Negative Volume Index (NVI) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Negative Volume Index (NVI) ist ein kumulativer Volumenindikator, der Kursbewegungen ausschließlich an Tagen mit sinkendem Handelsvolumen erfasst. Für den Händler dient der NVI daher vor allem dazu, die Kursentwicklung an Tagen mit rückläufigem Volumen in den übergeordneten Markttrend einzuordnen.
🔴Live-Webinar am 26.10.2026 um 18:30 Uhr
Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren
Teilnehmer
🔴Live-Webinar
am 26.10.2026 um 18:30 Uhr
Vermögensaufbau an der Börse plus zusätzliches Einkommen generieren
Teilnehmer
Negative Volume Index im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Negative Volume Index (NVI) | |
|---|---|
| Kategorie | Volumen |
| Darstellung | Kumulativer Trend-/Volumenindikator (separates Panel) – NVI-Linie mit optionaler Signallinie |
| Standardparameter | Startwert: 1.000; TradingView: 255-Perioden-EMA als langfristige Vergleichslinie |
| Wertebereich | Startwert frei skalierbar (TradingView: 1.000); langfristiger Vergleich: Einjahresdurchschnitt, bei TradingView standardmäßig 255-Perioden-EMA |
| Typische Zeitrahmen | Daily oder Weekly im klassischen Ansatz; andere Perioden technisch möglich, historisch jedoch nicht durch Fosbacks ursprüngliche Auswertung abgedeckt |
| Märkte | Vor allem Aktienindizes sowie andere Basiswerte mit geeigneten und konsistenten Volumendaten |
| Entwickelt von | Paul L. Dysart Jr. (1930er-Jahre); heutige Version: Norman G. Fosback (1976) |
Negative Volume Index – Signale und Interpretation
Der Negative Volume Index (NVI) wird vor allem zur Einordnung des Markttrends anhand jener Perioden eingesetzt, in denen das Handelsvolumen gegenüber der vorherigen Periode fällt. Entscheidend ist dabei seine Position im Verhältnis zu einer langfristigen Vergleichslinie.
- Liegt der NVI über dieser Vergleichslinie, deutet dies darauf hin, dass sich der Markt auch an Tagen mit rückläufigem Handelsvolumen überwiegend positiv entwickelt. Da der NVI ausschließlich solche Perioden berücksichtigt, zeigt eine steigende NVI-Linie, dass Kursgewinne auch während vergleichsweise ruhiger Handelstage auftreten.
- Eine fallende NVI-Linie bedeutet entsprechend, dass an diesen Tagen eher Kursverluste dominieren.
Kaufsignal
Ein klassisches Kaufsignal entsteht, wenn der NVI seinen langfristigen Durchschnitt von unten nach oben überschreitet. Anschließend gilt die Konstellation als bullisch, solange der NVI oberhalb seiner Vergleichslinie bleibt.
Verkaufssignal
Ein Verkaufssignal bzw. ein Wechsel in eine bärische Trendkonstellation liegt vor, wenn der NVI seinen langfristigen Durchschnitt von oben nach unten unterschreitet. Solange der NVI darunter bleibt, gilt er nach der klassischen Methode als abwärtsgerichtet.
Neutraler Bereich
In trendlosen Marktphasen kann der Negative Volume Index seine langfristige Vergleichslinie innerhalb kurzer Zeit mehrfach über- und unterschreiten. Dadurch entstehen aufeinanderfolgende Kauf- und Verkaufssignale, ohne dass sich anschließend eine nachhaltige Trendbewegung entwickelt.
Solche kurzfristigen Richtungswechsel werden in der technischen Analyse häufig als Whipsaws bezeichnet. Sie treten insbesondere dann auf, wenn der NVI-Indikator nur knapp um seine Vergleichslinie schwankt.
Divergenz
Divergenzen zwischen Kurs und NVI können ergänzend als technische Beobachtung herangezogen werden.
