Wert häufig nur wenig Orientierung. Aussagekräftiger sind dann die Richtung der Ratio, ihr Abstand zum gleitenden Durchschnitt und mögliche Divergenzen zum Index.

Im Bereich um den Wert 1 besteht ein annäherndes Gleichgewicht zwischen steigenden und fallenden Aktien. In dieser Phase liefert die Advance Decline Ratio (ADR) häufig nur begrenzte Aussagekraft.
Im Bereich um den Wert 1 besteht ein annäherndes Gleichgewicht zwischen steigenden und fallenden Aktien. In dieser Phase liefert die Advance Decline Ratio (ADR) häufig nur begrenzte Aussagekraft. Wichtiger sind die Richtung der Marktbreite, mögliche Divergenzen und die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder den Kursverlauf.

Divergenz

Eine der wichtigsten Anwendungen ist der Vergleich zwischen Index und Marktbreite.

  • Steigt der Index auf neue Hochs, während die ADR niedrigere Hochs bildet oder deutlich nachlässt, wird die Aufwärtsbewegung von immer weniger Aktien getragen und kann dadurch anfälliger werden.
  • Umgekehrt kann eine steigende ADR bei einem noch fallenden oder seitwärts laufenden Index darauf hindeuten, dass sich die Marktbreite bereits verbessert.

Divergenzen können über längere Zeit bestehen bleiben und sollten deshalb nicht isoliert als unmittelbares Einstiegs- oder Ausstiegssignal verwendet werden.

Divergenzen zwischen Index und Advance Decline Ratio (ADR) gehören zu den wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten des Indikators.
Divergenzen zwischen Index und Advance Decline Ratio (ADR) gehören zu den wichtigsten Anwendungsmöglichkeiten des Indikators. Steigt der Index, während die Marktbreite nachlässt, kann dies auf eine schwächere Aufwärtsbewegung hindeuten. Umgekehrt kann eine steigende ADR bei einem noch schwachen Index ein frühes Zeichen für eine Verbesserung der Marktbreite sein.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Historische Einordnung extremer Werte

Für die Advance Decline Ratio (ADR) existieren keine allgemeingültigen Grenzwerte für „überkauft“ oder „überverkauft“. Extreme Werte sollten deshalb mit der eigenen Historie derselben Datenreihe verglichen werden.

Möglich sind beispielsweise:

  • der Vergleich mit einem gleitenden Durchschnitt des ADR-Indikators,
  • historische Hoch- und Tiefbereiche derselben Datenreihe,
  • rollierende Perzentile, etwa die höchsten oder niedrigsten 10 % der Werte eines festgelegten Vergleichszeitraums,
  • die Dauer und Richtung einer extremen Marktbreiten-Phase.

Hinweis: Ein extremer Wert zeigt zunächst nur eine außergewöhnlich breite Aufwärts- oder Abwärtsbewegung. Er stellt für sich genommen noch kein Umkehrsignal dar.

Berechnung des Advance Decline Ratio-Indikators

Ausgangspunkt für die Berechnung der Advance Decline Ratio (ADR) sind die Schlusskurse aller Aktien eines betrachteten Korbs (z.B. der Bestandteile eines Index oder einer Börse) im Vergleich zum jeweiligen Vortagesschluss. Zunächst wird jede Aktie einer von drei Gruppen zugeordnet:

  • Schließt eine Aktie höher als am Vortag, zählt sie als „Advancer“ (gestiegen).
  • Schließt sie tiefer, zählt sie als „Decliner“ (gefallen). Unveränderte Werte bleiben in der Regel unberücksichtigt.

Schritt 1 – Advancer und Decliner zählen:

A_t = \#\{\, i : C_{i,t} > C_{i,t-1} \,\} \qquad D_t = \#\{\, i : C_{i,t} < C_{i,t-1} \,\}

Schritt 2 – Verhältnis bilden (Roh-ADR):
\text{ADR}_t = \dfrac{A_t}{D_t}, \qquad D_t > 0

Schritt 3 – Optionale Glättung (gleitender Durchschnitt über n Perioden):
\text{ADR}^{MA}_t = \dfrac{1}{n}\sum_{k=0}^{n-1}\text{ADR}_{t-k}

Rechenbeispiel zur Advance Decline Ratio

Angenommen, von den 500 Aktien eines betrachteten Index schließen an einem Handelstag:

  • 320 Aktien höher als am Vortag,
  • 160 Aktien niedriger als am Vortag und
  • 20 Aktien unverändert.

