Aroon-Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel

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Aroon im Überblick

Indikator-Steckbrief: Aroon
Kategorie Trend
Darstellung Oszillator im separaten Panel unterhalb des Kurscharts (zwei Linien: Aroon Up und Aroon Down)
Standardparameter Periode: häufig 14 oder 25, abhängig von Plattform und Analysehorizont
Wertebereich 0–100 je Linie (abgeleiteter Aroon-Oszillator: −100 bis +100)
Typische Zeitrahmen Daily und Weekly; auch Intraday einsetzbar
Märkte Aktien, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar
Entwickelt von Tushar Chande, 1995

Aroon-Signale und Interpretation

Aroon liefert seine Aussagen über das Zusammenspiel zweier Linien: Aroon Up steht für die Nähe zum jüngsten Hoch, Aroon Down für die Nähe zum jüngsten Tief. Aus ihrer Lage zueinander sowie aus dem absoluten Niveau lassen sich Trendrichtung und Trendstärke ableiten.

Funktionsweise des Aroon-Indikators
Aroon Up misst, wie lange das jüngste Hoch zurückliegt, während Aroon Down die zeitliche Nähe zum jüngsten Tief abbildet. Werte nahe 100 signalisieren jeweils ein erst kürzlich erreichtes Hoch beziehungsweise Tief.

Kaufsignal

Kreuzt Aroon Up die Aroon-Down-Linie von unten nach oben – idealerweise oberhalb der 50er-Marke –, deutet das auf einen beginnenden Aufwärtstrend hin. Steigt Aroon Up anschließend über 70, während Aroon Down unter 30 fällt, gilt der Aufwärtstrend als bestätigt.

Typisches Kaufsignal beim Aroon-Indikator
Ein bullisches Signal entsteht, wenn Aroon Up den Aroon Down von unten nach oben kreuzt. Steigt Aroon Up anschließend über 70 und fällt Aroon Down unter 30, spricht dies für einen sich festigenden Aufwärtstrend.

Verkaufssignal

Kreuzt Aroon Down von unten nach oben über Aroon Up, signalisiert das ein Nachlassen der Aufwärtsbewegung bzw. den Beginn eines Abwärtstrends. Ein Wert von Aroon Down über 70 bei gleichzeitig niedrigem Aroon Up untermauert den Abwärtstrend.

Typisches Verkaufssignal beim Aroon-Indikator
Kreuzt Aroon Down den Aroon Up von unten nach oben, deutet dies auf zunehmenden Abwärtsdruck hin. Werte von Aroon Down über 70 bei gleichzeitig niedrigem Aroon Up bestätigen einen ausgeprägten Abwärtstrend.

Neutraler Bereich

Bewegen sich beide Linien unterhalb von 50 und verlaufen weitgehend parallel, hat der Markt zuletzt weder neue Hochs noch neue Tiefs erreicht – ein Hinweis auf eine Konsolidierung. In dieser Phase liefert Aroon keine belastbaren Signale. Sinnvoller ist es, den nächsten klaren Kreuzungspunkt abzuwarten.

Neutraler Bereich des Aroon-Indikators
Liegen Aroon Up und Aroon Down überwiegend unterhalb der 50er-Marke und zeigen keine klare Dominanz, deutet dies auf eine trendlose beziehungsweise konsolidierende Marktphase hin.

Starker Trend

Verharrt eine Linie längere Zeit nahe 100, während die andere in Richtung 0 tendiert, liegt ein ausgeprägter, intakter Trend vor. Solche Konstellationen veranschaulichen die Stärke einer gerichteten Bewegung besonders deutlich.

Starker Trend im Aroon-Indikator
Verharrt Aroon Up über längere Zeit nahe 100, während Aroon Down in Richtung 0 tendiert, bestätigt der Indikator einen stabilen und anhaltenden Aufwärtstrend.

Hinweis: Die Bestätigung durch weitere Indikatoren oder Price Action kann die Zuverlässigkeit der Signale erhöhen.

