Relative Vigor Index (RVI) Indikator – Erklärung, Berechnung & Beispiel
Der Relative Vigor Index (RVI) ist ein Momentum-Oszillator, der die Differenz zwischen Schluss- und Eröffnungskurs relativ zur Handelsspanne auswertet. Die Grundidee: In Aufwärtstrends schließen Kurse tendenziell über dem Eröffnungskurs, in Abwärtstrends darunter. Der RVI veranschaulicht damit die „Vigor“, also die Energie, hinter einer Kursbewegung und hilft dem Händler, Trendrichtung und Momentum zu bestätigen.
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Relative Vigor Index (RVI) im Überblick
| Indikator-Steckbrief: Relative Vigor Index (RVI) | |
|---|---|
| Kategorie | Momentum |
| Darstellung | Oszillator (separates Panel unterhalb des Kurscharts) |
| Standardparameter | Periode: 10; Signallinie: 4-Perioden (symmetrisch gewichtet) |
| Wertebereich | −1 bis +1 (bei gültigen OHLC-Daten und definiertem Nenner), pendelt um die Nulllinie |
| Typische Zeitrahmen | Intraday, Daily und Weekly – von Day-Trading bis Swing-Ansatz |
| Märkte | Aktien, Indizes, Forex, Futures, Kryptowährungen – universell einsetzbar |
| Entwickelt von | John F. Ehlers, 2002 |
Relative Vigor Index (RVI)-Signale und Interpretation
Der RVI besteht aus zwei Linien: der eigentlichen RVI-Linie und einer geglätteten Signallinie. Die zentralen Signale entstehen aus deren Kreuzungen sowie aus Divergenzen zwischen Indikator und Kursverlauf. Die Lage relativ zur Nulllinie stellt zusätzlich die grundsätzliche Momentum-Richtung dar.
Kaufsignal
Kreuzt die RVI-Linie die Signallinie von unten nach oben, entsteht ein Kaufsignal. Besonders belastbar ist es, wenn die Kreuzung oberhalb der Nulllinie bzw. innerhalb eines etablierten Aufwärtstrends erfolgt.
Verkaufssignal
Kreuzt die RVI-Linie die Signallinie von oben nach unten, entsteht ein Verkaufssignal. Höhere Aussagekraft besteht, wenn die Kreuzung unterhalb der Nulllinie bzw. in einem bestehenden Abwärtstrend auftritt.
Divergenzen
Eine bullische Divergenz liegt vor, wenn der Kurs ein neues Tief bildet, der RVI aber ein höheres Tief – ein möglicher Hinweis auf eine bevorstehende Aufwärtsbewegung. Umgekehrt deutet eine bärische Divergenz (neues Kurshoch, aber niedrigeres RVI-Hoch) auf nachlassendes Aufwärtsmomentum und eine mögliche Trendwende hin.
Berechnung des Relative Vigor Index (RVI)-Indikators
Die Berechnung des RVI basiert auf den OHLC-Daten (Open, High, Low, Close) aufeinanderfolgender Perioden. Der Grundbaustein je Kerze ist die Kursveränderung im Verhältnis zur Handelsspanne, also (Close − Open) geteilt durch (High − Low). Um Verzerrungen zu reduzieren, werden Zähler und Nenner zunächst über vier Bars symmetrisch gewichtet, anschließend über die gewählte Periode geglättet und schließlich ins Verhältnis gesetzt:
- Zähler und Nenner werden separat mit dem Gewichtungsmuster 1-2-2-1 über vier Bars geglättet. Die beiden mittleren Bars (t−1 und t−2) werden doppelt, der aktuelle Bar (t) und der älteste Bar (t−3) jeweils einfach gewichtet.
- Über die Periodenanzahl (Standard: 10) wird jeweils ein einfacher gleitender Durchschnitt (SMA) gebildet, bevor beide Größen dividiert werden.
Schritt 1 – Symmetrisch gewichteter Zähler und Nenner (je Bar):
Schritt 2 – RVI-Linie (Glättung über N Perioden, Standard 10):
Schritt 3 – Signallinie (4-Perioden, symmetrisch gewichtet):
Typische Relative Vigor Index (RVI)-Einstellungen
Der wichtigste Parameter ist die Periode der RVI-Linie (Standard: 10).
- Eine kürzere Periode macht den Indikator schneller und sensibler. Er liefert mehr Signale, reagiert aber auch stärker auf Marktrauschen und erzeugt mehr Fehlsignale.
- Eine längere Periode glättet den Verlauf, reduziert Whipsaws, geht jedoch mit größerer Verzögerung einher.
Die Signallinie ist als 4-Perioden-Glättung fest vorgegeben und wird in der Regel nicht verändert.
Beispiel: Relative Vigor Index (RVI)-Indikator im Chart
Der folgende Chart zeigt den S&P-500-Index (SPX) mit dem Relative Vigor Index in einem separaten Panel. Gut erkennbar sind die Kreuzungen von RVI- und Signallinie sowie Phasen, in denen der Indikator oberhalb bzw. unterhalb der Nulllinie das jeweilige Momentum bestätigt.