Die unveränderten Aktien werden bei der Berechnung der Ratio nicht berücksichtigt. Damit ergibt sich:

\text{ADR}_t = \dfrac{320}{160} = 2{,}0

Eine ADR von 2,0 bedeutet, dass an diesem Tag auf jeden Verlierer zwei Gewinner kamen. Der Wert zeigt damit eine breite Aufwärtsbeteiligung.

Wären stattdessen nur 200 Aktien gestiegen und 300 Aktien gefallen, würde sich folgende Ratio ergeben:

\text{ADR}_t = \dfrac{200}{300} \approx 0{,}67

In diesem Fall kämen auf jeden Gewinner rund 1,5 Verlierer. Die Marktbreite wäre somit negativ, selbst wenn einzelne große Indexwerte den Gesamtindex noch stabil hielten.

Hinweis:
Die ADR misst ausschließlich die Richtung der Kursbewegung, nicht deren Ausmaß: Eine minimal gestiegene Aktie zählt genauso viel wie ein starker Gewinner. Ein Wert von exakt 1 bedeutet Gleichstand. Werte über 1 signalisieren einen Überhang der Gewinner, Werte unter 1 einen Überhang der Verlierer. Gibt es keinen Decliner, ist die Roh-ADR mathematisch nicht definiert. Bereits bei sehr wenigen Declinern kann die Ratio sehr groß und kurzfristig stark verzerrt ausfallen.

Typische Advance Decline Ratio-Einstellungen

Die tägliche Roh-ADR besitzt keinen klassischen Perioden-Parameter. Sie wird für jeden Handelstag neu aus dem Verhältnis der gestiegenen zu den gefallenen Aktien berechnet. Der wichtigste einstellbare Wert ist daher meist die Länge einer optionalen Glättung.

Glättungsperiode

Ein kurzer gleitender Durchschnitt über beispielsweise 5 Perioden reagiert schnell auf Veränderungen der Marktbreite, schwankt jedoch stärker. Längere Einstellungen wie 10 oder 20 Perioden reduzieren kurzfristiges Rauschen, reagieren dafür aber verzögert.

Welche Einstellung sinnvoll ist, hängt vom Analyseziel ab:

  • Roh-ADR: kurzfristige tägliche Marktstimmung und außergewöhnlich breite Handelstage
  • 5 Perioden: kurzfristige Veränderungen und dynamische Breadth-Signale
  • 10 Perioden: ausgewogener Kompromiss zwischen Reaktionsgeschwindigkeit und Glättung
  • 20 Perioden oder länger: mittelfristige Marktbreiten-Trends

Was bedeutet eine „10-Tage-ADR“?

Die Bezeichnung ist nicht immer eindeutig. In der Praxis können unterschiedliche Berechnungsmethoden gemeint sein:

  1. Durchschnitt der täglichen Ratios: Die ADR wird für jeden Tag separat berechnet und anschließend über zehn Tage gemittelt.
  2. Verhältnis der aufsummierten Werte: Sämtliche Advancer der zehn Tage werden addiert und durch die Summe aller Decliner geteilt.
  3. Berechnung auf einem höheren Zeitrahmen: Die Aktien werden anhand ihrer Wochen- oder Monatsschlusskurse direkt als gestiegen oder gefallen klassifiziert.

Diese Methoden können unterschiedliche Ergebnisse erzeugen. Deshalb sollte bei historischen Vergleichen und festen Signalregeln immer dokumentiert werden, welche Variante verwendet wird.