- Erreicht der Kurs beispielsweise neue Hochs, während der NVI zurückbleibt oder bereits fällt, werden die neuen Hochs von der Kursentwicklung an Tagen mit sinkendem Volumen nicht im gleichen Maß bestätigt.
- Umgekehrt kann ein steigender NVI bei stagnierenden oder fallenden Kursen auf eine Verbesserung der Entwicklung an volumenärmeren Tagen hinweisen.
Trendlinien und zusätzliche Durchschnittslinien
Die NVI-Linie lässt sich auch mit klassischen Methoden der technischen Analyse untersuchen. Beispielsweise können Trendlinien an markanten Hoch- oder Tiefpunkten eingezeichnet werden. Der Bruch einer fallenden NVI-Trendlinie kann dabei auf das Ende einer Korrektur hindeuten, während der Bruch einer steigenden Trendlinie auf nachlassende Stärke hinweisen kann.
Teilweise werden zusätzlich kürzere gleitende Durchschnitte verwendet, um Veränderungen früher zu erkennen. Ein kürzerer Durchschnitt reagiert schneller als die langfristige Vergleichslinie, erzeugt dafür aber tendenziell häufiger Fehlsignale.
Solche Varianten gehören allerdings nicht zur klassischen Fosback-Regel.
Berechnung des Negative Volume Index Indikators
Ausgangspunkt für die Berechnung des Negative Volume Index (NVI) sind die Schlusskurse (Close) und das Handelsvolumen aufeinanderfolgender Perioden. Zunächst wird der NVI auf einen frei wählbaren Startwert gesetzt (üblich: 1.000). Anschließend entscheidet allein die Volumenentwicklung gegenüber dem Vortag darüber, ob der Wert fortgeschrieben wird:
- Sinkt das Volumen gegenüber der Vorperiode, fließt die prozentuale Kursveränderung in den NVI ein.
- Bleibt das Volumen gleich oder steigt es, bleibt der NVI unverändert – die Kursbewegung wird ignoriert.
Schritt 1 – Prozentuale Kursveränderung (Rate of Change):
Schritt 2 – Fall A (Volumen fällt):
Schritt 3 – Fall B (Volumen steigt oder bleibt gleich):
Schritt 4 – langfristige Vergleichslinie:
Fosback verwendete für die klassische Interpretation einen Durchschnitt der NVI-Werte über das vorangegangene Jahr. Moderne Charting-Plattformen können davon abweichende Umsetzungen verwenden.
Negative Volume Index berechnen – einfaches Beispiel
Ein kurzes Zahlenbeispiel veranschaulicht die Berechnung. Ausgangspunkt ist ein NVI von 1.000:
| Periode | Schlusskurs | Volumen | Kursänderung | NVI |
|---|---|---|---|---|
| Tag 1 | 100,00 | 1.000.000 | – | 1.000,00 |
| Tag 2 | 102,00 | 900.000 | +2,00 % | 1.020,00 |
| Tag 3 | 103,00 | 1.100.000 | +0,98 % | 1.020,00 |
| Tag 4 | 101,00 | 950.000 | -1,94 % | 1.000,19 |
Tag 2: Das Volumen fällt von 1.000.000 auf 900.000. Deshalb wird die Kurssteigerung von 2 % berücksichtigt:
Tag 3: Obwohl der Kurs weiter steigt, erhöht sich das Volumen. Der NVI bleibt deshalb unverändert bei 1.020.
Tag 4: Das Volumen sinkt wieder. Die Kursveränderung gegenüber Tag 3 beträgt rund -1,94 % und wird deshalb in den NVI übernommen:
Das Beispiel zeigt zugleich die Besonderheit des Indikators: Die positive Kursbewegung an Tag 3 wird vollständig ignoriert, weil sie bei höherem Volumen stattfindet.