Relative Vigor Index (RVI)-Indikator in TradingView erstellen
Der Relative Vigor Index gehört in TradingView zu den fest integrierten Standard-Indikatoren und lässt sich in wenigen Schritten auf jedem Chart aktivieren:
- Schritt 1: Den gewünschten Basiswert öffnen (z.B. SPX).
- Schritt 2: In der oberen Toolbar auf „Indikatoren“ (Indicators) klicken, um die Indikator-Suche zu öffnen.
- Schritt 3: Im Suchfeld „Relative Vigor Index“ bzw. „RVGI“ eingeben und den Treffer aus der Kategorie der eingebauten Indikatoren (Technicals) auswählen.
- Schritt 4: Mit einem Klick wird der RVI in einem separaten Panel unterhalb des Kurscharts hinzugefügt.
- Schritt 5: Über das Zahnrad-Symbol (Einstellungen) lassen sich unter „Inputs“ die Parameter (Periode, Signallinie) sowie unter „Style“ Farbe und Darstellung anpassen.
Relative Vigor Index (RVI)-Indikator – Stärken und Schwächen
Stärken
- Glatter Linienverlauf mit wenig Rauschen dank symmetrischer Gewichtung
- Gute Bestätigung von Trendrichtung und Momentum
- Klare, eindeutige Signale durch die Kreuzung von RVI- und Signallinie
- Divergenzen liefern frühzeitige Hinweise auf mögliche Trendwenden
Schwächen
- Nachlaufend – durch die Glättung kommen Signale mit Verzögerung
- Fehlsignale und Whipsaws in Seitwärtsphasen
- Keine festen Überkauft-/Überverkauft-Zonen wie beim Stochastic
- Reagiert empfindlich auf die gewählte Periode
Mögliche Kombinationen mit anderen Indikatoren
Der Relative Vigor Index entfaltet seine Stärke besonders in Kombination mit anderen Indikatoren der technischen Analyse:
- Stochastic-Oszillator: Verwandte Konstruktion, die den Schlusskurs jedoch zum Tief statt zum Open ins Verhältnis setzt – eine unabhängige Momentum-Perspektive zur Bestätigung von RVI-Signalen.
- Relative Strength Index (RSI): Ergänzt den RVI um überkaufte und überverkaufte Zonen und filtert überzogene Signale.
- Moving Average Convergence Divergence (MACD): Bestätigt die übergeordnete Trendrichtung und hilft, Fehlkreuzungen des RVI in Seitwärtsphasen zu vermeiden.
- Price Action / Kerzenmuster: Umkehrformationen wie Engulfing- oder Pin-Bar-Muster können RVI-Kreuzungen und Divergenzen zusätzlich untermauern.
- Support/Resistance (ggf. + Fibonacci-Levels): Ein RVI-Signal an einer relevanten Preiszone gewinnt deutlich an Aussagekraft.
Relative Vigor Index vs. Relative Volatility Index
Der in diesem Artikel behandelte Relative Vigor Index nach John F. Ehlers untersucht die Differenz zwischen Schluss- und Eröffnungskurs relativ zur Handelsspanne und bewegt sich um die Nulllinie. Daneben existiert der Relative Volatility Index von Donald Dorsey, der die Richtung der Volatilität anhand von Standardabweichungen misst und auf einer Skala von 0 bis 100 dargestellt wird.
| Merkmal | Relative Vigor Index | Relative Volatility Index |
|---|---|---|
| Abkürzung | RVI | RVI |
| Entwickler | John F. Ehlers | Donald Dorsey |
| Kategorie | Momentum-/Trendindikator | Volatilitätsindikator |
| Grundlage | Close − Open relativ zu High − Low | Richtungsabhängige Standardabweichung der Preise |
| Darstellung | Um die Nulllinie zentrierter Oszillator | Oszillator von 0 bis 100 |
Hintergrund und Geschichte des Relative Vigor Index (RVI)-Indikators
- 2002: John F. Ehlers stellt den Relative Vigor Index in der Januar-Ausgabe des Magazins Technical Analysis of Stocks & Commodities vor.
- 2004: Ehlers beschreibt den Indikator ausführlich in seinem Buch „Cybernetic Analysis for Stocks and Futures“ (Kapitel 6) und ordnet ihn in seinen Ansatz der digitalen Signalverarbeitung (DSP) ein.
- Danach: Durch die Integration in verbreitete Charting-Plattformen wie MetaTrader und TradingView findet der RVI breite Anwendung.
Fazit zu Relative Vigor Index (RVI)
Der Relative Vigor Index ist ein glatter Momentum-Oszillator, der die Energie hinter einer Kursbewegung über das Verhältnis von Close-Open zur Handelsspanne darstellt. Seine Stärke liegt in der Bestätigung von Trends und im frühzeitigen Erkennen von Divergenzen – am zuverlässigsten in Verbindung mit einem übergeordneten Trendfilter und weiteren Indikatoren.
Wer die Methodik vertiefen möchte, findet die Originaldarstellung in John Ehlers‘ Buch „Cybernetic Analysis for Stocks and Futures“ (2004) sowie im Ausgangsartikel im Magazin Technical Analysis of Stocks & Commodities (Januar 2002).
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