Tages-, Wochen- und Monatsdaten

Tagesdaten eignen sich vor allem für die kurzfristige Analyse der Marktstimmung. Wochen- und Monatsdaten verringern tägliche Schwankungen und können langfristige Veränderungen der Marktbreite erkennbar machen.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Beispiel: Advance Decline Ratio-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index zusammen mit der von TradingView bereitgestellten Advance Decline Ratio (ADR) für die NYSE in einem separaten Panel. So lässt sich vergleichen, ob die NYSE-Marktbreite die Bewegung des S&P 500 bestätigt oder ihr widerspricht. Erreicht der Index neue Hochs, während die NYSE-ADR nachlässt, zieht die Marktbreite an der NYSE nicht im gleichen Maß mit.

Advance Decline Ratio-Indikator in TradingView erstellen

Die Advance Decline Ratio (ADR) ist in TradingView als eingebauter Marktbreiten-Indikator verfügbar. In der von TradingView offiziell dokumentierten Implementierung greift sie auf die Zahl der steigenden und fallenden Werte an der NYSE zurück:

  • Schritt 1: Den gewünschten Vergleichschart öffnen, z.B. den S&P 500 oder den ES-Future. Der geöffnete Basiswert legt den Aktienkorb der integrierten ADR nicht fest.
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Advance/Decline Ratio“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird die ADR in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol lassen sich die verfügbaren Einstellungen sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen. Eine optionale Glättungsperiode ist in der offiziell dokumentierten Built-in-Implementierung nicht als Eingabe vorhanden. Eine zusätzliche Glättung muss separat umgesetzt werden, beispielsweise über ein eigenes Pine-Script.

Hinweis: Die integrierte TradingView-ADR verwendet unabhängig vom geöffneten Chart NYSE-Breadth-Daten. Auf einem Einzelaktien-Chart kann sie daher als allgemeiner Marktkontext dienen, wird aber nicht aus der Kursentwicklung dieser Aktie berechnet.

Welches Aktienuniversum wird für die Advance Decline Ratio verwendet?

Jede Advance Decline Ratio (ADR) bezieht sich auf ein klar festgelegtes Universum von Aktien. Dieses Universum bestimmt, welche Werte als Advancer oder Decliner gezählt werden. Ohne diese Angabe lässt sich eine ADR weder eindeutig interpretieren noch zuverlässig mit einer anderen Datenreihe vergleichen.

Mögliche Aktienuniversen sind beispielsweise:

  • alle erfassten Aktien einer Börse, etwa der NYSE oder Nasdaq,
  • die aktuellen Mitglieder eines Index wie des S&P 500,
  • die Aktien eines bestimmten Landes- oder Branchenindex,
  • ein selbst definierter und über die Zeit konsistent gehaltener Aktienkorb.

Eine ADR für NYSE-gelistete Aktien ist nicht mit einer ADR der S&P-500-Mitglieder identisch. Beide Datenreihen können sich am selben Handelstag unterschiedlich entwickeln, weil sie andere Aktien und teilweise andere Marktsegmente erfassen.

Passendes Universum zum Vergleichsindex wählen

Soll die Marktbreite des S&P 500 untersucht werden, ist eine ADR auf Basis seiner Indexmitglieder in der Regel aussagekräftiger als eine Ratio, die sämtliche Aktien einer Börse umfasst. Entsprechend sollte bei einem Branchenindex möglichst die Marktbreite der zugehörigen Branchenwerte betrachtet werden.

Das im Kurschart geöffnete Symbol legt nicht automatisch das passende Breadth-Universum fest. Ein geöffneter S&P-500- oder ES-Chart bedeutet also nicht, dass der hinzugefügte Breadth-Indikator nur die Mitglieder des S&P 500 auswertet.


Woher stammen Advance- und Decline-Daten?

Die benötigten Zahlen werden je nach Markt und Anbieter von Börsenbetreibern, professionellen Datenanbietern oder Chartplattformen bereitgestellt. Vor der Verwendung sollte geprüft werden:

  • welche Börse oder welcher Index erfasst wird,
  • ob nur Stammaktien oder zusätzlich andere Wertpapierarten enthalten sind,
  • wie unveränderte Aktien behandelt werden,
  • wann die Zusammensetzung des Universums aktualisiert wird,
  • ob die Daten für jede historische Periode konsistent berechnet wurden.