Typische Negative-Volume-Index-Einstellungen
Der NVI kommt mit wenigen Parametern aus:
- Startwert: Frei wählbare Skalierungsgröße ohne Einfluss auf die relativen Bewegungen des Indikators. TradingView verwendet standardmäßig 1.000. Fosback veranschaulichte seine Berechnung unter anderem mit einem Startwert von 100.
- Vergleichslinie: Im klassischen Fosback-Ansatz wird der NVI mit seinem Durchschnitt über das vorangegangene Jahr verglichen. TradingView verwendet hierfür standardmäßig einen 255-Perioden-EMA.
- Zeitrahmen: Der klassische NVI kann auf täglichen oder wöchentlichen Daten berechnet werden. Moderne Charting-Plattformen erlauben teilweise auch einen separaten Berechnungszeitraum unabhängig vom angezeigten Chart. Dabei ist zu beachten, dass sich die Länge einer Signallinie immer auf die Anzahl der verwendeten Perioden bezieht: 255 Perioden entsprechen auf einem Tageschart ungefähr einem Handelsjahr, auf einem Wochenchart dagegen 255 Wochen.
Wann steigt oder fällt der Negative Volume Index?
Die Bewegung der NVI-Linie lässt sich direkt aus ihrer Berechnung ableiten. Entscheidend ist zunächst, ob das Handelsvolumen gegenüber der vorherigen Periode gesunken ist:
- Niedrigeres Volumen und steigender Kurs: Der NVI steigt um die prozentuale Kursveränderung.
- Niedrigeres Volumen und fallender Kurs: Der NVI fällt entsprechend der prozentualen Kursveränderung.
- Gleiches oder höheres Volumen: Der NVI verändert sich nicht – unabhängig davon, ob der Kurs steigt oder fällt.
Ein steigender NVI zeigt somit, dass sich der Kurs in Perioden mit rückläufigem Volumen per saldo positiv entwickelt hat. Ein fallender NVI steht entsprechend für negative Kursbewegungen in diesen Perioden.
Beispiel: Negative-Volume-Index-Indikator im Chart
Der folgende Tageschart zeigt den S&P 500 (Cash) mit dem NVI in einem separaten Panel unterhalb des Kurses. Erkennbar ist das Zusammenspiel des kumulativen NVI mit seiner langfristigen Vergleichslinie. Der NVI misst dabei ausschließlich die Kursentwicklung in Perioden mit rückläufigem Volumen.
Negative-Volume-Index-Indikator in TradingView erstellen
Der Negative Volume Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Negative Volume Index“ bzw. „NVI“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der NVI in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (u.a. die Länge der Signallinie) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Negative-Volume-Index-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Konzentriert die Analyse auf Kursbewegungen in Perioden mit sinkendem Volumen
- Kann zur Einschätzung langfristiger Trends insbesondere bei breiten Marktindizes eingesetzt werden
- Historisch starkes bullishes Ergebnis in Fosbacks Stichprobe von 1941 bis 1975: Bei einem aufwärtsgerichteten wöchentlichen NVI entfielen 96 % der Beobachtungen auf laufende Bullenmärkte
- Einfache kumulative Berechnungslogik
Schwächen
- Nachlaufend – die 255-Tage-Glättung erzeugt spürbare Verzögerung
- Anfällig für Fehlsignale (Whipsaws) in volatilen Seitwärtsphasen
- Asymmetrische historische Ergebnisse: In Fosbacks Stichprobe entfielen bei einem NVI unter seinem Einjahresdurchschnitt 53 % der Beobachtungen auf Bärenmärkte und 47 % auf Bullenmärkte
- Setzt geeignete Volumendaten voraus
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der NVI entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- On-Balance-Volume (OBV): Ein weiterer kumulativer Volumenindikator, der die vom NVI angezeigte Trendrichtung aus einer ergänzenden Perspektive bestätigen kann.