Berechnung des Aroon-Indikators

Die Berechnung des Aroon-Indikators basiert auf den Höchst- und Tiefstkursen (High, Low) innerhalb eines festgelegten Rückblickfensters. Aroon besteht aus zwei getrennt ermittelten Linien. Entscheidend ist, wie viele Perioden seit dem jüngsten höchsten Hoch bzw. tiefsten Tief des Fensters vergangen sind:

  • Liegt das höchste Hoch auf dem aktuellen Balken, beträgt die Zahl der vergangenen Perioden 0 und Aroon Up nimmt den Maximalwert 100 an.
  • Analog gilt dies für Aroon Down: Ein aktuelles tiefstes Tief ergibt 100. Je weiter das relevante Tief zurückliegt, desto niedriger fällt der Wert aus.

Schritt 1 – Perioden seit dem Extremwert bestimmen:

P_{Hoch} = \text{Perioden seit dem höchsten Hoch im Rückblickfenster}
P_{Tief} = \text{Perioden seit dem tiefsten Tief im Rückblickfenster}

Schritt 2 – Aroon Up:
\text{Aroon Up} = \frac{n - P_{Hoch}}{n} \times 100

Schritt 3 – Aroon Down:
\text{Aroon Down} = \frac{n - P_{Tief}}{n} \times 100

Schritt 4 – Aroon-Oszillator (optionale Zusammenfassung):
\text{Aroon-Oszillator} = \text{Aroon Up} - \text{Aroon Down}

Hinweis: Für die dargestellte Formel ist P eine ganze Zahl: 0 bezeichnet den aktuellen Balken, n den am weitesten zurückliegenden Extremwert der verwendeten Zählkonvention. Bei n = 14 entspricht ein Aroon-Wert von 50 daher genau sieben vergangenen Perioden. Die Division erfolgt nicht ganzzahlig. Da P jedoch nur ganze Werte annehmen kann, verändert sich jede Linie in diskreten Schritten von 100 / n. Bei n = 14 sind dies rund 7,14 Punkte.
Die genaue Abgrenzung des Rückblickfensters kann je nach Plattform um einen Balken abweichen.

Typische Aroon-Einstellungen

Der zentrale Parameter ist die Periodenlänge n. Eine kürzere Periode (z. B. 10) macht den Indikator reaktionsschneller: Kreuzungen treten häufiger auf, gleichzeitig steigt jedoch die Zahl der Fehlsignale. Eine längere Periode (z. B. 25) glättet den Verlauf, reduziert das Rauschen und eignet sich für übergeordnete Trends, reagiert dafür träger auf Wendepunkte. Für kurzfristige Zeitrahmen wird tendenziell ein kleinerer, für langfristige Analysen ein größerer Wert gewählt.

Hinweis: Die Standardeinstellungen dienen als Ausgangspunkt. Je nach Basiswert, Zeitrahmen und persönlichem Handelsstil können individuelle Anpassungen sinnvoll sein.

Korrektur, Trendwechsel oder Ausbruch erkennen

Ein sinkender Aroon-Wert bedeutet zunächst nur, dass das zugehörige Hoch oder Tief zunehmend weiter zurückliegt. Für die Einordnung ist entscheidend, wie sich beide Linien gemeinsam entwickeln.

Korrektur innerhalb eines Trends

Fällt Aroon Up nach einer längeren Phase oberhalb von 70, während Aroon Down weiterhin niedrig bleibt, hat der Markt seit einigen Perioden kein neues Hoch erreicht. Das kann auf eine Pause oder Korrektur innerhalb des bestehenden Aufwärtstrends hindeuten. Solange Aroon Down nicht deutlich ansteigt und Aroon Up nicht nachhaltig überkreuzt, liegt noch kein bestätigtes Signal für einen Abwärtstrend vor.

Entsprechend kann ein sinkender Aroon Down bei weiterhin niedrigem Aroon Up eine Erholung innerhalb eines übergeordneten Abwärtstrends anzeigen, ohne bereits einen vollständigen Trendwechsel zu bestätigen.

Möglicher Trendwechsel

Ein Richtungswechsel wird wahrscheinlicher, wenn die bisher schwächere Linie deutlich ansteigt, die 50er-Marke überschreitet und anschließend die zuvor dominante Linie kreuzt. Zusätzliche Bestätigung liefert ein Bruch einer relevanten Unterstützung beziehungsweise eines Widerstands im Kurschart.