Praxisregel: Index, ADR-Datenreihe und Vergleichszeitraum sollten möglichst aufeinander abgestimmt sein. Beim Wechsel des Datenanbieters oder Aktienuniversums können sich Werte und historische Signalbereiche verändern.

Advance/Decline Ratio oder Advance/Decline Ratio (Bars)?

TradingView bietet neben der klassischen „Advance/Decline Ratio“ auch einen separaten Indikator mit der Bezeichnung „Advance/Decline Ratio (Bars)“ an. Trotz des ähnlichen Namens messen beide Indikatoren unterschiedliche Sachverhalte.

  • Die klassische Advance Decline Ratio ist ein Marktbreiten-Indikator und verwendet z. B. Advance- und Decline-Daten der NYSE.
  • Die Variante Advance/Decline Ratio (Bars) dagegen untersucht ausschließlich den aktuell geöffneten Basiswert und zählt innerhalb einer festgelegten Länge, wie viele Bars positiv und wie viele negativ ausgefallen sind. Anschließend wird die Anzahl der positiven Bars durch die Anzahl der negativen Bars geteilt.

Ein Wert über 1 bedeutet bei beiden Varianten zwar, dass die positiven Beobachtungen überwiegen. Die Interpretation ist jedoch unterschiedlich:

  • Advance/Decline Ratio: Mehr Aktien sind gestiegen als gefallen. Die Marktbreite ist positiv.
  • Advance/Decline Ratio (Bars): Der betrachtete Basiswert weist innerhalb des gewählten Zeitfensters mehr positive als negative Bars auf.

Fazit: Die ADR-Bars-Version stellt keine alternative Darstellung dar. Für die in diesem Artikel beschriebene Analyse der Marktbreite muss in TradingView daher die „Advance/Decline Ratio“ ohne den Zusatz „Bars“ ausgewählt werden.

Advance Decline Ratio für Branchen und Sektoren

Die Advance Decline Ratio kann auch für einzelne Branchen oder Sektoren berechnet werden. Dazu werden ausschließlich die Aktien des jeweiligen Sektoruniversums als Advancer oder Decliner gezählt.

Eine sektorale ADR kann unter anderem zeigen:

  • welche Branchen eine Marktbewegung besonders breit tragen,
  • in welchen Sektoren die Beteiligung der Einzelwerte zunimmt oder abnimmt,
  • ob sich relative Stärke bereits innerhalb eines Sektors ausbreitet,
  • ob eine Indexbewegung überwiegend von wenigen Branchen getragen wird.
Sektorrotation erkennen

Steigt beispielsweise die ADR des Finanzsektors, während die Marktbreite im Technologiesektor fällt, kann dies auf eine Verlagerung der Marktteilnahme zwischen beiden Bereichen hindeuten. Eine solche Entwicklung ist nicht zwingend negativ für den Gesamtmarkt, kann aber erklären, weshalb sich einzelne Indizes oder Branchen unterschiedlich entwickeln.

Für Vergleiche sollten möglichst dieselbe Berechnungsmethode und vergleichbare Zeiträume verwendet werden. Zu beachten ist außerdem, dass kleine Sektoruniversen stärkere Ausschläge erzeugen können, weil bereits wenige Aktien einen größeren Einfluss auf das Verhältnis haben.

Hinweis: Eine steigende Sektor-ADR zeigt lediglich die zunehmende Beteiligung innerhalb des Sektors an. Für die Messung der relativen Kursentwicklung ist zusätzlich ein Relative-Stärke-Vergleich sinnvoll.