- Gleitende Durchschnitte (auf den Kurs): Ein Preis-Trendfilter zeigt, ob die vom NVI signalisierte Richtung auch im Kurs selbst getragen wird.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehr- oder Fortsetzungsformationen an markanten Zonen können NVI-Signale zeitlich präziser bestätigen.
- Support/Resistance: Ein NVI-Signal im Kontext relevanter Preiszonen gewinnt an Aussagekraft, etwa an bestätigten Widerstands- oder Unterstützungsbereichen.
Negative Volume Index vs. Positive Volume Index
Das Gegenstück zum Negative Volume Index (NVI) ist der Positive Volume Index (PVI). Er erfasst Kursbewegungen in Perioden mit steigendem Volumen. Zusammen stellen beide dar, wie sich der Kurs in Perioden mit zunehmender bzw. abnehmender Handelsaktivität entwickelt.
| Merkmal | Negative Volume Index (NVI) | Positive Volume Index (PVI) |
|---|---|---|
| Wann verändert sich der Indikator? | Wenn das Volumen gegenüber der vorherigen Periode sinkt | Wenn das Volumen gegenüber der vorherigen Periode steigt |
| Wann bleibt er unverändert? | Bei gleichbleibendem oder steigendem Volumen | Bei gleichbleibendem oder fallendem Volumen |
| Berücksichtigte Kursbewegung | Prozentuale Kursänderung in Perioden mit rückläufigem Volumen | Prozentuale Kursänderung in Perioden mit steigendem Volumen |
| Traditionelle Interpretation | Historisch mit der Aktivität besser informierter Marktteilnehmer („Smart Money) in Verbindung gebracht | Historisch mit der Aktivität der breiteren Masse in Verbindung gebracht |
| Aussage | Zeigt, wie sich der Kurs während rückläufiger Handelsaktivität entwickelt | Zeigt, wie sich der Kurs während zunehmender Handelsaktivität entwickelt |
Hintergrund und Geschichte des Negative-Volume-Index-Indikators
- 1930er-Jahre: Der US-amerikanische Markttechniker Paul L. Dysart Jr. entwickelt den NVI ursprünglich auf Basis der Net Advances (gestiegene minus gefallene Werte) und wertet ihn nur an Tagen mit sinkendem Volumen aus.
- 1976: Norman G. Fosback stellt in seinem Buch „Stock Market Logic“ die heute verbreitete preisbasierte Variante vor. Anstelle der Advance-/Decline-Daten verwendet er prozentuale Veränderungen eines Marktindex und vergleicht den NVI für seine Signalauswertung mit seinem Durchschnitt über das vorangegangene Jahr.
- Folgejahre: Durch die Verfügbarkeit in populären Charting-Plattformen findet die Fosback-Version breite Verbreitung und wird zum Standard.
Fazit zu Negative Volume Index
Der Negative Volume Index ist ein kumulativer Volumenindikator, der ausschließlich Kursbewegungen in Perioden mit sinkendem Handelsvolumen berücksichtigt. Seine klassische Stärke liegt in der Einordnung längerfristiger Markttrends über den Vergleich mit einem Einjahresdurchschnitt.
Wie jeder technische Indikator sollte der NVI daher im Kontext weiterer Marktinformationen und Analysemethoden eingesetzt werden. Wer sich vertiefen möchte, findet die ausführliche Herleitung in Norman Fosbacks Klassiker „Stock Market Logic“ (1976).
🔴 Kostenloses Live-Webinar: Optionshandel lernen und Zusatzeinkommen generieren
Lerne in unserem kostenlosen Live-Webinar am 26.10.2026 um 18:30 Uhr, wie du mit dem Optionshandel ein regelmäßiges Zusatzeinkommen aufbaust. Lerne, gute von schlechten Aktien zu unterscheiden und erkenne zuverlässig überteuerte Aktienkurse. Baue dir ein zweites Einkommen auf, mit dem du unabhängig der Marktlage Geld verdienen kannst. Klicke hier, um dich für das Webinar anzumelden.