Übergang aus einer Seitwärtsphase

Befinden sich Aroon Up und Aroon Down gleichzeitig unter 50 und fallen beide weiter, liegen sowohl das letzte relevante Hoch als auch das letzte relevante Tief bereits weiter zurück. Das spricht für eine Konsolidierung. Ein besonders strenger Filter betrachtet Werte beider Linien unterhalb von 20.

Die Linie, die anschließend zuerst über 50 steigt, kann eine erste Richtungsindikation für den möglichen Ausbruch liefern. Belastbarer wird das Signal, wenn der Kurs gleichzeitig die bisherige Handelsspanne verlässt und die Bewegung durch Price Action oder zunehmendes Volumen bestätigt wird.

Hinweis: Ein Aroon-Kreuz unterscheidet nicht zuverlässig zwischen einem kurzfristigen Gegenschwung und einem nachhaltigen Trendwechsel. Die Entwicklung der absoluten Linienwerte und der Kursstruktur sollte deshalb gemeinsam beurteilt werden.

Beispiel: Aroon-Indikator im Chart

Der folgende Tageschart zeigt den S&P-500-Index (Cash) mit dem Aroon-Indikator in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Kreuzungen von Aroon Up und Aroon Down sowie die Phasen, in denen eine Linie längere Zeit nahe 100 verharrt und damit einen intakten Trend anzeigt.

Aroon-Indikator in TradingView erstellen

Der Aroon gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:

  • Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z. B. den S&P-500-Index).
  • Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
  • Schritt 3: Im Suchfeld „Aroon“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
  • Schritt 4: Mit einem Klick wird der Aroon in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
  • Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lässt sich unter „Inputs“ die Periodenlänge anpassen sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung der beiden Linien.

Hinweis: Da Aroon ausschließlich auf Hochs und Tiefs beruht, sollte die Periodenlänge zum gewählten Zeitrahmen passen – auf kurzen Zeitrahmen empfiehlt sich ein kleinerer, auf Wochenbasis ein größerer Wert.

Aroon-Indikator – Stärken und Schwächen

Stärken

  • Einfach aufgebaut und intuitiv interpretierbar – nur zwei Linien im Bereich 0–100
  • Erkennt entstehende Trends oft früh, teils noch vor dem Ausbruch aus einer Handelsspanne
  • Unterscheidet zuverlässig zwischen Trend- und Seitwärtsphasen
  • Zeitbasierter Ansatz liefert eine eigenständige Perspektive gegenüber preisbasierten Oszillatoren

Schwächen

  • Nachlaufend – Kreuzungssignale kommen mitunter erst nach einer bereits deutlichen Kursbewegung
  • Anfällig für Fehlsignale (Whipsaws) in Seitwärtsphasen
  • Keine Aussage über Kursziele oder das Ausmaß einer Bewegung
  • Empfindlich gegenüber der Wahl der Periodenlänge

Aroon-Indikator und Aroon-Oszillator im Vergleich

Neben der klassischen Darstellung mit Aroon Up und Aroon Down existiert der Aroon-Oszillator. Er fasst beide Linien zu einem einzelnen Wert zusammen, indem Aroon Down von Aroon Up abgezogen wird. Der Wertebereich reicht dadurch von −100 bis +100.

Interpretation des Aroon-Oszillators

  • Wert über 0: Das höchste Hoch des Rückblickfensters liegt zeitlich näher als das tiefste Tief. Damit besteht eine aufwärtsgerichtete Tendenz.
  • Wert unter 0: Das tiefste Tief liegt zeitlich näher als das höchste Hoch. Damit besteht eine abwärtsgerichtete Tendenz.
  • Wert nahe 0: Aroon Up und Aroon Down liegen ungefähr gleichauf. Keine Seite dominiert eindeutig. Je nach absoluten Werten der beiden Ausgangslinien kann dies eine Konsolidierung oder einen schnellen Wechsel zwischen neuen Hochs und Tiefs darstellen.
  • Wert oberhalb von +50 beziehungsweise unterhalb von −50: Solche Schwellen können als zusätzlicher Filter für eine stärkere Aufwärts- beziehungsweise Abwärtstendenz verwendet werden. Sie sind jedoch keine universell gültigen Kauf- oder Verkaufssignale.

Welche Darstellung ist aussagekräftiger?