Advance Decline Ratio-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Einfach zu berechnen und intuitiv zu interpretieren
  • Deckt die Marktbreite auf und entlarvt schmale, nur von wenigen Schwergewichten getragene Rallys
  • Normiert über die Marktgröße und ist so über Börsen und Zeiträume hinweg vergleichbar
  • Reagiert sensibel auf tägliche Stimmungsschwankungen und liefert früh Divergenzsignale

Schwächen

  • Berücksichtigt nur die Richtung, nicht das Ausmaß der Kursbewegung
  • Behandelt alle Aktien gleich, unabhängig von Marktkapitalisierung
  • Kurzfristig können Sektorrotationen die Werte verzerren und Fehlsignale erzeugen
  • Als alleiniger Indikator wenig belastbar – Bestätigung durch weitere Indikatoren nötig

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Die ADR misst, wie viele Aktien steigen oder fallen. Sie zeigt jedoch nicht, wie viel Handelsvolumen hinter diesen Bewegungen steht. Durch die Kombination mit volumenbasierten Breadth-Daten und weiteren Analysewerkzeugen lässt sich die Aussage deshalb besser einordnen.

  • Advance-Decline-Line (A/D-Line): Kumuliert die täglichen Netto-Advances, also die Differenz zwischen Advancern und Decliners. Sie ergänzt die ADR um eine längerfristige Sicht auf Breadth-Trends und Divergenzen.
  • Advance/Decline Volume: Vergleicht das Handelsvolumen steigender und fallender Aktien und zeigt, mit welcher Intensität eine Marktbewegung unterstützt wird.
  • Arms Index (TRIN): Setzt das Verhältnis aus Advancern und Decliners zum Verhältnis aus Advancing und Declining Volume in Beziehung. Dadurch verbindet er Marktbreite und Handelsvolumen in einer Kennzahl.
  • Relative Strength Index (RSI): Kann die Momentum-Situation des betrachteten Index ergänzen. Ein überkaufter oder überverkaufter RSI ist jedoch nicht mit einem extremen ADR-Wert gleichzusetzen.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen, Ausbrüche oder gescheiterte Ausbrüche im Index können eine zuvor beobachtete ADR-Divergenz bestätigen.
  • Support/Resistance: Veränderungen der Marktbreite an einer relevanten Unterstützungs- oder Widerstandszone können die technische Einordnung der Kursbewegung verbessern.

Praxisbeispiel: Steigt ein Index über einen Widerstand und wird der Ausbruch von einer steigenden ADR sowie einem hohen Advancing Volume begleitet, ist die Bewegung breiter bestätigt. Steigt der Index dagegen bei fallender ADR und schwachem Advancing Volume, fehlt eine vergleichbare Bestätigung.

Hintergrund und Geschichte des Advance Decline Ratio-Indikators

  • 1926: Der Ökonom und Marktanalyst Leonard Ayres berechnet als einer der Ersten systematisch Advance-Decline-Daten; ab 1931 veröffentlicht Barron’s regelmäßig Advance-Decline-Zahlen.
  • 1938: L.M. Lowry wird die Entwicklung des Konzepts des advancing und declining Volumens zugeschrieben – eine wichtige Erweiterung der reinen Stückzahl-Betrachtung.
  • 1960er: Richard Russell (Dow Theory Letters) und Joseph Granville (Granville Market Letter) machen die Advance-Decline-Analyse einem breiten Publikum bekannt und etablieren sie als festen Bestandteil der Marktbreiten-Analyse.

Fazit zu Advance Decline Ratio

Die Advance Decline Ratio ist ein einfacher, aber wirkungsvoller Marktbreiten-Indikator, der die innere Verfassung eines Index sichtbar macht. Ihr größter Wert liegt weniger im absoluten Wert als im Abgleich mit dem Kursverlauf: Divergenzen zwischen Index und ADR warnen früh vor schmal getragenen Bewegungen.

Als Bestätigungs- und Stimmungswerkzeug entfaltet sie ihre Stärke im Zusammenspiel mit Indikatoren wie der A/D-Line, dem TRIN oder dem RSI – als alleinige Entscheidungsgrundlage ist sie hingegen zu grob. Wer sich vertiefen möchte, findet in der klassischen Literatur zur Dow-Theorie und zur Marktbreiten-Analyse (etwa bei Richard Russell und Joseph Granville) den historischen Ausgangspunkt dieses Konzepts.

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