Der Oszillator erleichtert den schnellen Vergleich der beiden Trendrichtungen, weil nur eine Linie betrachtet werden muss. Dabei gehen jedoch Informationen über die absoluten Werte von Aroon Up und Aroon Down verloren.

Ein Oszillatorwert von +20 kann beispielsweise entstehen, wenn Aroon Up bei 100 und Aroon Down bei 80 liegt, aber auch bei Aroon Up 20 und Aroon Down 0. Im ersten Fall wurden sowohl ein Hoch als auch ein Tief vergleichsweise kürzlich erreicht; im zweiten Fall liegen beide Extremwerte weiter zurück. Die klassische Zwei-Linien-Darstellung liefert deshalb mehr Kontext zur jeweiligen Marktphase.

Hinweis: Trotz seiner Bezeichnung ist der Aroon-Oszillator kein klassischer Überkauft-/Überverkauft-Indikator. Ein Wert nahe +100 stellt lediglich dar, dass das höchste Hoch wesentlich aktueller ist als das tiefste Tief. Entsprechendes gilt spiegelbildlich für Werte nahe −100.

Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren

Der Aroon entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:

  • Average Directional Index (ADX) / Directional Movement Index (DMI): Der ADX-Indikator bewertet die Trendstärke unabhängig von ihrer Richtung. Die Linien +DI und −DI innerhalb des DMI ergänzen diese Information um die Trendrichtung. Gemeinsam können die Komponenten dabei helfen, Aroon-Signale in schwachen oder richtungslosen Marktphasen besser einzuordnen.
  • Relative Strength Index (RSI): Ergänzt die Trendaussage um eine Momentumkomponente – überkaufte oder überverkaufte RSI-Werte in Verbindung mit einem Aroon-Kreuz erhöhen die Aussagekraft eines Wendesignals.
  • Gleitende Durchschnitte (Moving Averages): Ein Golden bzw. Death Cross im Kurschart kann Aroon-Kreuzungen bestätigen und die übergeordnete Trendrichtung absichern.
  • Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen an markanten Stellen untermauern ein frisches Aroon-Kreuzungssignal.
  • Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein Kreuzungssignal nahe einer relevanten Preiszone gewinnt zusätzlich an Bedeutung.
  • Volumen: Steigendes oder überdurchschnittliches Volumen kann einen Ausbruch bestätigen, der gleichzeitig von einem Aroon-Kreuz oder dem Überschreiten einer relevanten Schwelle begleitet wird. Erfolgt das Aroon-Signal dagegen bei schwachem Volumen und ohne erkennbaren Ausbruch aus der bisherigen Kursstruktur, ist die Gefahr eines Fehlsignals tendenziell höher.

Hintergrund und Geschichte des Aroon-Indikators

  • 1994: Tushar Chande und Stanley Kroll stellen den Chande-Momentum-Oszillator in ihrem Buch „The New Technical Trader“ vor.
  • September 1995: Chande veröffentlicht das Aroon-System einschließlich Aroon Up, Aroon Down und des daraus abgeleiteten Aroon-Oszillators im Fachmagazin „Technical Analysis of Stocks & Commodities“. Der Beitrag trägt den Titel „The Time Price Oscillator“. Der Name „Aroon“ verweist auf das frühe Licht der Morgendämmerung und damit auf das Erkennen eines neu entstehenden Trends.
  • Folgejahre: Durch die Integration in zahlreiche Analyse- und Charting-Plattformen findet der Aroon-Indikator eine breite Verbreitung.

Fazit zu Aroon

Der Aroon-Indikator ist ein schlanker, gut nachvollziehbarer Trendindikator, der über den Zeitbezug zu Hochs und Tiefs eine eigenständige Sicht auf das Marktgeschehen bietet. Seine Stärke liegt im frühen Erkennen von Trendwechseln und im Unterscheiden zwischen Trend- und Seitwärtsphasen. Seine Schwäche im nachlaufenden Charakter und in der Anfälligkeit für Fehlsignale in Handelsspannen.

In Kombination mit einem Trendstärke- oder Momentumindikator sowie einem Blick auf die Price Action entfaltet er sein volles Potenzial. Wer die Berechnungslogik im Original nachvollziehen möchte, findet sie in Tushar Chandes Ausführungen im Magazin „Technical Analysis of Stocks & Commodities“ (September 1995).

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